99,7% aller Unternehmen in Deutschland werden vom Institut für Mittelstandsforschung (2005) dem Mittelstand zugerechnet. Sie bieten gut 70% aller deutschen Arbeitsplätze an und tätigen gut 40% aller steuerpflichtigen Umsätze. Diese Zahlen verdeutlichen gut ihre hohe Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft. Die Finanzierungssituation der mittelständischen Unternehmen rückte in den vergangenen Jahren zunehmend ins öffentliche Interesse. Verbunden damit ist Diskussion um die Folgen der Neufassung der Mindesteigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute und das Schlagwort "Basel II". In diesem Zusammenhang wird eine Verschlechterung der Finanzierungsmöglichkeiten oder ihre Verteuerung vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vermutet (so z.B. Deutscher Bundestag, 2002).
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit diesem Spannungsfeld und der Kausalität zwischen der bankaufsichtsrechtlichen Regulierung von Kreditinstituten und der Finanzierungssituation von KMUs. Es soll geklärt werden ob und falls ja, welche Auswirkungen Basel II für den deutschen Mittelstand entwickeln könnte und welche Folgerungen für seine Finanzierung hieraus zu ziehen wären. Besonders soll den Auswirkungen auf die Kreditfinanzierung im Hinblick auf die Kreditpreise und die Kreditversorgung Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ziel dieser Arbeit ist es ebenfalls, mögliche ausgewählte alternative Finanzierungsinstrumente aufzuzeigen und ihre Eignung als Kreditsubstitute zu beurteilen.
Die Seminararbeit beginnt mit einer kurze Auseinandersetzung mit dem Begriff "Mittelstand" sowie der Darstellung der aktuellen Finanzierungssituation mittelständischer Unternehmen im Kapitel 2. Kapitel 3 enthält eine kurze theoretische Fundierung und einem historischen Abriss der aufsichtsrechtlichen Überwachung von Kreditinstituten sowie die Darstellung wesentlicher Eckpunkte der Neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung. Folgen der Neufassung der aufsichtsrechtlichen Normen für die Finanzierung von mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind das Thema des Kapitels 4. Dort werden ebenfalls ausgewählte Finanzierungsalternativen zum Bankkredit, die einen Beitrag zur Verbesserung der Finanzstruktur leisten können, vorgestellt und auf ihre Eignung und Praktikabilität beurteilt. Die Arbeit schließt mit einer Schlussbetrachtung im Kapitel 5.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der Mittelstand in Deutschland
2.1. Begriffseingrenzung
2.2. Aktuelle Finanzierungsstrukturen im Mittelstand
3. Aufsichtsrechtliche Regulierung von Kreditinstituten
3.1. Theoretische Grundlagen der Regulierung
3.2. Bankenaufsicht in Deutschland und Internationalisierungstendenzen
3.3. Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung
3.3.1. Struktur und Ziele von Basel II
3.3.2. Berücksichtigung von KMU-Krediten unter Basel II
4. Auswirkungen der Neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung auf die Finanzierungssituation von KMU
4.1. Neue Anforderungen an KMU
4.2. Kreditpreise und Kreditangebot
4.3. Finanzierungsalternativen für mittelständische Unternehmen
4.3.1. Traditionelle Kreditsubstitute
4.3.2. Asset Backed Securities als Finanzierungsinstrument
4.3.3. Hybride Finanzierungsinstrumente
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der neuen bankaufsichtsrechtlichen Regulierung (Basel II) auf die Finanzierungssituation kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Deutschland. Es wird analysiert, inwiefern die verschärften Anforderungen zu einer Kreditverknappung oder Verteuerung führen könnten und welche alternativen Finanzierungsinstrumente als Kreditsubstitute in Frage kommen.
- Strukturelle Auswirkungen der Bankenregulierung auf den deutschen Mittelstand
- Anforderungen an die Transparenz und das Rating mittelständischer Unternehmen
- Analyse von Kreditpreisen und Kreditangeboten im Kontext von Basel II
- Evaluation alternativer Finanzierungsinstrumente (Leasing, Factoring, ABS, Mezzanine)
- Strategien zur Optimierung der Finanzierungsstruktur für KMU
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Struktur und Ziele von Basel II
Die Kritikpunkte aufnehmend und mit der Zielsetzung über mehr Flexibilität und eine risikogerechtere Ausrichtung die "Stärkung der Solidität des Finanzsystems" zu erreichen (Sek. BAB, 2001), stellte der Baseler Ausschuss seit 1999 drei Konsultationspapiere zu einer neuen Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) vor. Basel II liegt demnach ein Konzept von drei sich gegenseitig verstärkenden Säulen zu Grunde, die sich mit Mindestkapitalanforderungen, einem bankaufsichtlichen Überprüfungsprozess und erweiterter Marktdisziplin befassen12.
