Zentralismus und Föderalismus in der Militärverfassung des Deutschen Reichs von 1871 bis 1914


Seminararbeit, 2017
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung: Zentralismus und Föderalismus
a. Zentralismus
b. Föderalismus

3. Die Deutsche Reichsgründung
a. Die Hintergründe
b. Reservatrechte

4. Zentralistische und Föderalistische Aspekte innerhalb der Militärverfassung
a. Heer
b. Marine

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Bundesministerium der Verteidigung gehört mit vierzehn weiteren Ministerien zu den obersten deutschen Bundesbehörden. Ein Ministerium hat die Aufgabe einen bestimmten Aufgabenbereich zu verwalten und zu steuern. Die jetzige Ministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen ist oberste Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt über die Bundeswehr in Friedenszeiten. Sie trägt des Weiteren die vollständige Verantwortung darüber, dass die militärische Verwaltung sowie alle restlichen Angelegenheiten einwandfrei funktionieren, darunter zählen alle Soldaten der Teilstreitkräfte von Heer, Marine und Luftwaffe, welche damit über eine zentrale Dienststelle organisiert und befehligt werden. In Betracht auf die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts war dies nicht immer so gewesen. Das damalige Deutsche Kaiserreich war bundesstaatlich organisiert und eine am monarchischen Prinzip ausgerichtete konstitutionelle Monarchie, wodurch manche Einzelstaaten in einzelnen Ressorts über gesetzliche Freiräume zur Eigenbestimmung verfügten. Zur gesetzlichen Reglementierung der Armee gab es eine Militär- bzw. Wehrverfassung, welche die wichtigsten Rechte und Pflichten aufzählte. Ziel dieser Seminararbeit wird es sein, darzustellen, inwieweit das Militär, damals bestehend aus Heer und Marine, zentralistisch bzw. föderalistisch gesteuert wurde und welche etwaigen Probleme dies erwirkte. Im Verlauf wird sich zeigen, dass es zwischen Heer und Marine sehr unterschiedlich gehandhabt wurde, so war die Marine fast ausschließlich zentralistisch organisiert, was bei dem Heer in gewissen Maßen auch der Fall war, es dennoch einige föderalistisch geführte Bereiche gab. Als Gemeinsamkeit hatten beide, dass sie in vielen Gebieten sehr preußisch geprägt waren. Um die Forschungsfrage genau beantworten zu können, benötigt es zuerst eine gründliche Begriffserklärung sowie eine genaue historische Schilderung der wichtigsten Ereignisse in Bezug auf die Gründung des Deutschen Kaiserreichs, aus diesem Grund wird zuerst eine genaue Beschreibung des Zentralismus und Föderalismus aufzuzeigen, um dann mit Blick auf die Hintergründe der Reichseinigung und den entstanden Sonderrechte für mehrere deutsche Einzelstaaten weiter fortzufahren. Zum Schluss wird schließlich präzise auf das Militär eingegangen unterteilt in Heer und Marine, um die zentralistischen und föderalistischen Aspekte innerhalb der Militärverfassung herauszuarbeiten.

2. Begriffserklärung: Zentralismus und Föderalismus

a. Zentralismus

Der Begriff Zentralismus beschreibt ein politisches Strukturprinzip, bei welchem die gesellschaftliche Ordnung des Gebietes zentral organisiert wird.1 Dem allgemeinen Verständnis nach steht ihm der Regionalismus sowie Föderalismus gegenüber. In der politischen Verwaltung eines Landes bedeutet Zentralismus, dass alle vorhandenen Kompetenzen im Staat bei einer zentralen obersten Instanz konzentriert und ausgeführt werden.2 Am stärksten kommt dies in einem Zentralstaat zum Ausdruck, wie einst in Frankreich oder der DDR. Die heutigen zentralistisch geführten Staaten besitzen meist eine Hauptstadt, von welcher die gesamte Staatsgewalt über das Staatsgebiet ausgeht, siehe Finnland, Costa Rica oder Israel.

