Ziel der Hausarbeit ist es, den gewonnenen Stellenwert des Formats Serie zu benennen. Wie weit haben Serien andere, bislang etablierte Unterhaltungsformen abgelöst und wie und wodurch wirken sie auf die Gesellschaft?
Es wird also das Format Serie im Fokus stehen, das fasziniert. Dafür muss zum einen betrachtet werden, wofür serielles Erzählen einst geschaffen wurde. Welchen Anreiz hat das Format erst initiieren lassen und wie hat sich das Format seither entwickelt? Somit soll ein Überblick geschaffen werden, wie Serien zum Publikumsliebling wurden und in welchem wirtschaftlichen Rahmen sie heutzutage, im Gegensatz zu den Anfängen des Fernsehens, angeboten werden.
Bei Änderung des Angebotes ist immer auch eine Änderung des Rezeptionsverhaltens inbegriffen, da die Voraussetzungen andere sind. Seit Serien als jederzeit unbegrenzt abrufbare Unterhaltungsmöglichkeit zur Verfügung stehen, verändert sich also auch das Publikumsverhalten. Hiermit in Verbindung stehend, treten Phänomene wie ‚binge watching‘ (von eng. Gelage)3 oder ‚Eskapismus‘4 als Motive des Serienschauens auf. Bei diesen Phänomenen, auf die ich später noch genauer eingehen werde, stellt sich jedoch die Frage, ob das Publikum auf ein Angebot reagiert oder das Angebot zur Befriedigung des Publikums gestellt wurde. Könnte also auch eine indirekte Forderung des Rezipienten nach mehr der Auslöser für die Entwicklung sein?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Format Serie
2.1. Merkmale von Serien und die Entwicklung des Formats
2.2. Serien: Damals und heute
3. Faszination der Zuschauer
3.1. Was fasziniert das Publikum?
3.2. Das Cliffhanger-Prinzip
4. Serielle Produktion am Beispiel von Netflix
4.1. Netflix als Anbieter: Entstehung und Werdegang
4.2. Angebote und Funktionen
4.3. Serienproduktionen des Anbieters
5. Zwischen Konsum und Rezeption
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den gewandelten Stellenwert des Formats Serie in der heutigen Medienlandschaft. Dabei wird analysiert, inwieweit Serien klassische Unterhaltungsformen abgelöst haben, welche psychologischen Mechanismen die Faszination der Zuschauer erklären und wie Anbieter wie Netflix durch technologische und erzählerische Strategien die Rezeption verändern.
- Strukturelle Entwicklung des seriellen Erzählens (Series vs. Serial)
- Wissenschaftliche Analyse der Zuschauerbindung und Identifikation
- Funktionsweise und Erfolgskriterien von Online-Streamingdiensten am Beispiel Netflix
- Phänomene der modernen Medienrezeption wie Binge-Watching und Eskapismus
- Der Einfluss von Algorithmen und nutzerorientierten Distributionswegen auf die Produktion
Auszug aus dem Buch
3.1. Was fasziniert das Publikum?
Im vorherigen Kapitel wurde bereits angesprochen, inwiefern Serien unsere Aufmerksamkeit fordern und uns dazu bringen, erfahren zu wollen wie es weitergeht.
Der Nutzer wird nicht mehr als passiver Reizempfänger verstanden, sondern viel mehr wird die Nutzung der heute verfügbaren Medien als eine Form des sozialen Handelns verstanden. Dazu zählt auch das Schauen einer Serie. Serien und ihre Handlungen sind, wie bereits erwähnt, komplexer geworden. Und auch Geschichten, wie die der Marvel-Helden oder die von Dexter (2005, Showtime), einem Serienkiller, der als Forensiker in der Blutspurenanalyse arbeitet und in seiner Freizeit Selbstjustiz ausübt, um seine psychische Störung im guten Sinne zu kompensieren, scheinen nicht sehr nah an der eigenen Realität zu sein. Es fällt jedoch leicht, sich mit ihnen zu identifizieren. So kann man im Falle von Dexter Morgan sein eigenes Bedürfnis nach Gerechtigkeit widergespiegelt sehen. Zwar würde man, um diesem nachzugehen keine davongekommenen Straftäter töten, jedoch ist der Grund für den Zuschauer ein nachvollziehbarer.
