Die Dopingberichterstattung zur Tour de France 2018 in ausgewählten Printmedien


Bachelorarbeit, 2018
81 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 . Einleitung
1.1 Relevanz des Themas
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2. Doping – Definition, Entstehung und Einordnung
2.1 Die Historische Betrachtung des Dopings unter besonderer Berücksichtigung des Radsports
2.2 Der Fall Chris Froome und seine Startberechtigung zur Tour de France 2018

3. Dopingberichterstattungen in den deutschen Medien – ein Forschungsstand
3.1 Eine Allianz zwischen Sport, Medien und Wirtschaft
3.2 Der mediale Umgang mit der Dopingproblematik im Spitzensport
3.2.1 Motive der Dopingberichterstattung
3.2.2 Personalisierung in der Dopingberichterstattung
3.2.3 Helden-Inszenierung/ Opfer-Skandalisierung
3.2.4 Desillusionseffekte beim Sportzuschauer

4. Untersuchungsdesign – Methode der Inhaltsanalyse
4.1 Untersuchungsobjekte – Süddeutsche Zeitung, Remscheider General Anzeiger und Untersuchungszeitraum
4.2 Hypothesenbildungen
4.2.1 Bildung von Variablen und Indikatoren
4.2.2 Codebuch (Untersuchungsinstrument)

5. Ergebnisse und Auswertung der Hypothesen

6. Zusammenfassung und Fazit

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Radsport hat die falschen Helden.“ (Süddeutsche Zeitung, 25.12.17) „Team Sky schafft ein Vermächtnis mit Schatten.“ (Süddeutsche Zeitung, 29.07.18) „Chris Froome – der unbeliebte Sieger.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.18)

Die einleitenden Zitate sind Artikelüberschriften der Süddeutschen Zeitung zur Berichterstattung über die Tour de France, die in diesem Jahr zur 105. Auflage am 29. Juli 2018 in Paris endete. Obwohl bis heute kein einziger Dopingfall zur Tour de France bekannt wurde, erhält der Radsport und vielmehr das größte Radrennen der Welt ein prägend negatives Leitbild in der Öffentlichkeit. Längst haftet der Sportart mit der Dopingproblematik ein hässlicher Begleiter an, der sich nicht einfach abschütteln lässt. Doping ist moralisch höchst verwerflich, zerstört die natürliche Chancengleichheit im Wettkampf von Athleten und verschmutzt das Bild eines sauberen Sports.

Gesamtsieger der diesjährigen 105. Auflage der Tour de France ist der britische Radprofi Geraint Thomas, der die 3-wöchige Landesrundfahrt durch Frankreich souverän vor dem Niederländer Tom Dumoulin und seinem Sky-Teamkollegen Christopher Froome für sich entscheiden konnte. Der eigentliche Team Sky- Mannschaftskapitän Froome, der zuletzt viermal in Folge die Tour de France dominierte, wird vor und während der Tour de France kontinuierlich mit Dopinganschuldigungen konfrontiert, nachdem im September 2017 bei der Vuelta ein überhöhter Salbuthamol-Wert bei ihm gemessen wurde und er dennoch einen undurchsichtigen Freispruch erringen konnte. Seine Starterlaubnis zur Tour de France nach monatelanger, intransparenter Urteilsfindung wird nicht nur durch die Medien schwer kritisiert. Große Teile des Publikums wenden sich gegen den Briten und sein Team Sky, es gibt Anfeindungen, Beleidigungen und sogar tätliche Übergriffe. Das Image des Radsports erfuhr bis zuletzt offenkundig eine sanfte Wiederherstellungs- und Genesungsphase, nachdem die Protagonisten der Sportart über Jahrzehnte ihre Sportzuschauer belogen und betrogen hatten. Wenig überraschend erscheinen daher die verärgerten Reaktionen in der Öffentlichkeit auf die Startberechtigung von Chris Froome. Das Thema Doping im Radsport ist nach wie vor hoch sensibel zu behandeln und die Negativschlagzeilen, die der Fall Froome beinhaltet, riskieren ungünstige Konsequenzen im Antidopingkampf und einen erneuten Rückschlag für den bereits angeschlagenen Radsport.

1.1 Relevanz des Themas

Mit dem Titel der Arbeit „Die Dopingberichterstattung in den Printmedien zur Tour de France 2018“ – ein inhaltsanalytischer Vergleich von Radsportberichterstattung zweier ausgewählter Tageszeitungen - wird auf das überdauernd aktuelle Thema Doping im Radsport und ausgehend des Falls um Christopher Froome auf die erneut entflammte, konfliktträchtige Berichterstattung in den Medien Bezug genommen. Lange Zeit wurde das Thema Doping in den Medien tabuisiert, erst nach dem Bekanntwerden flächendeckender, sportartenübergreifender Dopingskandale war ein Paradigmenwechsel seitens der Medien erkennbar. Eine Analyse um die Qualität im Sportjournalismus und die Art und Weise der gegenwärtigen Dopingberichterstattung erscheint vor dem Hintergrund, dass dieser Bereich wenig empirisch erforscht wurde, und auch durch die neuen Dopinganschuldigungen gegen Froome, hochrelevant. In der Praxis ist daher ein Bedarf an journalistischen und wissenschaftlichen Handlungsempfehlungen zur Dopingberichterstattung erforderlich. Die Medien besitzen eine eigene Hegemonie im Konstellationsphänomen um die beiden eng miteinander verbundenen Säulen, Sport und Wirtschaft. Ihren Rezipienten können die Medien ihr eigenes Bild der Ereignisse um das Thema Doping auferlegen, das oftmals nicht kongruent zur tatsächlichen Realität ist.

