Ist für jede Schule ein Schulpsychologe Pflicht? Und kann man voraussetzen, dass Lehrer mit verhaltens- und lerngestörten Schülern umgehen müssen?


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 13

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Das Krankheitsbild des Narzissmus

3.) Diskussion der Leitfrage
3.1) Interview mit einem Mittelstufenlehrer
3.2) Interview mit der Mutter eines verhaltensgestörten Kindes
3.3) Meinungen von Psychologen im Vergleich

4.) Fazit

5.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Die Aufgaben eines Lehrers bestehen in dem heutigen Zeitalter nicht nur darin, reines Wissen zu lehren, sondern viel mehr, Kompetenzen zu schulen und die Schüler individuell zu fördern. Individuelles Fördern, das bedeutet auch, sich mit jedem Schüler auseinanderzusetzen, bei Konfliktfällen zu intervenieren und während des Unterrichtens auf diverse Problematiken Rücksicht zu nehmen. Schon längst ist die Erziehung nicht eine Tätigkeit, die nur Eltern übernehmen, sondern auch Lehrer. Laut den „Standards für Lehrerbildung: Bildungswissenschaften“ aus dem Beschluss der Kultusministerkonferenz 2004, seien die Erziehungsaufgabe und das Lehren nicht voneinander zu trennen. Dies setzt für die Ausbildung eines Lehrers nicht nur fachliches Wissen, sondern auch Pädagogik voraus. So müssen Lehramtsstudenten neben ihren zwei Unterrichtsfächern auch Grundwissenschaften studieren. Diese beinhalten Psychologie, Erziehungswissenschaften, Soziologie sowie Politikwissenschaften. Speziell in den Psychologie Proseminaren werden die Themen ADHS, LRS und weitere Lern- und Verhaltensstörungen behandelt. Den Studenten werden die verschiedenen Krankheitsbilder und Symptome vorgestellt, außerdem die Art und Weise, wie man Konfliktsituationen bewältigt. Doch kann es vorkommen, dass die Lehrer selbst nicht ausreichen und man dem Schüler einen Besuch bei einem Psychologen empfiehlt.

Die folgende Hausarbeit wird sich mit der Frage beschäftigen, ob Schulpsychologen aufgrund von verhaltensauffälligen und lerngestörten Schülern verpflichtend für jede Schule sein sollten. Im Zusammenhang damit soll auch die Frage diskutiert werden, ob man voraussetzen kann, dass Lehrer jegliche Konfliktfälle bewältigen können und ob die Lehrerausbildung genügt, um Schüler mit Verhaltens- und Lernstörungen gut betreuen und fördern zu können. Dazu werde ich mich auf das Krankheitsbild des Narzissmus spezialisieren und die Problematik dessen im Vorfeld erklärend darstellen. Als Grundlage hierfür dienen die Veröffentlichung von Jochen Raue „Zum Zusammenhang von Verhaltensauffälligkeiten und Lernstörungen bei Schulkindern“ aus dem Werk „Lernen und Lernstörungen bei Kindern und Jugendlichen – Zum besseren Verstehen von Schülern, Lehrern, Eltern und Schule“, sowie Ariane Garlichs „Identität und Bindung – Die Entwicklung von Beziehungen in Familie, Schule und Gesellschaft“. Nach der Schilderung des Krankheitsbildes sowie dessen Symptome und Auswirkungen im Hauptteil eins, wird im Hauptteil zwei die Diskussion der Frage aus Sicht der Betroffenen geschildert. Hier werde ich mich auf zwei Interviews und zwei Zeitungsartikel beziehen. Das erste Interview wurde mit einem Lehrer und Gymnasialzweigleiter durchgeführt. Darauf folgt ein Interview mit einer Mutter, deren 13jähriger Sohn an einer Verhaltensstörung leidet, welche sich auch auf sein Lernverhalten auswirkt. Die Zeitungsartikel stammen aus dem Tagesspiegel und der Südwest Presse und handeln von der Frage, ob der Bedarf an Schulpsychologen wirklich gedeckt ist. Anschließend folgt ein persönliches Fazit, welches sich während des Erarbeitens der Hausarbeit gebildet hat.

2.) Das Krankheitsbild des Narzissmus – Merkmale, Ursachen, Gefahren

Laut des psychiatrischen Klassifikationssystems DSM –IV fällt der Narzissmus in die Kategorie der Persönlichkeitsstörungen. Eine Persönlichkeitsstörung äußert sich dadurch, dass das Verhalten des Betroffenen, sowie seine Gedankengänge und Erwartungen nicht zu denen seiner Umgebung und Kultur passen. Ferner wird sie folgendermaßen klassifiziert: „Es ist nicht flexibel, zeigt sich erstmals im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter, ist stabil und führt zu subjektivem Leiden oder einer Beeinträchtigung der psychischen Funktionsfähigkeit.“ (Gerrig; Zimbardo 1996, Seite 608)

Merkmale des Narzissmus sind die Vorlieben für Macht, Erfolg, Lob und Bestätigung. Narzissten haben ein übersteigertes Selbstbewusstsein und schätzen sich selbst stets als besser und klüger ein. Benannt nach der Mythologie des Narziss, der so überheblich war, dass es zu seiner Verfluchung und schlussendlich seinem Tod führte, weil er vor Sehnsucht nach sich selbst verendete, zeichnen sich Narzissten auch durch ihr übertriebenes Gefühl der eigenen Wichtigkeit und dem Glauben, als Einziger ideal zu sein, aus. Auch ohne besondere Leistungen zu erbringen, denken sie, nur spezielle Menschen könnten sie verstehen und seien es wert, mit ihnen zu verkehren.

