Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem unter Berücksichtigung des Migrationshintergrundes


Hausarbeit, 2016
8 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

1. Einleitung

Die ungleiche Verteilung von Bildungschancen ist in Deutschland ein „Dauerthema“ (Lauterbach und Becker 2007, S. 417). Deutschland ist mit Erkenntnissen einer zunehmenden sozialen Bildungsungleichheit in der Bildungsforschung konfrontiert und hat diesbezuglich mit den bildungspolitischen Folgen der schlechten PISA - Ergebnisse zu kampfen. Obwohl theoretisch gleiche Bildungschancen fur jedermann ungeachtet seines Geschlechts, seiner Abstammung oder seiner Hautfarbe usw. bestehen, zeigen sich beim Erwerb von Bildungszertifikaten deutliche milieuspezifische Disparitaten. Die soziale Herkunft hat in Deutschland starke Auswirkungen auf die Bildungskompetenz der Kinder. Diese Kritik fuhrte sowohl in der Gesellschaft als auch in der Bildungsforschung zu einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema. In der vorliegenden Arbeit soll nun ein Uberblick uber Bildungsungleichheit geschaffen sowie gesellschaftliche und kulturelle Aspekte, die zum AusmaR und zur Reproduktion sozialer Bildungsungleichheit beitragen, beleuchtet werden.

2. Begriffsbestimmungen

Im folgenden Abschnitt werden die Begriffe ..Bildungsungleichheit" und ..Migration" erlautert Bildungsungleichheit:

Bildungsungleichheit stellt eine Form sozialer Ungleichheit dar. Soziale Ungleichheit herrscht also in allen Bereichen des Lebens. So auch im Bereich der Bildung. Nach Stefan Hradil liegt soziale Ungleichheit dann vor, ,.wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefugen von den wertvollen Gutern einer Gesellschaft regelmaRig mehr als andere erhalten" (Hradil 2005, S. 30). Bildung wird hier als ein gesellschaftliches Gut angesehen. In diesem Zusammenhang versteht man unter diesem Begriff also, dass Personen, zum Beispiel Kinder mit Migrationshintergrund, im Bezug auf den Zugang zu Bildung nicht die gleichen Moglichkeiten haben als andere Mitglieder der Gesellschaft. Die Menschen haben zwar objektiv die gleichen Moglichkeiten, einen Bildungserfolg zu haben, aufgrund anderer Faktoren wird dies jedoch schwieriger (vgl. Hradil 2005, S. 15). Dies soll aber in den Kapiteln zu den Ursachen (3.2 und 3.3) von Bildungsungleichheit naher erlautert werden.

Migration:

Von Migration spricht man, wenn eine Person ihren Lebensmittelpunkt raumlich verlegt. Ein Migrant bzw. eine Migrantin ist eine Person, die ihren Heimatort fur eine bestimmte langere Zeit oder fur immer in eine andere Region oder ein anderes Land verlegt.

Die Beweggrunde der Menschen konnen politisch, privat oder sozial bedingt sein. Bei den meisten Wanderungsprozessen wandern die Menschen aufgrund von negativen Veranderungen im eigenen Land. Hierzu gehoren Klima - oder Umweltveranderungen, Armut und Arbeitslosigkeit oder auch ethnische und religiose Diskriminierung, Vertreibung, politische Verfolung und Krieg.

Von internationaler Migration spricht man dann, wenn dies uber Staatsgrenzen hinweg geschieht" (Razum und Spallek 2009). So definierte das Bundesamt fur Migration und Fluchtlinge den Begriff Migration. Von internationaler Migration sind die armsten Lander der Welt betroffen.

Der Begriff ,,Menschen mit Migrationshintergrund“ hat sich in den letzten Jahren als Sammelbezeichnung fur die heterogene Gruppe der Zuwanderer eingeburgert (vgl. Statistisches Bundesamt 2005).

In diesem Kapitel sollte zunachst beleuchtet werden, was in dieser Arbeit unter Bildungsungleichheit und Migration verstanden werden soll. Im Folgenden werde ich auf die Analysen und Ursachen eingehen.

3. Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem unter Berucksichtigung des Migrationshintergrundes

Ausgehend von den PISA - Studien werden in diesem Kapitel die Ursachen fur die Benachteiligung der Migrationsfamilien im Bildungssystem erlautert. Daran ankupfend gehe ich auf die aktuelle Bildungsbeteiligung in Deutschland und anschlieRend auf den theoretischen Ansatz von Bourdieu ein.

