Die Funktion der Kleidung im Nibelungenlied

Kleidung in Hinblick auf Macht und Identität im Heldenepos


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

22 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

1. Einleitung

2. Die höfische Kleidung
2.1. Merkmale höfischer Kleidung
2.1.1. Frauenkleidung
2.1.2. Männerkleidung
2.2. Die literarische Darstellung der Kleidung im höfischen Zeremoniell
2.2.1.Textilgeschenke
2.2.2. Die Ausstattung des Ritters bei der Schwertleite
2.2.3. Textilien und Brautwerbung
2.2.4. Höfische Feste
Exkurs: Mythische Kleidung im Nibelungenlied
Die Tarnkappe
Das Schwert Balmung

3. Kleidung und Macht
3.1. Brautnacht
3.2. Königinnenstreit

4. Kleidung und Identität
4.1. Die Ermordung Siegfrieds

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mode ist nichts, was nur in Kleidung existiert. Mode ist in der Luft, auf der Straße, Mode hat etwas mit Ideen zu tun, mit der Art wie wir leben, mit dem was passiert.1

Dieses Zitat stammt von Coco Chanel, einer Modedesignerin des 19. Jahrhunderts, welches zeigt, dass das Thema der Mode omnipräsent ist, ob bewusst oder unbewusst. Mode repräsentiert einen bestimmten Lebensstil, unterstreicht die Individualität des einzelnen Subjekts und unterstützt die Selbstdarstellung des Menschen.

Trifft das Zitat aus dem 19. Jahrhundert ebenfalls auf die Kleidung des Nibelungenliedes zu?

Die Kleidung und ihre unterschiedlichen Funktionen im Heldenepos sind Themen, welche in der Forschung trotz der bekannten Schneiderepisoden noch nicht "umfassend" erfasst sind. Die Kleidung im Nibelungenlied ist bisher ebenso wenig erforscht wie das Thema der Kleidung in Bezug auf andere mittelalterliche Werke. Hauptsächlich wird die Entwicklung der Kleider in der Kostümgeschichte untersucht. Der Fokus liegt dabei auf dem 17. bis 20. Jahrhundert und nicht im Mittelalter. Die Anzahl an Kleiderordnungen gibt jedoch zu erkennen, dass im Mittelalter die Kleidung eine sehr große Rolle spielte. Es gab von 1244 bis 1816 um die 1.350 Kleiderordnungen allein im Reichsgebiet. Eine Vorgabe war zum Beispiel, dass „das Tragen goldener Pretiosen und kostbaren Hutschmucks (…) als exklusives Vorrecht des Adels festgeschrieben war“.2 Die wichtige Rolle der Kleidung im Alltag spiegelt sich auch in der Literatur des Mittelalters wider. Auch im Nibelungenlied erhält die Kleidung eine sehr wichtige Position und übernimmt verschiedene wichtige Funktionen.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit ebendiesen Funktionen der Kleidung im Nibelungenlied. Der erste Teil gibt eine Übersicht über die Bedeutung von Kleidung in der höfischen Gesellschaft und in höfischen Ritualen, den sogenannten Zeremoniellen. In diesem Kapitel wird besonders zwischen dem Geschlecht der Frau und des Mannes unterschieden. Zudem wird ein Exkurs über die mythische Kleidung dargestellt. Ein weiteres Kapitel widmet sich der Analyse von einzelnen Strophen und untersucht detailliert die verschiedenen Funktionen der Kleidung im Werk. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Gleichstellung von Kleidung mit Macht und Identität. Die Schlussbetrachtung geht näher auf die unterschiedlichen Funktionen der Kleiderbeschreibungen des Heldenepos’ ein.