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit unterteilt sich in ein theoretisches, sowie ein praktisches Themenfeld. Nach Vorstellung des Themas erfolgt in den beiden anschließenden Kapiteln im Rahmen des Theorieteils ein umfassendes Studium der relevanten Forschungsliteratur. Im 2. Kapitel wird nach vorausgehender Definition das Thema Doping unter besonderer Berücksichtigung des Radsports historisch betrachtet und eingeordnet. Kapitel 3 gibt einen präzisen Umriss über den gegenwärtigen Forschungstand der medialen Dopingberichterstattung und skizziert die mediale Vorgehensweise und deren teilweise suggestive Techniken bei der Präsentation von Dopingreportagen.

Im nachfolgenden 4.Kapitel vergleicht der Autor im Zuge einer Inhaltsanalyse zwei ausgewählte deutsche Tageszeitungen miteinander, im Hinblick auf die Dopingberichterstattung zur Tour de France 2018. Während die Süddeutsche Zeitung dabei überregionalen Charakter besitzt, handelt es sich beim Remscheider Generalanzeiger um eine deutlich auflagenärmere, kleinere, Tageszeitung regionaler Prägung und daher entsprechend reduziertem Verbreitungsbereich.

Die Auswertung der Inhaltsanalyse soll sodann die forschungseinleitenden Fragen ausführlich beantworten.

In welcher Häufigkeit und mit welchem Umfang wird das Thema Doping im Radsport in den Tageszeitungen dargestellt? Welche Rolle nehmen die beiden Printmedien bei der Dopingberichterstattung ein? Wird Doping in den Medien personalisiert diskutiert? Und richten sich Dopinganschuldigungen auch gegen deutsche Fahrer und Teams oder sind diese frei von negativen Konnotationen bezüglich Doping?

2. Doping – Definition, Entstehung und Einordnung

Bevor im nachfolgenden Kapitel die historische Betrachtung des Dopings, die Entstehungsgeschichte und erste Doping-Anwendungen von Athleten unter besonderer Berücksichtigung des Radsports erfasst werden, soll zunächst eine präzise Definition von Doping gezielt formuliert werden.

Auch an dieser Stelle bedingt es einem Rückblick in die Historie. Fortdauernd herrschte keine einheitliche Definition von Doping, weder in der Wissenschaft, noch in der Literatur. Divergierend wichen Definitionsversuche voneinander ab, waren unvollständig und fragmentarisch. Als zu bizarr und grotesk erscheint es hier, Jan Ullrichs Auftritt in Reinholds Beckmanns Talkshow zu erwähnen. Als der damals unter Dopingverdacht stehende Radprofi auf die Frage „Was ist für Sie Doping?“ nur nach langem Nachdenken und einiger Verzögerung stockend, stammelnd und sehr unbeholfen eine Definition zu formulieren versuchte.

Schon zu antiken Zeiten hat der Mensch Versuche unternommen, seine individuelle Leistungsfähigkeit durch verschiedene Drogen und Arzneimittel sportartenübergreifend zu steigern. Der Begriff Doping findet seinen Ursprung wohl in Afrika. Der Wortstamm „Dop“ bezeichnete einen Schnaps, den die Eingeborenen während religiöser Rituale zur Anregung tranken. Mit den Buren kam dieser Wortfetzen nach England, wo er erstmals 1889 als ganzer Begriff Doping in einem Wörterbuch auftauchte (vgl. Feiden, Blasius, 2017).

In den folgenden Jahrzehnten entwickelten zahlreiche Wissenschaftler und Mediziner verschiedene Versuche einer Definition, deren vollständige Nennung den Rahmen und die Grenzen dieser Arbeit übersteigern würde.

Um dennoch einen, aus empirischer Sicht, zugänglichen Überblick zu gewähren, stehen nachfolgend einige selektierte Erklärungsversuche und Listen.

1952 erklärte der Deutsche Sportärztebund „Die Einnahme eines jeden Medikaments, ob es wirksam ist oder nicht, mit der Absicht der Leistungssteigerung während des Wettkampfes, ist als Doping zu bezeichnen.“ (Baier, 1998. S. 2)

1971 lieferte das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Dopingdefinition. „Die Anwendung aller – auch zu therapeutischen Zwecken verwendeten – Substanzen, welche die Leistungsfähigkeit aufgrund ihrer Zusammensetzung oder Dosis beeinflussen.“ (Baier, 1998. S. 2) Diese Substanzen wurden dann auch erstmals auf einer Liste aufgeführt, um eine verbesserte, definitorische Trennschärfe und zudem noch eine Rechtssicherheit zu bieten.

Aber auch der Erklärungsversuch des IOC stellte sich nachfolgend als unbefriedigend und zu eindimensional heraus. Mit der steigenden Technisierung und den hieraus resultierenden Möglichkeiten im Bereich der Dopingmethodik war eine genauere Definition erforderlich. Doping ist ein tiefgründiger, hoch komplexer Sachverhalt, der nicht allgemein greifbar gemacht werden kann (vgl. Philipp, 2002).