Der zentralistische Grundgedanke ist bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. Zurückzuverfolgen, als Papst Damasus I. (366-384) auf einen römischen Zentralismus drängte, welcher die Durchsetzung der Autorität des Papsttums vor sah, sowie eine Infragestellung der Ansprüche des Kaisertums und weltlich totaler Staatsideen. Im Zeitalter des Absolutismus nahm der Zentralismus an Stellenwert immer weiter zu, vor allem weil er sich langsam gegen das mittelalterliche Modell des Personenverbandsstaates durchsetzen konnte. Trotz der ausgedehnten Verbreitung in dieser Zeit war er aber weit davon entfernt, das einzige funktionsfähige und makellose politische Modell zu sein, insbesondere weil er zahllose Konflikte zwischen Stände und Fürsten hervorrief.3 Durch den Philosophen Thomas Hobbes (1588-1679) wurde die zentralistische Idee weiter fundiert und ausgearbeitet. Seiner Denkweise nach steckt in jedem Menschen das Verlangen nach der Sicherung der eigenen Bedürfnisse, ohne dabei Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen. Somit kam für Hobbes eine Machverteilung auf viele Personen nicht infrage, sondern viel mehr die Übertragung auf einen einzigen Mann bzw. eine überschaubare Versammlung von Menschen, die für das Wohlleben der Bevölkerung einstehen würden. In Frankreich wurde ab Ludwig XIV. dann erstmalig ein Zentralismus praktiziert, welcher neue Maßstäbe setzte. Noch nie zuvor hatte es eine solche sorgfältige Durchführung gegeben. Ein wichtiges Merkmal war dabei gewesen, dass der König den regionalen Feudalherren ihre politischen Rechte entzog, sodass sie zu Höflingen des Königs degradiert wurden. Napoléon Bonaparte führte anschließend diesen Kurs weiter fort und schaffte es ihn noch weiter zu festigen, indem er die Idee eines starken Staates, in welchem politische und gesellschaftliche Veränderungen „ von oben “ herab durchgesetzt werden konnten.4

b. Föderalismus

Föderalismus ist ein politisches Ordnungsprinzip, bei dem die einzelnen Gliedstaaten über eine begrenzte Eigenständigkeit und Staatlichkeit verfügen, aber dennoch zu einem Gesamtstaat zusammengeschlossen sind. Als föderalistisches Land wird demzufolge ein Staat bezeichnet, der aus Teilstaaten besteht, welche über Kompetenzen und Hoheitsgewalten verfügen über die innerhalb des Gebietes lebende Bevölkerung.5

Schon das Heilige Römische Reich hatte Ansätze der föderativen Idee. So besaßen die Reichskreise und lokalen Reichsstände die Zuständigkeit für die Durchsetzung der Urteile sowie die Besetzung der Reichskammergerichte. Ferner bekamen sie mit der Zeit weitere Aufgabenfelder hinzugesprochen, wie das Münzwesen und die Aufgabe zur Förderung von Frieden, da der Kaiser sich in diesen Bereichen als inkompetent und schwach darstellte. Während der Zeit der Aufklärung wurde der Föderalismus als modernes staatliches Prinzip durch den französischen Philosophen Montesquieu weiter ausgereift. Er sah in ihm eine weitere Chance, die herrschende absolutistische Zentralmacht noch weiter beschneiden zu können, wie er es schon zuvor durch seine Idee der Gewaltenteilung geschafft hatte. Im europäischen Raum entfaltete sich die föderalistische Tradition vornehmlich in deutschsprachigen Gebieten, was man eindeutig an den ab 1815 entstandenen Verfassungen des Deutschen Bunds oder der Schweiz erkennen kann.