2. Die höfische Kleidung

2.1. Merkmale höfischer Kleidung

Die Kleidung in der mittelalterlichen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts spiegelt im Allgemeinen den sozialen Rang und die Macht wider. Neben der gesellschaftlichen Position des Individuums wird die Kleidung zudem zur Provokation genutzt. Typische Merkmale der Kleidung sowohl im literarischen Text als auch in der Realität des 12. Jahrhunderts sind die wertvollen Stoffe, wie Seide und wollene Tuche. Die erlesenen Stoffe sind meistens sehr hochwertig, teuer und oftmals reich verziert. Besonders geschätzt sind scharlachfarbene Wollgewebe. Die Kleider des Adels im Werk und in der Realität werden zudem noch reicher verziert. Besonders die Verzierung mit Edelsteinen ruft eine große Bewunderung des Rezipienten hervor, da sie eine Leuchtkraft erzeugt. Die Farbbrillanz der Kleider, welche mit Edelsteinen beseht sind, sind typisch für die Kleidung. Somit sind die wertvollen Stoffe, die Verzierung, der Glanz und die Farbpracht beherrschende Merkmale der höfischen Kleidung.3 Besonders die Adelsgesellschaft beweist durch die Demonstration kostbarer Gewänder ihren Herrschaftsanspruch.4 Die Demonstration der Prachtgewänder findet oft in der Öffentlichkeit statt. Dementsprechend hat die Kleidung in der höfischen Gesellschaft einen sehr hohen Öffentlichkeitscharakter. Im Mittelalter wird zudem durch die Kleidung kommuniziert, denn oftmals war die Kleidung Bedingung für den ersten Kontakt miteinander. Die Gewänder sind eine bildliche Repräsentation des Stands eines Individuums. „Tritt [...] ein Unbekannter an [...] eine Person heran, so wird die Umwelt durch die Kleidung der Person über seinen Rang, Herkunft und Beruf entsprechend informiert“.5 „Sich einkleiden heißt: sich einordnen als Individuum in ein soziales Gefüge, sich anziehen heißt Stellung zu beziehen“, hält Raudszus weiter fest.6

Die Männer präsentieren durch ihre Kleidung meistens ihre Macht und finanzielle Potenz. Im Gegensatz dazu kommunizieren die Frauen ihren Familienstand mithilfe der getragenen Gewänder.

2.1.1. Frauenkleidung

Die Frauenkleidung besteht aus drei Hauptteilen: „das Untergewand (Hemde), Obergewandt (roc) und Mantel (mantel)“.7 Ein wesentliches Qualitätsmerkmal bei Frauenkleidung ist, dass die Kleidung „wol gesniten“8 ist. Bei den Frauen liegt das Obergewandt eng am Oberkörper an. Es wird eine seitliche Schnürung eingebaut, damit die Enge optimal an den Körper der Frau angepasst werden kann. Das Untergewandt, der Rock, verläuft bei der Frau fallend. Sie besitzt zudem verschiedene kostspielige Accessoires wie Gürtel und Brosche. Ein weiteres Accessoire ist das sogenannte ‚Gebende‘. Es verhüllt teilweise Teile des Haars, der Stirn und der Wange. Ein Stoffstreifen ist um das Kinn gewickelt, ein anderer Streifen über die Stirn, weswegen die Frau nur spärlich ihren Unterkiefer benutzen kann. Zum sprechen, essen und küssen muss sie diesen lösen: „ Uf ruhte sie ir gebende9.10 Allerdings sind die Frauen nicht nur Träger der Kleidung, sondern fertigen diese oftmals auch selbst an. Ihre theoretischen und praktischen Nähkenntnisse werden durch das Wissen, wie die pflanzlichen Rohmaterialien verarbeitet werden, ergänzt. Besonders das Aufsticken von Edelsteinen liegt den adligen Frauen. Sie verzieren die Gewänder der Männer mit den kostbaren Steinen, bevor diese in den Kampf ziehen oder um eine Braut werben wollen.11

Bevor Gunther zur Brautwerbung nach Isenstein aufbricht, besticken Kriemhilds Hofdamen 40 Gewänder mit Edelsteinen:

