Ferdinand Marian. Sein Leben als Schauspieler in der NS-Zeit und danach am Beispiel von "Jud Süß"


Studienarbeit, 2018

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1 Einleitung

Ferdinand Marian war der George Clooney zur Zeit des Nationalsozialismus. Beruhmt wurde der Schauspieler mit der Rolle des Joseph SuB Oppenheimers“ in dem antisemitischen Propagandafilm „Jud SuB“ aus dem Jahre 1940. Uraufgefuhrt wurde der Veit-Harlan-Film in Venedig und gespielt bis zu seinem Verbot 1945. In der heutigen Zeit kennen wohl nur Wenige Inhalt und Schauspieler. Immerhin war dieser Streifen einer der „erfolgreichsten“ antisemitischen Filme, die in der NS-Zeit gedreht worden sind.

Explizit beschaftigt sich diese Arbeit mit dem Hauptdarsteller Ferdinand Marian. Sie stellt seine Person und seine Arbeit als Theater- und Filmschauspieler vor und beschreibt, wie sich die Rolle eines, von den Nazis propagierten, judischen Bosewichts auf sein Leben vor und nach der Kapitulation der Nationalsozialisten im Mai 1945 auswirkte. Auch soll der Bezug des Schauspielers zur Rolle des Joseph SuB Oppenheimer herausgearbeitet werden.

Gestutzt wird die Arbeit auf die einzige Biographie, die vom Schauspieler existiert. Geschrieben wurde sie von Friedrich Knilli und tragt den Titel „Ich war Jud SuB - Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian“, veroffentlich im Jahre 2000. Der Autor gab Ferdinand Marian den Spitznamen Ferdl. Uber den Kunstler findet sich nur wenig Literatur. Jedoch hat er einen Eintrag im osterreichischen biographischen Lexikon. Um dem Film „Jud SuB“ und der historischen Figur Joseph SuB Oppenheimer naher zu kommen, nutze ich Rezensionen sowie historische Quellen. Denn auch das Drehbuch stutzt sich auf den „wahren“ Oppenheimer. Aus der vorhandenen Literatur entnahm ich Details zu Lebenslaufen und Filmfigur. Film und Inszenierung analysiere ich dagegen nicht.

Die Veranschaulichung des Films „Jud SuB“, sowie des Schauspielers Ferdinand Marian, stellt in dem Sinne eine Relevanz dar, da die Mitwirkenden an propagandistischen Filmen oft in Vergessenheit geraten, sowie auch der Beruf des Schauspielers wahrend und nach der Zeit des Nationalsozialismus.

Zunachst beschaftigt sich die Arbeit primar mit der Vorstellung des Schauspielers. In diesem ersten Kapitel wird dessen Leben chronologisch dargestellt, sein Werdegang zu einem Schauspieler am Theater, mit seinen Engagements und Problemen. Darauf folgt eine kurze Vorstellung seiner Filmkarriere. Im zweiten Kapitel beschreibe ich den Propagandafilm „Jud SuB“ und beleuchte den Schauspieler Ferdinand Marian in seiner Rolle als “Joseph Oppenheimer“. Zum Beispiel gehe ich darauf ein, welche Probleme er hatte, diese Rolle zu spielen, und wie sie sich auf seine Karriere auswirkte. Dazu gehort auch die Reaktion der

Besucher*innen der Kinoproduktion. Abgeschlossen wird der Hauptteil mit den Jahren nach den Dreharbeiten, der Zeit des Berufsverbots und dem verzweifelten Bemuhen, das alte Leben wieder zuruckzuerhalten.

2 Ferdinand Marian

2.1 Sein Leben vor Jud SuB

Der Schauspieler wurde am 14. August 1902 als Ferdinand Heinrich Johann Haschkowetz im siebten Bezirk der osterreichischen Stadt Wien geboren. Den Namen Ferdinand gab ihm sein Vater, der ebenso Ferdinand hieB. Er war koniglich-kaiserlicher Hofopernsanger und Gesangsmeister. Seine Ehefrau, Marians Mutter, war Soubrette am Budapester Operntheater. Daher kam der junge Ferdinand schon fruh mit dem Kunstlerleben in Kontakt. So begleitete er seinen Vater regelmaBig mal wieder ins Theater in Wien1, wo er sich viel abschaute und Anregungen holte, welche er spater fur seine eigene Karriere nutzen wurde.

Schulisch gesehen war Ferdinand Marian nicht sehr begabt und brachte eher mittelmaBige bis schlechte Noten nach Hause.2 Erst besuchte er ein Real-Gymnasium in Wien, spater wechselte er auf die hohere Fachschule fur Elektrotechnik des kaiserlich-koniglichen Technologischen Gewerbemuseums in Wahring. Anfang Februar des Jahres 1919 musste er diese Fachschule allerdings verlassen, da er mehrmals den Unterricht schwanzte und schlussendlich nicht mehr erschien.

