Während des Wintersemesters 2004/2005 besuchte ich das Seminar „Kindertexte lektorieren“. Die Inhalte und Ziele der Sitzungen bestanden unter anderem darin, Kindertexte zu verstehen und zu analysieren, aber auch linguistische und literaturwissenschaftliche Zugriffsweisen kennen zu lernen.
In der Sitzung vom 09. 12. 2004 wurde das Thema „Schreibkompetenzen wachsen lassen“ behandelt. Hierzu lernten wir eine Form des Präsentierens von Kindertexten kennen: Heide Bambach, Lehrerin an der Laborschule Bielefeld, hat eine Unterrichtsmethode entwickelt, bei der Kinder Texte schreiben und gestalten mit dem Ziel, diese in der „Versammlung“ vorzustellen.
In der folgenden Arbeit werde ich die Funktion dieser Versammlung bei der Entwicklung von Textkompetenz untersuchen. Hier stellen sich insbesondere die folgenden Fragen:
- Was versteht man unter „Textkompetenz“? Und wie entwickelt sich Textkompetenz?
- Was charakterisiert Lernprozesse beim Textschreiben?
- Was genau ist die Versammlung?
- Ist das Textschreiben für die die Versammlung eine sinnvolle Möglichkeit um Lernprozesse bei der Entwicklung von Textkompetenz zu erwecken?
Zunächst wird definiert, was unter „Textkompetenz“ zu verstehen ist, wie sich die Entwicklung dieser vollzieht und wie Lernprozesse beim Textschreiben aussehen. Anschließend werde ich zusammenfassen, wie die „Versammlung“ genau funktioniert. Es wird erläutert, wie sich die Kinder in der Arbeitsphase vor der Versammlung auf diese vorbereiten, wie Heide Bambach den Verlauf und die Vorgehensweise der Versammlung schildert, und wie die Kinder beim Vorstellen ihrer Texte aufeinander eingehen. Auch sollen einige Beispiele von Kindertexten, die für die Versammlung entstanden sind, vorgestellt werden.
Am Ende der Arbeit werde ich die bereits gewonnenen Erkenntnisse über Textkompetenz auf die von Heide Bambach vertretene Form des Schreibens übertragen und dann schlussfolgern, inwiefern die „Versammlung“ tatsächlich Textkompetenz fördert und wo es zu Problemen und Schwierigkeiten kommen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Textkompetenz
2. 1. Was ist Textkompetenz?
2. 2. Merkmale von Textkompetenz
2. 3. Entwicklung von Textkompetenz
2. 4. Zur Entwicklung von Schreibkompetenz
3. Die Versammlung
3. 1. Beschreibung der Versammlung
3. 2. Beispieltexte aus der Versammlung
3. 2. 1. Verena: „Die Herde“
3. 2. 2. Sanna: „Die Geschichte von dem Elefanten Bongo“
3. 3. Funktion der Versammlung bei der Entwicklung von Textkompetenz
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die didaktische Funktion der „Versammlung“ als Unterrichtsritual an der Laborschule Bielefeld und analysiert, inwiefern dieses Format Schreibprozesse anregt und die Textkompetenz bei Grundschulkindern fördert.
- Grundlagen und Definitionen von Textkompetenz und Schreibentwicklung
- Die methodische Gestaltung und das pädagogische Potenzial der „Versammlung“
- Analyse von Fallbeispielen kindlicher Texte aus dem Unterricht
- Wechselwirkung zwischen freiem Schreiben, Feedbackkultur und Schreibmotivation
- Transfermöglichkeiten des Konzepts auf den regulären Schulunterricht
Auszug aus dem Buch
Die Herde
Pinto und Charla sehen sich fast jeden Tag im Sommer, denn sie sind Pferde und wohnen zusammen auf einer Weide. Immer wenn es kracht am Abend, stellen sie sich mitten in den Regen und erzählen sich Geschichten. Dann galoppieren sie kreuz und quer über die Weide. Es sieht sehr schön aus, denn Charla ist weiß und Pinto schwarz. Wenn das Gewitter vorbei ist, schauen sie sich Mond und Sterne an.