„do hiez ir juncfrouwen drizec meide gan

uz ir kemenaten Krimehilt diu künegin

die zur sölhem werke heten groezlichen sin

Die arabischen siden, wiz also der sne

unt von Zazamanc der guoten, grüen’ alsam de kle

dar in si leiten steine; des wurden guotiu klein“12

2.1.2. Männerkleidung

Die Männerkleidung orientiert sich an der Frauenkleidung und besteht genau wie die für Frauen gemachte Kleidung aus Untergewandt, Obergewandt und Mantel. Das Hemd des Obergewandtes besteht meistens aus feinem Leinen oder weißer Seide. Es ist schön bestickt und am Oberkörper enganliegend. Der Rock ist sehr faltig und verläuft genau wie bei den Frauen fallend. Zur Grundausstattung gehört zudem eine geläufige Kopfbedeckung wie Hut, Schapel oder Pfauenhut dazu. Im Gegensatz zu den Frauen besitzt die männliche Kleidung „einen Schlitz in der vorderen und/oder rückwertigen Mitte“.13 Dies ermöglicht dem Mann die große Bewegungsfreiheit. Ein weiterer Unterschied ist, dass das Gewand bei den Frauen weit über die Füße reicht, bei den Männern jedoch nur bis zu den Waden oder Knien. Die enganliegende Beinbekleidung des Mannes rückt das Bein in den Vordergrund, um die Vorzüge eines Ritters zu betonen.14

Die Kleidung der Männer und Frauen im Mittelalter unterscheidet sich nur leicht. Wie bereits erwähnt, sind die Kleider der Frauen länger, da diese weniger Bewegungsfreiheit benötigen. Zudem besitzen sie eine Vielzahl von Accessoires, welche sie in dem höfischen Minne Zeremoniell ihrem Geliebten schenken können. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Frauen in der höfischen Epik den Beruf der Textilherstellung inne haben. Sie kennen sich äußerst gut mit den verschiedenen Stoffen und Vorbereitungsprozessen aus. Männer üben den Beruf als Textilhersteller weder im Nibelungenlied noch in der Realität im 12. und 13. Jahrhundert aus.

2.2. Die literarische Darstellung der Kleidung im höfischen Zeremoniell

2.2.1.Textilgeschenke

In diesem Kapitel werde ich das Nibelungenlied und die darin vorkommende Kleidung untersuchen. Die Bedeutung der Mode in der fiktiven mittelalterlichen Epik wird in der Gesellschaft besonders deutlich an den höfischen Zeremoniellen zum Ausdruck gebracht. Direkt bei Ankunft eines Gastes nimmt die „Überreichung von Kleidergeschenken an den Gast“ einen festen Platz in der Begrüßung ein.15 Die Kleiderübergabe gilt als eine höfische Geste. Diese repräsentiert auf der einen Seite den Grad der Ehrung des Besuchers und auf der anderen Seite werden daran die Reputation und die Ressourcen des Gastgebers gemessen.16 Die Kleidung sollte immer „adel und libe“17 sein, damit die höfische Vorbildlichkeit gewährleistet werden kann. Das Verschenken von erlesenen Stoffen findet neben der Ankunft des Gastes auch bei der Verabschiedung statt.18 Die Funktion der Kleiderschenkung bei der Verabschiedung ist genau dieselbe wie bei der Begrüßung.

Ein weiteres Ritual der Kleiderübergabe ist in der höfischen Minne zufinden. Der Ritter erhält von seiner geliebten Dame ein Geschenk, bevor er in den Kampf zieht. In diesem Ritual ist das Geschenk nicht vorgeschrieben. Es kann alles sein, von Schmuckstück bis Gürtel. Besonders geschätzt werden allerdings Geschenke, welche die Dame selbst getragen hat oder nah an ihrem Körper liegen hatte.

