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Warum setzen das Wahrnehmen und das Erkennen Wiedererinnerung voraus?

Title: Warum setzen das Wahrnehmen und das Erkennen Wiedererinnerung voraus?

Essay , 2005 , 7 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Joachim Waldmann (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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„Lernen [ist] nichts anderes […]als Wiedererinnerung“. Diese These – von Kebes vorgetragen, der damit aber nur eine von Sokrates häufig geäußerte Ansicht wiedergibt – leitet den zweiten Beweis für die Unsterblichkeit der Seele im 'Phaidon' ein.
Der Begriff des Lernens lässt sich definieren als die Aneignung von Kenntnissen und Fähigkeiten, als die Änderung von Denken, Einstellungen und Verhaltensweisen aufgrund von Einsicht oder Erfahrung. Bedingung der Möglichkeit zu lernen ist somit zuallererst die Wahrnehmung der Umwelt. Darauf folgen muss ein Verknüpfen mit Bekanntem (Erfahrung) und das Erkennen von Regelmäßigkeiten. Wahrnehmen und Erkennen sind zwei Aspekte des Lernens.
Warum aber setzen das Wahrnehmen und das Erkennen und somit das Lernen Wiedererinnerung voraus?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der zweite Beweis für die Unsterblichkeit der Seele (72e-76d)

2.1. Zwischenbemerkung

2.2. Zwischenbemerkungen

3. Schlussbemerkung – Kritische Würdigung

Zielsetzung & Themen

Das Ziel der Arbeit ist die kritische Untersuchung der platonischen Lehre der Wiedererinnerung (Anamnesis) im Dialog Phaidon, insbesondere im Kontext des zweiten Beweises für die Unsterblichkeit der Seele.

  • Die Definition des Lernens als Prozess der Wiedererinnerung.
  • Die philosophische Bedeutung des Verhältnisses von diesseitigen Gegenständen zu transzendenten Ideen.
  • Die erkenntnistheoretische Notwendigkeit einer seelischen Präexistenz.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der Konsistenz der Argumentation Platons.
  • Die Rolle der sinnlichen Wahrnehmung als Auslöser für den Erkenntnisgewinn.

Auszug aus dem Buch

2. Der zweite Beweis für die Unsterblichkeit der Seele (72e-76d)

Nachdem Kebes die Ausgangsthese, dass nämlich Lernen nichts anderes sei als Wiedererinnerung, vorgetragen hat, bittet Simmias ihn darum, Beweise für diese Behauptung zu liefern, da er zwar prinzipiell von der Wiedererinnerungslehre weiß, die Beweise dafür jedoch vergessen hat. Kebes führt daher nur „den einen, schönsten“ Beweis an, „[…] dass, wenn die Menschen gefragt werden und einer sie nur recht zu fragen versteht, sie alles selbst sagen[…]“3.

Daraufhin legt Sokrates dar, ebenfalls von Simmias dazu aufgefordert, inwiefern Lernen Wiedererinnerung sein kann:

Nimmt ein Mensch etwas irgendwie wahr – gleichgültig mit welchem äußeren oder inneren Sinn – und kommt ihm, neben der Vorstellung die die Wahrnehmung erzeugt, noch eine andere, mit der ersten nicht identische Vorstellung in den Sinn, so handelt es sich bei dieser anderen Vorstellung um eine Erinnerung. Mit Carlo E. Huber lässt sich sagen, dass „Erinnerung […] eine Miterkenntnis von etwas in der Erkenntnis eines anderen [ist]“4. Sokrates führt dazu einige Beispiele an, wobei es festzuhalten gilt, dass es sich hierbei nur um Alltagserfahrungen handelt und dass sich die Beispiele immer mehr dem Abbild-Urbild Verhältnis der platonischen Ideenlehre annähern: zuerst die Leier, die an einen Menschen erinnert, dann der eine Mensch, der an den anderen Menschen erinnert und zuletzt das Bild eines Menschen, das an diesen Menschen selbst erinnert. Es besteht hier zunächst nur eine seinsmäßige Beziehung5 zwischen Erkanntem und Miterkanntem bzw. Erinnertem – so sind Simmias und Kebes etwa Freunde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale These ein, dass Lernen als Wiedererinnerung zu verstehen ist, und stellt die Frage nach der erkenntnistheoretischen Voraussetzung für Wahrnehmung.