Eines Abends – der Wind rauschte in den Pappeln und in den alten Eichen – wurde Charla von der Weide geholt und in einem Lieferwagen weggefahren. Pinto dachte, daß sie wieder zu einem kleinen Pferderennen gebracht wurde, denn Charla war schon einmal dort gewesen. Aber als sie nach einer Woche nicht zurückkam, nahm er Anlauf und sprang über den Zaun. Dann galoppierte er über die Felder. Manchmal hielt er an und witterte nach Charla.
Am Abend kam er an einen Reitstall. Auf der Weide stand Charla. Er sprang wieder über den Zaun zu Charla.
Am nächsten Morgen entdeckten die Männer Pinto. Sie brachten ihn zum Schlachthof, er war ganz in der Nähe. Hinter dem Schlachthof lag die Steppe.
Auf dem Schlachthof waren noch viele andere Tiere: Pferde, Kühe, Kälber, Stiere, Schafe, Enten, Gänse, ein Hirsch, ein Schäferhund und ein uralter Büffel. Sie waren von einem hohen Zaun umgeben, aber unten konnte man mit Leichtigkeit durchkriechen.
Deswegen waren die Gänse und Enten auch doppelt eingesperrt. Sie hatten noch einen kleinen Zaun um sich. Sie konnten auch nicht fliegen, denn ihnen waren die Flugfedern abgeschnitten worden.
Aber Pinto befreite sie, indem er seinen langen Hals reckte und mit seinen Zähnen nach den Federn der ersten Gans schnappte. Das tat zwar der Gans ein bißchen weh, aber es ging.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab und erläutert die Fragestellung zur Funktion der Versammlung an der Laborschule Bielefeld.
2. Textkompetenz: In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen zu Textkompetenz, Schreibprozessen und der Entwicklung von Schreibfähigkeiten bei Grundschulkindern diskutiert.
3. Die Versammlung: Das Hauptkapitel beschreibt das Ritual der Versammlung, analysiert konkrete Texte von Schülern und erörtert deren pädagogischen Nutzen für die Textkompetenz.
4. Fazit: Das Fazit bewertet die Praxistauglichkeit des Konzepts für Regelschulen und zieht ein Resümee über die Bedeutung der Schreibförderung in einem geschützten Rahmen.
Schlüsselwörter
Textkompetenz, Versammlung, Laborschule Bielefeld, Schreibkompetenz, Freies Schreiben, Lernprozesse, Kindertexte, Grundschule, Schreibdidaktik, Kohärenz, Schreibmotivation, Schreibanlass, Vorlesezeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert eine spezifische Unterrichtsmethode der Laborschule Bielefeld, die sogenannte „Versammlung“, und deren Einfluss auf die Schreibentwicklung und Textkompetenz von Grundschülern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Textkompetenz am Schulanfang, die Abgrenzung von freiem zu gebundenem Schreiben sowie die soziale und emotionale Bedeutung von Feedback im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, ob und wie die Methode der „Versammlung“ erfolgreich Lernprozesse initiiert und Kindern dabei hilft, sich schriftsprachlich auszudrücken.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literatur- und praxisorientierte Arbeit, die theoretische Konzepte der Schreibdidaktik mit den Schilderungen der Lehrerin Heide Bambach und konkreten Textbeispielen von Schülern verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Text- und Schreibkompetenz sowie die detaillierte Beschreibung und Analyse des Versammlungs-Rituals und seiner pädagogischen Wirkmechanismen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Textkompetenz, Schreibanlass, Kohärenz, Lernumgebung und Reflexionsfähigkeit stehen im Zentrum dieser Untersuchung.
Welche Rolle spielt das Diktieren für schreibschwächere Kinder?
Das Diktieren wird als wichtige Brückentechnologie angesehen, die es Kindern ermöglicht, ihre Ideen trotz schreibmotorischer Hürden zu formulieren und ihre Mündlichkeit in den Schreibprozess zu integrieren.
Wie verändert sich die Kritik in der Versammlung im Laufe der Zeit?
Laut Heide Bambach nehmen verständnisorientierte Fragen ab, während positive Rückmeldungen zunehmen, da die Schüler lernen, Rezipientenbedürfnisse bereits beim Schreiben zu berücksichtigen.
- Quote paper
- Inga Plümer (Author), 2005, Über die Funktion der Versammlung (Heide Bambach) bei der Entwicklung von Textkompetenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49207