2.2.2. Die Ausstattung des Ritters bei der Schwertleite

Eine weitere wichtige Festlichkeit im höfischen Zeremoniell ist die Einkleidung des höfischen Mannes zum Ritter im Rahmen der Schwertleite. Das Fest der Schwertleite zelebriert das Ende der Ausbildung des höfischen Mannes und kürt ihn zum Ritter. Bei diesem festlichen Brauch demonstrieren die frisch gekürten Ritter ihre Macht durch Turniere und imponieren den Damen mit ihren schönen Gewändern. Der neue Ritter bekommt zu diesem Anlass Textilgeschenke, wie Rüstungen, Kleider, Waffen und Pferde. Bei Siegfrieds Schwertleite im Nibelungenlied erhält nicht nur er diese Geschenke, sondern auch die Fremden und Einheimischen, die eingeladen worden sind, um das Fest zu feiern: „ den vremden und den Kunden gap er (Sigemund) ros und gut gewant.19 Als Vorbereitung für das Fest fertigen die Hofdamen bereits 400 Gewänder an und verzieren diese mit Edelsteinen. Das Schenken von Kleidung gilt im Nibelungenlied nicht nur in der Schwertleite, sondern auch bei Werbungsvorbereitungen. Die Geschenke sind immer Aufgabe des Veranstalters., deswegen organisiert Siegfrieds Vater ein sehr großes Fest für seinen Sohn. Siegfrieds Schwertleite wird im Heldenepos besonders großzügig gefeiert, da Siegmund und Sieglind das ganze Land mit Freude beschenken: „ Sigmunt und Siglint die mohten wohl bejagen mit guote michel ere. des teilte vil ir hant“. 20

Das Fest bringt den Reichtum des Xanter Hofes zum Ausdruck. Da das Ritual schon in der zweiten Aventiure auftaucht und Siegfrieds wichtigstes Ereignis in seiner Jugend darstellt, wird dem Leser die Wichtigkeit der Figur Siegfrieds deutlich gemacht. Durch die kostbaren Gewänder bei dem Brauch wird erreicht, dass die Umwelt Siegfried und Gunther als reiche Ritter anerkennen. Zudem wird ihre wirtschaftliche Potenz durch die wertvolle Kleidung preisgegeben.

2.2.3. Textilien und Brautwerbung

Als Siegfried an den Wormser Hof geht, um um Kriemhild zu werben, erhält er von seinem Vater eine ritterliche Ausrüstung. Von seiner Mutter, Sieglind, bekommen er und seine zwölf Gefährten Gewänder, an denen die Hofdamen Tag und Nacht gearbeitet haben, denn sie sollen „ mit der besten waete, die Ritter ie getrouc21 ausgerüstet werden.22 Nicht nur bei Siegfrieds Brautwerbung, sondern auch bei der Brautwerbung von Gunther um Brunhild wird die Kleidung als Anerkennungssymbol verwendet. Die Kleider für Gunther und seine Gefährten näht Kriemhild vor der Brautwerbung selbst. In den sogenannten Schneiderstrophen wird bei der Kleidung der Recken besonders auf die Farbe und Herkunft der Stoffe eingegangen. Die Stoffe stammen „ von marroch uz dem lande und ouch von Libyan “. Unter anderem werden sie mit vielen Edelsteinen „ uz arabischem golde“ verschönert.23 Die Kostbarkeit der Kleidung liegt darin, dass diese aus dem Orient stammen. Der Dichter erwähnt weder die Tragweise noch einen speziellen Zuschnitt. Er legt den Fokus ausschließlich auf die Kostbarkeit, die Herkunft und die Farben der Stoffe.

Brunhild bemerkt die Kleidung direkt bei der Ankunft der Männer und kann diese als Brautwerber identifizieren. Nicht nur vor der Brautwerbung wird der Rezipient mit den Schneiderstrophen des Werkes konfrontiert, sondern auch bei der Ankunft von Brunhild in Worms. Die Kostbarkeit von Kriemhilds Kleid und die der Kleider ihrer Hofdamen, sowie deren Glanz werden besonders betont. Die Beschreibung von Schnitt und Tragweise der Kleidung wird erneut durch den Dichter ausgelassen. Die Überbietungstopik von orientalischen Kleidern, der Verzierungen und der Schönheit der Damen bringt dem Leser die höfischen Feste näher.24

Im zweiten Teil des Nibelungenliedes verreist Rüdeger im Auftrag von König Etzel nach Worms, um um Kriemhild zu werben. Er bittet seine Gemahlin Gotelint, seine Begleiter reich auszustatten, da das für eine gute Stimmung sorgt. Daraufhin werden seidene Stoffe aus der Vorratskammer geholt und zu „pelzgefütterten Kleidern verarbeitet“25:

