Zentrale Fragestellung dieser Masterarbeit ist es, ob eine Verbindung von Bestandteilen der Dividenden- und Value-Investing Ansätze langfristig, auf Grundlage eines für Privatanleger zugeschnittenen und investierbaren Portfolios, zu einem positiven Alpha führen kann. Zeitgleich stellt sich damit auch die Frage, ob sich aktives Portfoliomanagement lohnt. Da die in dieser Arbeit vorgestellten Investment Ansätze, im Sinne eines privaten Anlegers, streng mechanisch und ohne signifikanten Aufwand vollzogen werden sollen, wird ebenfalls der Frage nachgegangen, ob eine Outperformance auch mit geringem zeitlichem und informationstechnischem Einsatz möglich ist.
Aktuell sehen sich private Kapitalanleger diversen Schwierigkeiten ausgesetzt. Zentralbanken in Europa und den USA halten weiterhin an einer Niedrigzinspolitik fest, deren Folgen noch unklar sind, oder erhöhen nur schrittweise die Leitzinsen. Dadurch bleiben die Zinsen in Festgeld und auf Sparkonten auf anhaltend geringem Niveau. Gleichzeitig strebten Kryptowährungen mit hoher Volatilität neuen Rekorden entgegen. Wer allerdings nicht an Spekulationen um Kryptowährungen interessiert ist, der Werbung von CFDs und Online Brokern aus Zypern entgehen kann und dennoch eine vernünftige Rendite erzielen möchte, investiert vermehrt in ETFs. Auf diese Weise wird nicht versucht, eine überdurchschnittliche Rendite zu erwirtschaften, sondern an der Performance der Benchmark partizipiert. Die positive Börsenentwicklung, seit Ausklang der Weltwirtschaftskrise 2009, verstärkt diesen Trend.
Dabei entsteht der Eindruck, das Streben nach maximaler Rendite wäre für den Anleger nicht mehr das zentrale Ziel. Der Fokus scheint auf Spekulation oder passivem Investieren zu liegen. Selbst Warren Buffet dämpft die Erwartungen seiner Investoren auf seine zukünftige Performance und bezweifelt, damalige Renditen in gleicher Weise erreichen zu können. Insbesondere junge Menschen, interessieren sich für Alternativen, um bei den anhaltenden Entwicklungen der staatlichen Rentenvorsorge für das Lebensalter vorzusorgen oder finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Herangehensweise
2. Grundlagen Portfoliomanagement
2.1 Investmentprozess
2.1.1 Prozessablauf
2.1.2 Anlegerpräferenzen
2.1.3 Portfoliorealisierung
2.2 Investmentphilosophie
2.2.1 Aktives Portfoliomanagement
2.2.2 Passives Portfoliomanagement
2.2.3 Rolle der Benchmark
2.3 Portfolio Selection Theory
2.3.1 Annahmen und Modellimplikationen
2.3.2 Rendite- und Risikomessung
2.3.3 Diversifikationseffekte
2.4 Asset Allocation
2.4.1 Strategische und taktische Asset Allocation
2.4.2 Liquidität
2.4.3 Behavioral Finance
3. Analyse der Investment-Strategien
3.1 Performance-Analyse
3.1.1 Definition der Benchmark
3.1.2 Angewandte Rendite- und Risikomessung
3.2 Value-Investing
3.2.1 Annahmen und Implikationen
3.2.2 Value-Kriterien
3.2.3 Analyse der Value-Kriterien
3.3 Dividenden-Investing
3.3.1 Annahmen und Implikationen
3.3.2 Dividenden-Kriterien
3.3.3 Analyse der Dividenden-Kriterien
4. Analyse der Dividenden-Value-Investment-Strategien
4.1 Annahmen und Implikationen
4.2 Strategische und taktische Asset Allocation
4.2.1 Mehrstufiges Auswahlverfahren
4.2.2 Diversifikation
4.2.3 Portfolioinitiierung und Rebalancing
4.3 Performancemessung
5. Fazit
5.1 Kritische Würdigung
5.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel der Master-Thesis ist die Untersuchung, ob eine hybride Investment-Strategie, die Elemente aus Dividenden- und Value-Ansätzen kombiniert, für Privatanleger langfristig zu einer Outperformance gegenüber einer Benchmark führen kann, bei gleichzeitig geringem administrativen Aufwand.
- Analyse und Vergleich von aktivem und passivem Portfoliomanagement.
- Kritische Untersuchung von Value-Investing und Dividenden-Investing Strategien.
- Entwicklung eines mehrstufigen, regelbasierten Auswahlverfahrens für Privatanleger.
- Evaluierung der Bedeutung von Asset Allocation und Diversifikation.
- Empirische Performance-Analyse mittels Bloomberg-Daten.
