Ziel dieser Hausarbeit ist es, zu untersuchen wie sich der Surrealismus in verschiedenen Werken Buñuels zeigt und wie sich diese Darstellung möglicherweise über die Jahre verändert hat
Der Surrealismus ist eine künstlerische Bewegung, welche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Frankreich entstand und sich besonders in Europa und den USA rasch verbreitet. War der Surrealismus zu Beginn eher ein Phänomen der Literatur, so ging er bald auch auf die Malerei und andere Kunstformen, unter anderem den Film, über.
Einer der bekanntesten Vertreter des filmischen Surrealismus ist ohne Zweifel der spanische Regisseur Luis Buñuel, darum soll in folgender Hausarbeit untersucht werden, wie sich der Surrealismus durch dessen Lebenswerk zieht. Dazu werden drei Filme miteinander verglichen, zum einen Un Chien andalou (Ein andalusischer Hund, FR 1929), eines seiner ersten und gleichzeitig bekanntesten Werke, zum anderen Él (Er, MX 1953), ein Film, welcher in seiner eher realistisch geprägten Schaffenszeit in Mexiko entstand. Zu guter letzt wird noch eines seiner letzten Werke betrachtet, welches wieder in Europa entstand, nämlich Le Charme discret de la Bourgeoisie (Der diskrete Charme der Bourgeoisie, FR/ES 1972).
Auf die Einleitung folgt ein Kapitel über den Surrealismus generell und anschließend speziell im Film mit Bezug auf die Manifeste des französischen Surrealisten André Breton. Das darauffolgende Kapitel wird mit einem kurzen biografischen Einblick in das Leben Buñuels eingeleitet und widmet sich anschließend den drei oben genannten Filmen. Diese werden zunächst inhaltlich skizziert, bevor sie auf ihre surrealistischen Aspekte hin untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Surrealismus
2.1. Der Surrealismus nach André Breton
2.2. Surrealismus im Film
3. Luis Buñuel und der Surrealismus
3.1. Luis Buñuel
3.2. Un chien andalou
3.3. Él
3.4. Le charme discret de la Bourgeoisie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Ausprägung surrealistischer Motive im filmischen Werk von Luis Buñuel. Anhand einer vergleichenden Analyse von drei ausgewählten Filmen aus verschiedenen Schaffensphasen des Regisseurs wird analysiert, wie sich surrealistische Elemente – von der radikalen Subjektivität in den Frühwerken bis hin zu einer subtileren, parodistischen Darstellung in späteren Arbeiten – in seinem Lebenswerk manifestieren und transformieren.
- Grundlagen des Surrealismus und filmtheoretische Einordnung
- Biografische Einflüsse auf das Schaffen von Luis Buñuel
- Vergleichende Filmanalyse von Un chien andalou, Él und Le charme discret de la Bourgeoisie
- Untersuchung zentraler Leitmotive wie Amour fou, Traumwelt und Gesellschaftskritik
- Diskussion der Entwicklung surrealistischer Ästhetik im Kontext von Handlung und Struktur
Auszug aus dem Buch
3.2. UN CHIEN ANDALOU
Wie bereits erwähnt war UN CHIEN ANDALOU der erste Film von Luis Bunuel und entstand aus der Zusammenarbeit mit Salvador Dalí. Neben L’ÂGE D’OR ist er Buñuels surrealistischstes Werk, wofür ebenfalls die Tatsache spricht, dass das Drehbuch in einem Prozess des automatischen Schreibens entstand. Des Weiteren basiert der Inhalt zum Teil auf Träumen Buñuels und Dalís. Zusätzlich sind beide Künstler selbst in ihrem Werk zu sehen, Buñuel ist der Mann zu Beginn des Filmes und Dalí einer der beiden Seminaristen, welche mit dem Klavier über den Boden geschleift werden. Der Film hat eine Gesamtlänge von gerade einmal knapp 16 Minuten und erzählt keine wirkliche Geschichte. Trotzdem sind die Bilder nicht einfach wahllos aneinander gereiht, sondern stehen auf der Bedeutungsebene teilweise in einem Zusammenhang in Form von visuellen Metaphern. Hauptmotiv des Filmes ist die amor fou zwischen den beiden namenlosen Hauptcharakteren, einem jungen Mann (Pierre Batcheff) und einer jungen Frau (Simone Mareuil). Immer wieder entstehen Interpretationen zu diesem Werk, eine davon geht von einer sehr sexuellen Lesart aus. So könnte die Verwandlung der Brust in einen Hintern darauf hinweisen, dass die Missionarsstellung die beliebteste Sexposition ist. Auch das Gesicht des Mannes, welches aussieht, als würde er sterben, kann in Verbindung mit dem Orgasmus gebracht werden, denn dieser heißt auf französisch „la petite mort“, was wörtlich Übersetzt so viel bedeutet wie „kleiner Tod“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entstehung des Surrealismus ein und definiert das Ziel, die Darstellung surrealistischer Elemente anhand von drei ausgewählten Filmen Luis Buñuels zu untersuchen.
2. Surrealismus: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Surrealismus, insbesondere die Auffassungen von André Breton, und überträgt diese Konzepte auf das Medium Film.
3. Luis Buñuel und der Surrealismus: Der Hauptteil bietet einen biografischen Abriss des Regisseurs und analysiert seine Filme Un chien andalou, Él und Le charme discret de la Bourgeoisie inhaltlich und analytisch.
4. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass sich surrealistische Themen durch Buñuels gesamtes Lebenswerk ziehen, auch wenn sich deren Ausprägung in Handlung und Gestaltung im Laufe der Jahre wandelt.
Schlüsselwörter
Surrealismus, Luis Buñuel, Filmwissenschaft, Avantgarde, Amour fou, Traumwelt, Un chien andalou, Él, Le charme discret de la Bourgeoisie, André Breton, Gesellschaftskritik, Traummotiv, Psychoanalyse, Automatischer Prozess, Filmanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss des Surrealismus auf die Filmkunst, fokussiert auf das Schaffen des Regisseurs Luis Buñuel.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentrale Themen sind die Traumthematik, die Darstellung von Amour fou (leidenschaftlicher, obsessiver Liebe), der Umgang mit bürgerlichen Konventionen sowie die Rolle von Religion und Sexualität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, nachzuweisen, wie sich surrealistische Aspekte in den verschiedenen Lebensphasen Buñuels in seinen Filmen manifestieren und wie sich diese Darstellung stilistisch verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine vergleichende Filmanalyse durchgeführt, die inhaltliche Aspekte und gestalterische Mittel von drei spezifischen Werken untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Nach einem biografischen Porträt Buñuels folgt eine detaillierte Analyse der Filme Un chien andalou, Él und Le charme discret de la Bourgeoisie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Surrealismus, Traumwelt, Amour fou, Filmästhetik und Buñuels Lebenswerk definiert.
Warum wird der Film Él in die Analyse einbezogen, obwohl er realistischer wirkt?
Der Film wird als Beispiel gewählt, um aufzuzeigen, dass auch in vermeintlich realistisch strukturierten Filmen Buñuels surrealistische Motive inhaltlich und gestalterisch tief verankert bleiben.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Entwicklung im Werk Buñuels?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass sich der Surrealismus als konstanter Begleiter durch Buñuels Werk zieht, wobei sich die künstlerische Ausprägung von radikaler Irrationalität zu subtileren, oft parodistischen Formen entwickelt hat.
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- Melanie Würsig (Autor), 2017, Luis Buñuel und der Surrealismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493704