Diese Arbeit dient als Vertiefung für die Berufspraxis als Ethik-Lehrperson, wo es nicht darum gehen soll, den Schülern Politische Korrektheit beizubringen, sondern ihr kritisches und vor allem eigenständiges Denken im Hinblick auf die Thematik anzuregen und anzuleiten.
Die Politische Korrektheit ist ein Reizbegriff. Sie wird eingefordert, sanktioniert, verteufelt, belächelt, hochgepriesen, verabscheut und abgelehnt. Die Arbeit beschäftigt sich mit diesem strittigen und umkämpften Thema. Sie zeigt allgemeine Informationen sowie verschiedene Positionen auf. Auch werden Erklärungsversuche für die aktuelle Kontroverse geliefert und mögliche zukünftige Vorgehensweisen dargestellt.
Der Ethikunterricht könnte zumindest den jungen Menschen an der Schule einen geschützten Ort bieten, an welchem ihre Bedenken und Gedanken geäußert, geordnet uns diskutiert werden. Zu wissen, was Politische Korrektheit ist, wo sie herkommt und was sie (nicht) leistet, sich auch mit den positiven sowie negativen Standpunkten zur Politischen Korrektheit zu beschäftigen, kann bei den Jugendlichen zur eigenen Meinungsbildung beitragen – und auch zum Verstehen, wieso das richtige und falsche Sprechen heute so eine besondere Rolle einnimmt.
In den Medien, in der Politik, aber auch in privaten Gesprächen unter Bekannten oder beim Smalltalk zwischen Unbekannten, im Kaffeehaus, im Zug, an der Supermarktkasse – das Ringen um die richtigen Worte geht an kaum jemandem spurlos vorüber. Menschen erkennen der Sprache mehr oder weniger bewusst eine gewisse Macht oder zumindest Bedeutung an. Aber machen Worte einen zu einem guten oder schlechten Menschen? Gibt es moralisch richtiges oder falsches Sprechen? Wie soll beziehungsweise darf man sprachlich handeln? Oder spielt der Ausdruck doch keine so wichtige Rolle im Zusammenleben?
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
1.1 Warum dieses Thema?
1.2 Sprache und Denken – Denken und Sprache
2 Politische Korrektheit
2.1 Was ist Politische Korrektheit und was soll sie leisten?
2.2 Politische Korrektheit: Sprache – Denken – Handeln
2.3 (Gegen-)Positionen
2.4 Ausgewählte Schwerpunkte der PK
2.4.1 Geschlechtergerechtes Formulieren – Gendern
2.4.2 PK in der Kinder- und Jugendliteratur
3 Erklärungsversuche – Wie kam es zu dieser Kontroverse?
4 Vorschläge – die Lösung des Problems!?
5 Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das kontroverse Thema der "Politischen Korrektheit" (PK) und deren Einfluss auf Sprache, Denken und gesellschaftliches Handeln. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Debatte zu schaffen, verschiedene Positionen kritisch zu beleuchten und Möglichkeiten für einen verantwortungsvollen Sprachgebrauch in der beruflichen Praxis, insbesondere im schulischen Kontext, aufzuzeigen.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte der Politischen Korrektheit
- Die Wechselwirkung zwischen Sprache, Denken und der Wahrnehmung von Realität
- Analyse kontroverser (Gegen-)Positionen und gesellschaftlicher Kritik
- Schwerpunkt: Herausforderungen durch geschlechtergerechtes Formulieren (Gendern)
- Umgang mit diskriminierender Sprache in der Kinder- und Jugendliteratur
Auszug aus dem Buch
2.1 Was ist Politische Korrektheit und was soll sie leisten?
Unter dem Begriff Politische Korrektheit (PK) oder Political Correctness versteht man die Bestrebungen, durch einen veränderten Sprachgebrauch Diskriminierungen zu verhindern und Minderheiten zu schützen. Es geht ganz allgemein um eine „Sensibilisierung für rassistische, sexistische oder anderweitig diskriminierende Sprache“ (WWW3). Besonders in den Bereichen der Ethnie, Krankheitsbezeichnungen sowie Geschlechterzugehörigkeit gibt es zahlreiche Forderungen und Bemühungen einen sensibleren Sprachgebrauch. Michael Dippelreiter beschreibt PK und ihr Ziel wie folgt:
Political Correctness ist ein Konstrukt, das aus Sprache Welt zu erschaffen sucht; sie zielt auf kollektive Reflexion und sensible Sprachverwendung ab. Somit wird sie Schlagwort im Kontext der insbesondere in Nordamerika, Australien und Europa und seit dem späteren 20. Jahrhundert vorhandenen gesellschaftlichen Tendenz, Interessen von Minderheiten stärker zu vertreten sowie Diskriminierung insbesondere im Sprachgebrauch, die in der Vergangenheit akzeptiert oder schlicht unerkannt waren. Mit der Aussage, dass etwas „politisch nicht korrekt“ bzw. „politisch inkorrekt“ sei, soll dementsprechend ausgedrückt werden, dass eine Norm verletzt wurde, eine Äußerung (oder Handlung) allgemeinen moralischen Normen zuwiderhandelt oder gar ein Tabu gebrochen wurde. Die allgemeine Ausdrucksweise vernachlässigt durch abwertenden oder gedankenlosen Sprachgebrauch Menschen mit abweichen- den Merkmalen (beispielsweise Frauen) oder diskriminiert soziale Minderheiten (nach Abstammung, Herkunft, körperlichen oder geistigen Fähigkeiten, sexueller Veranlagung, religiösen Bekenntnissen, sozialer Stellung usw.). Dieses Gesellschaftsbild sollte über den Weg der Sprachnormierung korrigiert werden. (Dippelreiter 2015, S. 36)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, beleuchtet die Relevanz des Sprachgebrauchs im Alltag und definiert das Ziel der Arbeit, eine reflexive Auseinandersetzung mit der PK zu fördern.
2 Politische Korrektheit: Hier werden die Grundlagen, die historische Entstehung sowie die komplexe Wechselwirkung zwischen Sprache, Denken und gesellschaftlichem Handeln detailliert analysiert und aktuelle (Gegen-)Positionen gegenübergestellt.
3 Erklärungsversuche – Wie kam es zu dieser Kontroverse?: Das Kapitel untersucht die tieferliegenden Gründe für die starke Polarisierung und den Widerstand, der dem Diskurs um Politische Korrektheit in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen entgegenschlägt.
4 Vorschläge – die Lösung des Problems!?: Hier werden Ansätze diskutiert, wie ein konstruktiver Umgang mit Sprache gelingen kann, wobei der Fokus auf Respekt und der Bewahrung des offenen Diskurses liegt.
5 Nachwort: Das Kapitel fasst zusammen, dass eine tabufreie Kommunikation und echtes Zuhören essentiell sind, um die verhärteten Fronten aufzubrechen und ein respektvolles Miteinander zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Politische Korrektheit, Political Correctness, Sprache und Denken, Diskriminierung, Gendern, geschlechtergerechte Sprache, Sprachnormierung, Meinungsfreiheit, Kinder- und Jugendliteratur, Diskurs, gesellschaftliche Polarisierung, Sprachkritik, Identitätspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Politischen Korrektheit, ihrer Bedeutung für unsere Sprache und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Kontroversen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Verbindung von Sprache und Denken, die Kritik an Politisch Korrekter Sprache, die Problematik des Genderns sowie den Umgang mit sensiblen Inhalten in der Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, für die Komplexität der Debatte zu sensibilisieren und einen kritischen, reflektierten Umgang mit Sprache im Sinne eines respektvollen Miteinanders anzuregen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche und die Analyse verschiedener aktueller Positionen und Argumente von Wissenschaftlern, Publizisten und Kritikern der PK-Bewegung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Macht der Sprache, die Darstellung der gegensätzlichen Lager in der PK-Debatte sowie die Untersuchung spezifischer Schwerpunkte wie Gendern und Literaturüberarbeitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Politische Korrektheit, Sprachwandel, Diskriminierungsschutz, Meinungsfreiheit und gesellschaftlicher Diskurs.
Warum wird Gendern im Kontext der Politischen Korrektheit so kontrovers diskutiert?
Gendern wird von Befürwortern als notwendiger Schritt zur Inklusion gesehen, während Kritiker darin eine ideologisch motivierte Sprachveränderung oder gar eine Gefährdung der deutschen Sprache sehen.
Welche Rolle spielt die Kinder- und Jugendliteratur in der PK-Debatte?
Es wird diskutiert, ob klassische Werke inhaltlich an moderne ethische Standards angepasst werden sollten oder ob dies eine unzulässige Eingriffsform in Kunst und Originaltreue darstellt.
- Arbeit zitieren
- Mag. Sylvia Gasser (Autor:in), 2019, Der Reizbegriff Politische Korrektheit und die Macht der "richtigen" Wortwahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493476