„Hey waz man richer pfellel von ir kamer truoc!

der wart den edelen recken ze teile do genouc

erfüllet vlizeclichen von hals unz uf den sporn.“26

In der oben genannten Szene wird besonders die Funktion der Gewänder bei der Brautwerbung zum Ausdruck gebracht. Rüdeger möchte bei Kriemhild ein hohes Ansehen erlangen und verlangt deshalb nach seidenen Stoffen aus der Vorratskammer. Durch die wertvollen Kleider möchte er seinen und Königs Etzels Reichtum präsentieren.

Die Funktion der Kleidung in diesem Kapitel spiegelt das feudale Denken der Adelsgesellschaft in der mittelalterlicher Literatur wider. Durch die Demonstration kostbarer Stoffe wird hohes Ansehen bei dem Gegenüber erreicht. Außerdem wird der Reichtum durch die Kleider präsentiert. Die Kleidergeschenke der Begrüßung und Verabschiedung bringen einerseits die Höflichkeit und den Reichtum des Gastgebers zum Ausdruck und andererseits wird die Ehrung des Gastes daran bemessen. Bei den beiden Brautwerbungen dient die Kleidung als Statussymbol. Sie dient als soziales Rang- und Erkennungszeichen, welches auch funktioniert, da Brunhild sie als Brautwerber erkennt.27

2.2.4. Höfische Feste

Ein weiteres Beispiel für Kleider als Textilgeschenke lässt sich beim Pfingstfest am Wormser Hof finden. Königin Ute lässt „für den Hofstatt und für die Gäste passende Gewänder herauslegen“28:

„Uote diu vil riche, diu mare horte sagen

von den stolzen recken, die da solden komen.

do wart uz der valde vil richer kleider genommen.

Durch ir kinde liebe hiez die bereiten kleit,

da mite wart gezieret vil manec frouwe und manec meit

und vil der jungen recken uz Burgonden lant.

ouch hiez si vil den vremden prüeven herlich gewant.“29

Durch diese Geste von Königin Ute wird ihre weibliche Großzügigkeit unterstrichen. Der große Aufwand und die Freigiebigkeit, die die Königin auf sich nimmt, kommt dem Xanter Hof zu Gute. Der Hof erhält dadurch einen sehr guten Ruf. Somit hat die Kleidung in Verbindung mit höfischen Zeremoniellen hauptsächlich die Funktion des Statussymbols, Erkennungszeichens und der Präsentation des Reichtums des Individuums.

Exkurs: Mythische Kleidung im Nibelungenlied

Die Tarnkappe

Im Nibelungenlied finden sich Kleidungsstücke, die nicht ausschließlich mit der höfischen Textilproduktion verbunden werden können. Sie kommen hauptsächlich aus dem mythischen Nibelungenland. Im mythischen Raum lassen sich Siegfrieds Jugendjahre verorten.

Eins dieser mythischen Kleidungsstücke ist der Tarnmantel, der hauptsächlich mit dem Helden verbunden wird. Die Tarnkappe gehört zur mythischen Vorgeschichte von Siegfried und taucht in der mythischen Vorgeschichte des Helden auf. Im mythischen Raum tötet Siegfried die Zwerge Schilbung und Nibelung, worauf der Zwerg Alberich sich rächen will. Durch die Tötung der beiden erhält der Held die Tarnkappe. Im mythischen Land spielen die magischen Eigenschaften des Tarnmantels noch keine Rolle. Der Fokus des Tarnmantels im mythischen Raum liegt bei dem Hort, der Schatz der Nibelungen. Wer die Tarnkappe besitzt, besitzt auch den Hort. Wechselt die Tarnkappe allerdings vom mythischen Raum in den höfischen Raum rücken ihre magischen Eigenschaften in den Vordergrund.30 Bei der Brautwerbung Gunthers um Brunhild kommt sie zum Einsatz. Nur durch den unsichtbaren Tarnmantel gelingt es Siegfried, Gunther dabei zu helfen, die Königin von Isenstein zu besiegen:

[...]


