Diese Arbeit behandelt in seiner Gesamtheit die Überprüfung der Eisenbahn in Deutschland und dessen Bedeutung während der industriellen Revolution. Im Schwerpunkt sollen hierbei die wirtschaftlichen Folgen mittels der Bahn auf deutsche Unternehmen insbesondere der Schwerindustrie erläutert und begründet werden. Im Bereich der Forschung über die Auswirkungen der Eisenbahn während der industriellen Revolution in Europa besteht ein sehr großes Spektrum an Literatur und wissenschaftlichen Arbeiten, welche innerhalb des Forschungsprozesses für diese Arbeit von besonderer Bedeutung und Nützlichkeit waren.
Die wichtigsten Vertreter sind hierbei der deutsche Wirtschaftswissenschaftler und Sozialhistoriker Rainer Fremdling mit seinem Buch "Statistik der Eisenbahnen in Deutschland (1835 – 1989)", der Prof. Dr. Dieter Ziegler ("Die Industrielle Revolution") vom Lehrstuhl für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte der Ruhr-Universität Bochum, sowie
der deutsche Historiker und ehemalige Herausgeber der Historischen Zeitschrift Lothar Gall mit seiner Monographie "Krupp – Der Aufstieg eines Industrieimperiums".
Die Erfindung der Eisenbahn, während der Industrialisierung Europas im 19. Jahrhundert revolutionierte nicht nur das Verkehrswesen, sondern förderte auch die Wirtschaft nachhaltig. Diese Epoche wird u. a. auch als industrielle Revolution
bezeichnet. Sie brachte eine tief greifende und dauerhafte Umgestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, der Arbeitsbedingungen und der Lebensumstände. Die Industrialisierung Europas, welche in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England begann und dann vermehrt im Laufe des 19. Jahrhunderts in ganz Westeuropa und den USA sowie Teilen Asiens aufkam, führte zum Übergang von einer Agrargesellschaft zu einer Industriegesellschaft.
Die Eisenbahn zählte dabei, neben der Dampfmaschine, der Spinnmaschine und dem mechanischen Webstuhl, zu den größten Erfindungen der damaligen Epoche. Sie stellte sich als ein Transportmittel dar, welches mit seiner Geschwindigkeit den Personen- bzw. Gütertransport und die Nachrichtenübermittlung revolutionierte sowie beschleunigte. Durch die Eisenbahn konnten nun größere Mengen an industriellen Gütern bzw. Rohstoffen schneller und kostengünstiger transportiert werden, was wiederum die gesamtwirtschaftliche Produktivität verbesserte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Industrialisierung und der Eisenbahn in Deutschland
2.1. Die Industrialisierung
2.2. Die Eisenbahn
3. Der industrielle Aufschwung Deutschlands mittels der Eisenbahn als Führungssektor
3.1. Die wirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahn
3.2. Die Auswirkung der Eisenbahn auf den deutschen Kohle- und Eisensektor
4. Das Unternehmen Krupp und die Eisenbahn
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Rolle der Eisenbahn als zentralen Motor und Führungssektor der industriellen Revolution in Deutschland im 19. Jahrhundert sowie ihren Einfluss auf die Spezialisierung der deutschen Schwerindustrie am Beispiel des Unternehmens Krupp.
- Die Eisenbahn als notwendige Bedingung für das Wirtschaftswachstum.
- Theoretische Kriterien für die Einordnung als Führungssektor.
- Rückkopplungseffekte und deren Auswirkung auf den deutschen Kohle- und Eisensektor.
- Importsubstitution und technologischer Wandel in der deutschen Schwerindustrie.
- Der Aufstieg des Unternehmens Krupp durch Innovationen im Eisenbahnbau.
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Auswirkung der Eisenbahn auf den deutschen Kohle- und Eisensektor
Zeitgenössische und heutige Autoren sind sich darüber einig, dass der deutsche Kohle- und Eisensektor etwa um 1835 nicht in der Lage war, das hauptsächliche Investitionsgut (Schienen und Lokomotiven) für den Eisenbahnbau zu produzieren. Für die Roheisenerzeugung verfügte Deutschland 1835 über zu wenig Kokshochöfen, sodass mehr als 90 Prozent der Produktion mittels Holzkohle in Kleinbetrieben erzeugt werden musste, wodurch die deutsche Nachfrage nach Roheisen nicht gedeckt werden konnte. Des Weiteren mussten 1834 noch über 80 Prozent des Stabeisens in Deutschland nach mittelalterlichen Produktionsmethoden hergestellt werden. Die deutschen Betriebe konnten somit zu Beginn des Eisenbahnbaus so gut wie keine gewalzten Eisenbahnschienen und Lokomotiven selber herstellen. Auf dem Gebiet der Schienen- und Lokomotivlieferungen hatten ausländische Werke derweil eine Monopolstellung inne und gaben ihre überragende Position bis weit in die vierziger Jahre nicht auf.
Die Fähigkeit zur schnellen Adaptation ausländischer Technologie und damit zur Importsubstitution zeigte sich besonders deutlich bei der Herstellung von Lokomotiven. Eine Importsubstitution bezeichnet dabei die Ersetzung von bisher durchgeführter Importe im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung neu entstehender heimischer Produkte. Insgesamt erlebte die deutsche Eisenbahn eine rasant ansteigende Substitution im Zeitraum von 1838 bis 1853. Im Jahre 1840 importierte Preußen noch zu etwa 91 Prozent seiner Eisenbahnen aus England. Doch schon nach etwa mehr als einem Jahrzehnt kamen zu etwa 94 % aller in preußischen Betrieb befindlichen Lokomotiven aus Deutschland, wobei die Firmen Borsig (Berlin) mit 414 und E. Kessler (Karlsruhe) bzw. Wöhlert (Berlin) mit 34 Eisenbahnen die größten einheimischen Lieferanten waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Bedeutung der Eisenbahn ein, benennt die zentrale Forschungsfrage und gibt einen Überblick über das methodische Vorgehen.
2. Die Entwicklung der Industrialisierung und der Eisenbahn in Deutschland: Das Kapitel beleuchtet die allgemeinen Grundlagen der Industrialisierung und die Entstehung des deutschen Eisenbahnnetzes.
3. Der industrielle Aufschwung Deutschlands mittels der Eisenbahn als Führungssektor: Hier wird geprüft, ob die Eisenbahn anhand ökonomischer Kriterien als Führungssektor gelten kann und welche Kopplungseffekte sie induzierte.
4. Das Unternehmen Krupp und die Eisenbahn: Dieses Kapitel zeigt am konkreten Beispiel von Alfred Krupp auf, wie ein Unternehmen durch die Produktion von Eisenbahnteilen den Durchbruch zur Massenproduktion schaffte.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen und bestätigt die zentrale Bedeutung der Eisenbahn für die industrielle Transformation Deutschlands.
Schlüsselwörter
Eisenbahn, Industrialisierung, Führungssektor, Kopplungseffekte, Kohle- und Eisensektor, Schwerindustrie, Krupp, Importsubstitution, Wirtschaftswachstum, Schienenverkehr, Dampfmaschine, Kapitalismus, Innovation, Technologietransfer, Industriegesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Eisenbahn als zentraler Treiber der industriellen Revolution in Deutschland im 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die wirtschaftstheoretische Einordnung der Eisenbahn als Führungssektor, deren Auswirkung auf die deutsche Industrie sowie die unternehmerische Entwicklung von Krupp.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist zu klären, inwiefern die Eisenbahn eine Bedingung für die industrielle Revolution war und wie sie die Spezialisierung der deutschen Schwerindustrie förderte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie eine sektorale Führungssektorenanalyse nach Kriterien wie Wachstum, Produktivität und Ausbreitungseffekten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Indikatoren für den Führungssektor, die Vorwärts- und Rückwärtskopplungseffekte auf den Kohle- und Eisensektor sowie die Unternehmensgeschichte Krupp.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Industrialisierung, Führungssektor, Kopplungseffekte, Importsubstitution und Technologietransfer.
Wie gelang es dem Unternehmen Krupp, erfolgreich zu werden?
Der Durchbruch gelang durch die Innovation nahtloser Radreifen, die technische Probleme bei den Eisenbahnen lösten und Krupp zum gefragten Zulieferer machten.
Warum war der Kohle- und Eisensektor anfangs auf Importe angewiesen?
Zu Beginn fehlte es Deutschland an modernen Kokshochöfen und technologischem Know-how, um gewalzte Schienen oder Lokomotiven in der erforderlichen Qualität selbst herzustellen.
- Quote paper
- Georg Rosenkranz (Author), 2018, Die Eisenbahn während der industriellen Revolution in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492382