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Behavioral Finance
Die verhaltensorientierte Finanzierungslehre (engl. Behavioral Finance) hat ihren theoretischen Ursprung in der Nobelpreis-prämierten Prospect Theory von Daniel Kahneman und Amos Tversky. Basierend auf empirischen Beobachtungen von Marktanomalien, lösten sie sich von der Annahme des Homo oeconomicus, des rationalen Nutzenmaximierers, sowie des vollkommenen Marktes. Damit berücksichtigen sie, dass auch Emotionen Einfluss auf die Entscheidungen eines Individuums haben und dieses teilweise in begrenzter Rationalität agiert. Zielsetzung der Behavioral Finance ist es, diese irrationalen Verhaltensmuster zu erkennen und zu erklären. Einige Beispiele für an den Kapitalmärkten beobachtetes irrationales Verhalten sind u. a.:
Home Bias/Familiarity Bias
Overconfidence Bias/exzessiver Handel
Dispositionseffekt
Heuristiken (Verfügbarkeitsheuristik)/Herdeverhalten
Der Home Bias und der Familiarity Bias sind Portfolioverzerrungen, die an allen Kapitalmärkten auf der Welt zu beobachten sind. Der Home Bias beschreibt die Tatsache, dass Anleger dazu tendieren, (rein) national zu investieren. Der Heimatmarkt wird damit im Portfoliokontext überproportional gewichtet. Die mangelnde Länder- und Währungsdiversifikation verhindert Diversifikationseffekte und stellt eine konzentrierte Abhängigkeit des Anlegers von einem Land dar. Die Effekte des Familiarity Bias übersteigen die des Home Bias nochmals. Nach dem Familiarity Bias bevorzugen Anleger bekannte Unternehmen, den eigenen Arbeitgeber und investieren mit regionalem Fokus. Die Folge davon sind Klumpenrisiken in bestimmten Branchen oder Regionen. Beide Portfolioverzerrungen führen dazu, dass Selbiges nicht angemessen diversifiziert ist, da nicht ausreichend über Länder, Währungen und Branchen hinweg investiert wird. Das unsystematische Risiko ist demnach höher als es sein müsste. Teilweise kann dieser irrationale Verzicht auf Reduktion des unsystematischen Risikos durch Wechselkursrisiken, Transaktionskosten und Informationsasymmetrien erklärt werden – allerdings nicht vollständig. Der Anleger setzt sich neben dem systematischen, einem erhöhten unsystematischen Risiko aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Problematisierung der Niedrigzinspolitik und Vorstellung des Ziels, eine mechanische hybride Strategie für Privatanleger zu entwickeln.
2. Grundlagen Portfoliomanagement: Erläuterung des Investmentprozesses, der Investmentphilosophie, der Portfolio Selection Theory und der Bedeutung von Asset Allocation.
3. Analyse der Investment-Strategien: Detaillierte Untersuchung von Value- und Dividenden-Investing sowie deren jeweiligen Kennzahlen.
4. Analyse der Dividenden-Value-Investment-Strategien: Anwendung und Testung der entwickelten hybriden Strategie auf Basis einer Datenausleitung.
5. Fazit: Kritische Würdigung der Ergebnisse und Beantwortung der zentralen Fragestellung sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Portfoliomanagement, Value-Investing, Dividenden-Investing, Asset Allocation, Diversifikation, Behavioral Finance, Performance-Messung, Bloomberg, Marktanomalien, Privatanleger, Finanzielle Unabhängigkeit, Rendite-Risiko-Verhältnis, Mehrstufiges Auswahlverfahren, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Kurs-Gewinn-Verhältnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master-Thesis grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob Privatanleger durch eine automatisierte und regelbasierte Kombination von Value- und Dividenden-Investmentstrategien den Markt langfristig schlagen können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Portfoliomanagement, der Analyse von Value- und Dividenden-Kriterien, der Asset Allocation sowie dem Einfluss verhaltensökonomischer Aspekte auf Anlegerentscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die Identifikation einer nachbildbaren, mechanischen Investment-Strategie, die Privatanlegern hilft, ihre Portfolio-Performance mit überschaubarem Zeitaufwand zu optimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine empirische quantitative Analyse, basierend auf historischen Kapitalmarktdaten aus dem Bloomberg-Terminal für den Zeitraum 2002 bis 2017.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen und führt eine praktische datengestützte Untersuchung verschiedener Kennzahlen-Kombinationen durch, um die besten Strategien für Privatanleger zu ermitteln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Portfoliomanagement, Value-Investing, Dividenden-Investing, Asset Allocation, Behavioral Finance und Performance-Messung.
Warum spielt die Behavioral Finance eine so wichtige Rolle für das Konzept?
Die Behavioral Finance erklärt, warum Anleger durch Emotionen und psychologische Anomalien wie Selbstüberschätzung oft schlechtere Ergebnisse erzielen; die entwickelte Strategie soll diese Fehler durch strenge, mechanische Regeln verhindern.
Warum wird im Praxisteil die Anzahl der Titel im Portfolio auf 50 begrenzt?
Die Begrenzung auf 50 Titel dient der praktischen Umsetzbarkeit für Privatanleger unter Berücksichtigung von Diversifikationsvorteilen und Transaktionskosten.
- Citar trabajo
- Maurice Krüger (Autor), 2018, Dividenden-Value-Investing Analyse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492795