Stattdessen wollte sich der 17-Jahrige den Traum erfullen, zu FuB uber die Alpen nach Italien zu wandern. Um Geld zu verdienen, schlug er sich mit verschiedenen Jobs durch, wie zum Beispiel als Klavierlehrer oder auch als technischer Zeichner in einer Hoch- und Tiefbaufirma in Graz3. Immer wieder versuchten seine Eltern, den plotzlich verschwundenen Sohn zu finden. Doch dieser war mit einem geanderten Namen unterwegs war, namlich dem Kunstlernamen „Marian“. Dies war der Name seines Vaters4. Nach drei Jahren (1922) tauchte der verschollene Sohn bei seinen Eltern, die mittlerweile nach Graz gezogen waren, wieder auf.

Nach seiner Ruckkehr bestand der Vater darauf, dass Ferdinand Marian ebenfalls am Theater tatig sein sollte. So begann die Karriere von Ferdinand Marian am Theater von Graz mit dem Kunstlernamen „Fritz Marian“5. Der junge Theatermann hatte nie eine wirkliche Schauspielausbildung absolviert. Er kam mit Learning by doing voran und griff auf das zuruck, was er sich als Kind von seinem Vater abgeschaut hatte. Seine Karriere im Theater Graz startete mit vielen Nebenrollen. Seine erste war die als romischer Soldat im Stuck „Meister von Plamyra“ aus dem Jahre 1923.

Nach vier Jahren entschied sich Marian nach Deutschland zu gehen. Im Rheinland spielte er als erstes einen Zuhalter in der Komodie „Spiel im SchloB“ im Trierer Theater. Immer mal wieder ubernahm er kleine Rollen in verschiedenen Theatern im Rheinland, zum Beispiel in Monchengladbach oder Aachen. Dies bedeutete fur den jungen Schauspieler Stress und Belastung, die seiner Karriere jedoch nicht weiterhalfen, da sich sein Name den Kritikern nicht einpragte.6 Auf der Buhne wirkte er damals schon bei vielen antisemitischen Stucken mit, die das deutschnationale Publikum bedienen sollten. Eine seiner bedeutendsten Rollen war „Ahasver“, eines verfluchten Juden, dem es nicht moglich war zu sterben. Der Schauspieler interpretierte ihn nicht entsprechend dem Klischee eines dunklen orientalischen Juden, sondern als einen Herrn in Frack und Pelzmantel7. So gab er dem Protagonisten ein besonderes Aussehen. Fur diese Darstellung bekam der junge Schauspieler eine seiner ersten Kritiken.

Doch seine kunstlerische Rolle setzte sich auBerhalb des Theaters fort. Er wurde als Jude beschimpft und als Fremder angefeindet. Dies lag womoglich an seiner tschechischen Herkunft, seinem orientalischen Teint und seinem Dialekt.8

Nach einem Umzug im Jahre 1931 spielte er Theater in Hamburg und hatte 1932 seinen groBten Erfolg in dem Bauerndrama „Rauhnacht“ von Richard Billing als „Simon Kreuzhalter“, einem Missionar, der jahrelang in Afrika lebte. Kurz darauf erfuhr seine Karriere wieder einen Knick. Er entsprach aufgrund seines Aussehens wegen nicht mehr dem Bild von einem Schauspieler, wie ihn sich Nationalsozialisten wunschten.9

Ferdinand Marian war Zeit seines Lebens eher unpolitisch und meinte, dass „.. .ein Schauspieler sich aus dem Politischen herauszuhalten.. ,“10 habe. Sowie viele Filmschaffende in der Zeit des Nationalsozialismus, wurde Ferdinand Marian kein Mitglied der NSDAP. Trotz des Judenhasses, trotzdem es sich negativ auf seinen Beruf auswirken konnte, heiratete Marian am 30. Marz 1936 die von einem Juden geschiedene Maria Byk. Mittlerweile arbeitete er nicht nur fur Theater und Film, sondern wirkte auch bei Horspielen mit, da er eine schone Stimme besaB und ein ausdruckvoller Redner war.11

Im Folgenden werde ich anhand von einigen Beispielen auf die Filmkarriere von Ferdinand Marian eingehen.

2.2 Filmkarriere

Seit 1933 spielte Marian immer mal wieder kleinere Rollen in Filmen wie „Der Tunnel“ (1933) oder „Peer Gynt“ (1934). Seine Leinwandkarriere begann, als ihn der Regisseur Erich Engel von der Buhne zum Set holte. Er gab ihm die Rolle des Chauffeur Paul Pushkinow im Film „Der Hochzeitstraum“ (1936).