Seitens der WADA sind heute im Welt-Antidoping-Code eindeutige Regelungen zu Verstößen und Missachtungen der Dopingbestimmungen festgehalten. Der Welt- Antidoping-Code ist ein einheitliches Werk für alle Länder und deren Bekämpfung von Doping. Definiert wird Doping darin als „das Vorliegen eines oder mehrerer der nachfolgend in Artikel 1.1 bis Artikel 1.8 festgelegten Verstöße gegen Antidopingbestimmungen“ (Welt-Anti-Doping-Agentur, 2009, S. 10-15). Ein Verstoß gegen die Antidopingbestimmungen gilt als einer oder mehrere der folgenden Unterpunkte:

2.1 Das Vorhandensein eines verbotenen Wirkstoffes […] in den Körperflüssigkeitsproben eines Athleten […]

2.2 Die Anwendung oder der Versuch der Anwendung eines verbotenen Wirkstoffs […].

2.3 Die Weigerung, […] sich einer angekündigten Probennahme zu unterziehen […].

2.4 Der Verstoß gegen anwendbare Vorschriften über die Verfügbarkeit des Athleten für Trainingskontrollen […].

2.5 Unzulässige Einflussnahme […] auf einen Teil des Dopingkontrollverfahrens […].

2.6 Der Besitz verbotener Wirkstoffe […].

2.7 Das Handeln mit verbotenen Wirkstoffen…

2.8 Die Verabreichung von verbotenen Wirkstoffen oder verbotenen Methoden bei Athleten oder die Beihilfe, Unterstützung, Anleitung, Anstiftung, Verschleierung oder sonstige Tatbeteiligung bei einem Verstoß oder einen versuchten Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen (Welt-Anti-Doping-Agentur, 2009, S. 10-15).

Im Einzelnen sind dabei verschiedene Wirkstoffe und Methoden als Dopingvergehen einzustufen. Auf der Liste der WADA wird differenziert nach Anabol-androgenen Steroiden (AAS), Anabolen Substanzen, Peptid- und verschiedene Wachstumshormone, Beta -2- Agonisten, Hormon- und Stoffwechselmodulatoren, Diuretika und Maskierungsmittel, Stimulanzien, Narkotika, Cannabinoide und Glucocorticoide. Darüber hinaus werden die verbotenen Methoden, wie die Manipulation von Blut und Blutbestandteilen, chemische und physikalische Manipulation und Gendoping, als verbotenes Vergehen rubriziert. Dazu veröffentlicht die WADA mindestens jährlich die Liste der verbotenen Wirkstoffe und verbotenen Methoden. Zwar berücksichtigt diese enumerative Doping-Definition klare und eindeutige rechtliche Parameter, aber wiederum keineswegs moralische Komponenten. Es wird nicht erwähnt, dass Doping die konstitutiven Sinnprinzipien eines offenen Wettkampfes torpediert und die allgemeine Chancengleichheit außer Kraft setzt.

Auf eine weitere Differenzierung und genauere Erläuterung der Wirkstoffgruppen sowie der als Doping deklarierten Methoden wird an dieser Stelle verzichtet, da diese den Forschungszweck dieser Arbeit nicht protegieren.

2.1 Die Historische Betrachtung des Dopings unter besonderer Berücksichtigung des Radsports

„ Die Geschichte des Hochleistungssports ist nicht nur eine Geschichte großartiger Leistungen von herausragenden Persönlichkeiten, sie war und ist auch eine Geschichte des Betrugs und der Manipulation. Längst ist dabei eine Situation entstanden, in der jede sportliche Leistung unter dem Verdacht steht, auf unfaire Weise erbracht worden zu sein.“ (Dresen, 2011, S. 46)

„ Der Sportler, der auf Rekord eingestellt ist, sei bereit, dafür alles zu tun, was ihn nicht gerade umbringt.“ (US-Hammerwerfer Harold Vincent Connolly, Olympiasieger 1956)

Die vorgestellten Zitate aus dem Gleitwort Helmut Diegels, ehemaliger Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes und letzteres von US- Hammerwerfer Harold Vincent Connolly, Olympiasieger 1956, skizzieren das sowohl historische als auch strukturelle und soziologische Problem des Dopings. Der historische Ursprung des Dopings liegt dabei offenkundig noch länger zurück als obenstehende Zitate, denn dieser muss einst bei den Olympischen Spielen der Antike gesucht werden, bei denen aus Pflanzen gewonnene Produkte und andere Substanzen zur Verbesserung der Leistung eingesetzt wurden (vgl. Dresen, 2011).

Um einen verbesserten Überblick über die Bedeutsamkeit und immense Tragweite von Doping im Sport zu erlangen und das Folgekapitel über die mediale Berichterstattung nachvollziehbarer zu machen, erscheint es zweckmäßig, einen historischen Bogen von den Anfängen des Dopings zu antiken Zeiten, zeit- und epochenübergreifend bis zur Gegenwart zu schlagen. Dabei liegt der Fokus auf den Dopingfällen des Radsports und der Tour de France.

Der erste humane Dopingfall in der Neuzeit ereignete sich im Jahr 1865 in Amsterdam, bei dem ein Kanalschwimmer Koffein und Stimulanzien zu sich genommen hatte (vgl. Baier, 1998).

Wenig später gab es 1886 das erste Todesopfer mit Bezug zum Radsport zu beklagen, als der britische Rennfahrer Arthur Linton Opfer einer Überdosis Strychnin wurde. Der Brite war damit der erste Dopingtote in der Geschichte (vgl. Dresen, 2011).