3.1 Ergebnisse der PISA - Studien

Durch zahlreiche Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Schulerfolg stark vom sozialen Hintergrund des Elternhauses abhangt. Die PISA - Studie testet die Kenntnisse und Fahigkeiten 15 - jahriger SchulerInnen. Deutschland hat im Vergleich zu anderen Landern mit ahnlicher Migrationsdichte schlechtere Ergebnisse erzielt. Diese Studie zeigte, dass in Deutschland mit dem Migrationsstatus haufig Bildungsungleichheiten verbunden sind. Von Benachteiligung spricht man dann, wenn SchulerInnen mit Migrationshintergrund aufgrund der auf sie wirkenden Einflusse geringere Chancen haben, in vorteilhafte Bildungsgange zu gelangen und erfolgreiche Abschlusse erreichen als Kinder deutscher Eltern. Fast jedes vierte in Deutschland geborene Kind hat mindestens ein auslandisches Elternteil und fast ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland kommen zugewanderten Familien (vgl. Beauftragte fur Migration, Fluchtlinge und Integration 2005, 21-22). Folglich erzielen SchulerInnen mit Migrationshintergrund niedrigere Bildungsqualifikationen als ihre deutschen Altersgenossen. Die Befunde der PISA - Studie zeigen auch, dass die Bildungsbeteiligung und Forderung von SchulerInnen aus zugewanderten Familien in anderen Landern, wie zum Beispiel Kanada oder Schweden, besser gelingt als in Deutschland. Ein grower Anteil der getesteten MigrantInnen, etwa 70%, sind entweder in Deutschland geboren oder sind vor Beginn der Schulpflicht eingereist, jedoch fiel auf, dass fast die Halfte der getesteten Jugendlichen im Lesen nicht die elementare erste Kompetenzstufe uberschreitet (vgl. Deutsches PISA - Konsortium 2003, 247). Zudem ist es bemerkenswert, dass SchulerInnen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren sind, schlechtere Ergebnisse erzielen, als SchulerInnen die in ihrem Heimatland geboren und dort zur Schule gegangen sind (vgl. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung fur Migration, Fluchtlinge und Integration 2005, S.49). Dementsprechend sind Kinder aus zugewanderten Familien immer noch in Realschulen und Gymnasien unterreprasentiert und in Haupt - und Sonderschulen uberreprasentiert. Diese Studien bestatigen, dass Wechselbeziehung zwischen Bildungschancen und sozialer Herkunft vorhanden sind. Demnach spielt das „Einreisealter“ bei Kindern aus zugewanderten Familien weniger eine Rolle und SchulerInnen erreichen nicht immer einen ihren schulischen Leistungen entsprechenenden Schulabschluss obwohl sowohl gesetzlich als auch bildungspolitisch vorgesehen ist, dass jedes Kind unabhangig von seiner Herkunft, seinem Alter etc. gemaR seiner Neigung und Fahigkeit gefordert wird und die Schule fur Chancengleichheit zu sorgen hat (vgl. Prengel 1995, S. 20-22).

3.2 Institutionelle Diskriminierung

Humboldt forderte, Bildung, „die Anregung aller Krafte des Menschen" ( Humboldt I960, S.64), fur jeden, entsprechend seiner Fahigkeiten, zuganglich zu machen und diese zu fordern. Diese Forderung wurde aber durch die zunehmende Institutionalisierung von Bildung behindert. Empirische Studien zeigen, dass fur die Disparitaten der Bildungsbeteiligung von zugewanderten Familien, auRer den oben genannten Ressourcen, das Bildungssystem verantwortlich ist. Daran anknupfend soll in diesem Kapitel eine Perspektive auf institutionelle Diskriminierung entworfen und herausgearbeitet werden, ob diese Bildungsbarrieren durch das Schulsystem noch vergroRert werden. Die Problematik der strukturellen und institutionellen Diskriminierung ist kein neues Thema. Seit Jahren fordern Menschenrechts- und Fluchtlingsorganisationen etc. grundlegendeVeranderungen.

Nach Gomolla (2002) ist die Schule eine Institution, die SchulerInnen mit Migrationshintergrund als defizitar darstellt, diskriminierende Beschlusse trifft und sie zu Sonderunterricht, Zuruckstufung oder Hauptschule verweist. Es gilt somit zu untersuchen, ob ungleiche Bildungschancen prasent sind und dieser Zustand auf Diskriminierung der Kinder von Zuwandererfamilien im deutschen Schulsystem zu schlieRen ist. Die Politik und die Lehrer haben die Rolle der Entscheidungstrager. Taglich bestimmen sie die Konstruktion der Schule, der Regelklassen und des (Sonder-) Unterrichts fur MigrantInnen (vgl. Flam 2007, S.19-20). In der Bundesrepublik sind Vorschriften und Schulgesetze vorhanden, die die Kinder nach dem Migrationsstatus der Eltern kategorisieren, d.h. danach, ob sie Gastarbeiter, Fluchtlinge, Asylbewerber etc. sind. Demnach werden sie in separierten Klassen und Schultypen ubervertreten. Der Kindergarten und die Grundschule hat die Aufgabe Kinder der MigrantInnen mit der deutschen Sprache vertraut zu machen und ihnen somit den Schulerfolg zu erleichtern. Jedoch hat sich herausgestellt, dass die Sprachbeherrschung von diesen Kindern nach personalisierten MaRstaben der Lehrer variieren und kein einheitlicher Standard hierfur verwendet wird. Folglich werden jedes Jahr zahlreiche Kinder mit Migrationshintergrund im Ubergang in die Primarschule aufgrund von mangelnden oder schwachen Deutschkenntnissen oft in Einschulungs - und Sonderklassen unterrichtet, in den Kindergarten zuruckgestellt oder mussen die erste Klasse repetieren (vgl. Lanfranchi 2002, S. 72) wahrend nach Gomolla (2002) Jugendliche bei unzureichenden Deutschkenntnissen auf die Haupt - und Sonderschule geschickt werden, obwohl diese uber keinerlei Kompetenzen in der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache verfugen und so gut wie keinen Unterricht in den Muttersprachen anbieten (vgl. Powell und Wagner 2001).

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Details

Titel
Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem unter Berücksichtigung des Migrationshintergrundes
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
8
Katalognummer
V492852
ISBN (eBook)
9783668987739
ISBN (Buch)
9783668987746
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildungsungleichheit, schulsystem, berücksichtigung, migrationshintergrundes
Arbeit zitieren
Rukiye Tekin (Autor), 2016, Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem unter Berücksichtigung des Migrationshintergrundes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492852

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