Die Türkei und der Kurdenkonflikt. Ist ein autonomes Kurdengebiet in der Türkei eine mögliche Lösung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Türkei und die Kurden
2.1 Historie des türkisch-kurdischen Konflikts bis zur Gründung der PKK
2.2 Die türkische Kurdenpolitik seit der Gründung der PKK - Zwischen Repression und Liberalisierung

3 Das autonome Kurdengebiet (Kurdistan) im Irak
3.1 Entstehung des autonomen Gebiets
3.2 Erfolgreiche Deeskalation durch kurdische Autonomie im Irak?

4 Autonomie im türkischen Gebiet der Kurden als Konfliktlösung?

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Kurdenkonflikt in der Türkei ist in den letzten Jahren immer komplexer und schwieriger geworden. Auch in Deutschland führten Anhänger der PKK bis heute Aktionen und Aktivitäten durch, die auf die Probleme der Kurden aufmerksam machten (vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz 1996). Eine friedliche Lösung des Konflikts ist nicht abzusehen. Die Kurden sind vor allem als Partner der USA für den Kampf gegen den IS zu einem unverzichtbaren „Instrument" herangewachsen. Dadurch konnten die syrischen Kurden, vor allem die YPG (= kurdische Volksverteidigungseinheit), große Gebiete für sich beanspruchen. Die genaue Anzahl der kurdischen Bevölkerung, verteilt auf die Gebiete im Irak, Iran, Syrien und der Türkei wird auf ca. 25-30 Millionen Menschen geschätzt (vgl. Gesellschaft für bedrohte Völker 2019) und sie stellen damit das größte Volk ohne eigenen Staat dar. 12 - 15 Millionen Kurden leben in dem Gebiet der Türkei. Die Kurden kämpfen deshalb seit Jahrzehnten, um die Anerkennung eines autonomen „Kurdistan" in den besagten Gebieten. Die Autonomiebestrebungen führen in den Regionen zu schweren politischen und ethnischen Konflikten. Die Türkei unterdrückt diese Autonomiebestrebungen. Die Verfolgung der Kurden ist schon in der Gründungsgeschichte der Türkei verwurzelt (vgl. Schamberger/Meyen 2018).

Nach dem die AKP (Adalet ve Kalkinma Partisi = Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) die Regierung in der Türkei 2002 übernahm, beruhigte sich der Konflikt. Spätestens seit dem Syrien-Konflikt und der Ausbreitung der syrischen Schwesterpartei der PKK (Partiya Karkeren Kurdistane = kurdische Arbeiterpartei), die PYD (Partiya Yekitiya Demokrat = Partei der demokratischen Union) und deren bewaffnete Einheit YPG, fürchtet die Türkei die Ausbreitung der Kurden und die dadurch möglichen Gefahren. „Insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und der syrischen Kurden-Partei PYD sowie die offene türkische Unterstützung für die FSA provozieren grenzüberschreitende Kampfhandlungen - und gefährden damit die türkische und allgemein die regionale Stabilität (vgl. Copur 2013).

Der Irak hat den Kurden ein autonomes Gebiet im Norden zugesprochen, weshalb dieses Gebiet als Vergleichsinstrument dienen soll, ob ein autonomes Gebiet der Türken in der Türkei deeskalierend wirken kann.

In der vorliegenden wird die Historie des Konflikts zwischen Kurden und der Türkei näher beleuchtet, um anschließend die möglichen Vorteile und Nachteile durch ein autonomes Kurdengebiet zu erörtern unter Berücksichtigung der Entwicklung des autonomen Gebiets im Irak. Zudem wird ein Bezug zu aktuellen Konflikten, wie dem Syrienkrieg hergestellt.