Zwischen den Jahren 1950 und 1980 kam es zu einer Hochzeit der weltweit am häufigsten nachgewiesenen Dopingmittel, der Amphetamine. Auch in Deutschland erreichte der Konsum von Doping im Spitzensport während dieser Zeitspanne seinen vorläufigen Klimax, als in den einzelnen Sportverbänden Doping noch meist ohne Strafe behandelt wurde, da in der Forschung noch keine geeigneten Nachweismethoden und Kontrollmechanismen bekannt waren. So war in den 60er und 70er Jahren die Einnahme von Substanzen zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit in vielen Sportarten eine allgemein anerkannte Grundbedingung zur Erbringung sportlicher Höchstleistungen (vgl. Nuschke, Bartyzel, 2008). Erst als Mediziner vermehrt auf Gesundheitsrisiken und Gefahren hinwiesen, die Doping nach sich ziehen kann, bekam das Thema beständig mehr Anteilnahme in der Gesellschaft. Zuzüglich einer eklatanten Unwissenheit in der Politik über das Thema Doping wurden heftige Debatten über eine Legalisierung und Freigabe geführt. 1977 fand dazu eine Anhörung im Deutschen Bundestag statt, in deren Mittelpunkt durchaus eine Tendenz hin zur kontrollierten Abgabe zu erkennen war, um die nationale Konkurrenzfähigkeit nicht zu gefährden (vgl. Baier, 1998).

„ Wir wollen diese Mittel nur sehr eingeschränkt und nur unter der absolut verantwortlichen Kontrolle der Sportmediziner ... einsetzen, weil es offenbar Disziplinen gibt, in denen ohne den Einsatz dieser Mittel der leistungssportliche Wettbewerb in der Weltkonkurrenz nicht mehr mitgehalten werden kann.“ ( W olfgang Schäuble, 1977)

Wolfgang Schäubles Worte in seiner Rede als Abgeordneter und damals zuständig für den Sport, sind aus heutiger Sicht als höchst verwerflich, unmoralisch und sportschädigend zu werten.

Während der Tour de France kam es 1967 zu einem tragischen Dopingfall mit Todesfolge. Es betraf den Radprofi Tom Simpson, der seinerzeit als einer der hoffnungsvollsten Talente des britischen Straßenradsports galt, nachdem er bereits 1962 als erster britischer Fahrer das berühmt berüchtigte „Gelbe Trikot“ tragen durfte. Darüber hinaus gelang es ihm, die Straßenrad-Weltmeisterschaft 1965 für sich zu entscheiden. Die 13. Etappe der Tour de France 1967 führte damals von Marseille über 211,5 km mit Schlussanstieg zum Mont Ventoux. Der über 1900 Meter hohe Gigant in der Provence, der bereits 15 Mal während der Tour de France überfahren wurde, gilt bei den Sportlern als „windiger Berg“ und gefürchteter Anstieg, auf Grund oft enormster Hitzeentwicklung und ungeschützten Gegenwindphasen bei der Auffahrt. Tom Simpson konnte den Berg nicht mehr bezwingen, er scheiterte 4 Kilometer vor Zielschluss. „Er fuhr Zickzackkurven wie ein Betrunkener und fiel schließlich wie in Zeitlupe vom Rennsattel.“ (Nuschke, Bartyzel, 2008, S. 33). Zwar gelang es ihm noch einmal für kurze Zeit auf sein Rad zurückzukehren, wenige Augenblicke später brach er erneut vor laufender Kamera des französischen Fernsehens zusammen. Unverzüglich herbeieilende Ärzte konnten nur noch seinen Herzstillstand feststellen. Eine später eingeleitete Obduktion zur Klärung der genauen Todesursache ergab, dass Simpson an einer Überdosis von Amphetaminen und Alkohol starb, die in Verbindung mit der Hitze seinem Körper zu viel Wasser entzogen. Heute erinnert ein Denkmal am Mont Ventoux an seinen tragischen Tod (vgl. Nuschke, Bartyzel, 2008).

Zu einem Umdenken hat dieser Vorfall jedoch nicht geführt, weder im Profiradsport noch in anderen Sportarten. 1988 wurde der bis dorthin gravierendste Dopingfall in der Geschichte der Olympischen Spiele öffentlich. Der Kanadier Ben Johnson lief bei den Spielen in Seoul über 100m Weltrekord in 9,79 Sekunden, seine errungene Goldmedaille musste er wenig später abgeben, als er positiv auf das Steroid Stanozolol getestet wurde (vgl. Lünsch, 1991).

