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Distanzierung zum Erlebten in Thomas Melles "Die Welt im Rücken" und anderen Werken

Das Verrückte ist: Ich bin nicht verrückt

Titel: Distanzierung zum Erlebten in Thomas Melles "Die Welt im Rücken" und anderen Werken

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 20 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Lisa Gutman (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Perspektive des "momentan Gesunden", der über den "überspitzten Irren" und den "Depressiven" schreibt, ermöglicht eine Distanzierung vom Selbst und damit einen Text, der als Plädoyer, Erklärungsversuch, ja Entschuldigung gelesen werden kann. Der Erzähler verortet sich in der Gegenwart und im "momentan gesunden Geisteszustand", Rückbezüge hierauf dienen als Anker der Realität – auch im Paratext, indem die Voranstellung der Jahreszahl bei einzelnen Episoden eine Chronologie und eine Verknüpfung mit medial dokumentierten Auftritten des Autors ermöglichen.

Auch in Melles explizit formulierten Anspruch einer möglichst realistischen Darstellungsweise wird das Bemühen um eine Festschreibung der Wahrheit, der Normalität, deutlich. Diese Autoreflexion des Schreibens und der Literarisierung des Erlebten ist ein weiterer Distanzierungsmechanismus, dessen sich Melle im vorliegenden Text bedient.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Perspektive des Erzählers

2.1 Zeichen der Zuverlässigkeit

2.2 Das erzählte Ich und das erzählende Ich

2.3 ‚Free Indirect Style‘

3 Die selbstreflexive Literarisierung des Erlebten

3.1 In Werken vor Die Welt im Rücken

Raumforderung (2007)

Sickster (2011)

3000 EURO (2014)

3.2 In Die Welt im Rücken

4 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Erzählstrukturen und Distanzierungsmechanismen in Thomas Melles autobiographischem Werk "Die Welt im Rücken". Dabei wird analysiert, wie der Autor durch die bewusste Differenzierung zwischen dem "momentan gesunden" erzählenden Ich und dem manisch-psychotischen erlebten Ich eine literarische Aufarbeitung seiner bipolaren Erkrankung vornimmt und welche Rolle dabei die selbstreflexive Literarisierung spielt.

  • Analyse der Erzählperspektive und Identitätsspaltung bei bipolaren autobiographischen Erzählungen.
  • Untersuchung des Konzepts von "Melle now" und "Melle then" basierend auf Peter Goldies Erzähltheorie.
  • Vergleich der literarischen Aufarbeitung in früheren Werken wie "Raumforderung", "Sickster" und "3000 EURO".
  • Reflektion der Möglichkeiten und Grenzen, das "Unsagbare" einer psychischen Erkrankung authentisch zu verschriftlichen.

Auszug aus dem Buch

Die Perspektive des Erzählers

Bei autobiographischen Erzählungen liegt der Sonderfall der Erzählsituation vor, dass – frei nach GOLDIE – jemand sowohl „internal to a narrative“ ist, als auch „the role of [an] external narrator“ (GOLDIE 2012, 26) innehat, was dazu führt, dass diese bewertenden Perspektiven sich einerseits unterscheiden, sich gleichzeitig aber auch vermischen. Eine Möglichkeit, zu beschreiben, was dann passiert, drückt GOLDIE mit der ‚Dramatic Irony‘ aus. Der Terminus meint, dass das Publikum (ergo Leser) etwas weiß, was einem oder mehreren Charakteren innerhalb des Geschehens noch verborgen ist. Um diesen Kniff wertschätzen zu können, so GOLDIE, muss der Leser beide Seiten verstehen: was die Charaktere für wahr halten und wie der Sachverhalt „in Wirklichkeit“ ist. Dies lässt sich auch für MELLEs Die Welt im Rücken nachweisen. Hier schlägt sich allerdings der Erzählende, Gesunde auf die Seite des Leser, hat mit ihm den Wissensvorsprung gemein und beobachtet den ahnungslosen Manischen. Die von GOLDIE angesprochene ‚false belief task‘, die der ‚Theory of Mind‘ zugerechnet wird, sieht, auf MELLEs Erzählung angewendet, folgendermaßen aus: Dem Leser wird eröffnet, dass der Protagonist bipolar ist. Das Weltwissen des Leser impliziert, dass die Wahrnehmungen der Figur andere sind, als die eines Gesunden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung der autobiographischen Intention des Autors und Einordnung des Werkes als Versuch der Distanzierung und Aufarbeitung einer manisch-depressiven Erkrankung.