Rezipienten sind auf der Suche danach, ihre sozialen Bedürfnisse zu befriedigen, oder auch auf der Suche nach einem Weg zur Lösung ihrer eigenen Probleme. Serienhelden sind keine perfekten Charaktere mehr, die alles im Leben mit Leichtigkeit und viel Glück schaffen, sondern sie haben schlechte Angewohnheiten, Ecken und Kanten, wie jeder normale Mensch. So auch die Marvel-Heldin Jessica Stone (2015, Netflix) in der gleichnamigen Serie, eine Außenseiterin, trotz und wegen ihrer Superkräfte. Jessica Day aus New Girl (2011, Fox), die eine Affinität zu peinlichen Situationen und Angewohnheiten hat, oder Ted Mosby aus How I met your mother (2005, CBS), der auf dem Weg zur richtigen Frau sich jedes Mal zu schnell verliebt und zu viele Hoffnungen in eine jede weibliche Bekanntschaft steckt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Wandel der Medienlandschaft ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des gestiegenen Stellenwerts des Formats Serie.
2. Das Format Serie: Das Kapitel definiert serielle Erzählstrukturen und beleuchtet die historische Entwicklung vom familienfreundlichen Fernsehen zum modernen „Quality-TV“.
3. Faszination der Zuschauer: Hier werden psychologische Identifikationsmechanismen, die Rolle des Antihelden und die Bedeutung des Cliffhangers als Mittel der Zuschauerbindung erläutert.
4. Serielle Produktion am Beispiel von Netflix: Dieses Kapitel analysiert die Geschichte, die Distributionsstrategien und die nutzerorientierten Funktionen des Streaming-Marktführers Netflix.
5. Zwischen Konsum und Rezeption: Der Fokus liegt hier auf dem veränderten Mediennutzungsverhalten, insbesondere den Aspekten Eskapismus und Binge-Watching.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den kulturellen Aufstieg des Serienschauens im Zeitalter von Video-on-Demand.
Schlüsselwörter
Serien, Netflix, Binge-Watching, Eskapismus, Quality-TV, Streaming, Medienrezeption, Identifikation, Antiheld, Cliffhanger, Erzählstruktur, Serialität, Digitales Fernsehen, Kulturwandel, Zuschauerbindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Bedeutung von Fernsehserien als Kulturgut in den letzten Jahrzehnten verändert hat und welche Faktoren zu ihrem heutigen Erfolg beigetragen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des seriellen Erzählens, die psychologischen Hintergründe der Zuschauerfaszination sowie die ökonomischen Strategien von Streaming-Anbietern wie Netflix.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den gestiegenen Stellenwert des Formats Serie zu benennen, die Ablösung etablierter Unterhaltungsformen zu analysieren und die Wirkungsweise auf die Gesellschaft zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit medienwissenschaftlicher Literatur, Analysen von Serienformaten und die Untersuchung von Nutzer- und Rezeptionsverhalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung serieller Merkmale, die Analyse der psychologischen Wirkung auf den Zuschauer (Identifikation) sowie eine detaillierte Betrachtung des Geschäftsmodells von Netflix.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Quality-TV, Serienrezeption, Eskapismus, Binge-Watching und mediale Transformation geprägt.
Wie unterscheidet sich die Serie heute von früher laut Autorin?
Früher dienten Serien oft der seichten Unterhaltung, während moderne Produktionen fordernde, komplexe Erzählstrukturen aufweisen, die eine hohe mentale Aktivität und Aufmerksamkeit des Zuschauers erfordern.
Warum spielt die Plattform Netflix eine so entscheidende Rolle für die Autorin?
Netflix gilt als Prototyp einer neuen Ära, da der Dienst durch nutzerorientierte Algorithmen und das simultane Veröffentlichen ganzer Staffeln das Konsumverhalten radikal verändert hat.
Wann spricht die Arbeit von einem Suchtverhalten bei Serien?
Die Arbeit stellt klar, dass Suchtverhalten erst dann vorliegt, wenn das Schauen von Serien nicht mehr vereinzelt auftritt, sondern zu einem zwanghaften Verhalten führt, das den Alltag des Rezipienten beeinträchtigt.
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- Merle Goßing (Autor), 2018, Netflix-Serien als neues Kulturgut. Zwischen Konsum und Rezeption, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491794