Kurz vor Beginn der Tour de France wird im Sommer 1998 der Festina- Dopingskandal weltweit bekannt. Erstmals ist nicht nur ein einzelner Akteur betroffen, sondern vielmehr ist ein ganzes Radsportteam, deren Betreuer, Funktionäre und Mannschaftsleitung darin verwickelt, denen es gelungen war, ein regelrecht systematisches, sowie flächendeckendes Dopingsystem aufzubauen und dieses zu praktizieren. Der Masseur Willy Voet des Festina Radsportteams, für das populäre Spitzenfahrer wie Christoph Moreau und Richard Viranque fahren, wird in einem offiziellen Teamfahrzeug mit einer großen Menge an Dopingmitteln am Grenzübergang nach Frankreich bei einer Zollkontrolle erwischt. In seinem Auto befinden sich große Mengen an Dopingmitteln, 250 Einheiten Erythropoetin, Wachstumshormone, Testosteron, Hyperlipen, Spritzen und weitere Hilfsmittel. Der belgische Masseur wird direkt inhaftiert und belastet mit seiner Aussage die Teamleitung und alle Teamfahrer, systematisches Doping betrieben zu haben. Das Team nimmt zunächst dennoch an den ersten Etappen der Tour de France teil, da alle Beteiligten die schweren Anschuldigungen von sich weisen und zumal auch keine weiteren Beweise vorliegen. Erst nach weiteren Doping-Razzien der französischen Polizei in den Mannschaftshotels und Teambussen bricht auch ihr Teamchef Bruno Roussel endlich sein Schweigen und gibt zu, systematisches Doping betrieben zu haben. In einer darauf kurzfristig angesetzten Pressekonferenz teilt Tourdirektor Jean Marie Leblanc den Ausschluss des Festina Teams mit (vgl. Nuschke, Bartyzel, 2008).

„Der Radsport im 21. Jahrhundert ist eine Parallelwelt des organisierten und flächendenkenden Dopings.“ (Meutgens 2007, S. 15). Vernichtender und herabwürdigender kann ein Urteil über eine Sportart gar nicht mehr ausfallen. Die in den Folgejahren sich noch zahlreich ereignenden, aber schließlich immer wieder aufgedeckten Dopingaffären sollten jedoch erkennen lassen, dass der Betrug im Team Festina kein singulärer Fall bleiben sollte.

Das Radsportjahr 2006 wurde dann vom möglicherweise überaus größten Dopingskandal aller Zeiten geprägt. Ausgelöst durch einen Dopingfall bei der Spanienrundfahrt 2005, bei dem der spanische Rundfahrtsieger und ehemalige Edelhelfer von Lance Armstrong, Roberto Heras, positiv getestet wurde, bekam die spanische Polizei im Februar 2006 vermehrt Hinweise auf ein spanisches Dopingnetzwerk mit ungeahntem Ausmaß. Im Zuge dessen startete die „Operation Puerto“, bei der verdächtige Personen und Wohnungen abgehört und überwacht wurden und schließlich ein verstecktes Labor in Madrid ausfindig gemacht werden konnte. Der Polizei gelang es, Videoaufzeichnungen von bekannten Rennfahrern zu machen, die das Labor in regelmäßigen Abständen aufsuchten. Darüber hinaus konnte bei einer Razzia der Teamchef des Radsportteams Liberty Seguros und Teamarzt Eufemiano Fuentes festgenommen werden. Der spanische Mediziner stellte sich wenig später als Schlüsselfigur im Dopingskandal heraus, der über 200 Athleten sportartenübergreifend mit zahlreichen Dopingmitteln versorgte (vgl. Dresen, 2011). In der letzten Woche vor dem Start der Tour de France 2006 überschlugen sich täglich neue Meldungen zur Fuentes Affäre. Die spanische Zeitung „El Pais“ berichtete von mindestens 58 Fahrern, die Kontakt zu dem Arzt Fuentes hatten. Parallel wird eine „Patienten-Liste“ mit verdeckten Codenamen öffentlich. Auch der deutsche Radprofi und Publikumsliebling Jan Ullrich, dem es gelang, als erster und einziger Deutscher die Tour de France zu gewinnen, wird unter dem Codenamen „Hijo Rudicio“1 entlarvt. Jan Ullrich löste in den Jahren zuvor ein geballtes Radsportfieber in Deutschland aus, als er sich im offenen Schlagabtausch mit dem US Amerikaner und siebenmaligen Tour de France Gewinner Lance Armstrong auf imponierende und spektakuläre Weise spannende Duelle lieferte. Einen Tag vor dem Start der Tour de France erhielt sein deutsches T-Mobile Team Akteneinsicht und suspendierte daraufhin Jan Ullrich und seinen engsten Betreuer und sportlichen Leiter, Rudy Pevenage (vgl. Dresen, 2011).

Im Skandaljahr 2006 ging, abseits der Schlagzeilen und Negativpresse über die Tour de France und den Radsport, Floyd Landis als Sieger der Tour hervor, aber auch dieser wurde wenig später positiv getestet und ihm wurde sein Rundfahrttitel aberkannt.

In einer Geständniswelle des Jahres 2007, nachdem der ehemalige Masseur Jef D’hont den deutschen Telekom Radrennstall beschuldigt, systematisches Doping betrieben zu haben, folgen ihm Udo Bölts, Rolf Aldag, Bjarne Riis und als einziger noch aktiver Fahrer Erik Zabel. Auch die beschuldigten Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid von der Universitätsklinik Freiburg gestehen, die Fahrer des Deutschen Telekom Teams über Jahre mit Dopingpräparaten versorgt zu haben (vgl. Franke & Ludwig, 2007).

Während der Tour de France 2007 wird auch der deutsche T-Mobile Profi Patrick Sinkewitz positiv getestet. Nach diesem Ereignis steigen ARD und ZDF aus der Liveberichtübertragung aus. Die Sender kommen ihren Ankündigungen nach, bei erneuten Dopingfällen die Übertragung der Tour de France einzustellen. SAT. 1 übernimmt fortan die Liveberichterstattung, der Sender Eurosport berichtet und überträgt weiterhin von der Tour (vgl. Dresen 2011).