Der 34-Jahrige spielt diese Doppelrolle des Chauffeurs und gleichzeitigen Fursten gut, da solche Rollen fur ihn nichts Neues seien. Auch hier spielt seine Kindheit und seine Vorlieben in dieser Zeit eine groBe Rolle, da er schon immer eine Bewunderung fur den Adel hegte. Als Kind merkte er sich, wodurch sich die adelige Etikette in Bewegungen und der Sprache auszeichnete, was ihm in dieser Rolle positiv zuspielte.12

Offenbar jedoch fuhlte er sich mit seiner Rolle uberfordert, sodass er sie am liebsten wieder abgegeben hatte. Engel hielt ihn davon ab und machte ihm Mut. Der Film „Hochzeitstraum“ wird kurz vor dem damaligen Oktoberfest das erste Mal auf den Leinwanden gespielt - und Marian sagte in einem Interview „Filmen ist schon! ... Es kostet Nerven, gute starke Nerven.“13 Hiermit macht er deutlich, wie anstrengend die neue berufliche Herausforderung fur ihn war. Erstmals richtig erfolgreich war er als „Don Pedro de Avila“ im Film „La Habanera“ (1937), unter der Regie von Detlef Siercke und mit Zarah Leander in der weiblichen Hauptrolle.

3 Jud Sufi und Ferdinand Marian

3.1 Jud Sufi - der Film

Die Rolle des „Joseph SuB Oppenheimers“ basiert mehr oder weniger auf einer wahren Figur, die im Jahre 1698 in Heidelberg geboren wurde. Anfang des 17 Jahrhunderts stieg er zum Privatbankier von Carl Alexander von Wurttemberg in Stuttgart auf. Nach dem Tod des Herzogs wurde auch er 1737 zum Tode verurteilt und Anfang Februar 1738 hingerichtet. Sein Schicksal nahmen sich seither viele Autoren zur literarischen Vorlage, was wohl auch an den Verhorprotokollen liegt, die sein Liebes- und Sexleben offenbaren.14

Um die Figur „Jud SuB“ entsteht eine „SuB-Pornographie“15, die im Laufe der Jahrhunderte immer neu geformt worden ist, bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein. So gab es zwischen den Jahren 1933 und 1945 insgesamt drei Versuche die Rolle des Joseph Oppenheimers zeitgemaB darzustellen. Eugen Ortner schrieb ein Theaterstuck (1933), Karl Otto Schilling hatte die Idee fur eine Radiooper. Doch nur der Spielfilm von Veit Harlan (1940) setzte sich wirklich durch.

Der Streifen wurde am 05.09.1940 auf den deutsch-italienischen Filmwochen in Venedig uraufgefuhrt und war deswegen so erfolgreich, weil Harlan zeitgemaB Antisemitisches mit Erotik mischte und dabei weder ein pornographisches Motiv, noch ein antisemitisches Argument auslieB.16 Diese Motive werden auf zweifache Weise deutlich gemacht. Zum einen dreht sich die Haupthandlung um einen politischen Konflikt zwischen Juden und Judenfeinden, wahrend zum anderen die Nebenhandlung einen Liebeskonflikt, zwischen einer arischen Frau und dem Juden, der sie verfuhrt, widerspiegelt17.

Beide Handlungen veranlassten Erich Knauf und Heinrich Braune, den Film nicht nur als judenfeindlich, sondern auch als Melodrama in ausgewahlten Zeitungen18 zu beschreiben. Somit gaben sie dem Film nicht nur ein politisches Etikett.

[...]


1 Knilli, Friedrich (2000): Ich war Jud SuB; Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian. Henschel Verlag. Berlin. S. 42

2 Ebd. S. 47-48

3 Ebd. S. 49

4 Ebd. S. 50

5 Knilli, Friedrich (2000): Ich war Jud SuB; Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian. Henschel Verlag. Berlin. Ebd. S. 53

6 Ebd. S. 61

7 Ebd. S.62

8 Ebd. S. 65

9 Ebd. S. 71

10 Ebd. S. 69

11 Knilli, Friedrich (2000): Ich war Jud SuB; Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian. Henschel Verlag. Berlin. S. 80

12 Ebd. S. 76

13 Ebd S. 77

14 Knilli, Friedrich (2000): Ich war Jud SuB; Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian. Henschel Verlag. Berlin. S. 23

15 Ebd. S. 28

16 Ebd. S. 28

17 Przyrembel, Alexandra (2006): „Jud SuB“; Hofjude, literarische Figur, antisemitisches Zerrbild. Campus Verlag. Michigan. S. 208

18 Knilli, Friedrich (2000): Ich war Jud SuB; Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian. Henschel Verlag. Berlin. S. 159

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Ferdinand Marian. Sein Leben als Schauspieler in der NS-Zeit und danach am Beispiel von "Jud Süß"
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V493640
ISBN (eBook)
9783668986831
ISBN (Buch)
9783668986848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ferdinand, marian, sein, leben, schauspieler, ns-zeit, beispiel
Arbeit zitieren
Ioana Moiceanu (Autor), 2018, Ferdinand Marian. Sein Leben als Schauspieler in der NS-Zeit und danach am Beispiel von "Jud Süß", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493640

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