Im Hinblick auf den davor betrachteten Zentralismus lässt sich festhalten, dass der Föderalismus eine Selbstständigkeit der einzelnen Regionen innerhalb des Staates anstrebt und möglichst keine „ Zentrale “ zu haben, von der mehrheitlich die Politik ausgeht.6

3. Die Deutsche Reichsgründung

a. Die Hintergründe

Das Deutsche Reich wurde offiziell am 18. Januar 1871 im Schloss von Versailles gegründet. Es war das Resultat Jahrzehnte langer Konflikte, Auseinandersetzungen und Kriege. Zentrale Phasen dabei waren der Deutsche Dualismus, sowie die drei Einigungskriege im Zeitraum von 1864 bis 1871.7

Nach der gescheiterten Revolution 1848/49 in Deutschland erstarrte der Einigungsprozess zunächst für einige Jahre. In dieser Phase zeichnete sich bereits die sogenannte „klein Deutsche Lösung“ innerhalb der Problematik des Deutschen Dualismus, sprich kein gemeinsames Reich bestehend aus den Staaten des Deutschen Bunds und dem damaligen Kaisertum Österreich. Der erste Reichseinigungskrieg ereignete sich von Februar bis Oktober 1864. Die Ursache für diesen Krieg waren die Streitigkeiten zwischen Dänemark und den Mitgliedstaaten des Deutschen Bunds über die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg gewesen. Auslöser des Krieges war der Verstoß Dänemarks gegen das Londoner Protokoll von 1852 gewesen, welches jegliche verstärkte verfassungsrechtliche Annäherung Schleswig an Dänemark verbot. Zusammen mit der österreichischen Armee wurde Dänemark innerhalb weniger Monate besiegt. Als Folge dessen annektierte Preußen Schleswig und Österreich Holstein.8 Die neuen erschlossenen Gebiete waren zwei Jahre später wieder ausschlaggebend für einen weiteren Krieg, diesmal zwischen Preußen und Österreich. Der sogenannte „ Deutsche Krieg “ ereignete sich von Juni bis August 1866. Anlass diesmal waren Debatten um die Verwaltung der annektierten Gebiete gewesen, sowie die österreichische Unterstützung der nationalen Bestrebungen in Holstein und somit auf preußischem Gebiet. Preußen und seine Verbündeten konnten aufgrund militärtechnischer Überlegenheit den Krieg schnell für sich entscheiden und annektierte in Folge Schleswig. Daraus ergab sich nun endlich die ersehnte Verbindung zwischen dem brandenburgischen Kernland und den wirtschaftlich wichtigen Rheinprovinzen. Zudem wurde der Deutsche Bund aufgelöst und an dessen Stelle trat der Norddeutsche Bund, welcher aus preußischen und anderen nördlich gelegenen Gebieten bestand.9 Der Deutsch-Französische Krieg im Jahre 1871 war der letzte gewaltvolle Konflikt vor der Deutschen Reichseinigung. Er entwickelte sich aus einem Thronfolgestreit über die spanische Krone heraus. Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen kandidierte als möglicher Nachfolger, sah schnell aber davon wieder ab aufgrund französischen Druckes, da diese zu jeden Preis verhindern wollten, dass sie durch die Hohenzollern an zwei Fronten eingekreist wurden. Daraus folglich entstand die „ Emser Depeche “, ein an die Presse weitergeleitetes regierungsinternes Telegramm Bismarcks, welches von der französischen Bevölkerung als große Beleidigung aufgenommen wurde. Napoléon III. erklärte daraufhin Preußen den Krieg. Bismarck schaffte es nicht nur den Norddeutschen Bund für sich zu gewinnen, sondern auch die süddeutschen Staaten. Der Krieg ging in der Entscheidungsschlacht von Sedan zu Ende, woraufhin das Deutsche Kaiserreich in Versailles proklamiert wurde, bestehend aus den süddeutschen Staaten und den Ländern des Norddeutschen Bunds.10