Eine große und abrupte Veränderung in den Strukturen des Radsports kann allerdings auch nach diesen doch tief einschneidenden Ereignissen nicht erzielt werden. Es ziehen sich mit Audi, Adidas und T-Mobile nach und nach große Sponsoren aus dem Radsport zurück. Die Deutschlandtour wird nach der Austragung 2008 eingestellt, der Radsport steht in der Öffentlichkeit vor dem Abgrund. Dopingskandale werden zwar durch aufgestellte Anti Dopingkampagnen und einem immer besser und strenger werdenden Kontrollmechanismus seitens der WADA und der UCI seltener, Negativschlagzeilen lassen sich aber nicht ganz verbannen.

Lance Armstrong, dem siebenmaligen Rekordsieger, werden seine Siege zwischen 1999 und 2005, sowie sein 3. Platz nach seinem Comeback zur Tour de France 2009 wegen Dopings, dass er später auch eingesteht, aberkannt. Im Jahr 2010 gibt es mit Alberto Contador zum letzten Mal einen Sieger bei der Tour de France, der im Nachhinein wegen Dopings überführt wird. Im Urin des spanischen Radprofis Contador werden geringe Mengen des Mittels Clenbuterol nachgewiesen. Alberto Contador kehrt nach abgesessener Sperre in den Radsport zurück. Die Liveberichterstattung zur Tour de France 2009 und 2010 durch die öffentlich- rechtlichen Sender ARD & ZDF erfolgt nur sehr eingeschränkt, jeweils eine Stunde Live pro Tag, da die Sender ihrem noch laufenden Vertrag mit dem Veranstalter Amaury Sport Organisation (A.S.O.) einhalten mussten.

In den letzten 8 Jahren bis einschließlich heute gibt es nur noch sehr vereinzelt Dopingfälle. Alle Fahrer, die in den höchsten Ligen des Radsports einem UCI World Team oder einem UCI Pro Continental Team angehören, sind verpflichtet, einen Biologischen Pass zu führen. Dieser Blutpass ist ein individuelles, elektronisches Dokument, in welchem Daten aus medizinischen Kontrollen zu Trainings- und Wettkampfzeiten gesammelt und dokumentiert werden, um eine exakte und umfassend genaue Überwachung des Sportlers zu gewährleisten. Die extrem strengen Auflagen und Kontrollen der UCI und WADA, sowie verschiedene Antidoping-Kampagnen der Teams und positive Arbeit gegen Doping in der Öffentlichkeit, veranlassen auch die Rundfunkanstalten ARD und ZDF zu einem Wiedereinstieg der Liveberichterstattung zur Tour de France 2015. Fernab von bestehenden Restzweifeln und einem Generalverdacht genießt der Radsport eine zaghaft, revolutionäre Phase der Genesung, die durch den neusten Fall um Chris Froome schwer belastet wird.

2.2 Der Fall Chris Froome und seine Startberechtigung zur Tour de France 2018

„Ist der positive Test von Froome ein Dopingfall?“. So lautet die Artikelüberschrift der Süddeutschen Zeitung am 13. Dezember 2017 nach Bekanntwerden der positiven Dopingprobe des viermaligen Tour de France Gewinners Christopher Froome, die zugleich die höchstkomplizierte Thematik der Gesetzmäßigkeiten um das Thema Doping komprimiert und für Athleten einen schmalen Grat zwischen Legalität und Unrechtmäßigkeit darstellt.

Fakt ist, dass die positive Dopingprobe Froomes dem Radsport und der Tour de France 2018 eine vielfach negative Zensur verleiht und einen immensen Rückschlag für den Radsport bedeutet, der nach zahlreichen Dopingskandalen der letzten Jahrzehnte in einer augenscheinlichen Erholungsphase Aufwind in der Öffentlichkeit genoss. Die Dopingberichterstattung um Chris Froome in den ausgewählten Printmedien während der Tour de France 2018 dient als Grundlage und Schreibanlass dieser Arbeit, und da ansonsten bis zum heutigen Zeitpunkt keine weiteren Dopingfälle zu beklagen sind, soll die Chronologie und alle Fakten um den Fall Chris Froome in der Folge umfassend genau dargestellt werden.

Christopher Froome wird am 7. September 2017 bei der 18. Etappe der dreiwöchigen Landesrundfahrt durch Spanien, die er wenig später für sich als Gewinner entscheiden kann, positiv auf das Mittel Salbutamol getestet. Das Mittel fällt unter die Gruppe, der sogenannten Beta -2- Agonisten, die bei obstruktiven Lungenerkrankungen sowie bei Allergischem- und Belastungsasthma in der Medizin eingesetzt werden. Diese wirken stimulierend, eine merklich relevante Leistungssteigerung ist dennoch bei lungengesunden Athleten durch Inhalation umstritten. Erst in hoher verabreichter Dosis und systematischer Gabe z.B. in Form von Tabletten kann auch eine anabole Wirkung erzielt werden (vgl. Blasius, 2017). Leiden Athleten unter Belastungsasthma wie im Fall von Chris Froome, bedingt es einer entsprechenden medizinischen Ausnahmegenehmigung TUE (Therapeutic Use Exemption), um Salbutamol legal zur Behandlung einsetzen zu dürfen. Bei Kontrollen galt für Salbutamol, auch bei Vorliegen einer medizinischen Ausnahmegenehmigung, laut WADA-Reglement ein Grenzwert von 1000 ng/ml im Urin, es sei denn, der Sportler kann die Abweichung als therapeutisch verursacht belegen.