2 Die Perspektive des Erzählers: Untersuchung der Erzählsituation und der Identitätsspaltung zwischen dem reflektierenden Ich und dem psychotisch handelnden Ich anhand erzähltheoretischer Ansätze.

3 Die selbstreflexive Literarisierung des Erlebten: Analyse der künstlerischen Verarbeitung des Wahnsinns in Melles Gesamtwerk und dessen Rückbezug auf die Realität des Autors.

4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Strategien zur biografischen Kontrolle durch das Schreiben und Einordnung des Textes in den Kontext faktualer und fiktionaler Literatur.

Schlüsselwörter

Thomas Melle, Die Welt im Rücken, Bipolare Störung, Erzähltheorie, Autobiographie, Manie, Identität, Literarisierung, Distanzierung, Peter Goldie, Krankheitsdarstellung, Wahrheit, Fiktion, Selbstreflexion, Trauma

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Thomas Melle in seinem Buch "Die Welt im Rücken" seine bipolare Erkrankung literarisch verarbeitet und dabei bewusst Distanz zwischen seinem gesunden Ich und seinem kranken Ich schafft.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Themen der Identitätsspaltung, die Authentizität autobiographischen Erzählens, der Umgang mit psychischer Krankheit im literarischen Betrieb und die narratologische Struktur von Wahrhaftigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Erzählmechanismen freizulegen, mit denen Melle versucht, die Kontrolle über seine Biografie zurückzugewinnen und seine manischen Episoden für den Leser verständlich und nachvollziehbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die insbesondere auf narratologische Konzepte wie die "Dramatic Irony" und das "Narrative Sense of Self" von Peter Goldie zurückgreift.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Untersuchung der Erzählerperspektive und eine vergleichende Analyse von Melles früheren Werken wie "Raumforderung" und "Sickster" im Hinblick auf ihre selbstreflexiven Elemente.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Autobiographie, Identität, Bipolarität, Erzähltheorie, Fiktionalisierung und Authentizität beschreiben.

Inwiefern spielt der Vergleich mit anderen Werken von Melle eine Rolle?

Der Vergleich verdeutlicht die Entwicklung der literarischen Strategien des Autors bei der Aufarbeitung desselben traumatischen Ereignisses in verschiedenen Werken.

Was schlussfolgert die Autorin über das Werk?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Text trotz seiner autobiographischen Basis eine hochgradig konstruierte und reflektierte Form der "Poetik des Authentischen" darstellt, die den hermeneutischen Zugriff bewusst herausfordert.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Distanzierung zum Erlebten in Thomas Melles "Die Welt im Rücken" und anderen Werken
Untertitel
Das Verrückte ist: Ich bin nicht verrückt
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Erzähltheorie reloaded. Theorien, Methoden und Forschungsfelder kulturwissenschaftlicher Erzählforschung(en)
Note
2,0
Autor
Lisa Gutman (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V493593
ISBN (eBook)
9783668988675
ISBN (Buch)
9783668988682
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gegenwartsliteratur Melle NDL Erzähltheorie unzuverlässiger Erzähler selbstreflexiv free indirect style
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Gutman (Autor:in), 2017, Distanzierung zum Erlebten in Thomas Melles "Die Welt im Rücken" und anderen Werken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493593
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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