Laut dem Artikel „Denn Narzissmus hält ein Leben lang“ (Giammarco 2015), in welchem sich der Autor auf eine Studie von der Universität in Amsterdam bezieht, erziehen Eltern ihre Kinder zu Narzissten, indem sie ihnen von klein auf das Gefühl geben, sie seien etwas Besonderes, ohne, dass sie überhaupt etwas leisten müssten. Der in dem Artikel beschriebene Anstieg der Zahl der Narzissten wird dadurch begründet, dass in unserem Zeitalter die Selbstoptimierung und das Maximum des Erfolges als Lebensziel wahrgenommen werden. Auch Ariane Garlichs bezeichnet das heutige als das „narzisstische Zeitalter“, gezeichnet durch den Kapitalismus, die Selbstvermarktung und die Unfähigkeit, tiefgehende Beziehungen aufzubauen (Garlichs 1999, Seite 111). Der Leistungsdruck, unter dem die Kinder stehen, beginnt schon früh und nimmt keineswegs ab. Eltern erziehen ihre Kinder zu Narzissten, indem sie ihnen einerseits das Gefühl geben, sie seien besser als andere Kinder, auch ohne sich sonderlich Mühe geben zu müssen, und erwarten andererseits enorm viel von ihnen. Diese Kombination aus übersteigertem Selbstwertgefühl und großem Leistungsdruck kann in vielen Fällen zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung führen. Die in dem Artikel dargelegten Studienergebnisse kooperierten mit der Theorie des Sozialen Lernens, welche besagt, Kinder würden die Einschätzungen ihrer Eltern übernehmen (Giammarco 2015, Seite 5). Dadurch, dass Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollen und ihnen das Gefühl geben, sie würden dies auch verdienen, wachsen Kindern mit indoktrinierten Narzissmus auf. Garlichs stellt narzisstisch erzogene Kinder als Instrumente ihrer Eltern dar, damit diese die „unerfüllten Karrierewünsche oder andere Sehnsüchte stellvertretend (zu) erfüllen.“ (Garlichs 1999, Seite 112). Narzisstisch veranlagte Kinder erwarten eine bevorzugte Behandlung, da sie sich als etwas Besseres und Besonderes sehen. Ariane Garlichs erklärt, wie sich Mütter, die selbst unter Persönlichkeitsstörungen leiden, auf die Identitätsbildung ihre Kinder auswirken. Diese Problematik wird folgendermaßen beschrieben: „Es sind Mütter, die selbst an den oben erwähnten Ohnmachts- und Insuffizienzgefühlen leiden, kaumeinen Platz in unserer Gesellschaft gefunden haben und daher das Defizit im eigenen Selbstwertgefühl durch eine Schwangerschaft und die als „mächtig“ und „omnipotent“ erlebte Mutterrolle in der Frühzeit ihrer Säuglinge zu kompensieren versuchen“ (Garlichs 1999, Seite 106). Häufig äußern sich schon im Säuglingsalter unbewusste Konflikte zwischen Mutter und Kind, da die Mutter nicht in der Lage ist, ein Empathiegefühl zu empfinden oder ihr Kind als individuelle und eigenständige Person wahrzunehmen.