Im November 2017 wurde der maximale Toleranzwert von der WADA auf 1200 ng/ml hochkorrigiert, um eventuelle Fehler bei der Messung auszugleichen (vgl. Cycling4fans).

Die Probe von Christopher Froome vom 7. September 2017 enthielt einen Wert von 2.000 Nanogramm Salbutamol pro Milliliter Urin, somit wurde der Grenzwert um beinahe das Doppelte überschritten. Diesbezüglich ist zu berücksichtigen, dass seit der positiven Dopingprobe und dem Freispruch vom britischen Radprofi Froome eine neue Regelung seitens der WADA verkündet wurde, die besagt, dass bestimmte Faktoren wie der Flüssigkeitsverlust in die Berechnung miteinbezogen werden müssen. Unter diesen neuen Gegebenheiten wird Froomes Urinwert vom Radsportweltverband der UCI auf 1429 ng/ml reduziert (vgl. Cycling4fans). Jedoch überschreitet auch dieser neu berechnete Wert, unter den berücksichtigten Bedingungen des Flüssigkeitsverlustes, zweifellos die Grenze der aufgestellten WADA Reglements.

Erst im Juni 2018, knapp ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung der positiven Dopingprobe Froomes, liefert sein Radsportteam Sky Erklärungen zu dem erhöhten Sabutamolwert. In der Zwischenzeit nimmt Froome uneingeschränkt an Radrennen teil und geht sogar im Mai 2018 als Sieger des Giro d’Italia hervor, das neben der Vuelta und der Tour de France zu den bedeutensten und wichtigsten Radrennen der Welt zählt.

Im Juni, kurz vor dem Start der Tour de France, kommt es zu einer Vielzahl weiterer Ereignisse. Die Verantwortlichen und Organisatoren der Tour de France schließen den Briten, gegen den ein Untersuchungsverfahren läuft, von der Tour de France aus. Die Amaury Sport Organisation (ASO) beruft sich auf Artikel 28 des UCI- Reglements. Im Regelwerk des Radsportweltverbandes heißt es, dass dem Veranstalter „ausdrücklich das Recht vorbehalten ist, ein Team oder einen Fahrer auszuschließen, der durch seine Anwesenheit dem Ansehen oder Ruf der Rundfahrt schaden könnte.“ (UCI Reglements, §28)

Einen Tag später kommt es zur letzten, spektakulären Wendung im Fall Froome. Der Radsportweltverband UCI muss auf Anweisung der WADA das Verfahren gegen Froome einstellen. Die UCI und die WADA verweisen in ihren Statements auf verschiedene Faktoren, die den erhöhten Salbutamol Wert ihrer Ansicht nach erklären können. Dazu zählen Flüssigkeitsverlust und ein dokumentierter Infekt, unter dem Froome während der Spanienrundfahrt litt. Dieser Infekt kann dazu geführt haben, dass Froome die Dosierung des Mittels während der Rundfahrt im erlaubten Rahmen erhöht hat (vgl. Cycling4fans).

Die UCI verzichtet im Anschluss auf weitere Ermittlungen und somit erlangt Christopher Froome final die Starterlaubnis zur Tour de France 2018.

Der Fall Chris Froome setzt letztendlich eine lang betagte Polemik fort. Die Kontroverse um Asthmamittel und deren leistungssteigernde Wirkung ist Jahrzehnte alt. Grenzwerte wurden seitens der Behörden permanent verändert und überarbeitet, einzelne Substanzen wurden teilweise frei gegeben, ohne dass sichergestellt war, dass ein einwandfreier Nachweis über die Anwendungsmethode gewährleistet werden kann. Die Diskussion darüber schwankte immer zwischen vollständigem Verbot, zeitweiligem Verbot in Wettkämpfen und der uneingeschränkten Freigabe. Das für den Radsport begleitende, auferlegte Dauerthema macht es der Vereinigung für einen glaubwürdigen Radsport MPCC und die Initiativen des UCI-Präsidenten Lappartient nicht einfacher. Die Diskussionen laufen jedoch über alle Sportverbände und münden in Revisionsprozessen des WADA-Codes (vgl. Cycling4fans).

Das sprunghafte, inkonsequente Verhalten der WADA im so wichtigen Entscheidungsprozess um Christopher Froome impliziert wenig Transparenz und Professionalität und zeigt einmal mehr, wie komplex sich die Sachlage vor dem Hintergrund immer neuerer, feinerer Untersuchungsmethoden und letztlich kaum abschließend zu beurteilender, individueller Gegebenheiten darstellt. Fakt ist, dass der Froome-Fall erneut eine weitere Dissonanz aufweist. Von den Sportlern sind diejenigen bevorteilt, die finanziell gut abgesichert sind und sich auf eine gutachterliche und juristische Auseinandersetzung mit den Behörden einlassen können (vgl. Cycling4fans).

Es entsteht der Eindruck, dass Froome dazu privilegiert ist, Sonderrechte zu genießen, andernfalls hätte er keine Startberechtigung zur diesjährigen Tour der France 2018 erlangen dürfen.

Inwiefern diese neusten Gegebenheiten und die Sachlage Einfluss auf die mediale Berichterstattung nimmt, wird in den folgenden Kapiteln im Detail erläutert.

3. Dopingberichterstattungen in den deutschen Medien – ein Forschungsstand

Einen vielseitigen Überblick über Forschungsarbeiten der medialen Dopingberichterstattung im Sportjournalismus, bieten Johanna Schirm und Henk Eric Meyer in ihrem zusammenfassenden Text, der 2016 in der Zeitschrift „German Journal of Exercise and Sport Research“ veröffentlicht wurde. Die Autoren bedienen sich an 22 Arbeiten mit dem Ziel, einen präzisen Umriss über den Forschungsstand hinsichtlich Fragestellungen, Methodik und Ergebnisse herzustellen, methodische Defizite zu identifizieren, sowie Anregungen für zukünftige Forschungen zu vermitteln. Drei der Studien von Mikus, Eberle und Bohnensteffen fokussieren sich ausschließlich auf die Dopingberichterstattung im Radsport, eine weitere Studie von Frenger thematisiert die Berichterstattung in der Leichtathletik und im Radsport. Alle anderen Arbeiten untersuchen verschiedene, andere Sportarten. Insgesamt 16 der 22 Studien ermitteln mittels Inhaltsanalyse die Dopingberichterstattung in den Printmedien.

Auf Basis dieser und weiterer fundierter Literatur, deren wichtigste Aspekte, Thesen und Ergebnisse in den folgenden Unterkapiteln im Detail vorgestellt und diskutiert werden, folgt ein Vergleich zweier ausgewählter Printmedien zur eigenen Analyse am Thema.

Genau wie die vorliegende Forschungsarbeit, wird in den von Schirm und Meyer untersuchten Arbeiten zur Dopingberichterstattung in den Printmedien nahezu ausschließlich die Qualitätspresse herangezogen und eine Medieninhaltsanalyse angefertigt. Sehr orientierungsweisend sind an dieser Stelle die Arbeiten von Bette und Schimank, die die deutschsprachige Forschung im Dopingdiskurs weitgehend geprägt haben. Unter dem Blickwinkel, ob die Medien einen Beitrag zur Entstehung oder zur Bewältigung des Dopingproblems leisten, konstatieren Bette und Schimank, dass die Medien bei Persistenz von Doping ein unweigerliches Konstellationsprodukt bilden, dass in zweifacher Hinsicht problematisch ist (vgl. Bette & Schimank 2006). Einerseits forcieren die Medien die Anreize zum Doping, da eine hohe mediale Aufmerksamkeit folgerichtig an sportliche Erfolge geknüpft und sowohl für Athletinnen und Athleten als auch Sportverbände von zentraler Bedeutung für die Ressourcenakquise ist. Andererseits steuern die Medien nach (Bette und Schimank, 2006) zur Verharmlosung des Problems bei, indem sie in unterkomplexer Form über Doping berichten, zu sehr skandalbezogen und stark personalisierend, sodass strukturelle Grundlagen und soziale Ursachen des Dopingproblems keinerlei Erwähnung finden. Inwieweit die Medien sich an Instrumenten bedienen, um die Berichterstattung über Doping zu manipulieren und in eine Richtung zu lenken, wird in den folgenden Unterkapiteln sukzessiv vorgestellt.

3.1 Eine Allianz zwischen Sport, Medien und Wirtschaft

Der Sport in der heutigen Zeit ist fest an die Medien geknüpft, stark von diesen abhängig und ohne die Medien sogar unvorstellbar. Und auch die Medien haben den Sport erst zu dem geformt, was er heute ist: ein weltweites, kommerzielles, gesellschaftliches, wirtschaftliches bedeutendes Großereignis. Erst durch die Übertragung und Berichterstattung aller Formen der Medien ist der moderne Spitzensport partizipierbar. Es besteht eine wichtige Interessenverbindung zwischen Spitzensport und Medien, und über ihren Marktcharakter und das Bindeglied der Wirtschaft, wird eine funktionale Triade geschaffen, deren aller Wirken voneinander abhängt (vgl. Schauerte & Schwier 2004). Dabei profitieren von spannungsgeladenen Wettkämpfen Spitzensport, Wirtschaft und Medien gleichermaßen. Attraktive, medial aufbereitete Wettkämpfe vergrößern den Marktwert der Sportler und folglich die Aussicht auf eine erhöhte finanzielle Entlohnung des Athleten. Die Medien erzielen ihre Gewinne aus den höheren Einschaltquoten, weil diese wiederum für die Zuschüsse der Wirtschaft verantwortlich sind. Und die Unternehmen orientieren sich am Anteil der Einschaltquoten und Fernsehzuschauer, um ihre Produkte zielgruppenorientierend zu platzieren und ihrer jeweiligen Marke ein positives, dynamisches Image zu verleihen (vgl. Schauerte & Schwier 2004).

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1 Hijo Rudicio übersetzt Rudis Sohn: hier der Sohn von Rudy Pevenage

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Die Dopingberichterstattung zur Tour de France 2018 in ausgewählten Printmedien
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
81
Katalognummer
V493465
ISBN (eBook)
9783346000262
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doping, Tour de France, Medienanalyse, Radsport, Inhaltsanalyse, Printmedien, Sportwissenschaft, Sport, Leistungssport
Arbeit zitieren
Jan Ottersbach (Autor), 2018, Die Dopingberichterstattung zur Tour de France 2018 in ausgewählten Printmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493465

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