2. Der zweite Beweis für die Unsterblichkeit der Seele (72e-76d): Dieses Kapitel erläutert den sokratischen Beweisgang, bei dem durch sinnliche Wahrnehmung eine Miterkenntnis von Ideen ausgelöst wird, was die Präexistenz der Seele voraussetzt.

2.1. Zwischenbemerkung: Hier wird kritisch angemerkt, dass die Unterscheidung zwischen ähnlichen und unähnlichen Dingen für den Beweisgang Platons zwar funktional ist, jedoch logisch schwach begründet erscheint.

2.2. Zwischenbemerkungen: Dieser Teil hinterfragt die Bedingung der Möglichkeit, Ideen durch sinnliche Wahrnehmung zu erkennen, ohne eine klare Erklärung für das Vergessen des Wissens bei der Geburt zu liefern.

3. Schlussbemerkung – Kritische Würdigung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Anamnesis-Lehre in einen unendlichen Regress führen kann und weist auf offene Fragen bezüglich der Individualität der Seele und der Mengenproblematik bei der Seelenwanderung hin.

Schlüsselwörter

Platon, Phaidon, Wiedererinnerung, Anamnesis, Unsterblichkeit der Seele, Sokrates, Ideenlehre, Erkenntnistheorie, Präexistenz, sinnliche Wahrnehmung, Lernen, Miterkenntnis, diesseitig, transzendent, Wissensvorrat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert kritisch den zweiten Beweis der Unsterblichkeit der Seele aus Platons Dialog Phaidon, wobei der Fokus auf der Lehre der Wiedererinnerung liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit befasst sich mit der Ideenlehre, der erkenntnistheoretischen Funktion von Wahrnehmung und der philosophischen Begründung einer seelischen Präexistenz.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Konsistenz und logische Herleitung der Behauptung zu prüfen, dass Lernen nichts anderes als Wiedererinnerung sei.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf Basis der Primärquelle (Phaidon) sowie relevanter Sekundärliteratur argumentiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Beweisgang von Sokrates, die Rolle der Ähnlichkeits- und Unähnlichkeitsverhältnisse sowie die kritische Reflexion dieser Argumente dargestellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Anamnesis, Ideenlehre, Unsterblichkeit, Wiedererinnerung und Präexistenz der Seele.

Warum hinterfragt der Autor den "Übergang" von alltäglicher Erinnerung zu transzendenten Ideen?

Der Autor sieht in diesem Übergang einen methodischen "Sprung", da die Argumentation von alltäglichen Erfahrungen (wie dem Erkennen von Freunden durch Symbole) unzulässig auf den metaphysischen Bereich der Ideen erweitert wird.

Welche Kritik äußert der Autor gegenüber der Erklärung des Wissensverlustes bei der Geburt?

Der Autor bemängelt, dass Platon keine überzeugende logische Begründung dafür liefert, weshalb die Seele das bereits vorhandene Wissen bei der Geburt zwingend vergessen muss.

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Details

Title
Warum setzen das Wahrnehmen und das Erkennen Wiedererinnerung voraus?
College
University of Tubingen
Course
Platon - Phaidon
Grade
1,3
Author
Joachim Waldmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
7
Catalog Number
V49192
ISBN (eBook)
9783638457125
Language
German
Tags
Warum Wahrnehmen Erkennen Wiedererinnerung Platon Phaidon
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Joachim Waldmann (Author), 2005, Warum setzen das Wahrnehmen und das Erkennen Wiedererinnerung voraus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49192
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