b. Reservatrechte

Als die Verfassung des Deutschen Reichs unterzeichnet wurde, gab es neben, die für alle Länder gleichen Mitgliedschafts- und Hoheitsrechte, auch sogenannte Reservatrechte. Diese waren speziell geltende Rechte für die Königreiche Bayern, Württemberg, Sachsen und anderen deutschen Gebiete. Die allgemeine Folge dieser war, dass die bestehenden Kompetenzen des Reichs zur Gesetzgebung und Rechtsaufsicht dadurch eingeschränkt bzw. modifiziert werden konnten. Die besonderen Mitgliedschaftsrechte regelten Unteranderem, das Preußen einen Anspruch auf das Kaisertum hatte und Bayern einen stellvertretenden Vorsitz im Bundesrat, sowie, einen ständigen Sitz im Bundesratsausschuss für das Landheer und Festungen. Dazu kamen noch besondere Hoheitsrechte hinzu, welche die genannten Staaten ermächtigte zur Erfüllung ihrer Aufgaben Gesetze zu verabschieden bzw. mit Zwang durchsetzen zu können. So durften Bayern und Württemberg die Bier- und Brandweinsteuer selber bestimmen und hatten Anspruch darauf die Verwaltung für Post und Eisenbahn11 weiter selber zu führen. Die Einzelstaaten waren ferner zuständig für ihre eigene politische Ordnung, Verfassung, Wahlrecht und Reformen.12

[...]


1 Günther Ammon (Hg.), Föderalismus und Zentralismus. Europas Zukunft zwischen dem deutschen und dem französischen Modell (= Schriftenreihe des Europäischen Zentrums für Föderalismus-Forschung, Bd. 11), Baden-Baden 1996, S. 11-46.

2 Duden - Deutsches Universalwörterbuch, Mannheim 2003, S. 1850.

3 Hinrichs, Ernst, Fürsten und Mächte. Zum Problem des europäischen Absolutismus, Göttingen 2000, S. 28.

4 Frankreich. Politik, Gesellschaft, Wirtschaft (= Beck'sche Reihe Länder, Bd. 831), München, 1998, S. 227ff..

5 Ipsen, Jörn, Staatsorganisationsrecht (= Academia Iuris Lehrbücher der Rechtswissenschaft), München, 2012, S. 601.

6 Länder, Gaue und Bezirke. Mitteldeutschland im 20. Jahrhundert, Halle (Saale), 2007, S. 12-24.

7 Müller, Jürgen, Der Deutsche Bund 1815-1866 (= Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 78), München, 2010, S. 47ff..

8 Reuß, Carsten, Wie Kriege entstehen: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864, in: Thorsten Loch (Hg.), Wie die Siegessäule nach Berlin kam. Eine kleine Geschichte der Reichseinigungskriege (1864 bis 1871) (= Rombach aktuell), Freiburg im Breisgau, 2011, S. 119–122.

9 Ruholl, Marcel, Wie Kriege entstehen: Der Deutsche Krieg 1866, in: Thorsten Loch (Hg.), Wie die Siegessäule nach Berlin kam. Eine kleine Geschichte der Reichseinigungskriege (1864 bis 1871) (= Rombach aktuell), Freiburg im Breisgau, 2011, S. 123–130.

10 Gügel, Dominik, Wie Kriege entstehen: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/72, in: Thorsten Loch (Hg.), Wie die Siegessäule nach Berlin kam. Eine kleine Geschichte der Reichseinigungskriege (1864 bis 1871) (= Rombach aktuell), Freiburg im Breisgau, 2011, S. 142–145.

11 In Friedenszeiten.

12 Stern, Klaus, Die geschichtlichen Grundlagen des deutschen Staatsrechts. Die Verfassungsentwicklung vom Alten Deutschen Reich zur wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland (= Das Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland, / von Klaus Stern ; Bd. 5), München, 2000, Rn. 28.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Zentralismus und Föderalismus in der Militärverfassung des Deutschen Reichs von 1871 bis 1914
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V492356
ISBN (eBook)
9783668995628
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zentralismus, föderalismus, militärverfassung, deutschen, reichs
Arbeit zitieren
Georg Rosenkranz (Autor), 2017, Zentralismus und Föderalismus in der Militärverfassung des Deutschen Reichs von 1871 bis 1914, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492356

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zentralismus und Föderalismus in der Militärverfassung des Deutschen Reichs von 1871 bis 1914


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden