Diese Bachelorarbeit untersuchte, wie die Bezugsbetreuer des Vereins zur Wiedereingliederung psychisch Kranker Menschen ihre psychisch kranken Klienten bei der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft unterstützen und welche Grenzen und Herausforderungen dabei auftreten. Aus dieser Untersuchung sollen Lösungsansätze herausgearbeitet werden, um die Betreuungsarbeit zu erleichtern und zu verbessern.
Dafür wurden fünf Bezugsbetreuer des Vereins mit Hilfe von Experteninterviews befragt und diese Interviews mit der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigen zu großen Teilen die Theorie: Schwierigkeiten entstehen für die Bezugsbetreuer einerseits durch Mangel an Mitwirkungsbereitschaft der Klienten sowie durch deren krankheitsbedingten Verhaltensweisen, wie Aggressivität, sozialer Rückzug, Gewalt oder Drogen- und Alkoholkonsum. Die wichtigsten neuen Erkenntnisse, die über die Theorie hinausgehen, zeigen weitere Probleme, wie erschwerte Kooperation mit Netzwerkpartnern und schwer umsetzbare Vorgaben des Kostenträgers.
Außerdem wurde eine Lücke in der Versorgung der älteren psychisch kranken Menschen aufgedeckt, da es aktuell keine speziellen Einrichtungen für diese Menschen und ihre Problematiken, wie psychisches Leid und körperliche Beeinträchtigung, gibt. Folgende Handlungsansätze werden vorgeschlagen: Die Regelwerke des Bezirks Mittelfranken für das ABW sind zu verbessern und die Versorgung für ältere psychisch Kranke auszubauen. Besonders die Kooperation und der Austausch mit den Netzwerkpartnern sollten verbessert werden, im Besonderen mit dem Bezirk als Kostenträger des Vereins.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung
1.3 Methodik und Aufbau
2 Theoretischer Teil
2.1 Definitionen
2.1.1 Ambulante sozialpsychiatrische Versorgung
2.1.2 Psychische Krankheit
2.1.3 Sozialpsychiatrie
2.1.4 Ambulant Betreutes Wohnen
2.1.5 Integration
2.2 Psychische Gesundheit und Krankheit
2.2.1 Psychische Gesundheit
2.2.2 Psychische Krankheiten
2.3 Sozialpsychiatrie
2.3.1 Entwicklung der Sozialpsychiatrie
2.3.2 Ambulante sozialpsychiatrische Versorgungslandschaft
2.3.3 Ambulant betreutes Wohnen
2.3.4 Sozialpsychiatrischer Verein XX
2.4 Aufgaben, Herausforderungen und Arbeitsweisen von Bezugsbetreuern
2.4.1 Aufgaben und Herausforderungen von Bezugsbetreuern
2.4.2 Arbeitsweisen von Bezugsbetreuern
3 Empirischer Teil
3.1 Ausgangssituation und Forschungszielfragen
3.2 Forschungsmethode Experteninterview
3.2.1 Vorbereitung der Experteninterviews
3.2.2 Aufbau des Interviewleitfadens
3.2.3 Durchführung der Experteninterviews
3.3 Auswertung und Ergebnisse
3.3.1 Vorstellung der Datenauswertungsmethode: die qualitative Inhaltsanalyse
3.3.2 Datenaufbereitung
3.3.3 Durchführung der qualitativen Inhaltsanalyse
3.3.4 Darstellung der Ergebnisse
3.4 Diskussion der Ergebnisse
4 Zusammenfassung, Fazit und Ausblick
4.1 Zusammenfassung
4.2 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die praktische Betreuungsarbeit von Bezugsbetreuern im Ambulant betreuten Wohnen (ABW) für psychisch kranke Klienten, um spezifische Grenzen, Herausforderungen und notwendige Lösungsansätze für eine gelingende Wiedereingliederung in die Gemeinschaft zu identifizieren.
- Analyse des Arbeitsalltags und der Herausforderungen von Bezugsbetreuern.
- Untersuchung der Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern und Kostenträgern.
- Identifikation von Barrieren, wie fehlende Krankheitseinsicht, Gewalt oder Drogenkonsum bei Klienten.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Betreuungsqualität.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Aufgaben und Herausforderungen von Bezugsbetreuern
Bezugsbetreuer sind überwiegend Sozialpädagogen und Erzieher, die die psychisch kranken Klienten beim Wohnen, in der Arbeit, der Freizeit, bei sozialen Kontakten und dem Umgang mit der eigenen Erkrankung unterstützen (vgl. Effinghausen 2014, S. 80). Die Herausforderungen beziehen sich auf die speziellen Schwierigkeiten in den Unterstützungsbereichen.
Obert (2015) nennt 3 primär wichtige Bereiche für die Unterstützung der psychisch kranken Menschen im Alltag durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit: Strukturierung des Raums, Strukturierung der Zeit und Strukturierung von Kontakten und Beziehungen (vgl. Obert 2015, S. 54 ff.).
Die Strukturierung des Raumes umfasst folgende Elemente:
1. Erhalt des Wohnraums: Nicht selten werden die Betroffenen in ihrem Wohnraum laut, weil sie die Lautstärke anders wahrnehmen oder weil sie Stimmen hören und sich laut mit ihnen unterhalten. Lärm und andere Störungen über einen längeren Zeitraum hinweg können zur Kündigung des Mietvertrags führen, wodurch die Lebenswelt des psychisch Kranken von Wohnungslosigkeit bedroht wird.
2. Gestaltung des Wohnraums: Der Wohnraum soll den Bedürfnissen des Klienten entsprechen und nach ihrem Geschmack eingerichtet sein. Nicht selten entstehen Probleme in Bezug auf die Pflege der Wohnung, die eine eigene Beratung und Unterstützung seitens des Bezugsbetreuers erfordert (vgl. ebd.).
Die Strukturierung der Zeit bedeutet den Tag zu strukturieren, was für psychisch Kranke von großer Bedeutung ist. Sie benötigen verlässliche Strukturen, das Gefühl der Sinnhaftigkeit, das Gefühl beschäftigt zu sein und den Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Es wird versucht zusammen mit dem Klienten an der Tagesstruktur zu arbeiten, in den seine individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten miteinbezogen werden. Für die berufliche Rehabilitation gibt es Rehabilitationswerkstätten, Inklusionsfirmen, die es den psychisch Kranken ermöglichen den Lebensunterhalt zu verdienen oder in Form des Zuverdienstes ihre finanzielle Lage neben den Sozialhilfeleistungen aufzubessern (vgl. ebd., S. 55).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Unterstützung psychisch kranker Menschen ein und umreißt die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Sozialpsychiatrie und des ABW und beleuchtet die psychische Gesundheit sowie spezifische Krankheitsbilder wie Psychosen und Persönlichkeitsstörungen.
3 Empirischer Teil: Dieser Abschnitt beschreibt das Forschungsdesign der Experteninterviews mit den Mitarbeitern des Vereins XX sowie deren Auswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse und die Diskussion der Ergebnisse.
4 Zusammenfassung, Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die Herausforderungen der Bezugsbetreuer zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige politische und organisatorische Optimierungen.
Schlüsselwörter
Sozialpsychiatrie, Ambulant betreutes Wohnen, Bezugsbetreuer, psychische Erkrankung, Wiedereingliederung, Experteninterview, Sozialarbeit, Inklusion, Tagesstruktur, Krisenintervention, Versorgung, Rehabilitation, psychische Gesundheit, Empowerment, Netzwerkarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Arbeitsfeldern, Grenzen und Herausforderungen von Bezugsbetreuern, die psychisch kranke Menschen im Bereich des Ambulant betreuten Wohnens unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die psychiatrische Versorgung, die Rolle der Bezugsbetreuer, die Integration psychisch Kranker in die Gesellschaft sowie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren im Sozialwesen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, wie Bezugsbetreuer ihre Klienten bei der Wiedereingliederung unterstützen können und welche spezifischen Grenzen und Herausforderungen dabei in der täglichen Praxis auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das auf leitfadengestützten Experteninterviews mit fünf Bezugsbetreuern basiert und durch eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen zu Begriffen und Krankheitsbildern sowie einen empirischen Teil, der die erhobenen Daten aus der Praxis des Vereins XX analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialpsychiatrie, Ambulant betreutes Wohnen, Bezugsbetreuung, Empowerment, Klientenorientierung und die Bewältigung von Krisensituationen.
Warum ist das "Ambulant betreute Wohnen" für Klienten so wichtig?
Es ermöglicht psychisch Kranken ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen Wohnung bei gleichzeitiger professioneller Unterstützung, wodurch eine Hospitalisierung vermieden und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gefördert wird.
Welche Rolle spielt die Kooperation mit dem Bezirk bei den identifizierten Problemen?
Die befragten Bezugsbetreuer kritisieren, dass der Bezirk als Kostenträger teils realitätsferne Vorschriften erlässt, die eine flexible und bedarfsgerechte Betreuung der Klienten erschweren.
Was sind die größten Schwierigkeiten im Umgang mit den Klienten laut den Experten?
Genannt werden insbesondere mangelnde Krankheitseinsicht, die Verweigerung von Suchthilfemaßnahmen, Aggression, Gewalt und eine fehlende Mitwirkungsbereitschaft seitens der Klienten.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2019, Bezugsbetreuer im ambulant betreuten Wohnen. Die Möglichkeiten der Unterstützung von psychisch kranken Klienten bei der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492210