Doch kann laut „Psychologie“ von Philip G. Zimbardo und Richard Gerrig „Das übertriebene Selbstwertgefühl mit Empfindungen besonderer Wertlosigkeit wechseln“ (Gerrig, Zimbardo 1996, Seite 608). Auch wenn es zunächst widersprüchlich scheint, so ist es dennoch in sich schlüssig, da Narzissten zwar sehr von sich überzeugt sind, doch nicht auf einer gesunden und stabilen Basis des Selbstvertrauens, sondern basierend auf dem Lob und der Anerkennung anderer. So sind sie angewiesen auf dauernde Bekundungen der Bewunderung und Bestätigung, wirklich zufrieden mit sich selbst sind sie nie. Dies kollidiert wiederum mit ihrer Unfähigkeit, enge Kontakte zu knüpfen und zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Meist isolieren sie sich, meiden den Kontakt zu anderen und nähern sich ihren Mitmenschen nur, wenn sie einen Profit daraus ziehen können, können in diesem Fall aber auch charmant sein. Sie sind manipulativ und nehmen Gefälligkeiten an, ohne sich für diese zu revanchieren, da sie der Meinung sind, es sei selbstverständlich, ihnen behilflich zu sein. Ferner fehlt es ihnen an Empathieempfinden. Ihre extreme Isolation, das Bedürfnis nach Macht und Anerkennung sowie das Geschick bezüglich der Manipulation führen dazu, dass oft narzisstische Menschen Führungspositionen erreichen. Speziell in den Chefetagen sind diese häufig anzutreffen, und laut des Spiegel Online Artikels „Narzisstische Hochschulchefs – Die Uni, das bin ich!“ auch vermehrt in den Führungspositionen der Hochschulen. In dem Artikel weist der Schweizer Psychologe Gerhard Dammann darauf hin, dass Narzissmus nicht nur destruktiv, sondern auch produktiv sein kann, vor allem um innovative Ideen finden und umsetzen zu können. Dennoch sind die Nebenerscheinungen des Narzissmus erheblich. Denn „Auf Kritik oder auf Niederlagen hin reagieren von dieser Störung Betroffene mit scheinbarer Gleichgültigkeit oder mit deutlichen Überreaktionen“ (Gerrig, Zimbardo 1996, Seite 608). Betroffene können neben ihrem übersteigerten Selbstwertgefühl gleichermaßen vulnerable Eigenschaften in sich tragen, so können sie beispielsweise scheu, schüchtern und unsicher sein. Ferner neigen sie zu Depressionen, Suizidversuchen und Suchterkrankungen. Außerdem werden narzisstisch Veranlagte bei ausbleibendem Erfolg oder Bestätigung aggressiv, selbstdestruktiv und gewalttätig. Die Therapie gestaltet sich aufgrund dieser Charakteristika als zeitaufwendig und schwierig, da Narzissten in ihrem eigenen Verhalten keine Fehler sehen und oft dazu neigen, Therapeuten mit Arroganz, Aggression sowie Gewalt zu konfrontieren und sie keine emotionale Bindung zulassen wollen.

3.) Diskussion der Leitfrage

3.1) Interview mit einem Mittelstufenlehrer

Der Interviewpartner Herr P. ist Gymnasialzweigleiter an einer integrierten Gesamtschule und unterrichtet Deutsch, Geschichte sowie Politik und Wissenschaft in den Gymnasialklassen. Die Schule wird von 1200 Schülern besucht, zuständig für den gesamten Main-Kinzig-Kreis sind drei Psychologinnen aus dem Schulamt.

Zu Beginn des Interviews wird deutlich, dass Herr P. die These unterstützt, Erziehen und Lehren könne man nicht voneinander trennen Dies begründet er damit, dass seiner Meinung nach auch die Schule Einfluss auf die Erziehung eines Kindes haben kann und sollte. Dennoch betont er, schon in den ersten sechs Lebensjahren würden sich die Charaktereigenschaften entwickeln und das Kind würde auf das spätere Leben vorbereitet. Hier hätten die Eltern großen Einfluss und es sei ihre Aufgabe, die Grundlagen einer guten Erziehung zu manifestieren. Außerdem merkt Herr P. an, dass die Erziehungsaufgabe der Eltern nicht mit der Schulpflicht ihrer Kinder ende, sondern weiterhin andauere. Hierbei sei die Kooperationsbereitschaft der Eltern – seine Erfahrungen basieren vor allem auf den Eltern der Schüler des Gymnasialzweiges – deutlich vorhanden, doch gebe es oft das Problem, dass gegebene Lösungsvorschläge oder angebotene Hilfen nicht ernst genommen würden. Dies wiederum führe dazu, dass man einfach nicht zu einer Lösung komme.

Bezüglich der Veränderungen, wie man in der Schule mit Verhaltens- und Lernstörungen umgeht, so führt Herr P. an, speziell die Thematik der Depressionen stünde immer mehr im Fokus. Schüler sowie die Schulen selbst seien engagierter bezüglich der Behandlungen von Depressionen, Ess- und Verhaltensstörungen, es würden heute „begleitende Maßnahmen“ zur Verfügung stehen, um den betroffenen Schülern bestmöglich zu helfen. Zwar bezweifelt er, die Zahl der Depressionen sei angestiegen, doch ist er der Meinung, man habe jene Krankheiten wie Lern-, Verhaltens- und Essstörungen sowie Depressionen früher nicht so stark wahrgenommen und sich um eine Genesung bemüht. Diese Sensibilisierung für Depressionen habe gleichermaßen für Lern- und Verhaltensstörungen stattgefunden, da die Schulen, das Jugend- und Schulamt sowie Eltern inzwischen offener und aufgeklärter bezüglich der Problematik sind. Herr P. kritisiert außerdem den wachsenden Medienkonsum und zeigt diesen als eine der Ursachen für die steigende Zahl der verhaltensgestörten Kinder auf.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ist für jede Schule ein Schulpsychologe Pflicht? Und kann man voraussetzen, dass Lehrer mit verhaltens- und lerngestörten Schülern umgehen müssen?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
13
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V492244
ISBN (eBook)
9783668968844
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schule, schulpsychologe, pflicht, lehrer, schülern
Arbeit zitieren
Erstes Staatsexamen Talia Baskaya (Autor), 2016, Ist für jede Schule ein Schulpsychologe Pflicht? Und kann man voraussetzen, dass Lehrer mit verhaltens- und lerngestörten Schülern umgehen müssen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492244

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