2 Die Türkei und die Kurden 2.1 Historie des türkisch-kurdischen Konflikts bis zur Gründung der PKK

Mustafa Kemal, der eigentliche Gründer der Türkei nach dem Zerfall des osmanischen Reiches, gewann die Unterstützung, in den Kriegen nach dem Ersten Weltkrieg, kurdischer Stammesführer und Politiker und sicherte diesen nach den Kämpfen einen gemeinsamen Staat aus Kurden und Türken zu (vgl. Internationale Gesellschaft für Menschenrechte 2018). Der Vertrag von Serves, der zwischen den Alliierten und den isolierten osmanischen Staatsführern geschlossen wurde, sah auch ein unabhängiges Kurdistan vor (vgl. Kesen 2009, S.142). Diese Idee Kemals konnte bis heute nicht umgesetzt werden, da nach Staatsgründung doch die Kultur und Nationalität des Türkentums in den Mittelpunkt des neuen Staates gestellt wurde und die Kurden sich somit unterordnen mussten. Wie bekannt ist wurden vier kurdische Gebiete im Irak, Iran, Syrien und der Türkei gegründet. Politisch aktive Kurden wurden von der Türkei nach der Staatsgründung gar als Gefahr angesehen. „Die hartnäckige Haltung Ankaras, Kurden durch Einschüchterung und Assimilierung zu türkisieren, führte zu einem Konflikt, der seitdem unter dem Begriff [...] „Kurdenfrage“ zum Ausdruck gebracht wird" (vgl. Kesen 2009, S. 157). In den folgenden Jahren kam es zu zahlreichen kurdischen Aufständen, die allesamt von der Türkei zerschlagen werden konnten. 1961 räumte die neue Verfassung der kurdischen Bewegung größere politische Freiheiten ein. Durch die TIP („Arbeiterpartei der Türkei“) gab es für die Kurden eine Möglichkeit sich politisch einzubringen. So konnten die Kurden ihre Unterdrückung und die schlechten wirtschaftlichen Gegebenheiten Zum Thema machen. Durch den im Jahre 1971 folgenden Militärputsch in der Türkei wurden diese Rechte den Kurden wieder aberkannt. Die Unterdrückung und Verhaftung von politisch aktiven Kurden setzte sich fort. Erst 1974 wurde es den Kurden ermöglicht wieder aktiv politisch zum Thema der Kurdenfrage Stellung zu nehmen und sich politisch zu engagieren. Die kurdische Bewegung vergrößerte sich in den darauffolgenden Jahren rapide. Auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der nordirakischen Kurden förderten immer wieder die Aktivität der gesamten kurdischen Bevölkerung. Die Gründung der PKK folgte im Jahr 1978.

2.2 Die türkische Kurdenpolitik seit der Gründung der PKK - Zwischen Repression und Liberalisierung

Die politische Einstellung der Türkei gegenüber der kurdischen Bevölkerung variierte in den letzten Jahrzenten. Das übergeordnete Ziel blieb jedoch gleich: Verhindern der Autonomiebestrebungen der Kurden, da diese sowohl territorial als auch kulturell als Gefahr wahrgenommen werden. Die Türkei sieht darin eine Gefährdung und mögliche Destabilisierung ihres Systems.

Wie in Kapitel 2.1 schon erwähnt, gründete Abdullah Öcalan im Jahre 1978 die PKK, die gegen die Unterdrückung der Kurden aufrief mit dem Ziel einen unabhängigen kurdischen Staat zu errichten. Die kurdischen Aufstände werden zu dieser Zeit gewaltsam unterdrückt. Besonders in der Zeit um 1982, an denen die Militärjunta die Verfassung mitbestimmte, nachdem sie unter Kenan Evren durch einen Putsch 1980 an die Macht gelangten, kam es zu starker Repression und Verfolgung von Kurden. Viele politisch aktive Kurden flohen ins Ausland, um dort die Organisation und Tätigkeiten der kurdischen Bewegung weiter zu planen und zu steuern. Der Aufstand der PKK 1984 wurde mit großer Härte unterdrückt.

Einen Wendepunkt dieser starken Unterdrückung läutete die Wahl Turgut Özals zum Staatsoberhaupt ein. Dieser versuchte sowohl im Nordirak, als auch in der Türkei den Kurdenkonflikt zu entschärfen und einigte sich mit der PKK auf einen Waffenstillstand. Özal versucht allgemeine Grundrechte wie Freiheits- und Menschenrechte zu etablieren und startet die Debatte dieses Recht auch den Kurden zukommen zu lassen. Er wollte zudem die PKK politisch einbinden und stellte auch eine föderalistische Lösung zur Diskussion. Das Militär, das mit Özals Bestrebungen nicht einverstanden war, griff weiterhin die kurdischen Gebiete an. 1993 wurde nach dem Tod Özals der Kampf gegen die PKK verschärft. Viele Dörfer wurden vernichtet, Millionen Menschen vertrieben und ca. 35.000 Menschen wurden in den darauffolgenden Jahren getötet. Die Intensität der Kämpfe war Ende der 1980 Jahre und frühen 1990er Jahre am höchsten (vgl. Güsten 2009). Der türkische Staat rief hierzu in vielen kurdischen Provinzen und Gebieten einen Ausnahmezustand aus (Verhängung des Kriegsrechts).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Türkei und der Kurdenkonflikt. Ist ein autonomes Kurdengebiet in der Türkei eine mögliche Lösung?
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V492615
ISBN (eBook)
9783668988347
ISBN (Buch)
9783668988354
Sprache
Deutsch
Schlagworte
türkei, kurdenkonflikt, kurdengebiet, lösung
Arbeit zitieren
Patrick Schulze (Autor), 2019, Die Türkei und der Kurdenkonflikt. Ist ein autonomes Kurdengebiet in der Türkei eine mögliche Lösung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492615

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