Im Bereich der Mindestkapitalanforderungen stehen den Banken drei unterschiedlich komplexe Verfahren zur Risikomessung zur Verfügung. Ein Standardansatz als eine modifizierte Version der geltenden Regelung und zwei IRB-Ansätze13, bei denen sich die Kreditinstitute bei der Ermittlung der Eigenkapitalanforderung auf eigene Einschätzungen der Bonität stützen. Am Gesamtumfang des regulatorischen Eigenkapitals soll jedoch nichts geändert werden, so die erklärte Absicht des Baseler Ausschusses (Sek. BAB, 2001, S.2-4). Im Standardansatz ergibt sich der Wert der risikogewichteten Aktiva aus dem offenen Kreditbetrag und dem Risikogewicht, welches vom Rating externer Bonitätsbeurteilungs-Agenturen abhängig ist (Wilkens et al., 2001, S. 187).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der hohen ökonomischen Bedeutung des Mittelstands sowie Hinführung zum Spannungsfeld zwischen Basel II und der Finanzierung von KMU.
2. Der Mittelstand in Deutschland: Definition und Abgrenzung des Mittelstandsbegriffs sowie Analyse der gegenwärtigen, durch Bankkredite dominierten Finanzierungsstruktur.
3. Aufsichtsrechtliche Regulierung von Kreditinstituten: Theoretische Begründung der Bankenaufsicht, historischer Abriss der Entwicklung und detaillierte Erläuterung der Säulenstruktur von Basel II.
4. Auswirkungen der Neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung auf die Finanzierungssituation von KMU: Untersuchung der Folgen für Kreditvergabe und -preise sowie Vorstellung alternativer Finanzierungswege wie Leasing, Factoring, ABS und Mezzanine-Kapital.
5. Schlussbetrachtung: Fazit über die Auswirkungen von Basel II, das Plädoyer für ein aktives Finanzstrukturmanagement und der Hinweis auf den langfristigen Trend zur Kapitalmarktorientierung.
Schlüsselwörter
Basel II, Mittelstand, KMU, Kreditfinanzierung, Eigenkapitalanforderungen, Rating, Finanzierungsalternativen, Mezzanine-Kapital, Asset Backed Securities, Factoring, Leasing, Bankenaufsicht, Bonität, Finanzierungsstruktur, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) auf die Finanzierung von mittelständischen Unternehmen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die bankaufsichtliche Regulierung, das Rating von Unternehmen, Kreditpreise sowie alternative Finanzierungsinstrumente wie Mezzanine-Kapital oder Asset Backed Securities.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob durch Basel II eine Kreditverknappung oder Verteuerung für KMU zu erwarten ist und wie Unternehmen ihre Finanzierung professionalisieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung und einer umfassenden Auswertung der Fachliteratur sowie offizieller Publikationen zu Basel II.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis der Regulierung, die Auswirkungen von Basel II auf den Mittelstand und die detaillierte Vorstellung und Bewertung alternativer Finanzierungsinstrumente.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Basel II, Mittelstand (KMU), Rating, Mezzanine-Kapital und Kreditfinanzierung.
Inwiefern beeinflusst das Rating die Kreditkonditionen unter Basel II?
Unter Basel II führen Bonitätseinstufungen (Ratings) zu einer differenzierteren Preisgestaltung bei Bankkrediten, wobei gute Ratings günstigere Konditionen und schlechtere Ratings höhere Risikoprämien zur Folge haben können.
Sind alternative Finanzierungsinstrumente für den Mittelstand praktikabel?
Die Arbeit zeigt, dass Alternativen wie Mezzanine-Kapital oder Factoring zwar Finanzierungsvorteile bieten können, jedoch oft hohe Anforderungen an die Professionalität und Größe der Unternehmen stellen.
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- Karsten Zeglen (Author), 2005, Der Einfluss von Basel II auf Finanzierungsformen im deutschen Mittelstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49321