1 Vgl. Autor: k.A., Über Mode, Zitate berühmter Persönlichkeiten, 2016, Bayerischer Rundfunk, https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/unsere-zweite-haut/zitate-102.html, Stand: 06.09.2018, 12:20 Uhr.

2 Vgl. Keupp, Jan, Die Wahl des Gewandes, Heidelberg, 2014, S.46.

3 Vgl. Brüggen, Elke, Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts, Heidelberg, 1989, S. 124f.

4 Vgl. Ebd.

5 Vgl. Raudszus, Gabriele: „Die Zeichensprache de Kleidung. Untersuchungen zur Symbolik des Gewandes in der deutschen Epik des Mittelalters, 1985, Zürich, in: Ordo Band 1 Studien zur Literatur und Gesellschaft des Mittelalters und der frühen Neuzeit“, S.190ff.

6 Vgl. Ebd.

7 Vgl. Ebd. S.71ff.

8 Vgl. Ebd.

9 Vgl. Das Nibelungenlied und die Klage. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text und Übersetzung und Kommentar. Herausgegeben von Joachim Heinzle. Berlin 2015 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch, 51, V. 1351,1.

10 Vgl. Brüggen, Elke, Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts, Heidelberg, 1989, S.73ff.

11 Vgl. Ebd. S.116f.

12 Vgl. Das Nibelungenlied und die Klage. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text und Übersetzung und Kommentar. Herausgegeben von Joachim Heinzle. Berlin 2015 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch, 51, V. 361,2 - 362,3.

13 Vgl. Brüggen, Elke, Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts, Heidelberg, 1989, S.71.

14 Vgl. Ebd.

15 Vgl. Brüggen, Elke, Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts, Heidelberg, 1989, S.124ff.

16 Vgl. Ebd.

17 Vgl. Ebd.

18 Vgl. Ebd.

19 Vgl. Das Nibelungenlied und die Klage. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text und Übersetzung und Kommentar. Herausgegeben von Joachim Heinzle. Berlin 2015 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch, 51, V. 27,4.

20 Vgl. Das Nibelungenlied und die Klage. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text und Übersetzung und Kommentar. Herausgegeben von Joachim Heinzle. Berlin 2015 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch, 51, V. 29.

21 Vgl. Ebd. V. 63,3.

22 Vgl. Ebd.

23 Vgl. Brüggen, Elke, Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts, Heidelberg, 1989, S.138ff.

24 Vgl. Ebd.

25 Vgl. Brüggen, Elke, Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts, Heidelberg, 1989, S.136.

26 Vgl. Das Nibelungenlied und die Klage. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text und Übersetzung und Kommentar. Herausgegeben von Joachim Heinzle. Berlin 2015 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch, 51, V.1173, 1-3.

27 Vgl. Brüggen, Elke, Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts, Heidelberg, 1989, S.140f.

28 Vgl. Brüggen, Elke, Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts, Heidelberg, 1989, S.136f.

29 Vgl. Das Nibelungenlied und die Klage. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text und Übersetzung und Kommentar. Herausgegeben von Joachim Heinzle. Berlin 2015 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch, 51, V. 263,2-264,4.

30 Vgl. Selmayr, Pia, „Balmung, 'tarnhût', Ring und Gürtel. Siegfried und seine Dinge im „Nibelungenlied“ in: Helden: E-Journal zu Kulturen des Heroischen = Heroes = Héros / SFB 948, Helden, Heroisierungen, Heroismen, Freiburg, 1996, S.68ff.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Funktion der Kleidung im Nibelungenlied
Untertitel
Kleidung in Hinblick auf Macht und Identität im Heldenepos
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V493596
ISBN (eBook)
9783346004161
ISBN (Buch)
9783346004178
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktion, kleidung, nibelungenlied, hinblick, macht, identität, heldenepos
Arbeit zitieren
Eva Frischmuth (Autor), 2018, Die Funktion der Kleidung im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493596

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Funktion der Kleidung im Nibelungenlied



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden