Die Fastenfrage. Eine neutestamentliche Exegese von Mk 2, 18-22


Hausarbeit, 2013

32 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Das Markusevangelium

2. Übersetzungsvergleich

3. Literarkritik
3.1. Stellung im Kontext
3.2. Abgrenzung nach oben
3.3. Abgrenzung nach unten
3.4. Einheitlichkeit
3.5. Synoptischer Vergleich

4. Traditionsgeschichte/Formgeschichte
4.1. Scheidung von Tradition und Redaktion
4.2. Gattungsbestimmung
4.3. Der Sitz im Leben

5. Begriffs- und Religionsgeschichte
5.1. Begriffsgeschichte
5.2. Religionsgeschichtliche Analyse

6. Der Sinn des Textes
6.1. Der Sinn des Textes auf der Stufe der ersten Tradition
6.2. Der Sinn des Textes auf zweiter Stufe der Tradition
6.3. Der Sinn des Textes auf der dritten Stufe der Tradition
6.4. Der Sinn des Textes auf der Stufe der Redaktion

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
8.1. Übersetzungsvergleich
8.2. Scheidung von Tradition und Redaktion
8.3. Kommentar Dächsel

Mk 2, 18-22

Die Frage nach dem Fasten

18 Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten; und sie kommen und sagen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?

19 Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten.

20 Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann, an jenem Tag, werden sie fasten.

21 Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Gewand; sonst reißt das Eingesetzte von ihm ab, das Neue vom Alten, und ein schlimmerer Riss entsteht.

22 Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der Wein die Schläuche zerreißen, und der Wein und die Schläuche verderben; sondern neuen Wein füllt man in neue Schläuche.[1]

1. Einleitung

Das Markusevangelium ist eins der drei synoptischen Evangelien des Neuen Testaments. Im Folgenden werde ich zunächst einleitend auf dessen Entstehung, Verfasser und Besonderheiten eingehen und mich danach der Perikope 2, 18-22 des Markusevangeliums genauer widmen. Dabei möchte ich mich bei der genannten Perikope sowohl mit der Literarkritik und der Einheitlichkeit auseinandersetzen als auch auf die Traditions-, Form-, Begriffs- und Religionsgeschichte und den Sinn des Textes eingehen.

Vorbereitend habe ich das Markusevangelium aus der Revidierten Elberfelder Bibel gelesen, auf welche ich mich auch bei dieser Arbeit stützen werde.

1.1. Das Markusevangelium

Das Markusevangelium ist das älteste Evangelium des Neuen Testaments. Es umfasst 16 Kapitel, welche des Weiteren in Verse unterteilt sind.2 Diese Einteilung wurde dabei lediglich für einen besseren Gesamtüberblick geschaffen3 und „stammt nicht vom Verfasser selbst, sondern [das Einteilen in Kapitel] erfolgte erst im 13. Jhd., während die Einteilung in Verse erstmalig von dem berühmten Drucker Robert Estienne aus Genf […] vorgenommen wurde.“4

Die Bezeichnung des Evangeliums ist eine „von Markus geschaffene Gattung“5. Dieser wandte diesen Begriff als Erster auf die „Taten und Worte Jesu an“6. Nach seinem Verständnis reduziert sich das Evangelium nicht auf die „Predigt von Jesus Christus und seinen heilsentscheidenden Taten, sondern die Weiterverkündung von Jesus übrigen Taten und Worten gehören ebenso dazu“7.

Was Markus tat, war insofern neu, dass er die schon vorhandenen Einzeltexte und mündlichen Überlieferungen in einen Erzählzusammenhang gestellt hat.8 Dabei wollte er „das ‘Evangelium von Jesus Christus‘ (1,1) adäquat zum Ausdruck bringen, weil die Einzelgeschichten in der Regel entweder den Christus der Herrlichkeit oder den des Leidens zur Sprache brachten, während es Markus gerade darauf ankam, beides miteinander zu verbinden und gemeinsam zur Sprache zu bringen.“9

Das Werk beginnt mit den Worten: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“10, wobei die geschaffene Gattungsbezeichnung des Evangeliums in Markus das erste Mal erwähnt wird. Schon in diesem Anfang unterscheidet sich das Markusevangelium von den zwei anderen synoptischen Werken. Denn im Gegensatz zum Mk beginnen Mt und Lk mit einer Kindheitsgeschichte.11 Doch auch die Übereinstimmungen dieser sind zu beachten: „Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu mit der Taufe durch Johannes den Täufer, öffentliche Wirksamkeit in Galiläa […], Wundererzählungen und Streitgespräche, Ende in Jerusalem und Auferstehung.“12 Wenn man weiterhin auf die Übereinstimmungen der drei Evangelien eingeht, fällt auf, dass diese nicht nur inhaltlich sind, sondern ebenso manche Verse bzw. Kapitel sich auch wörtlich gleichen, weswegen sie „seit dem 18. Jahrhundert die synoptischen [(griechisch für zusammenschauenden)] Evangelien“13 genannt werden. Beispielhaft dafür sind die Parallelen zwischen Mk 1,40-45; 8,34-9,1; 11,27-33; 13,5-8 und den passenden Stellen des Lk und Mt.14 Diese deutlichen Übereinstimmungen können nicht auf eine gemeinsame mündliche Quelle schließen sondern deuten vielmehr auf eine „literarische(r) Abhängigkeit der Evangelien untereinander, [und] darauf, daß die Verfasser des Matthäus- und Lukasevangeliums beide unabhängig voneinander das Markusevangelium benannt haben.“15 Diese bezeichnet man als die Zweiquellentheorie.

Zwischen verschiedenen Hypothesen, wie die Werke entstanden sein könnten, kommt die Griesbach – Hypothese, die ebenfalls (wie die Zweiquellentheorie) eine Benutzungshypothese ist, gleichfalls als logische Erklärung für die Zusammenhänge der Evangelien in Frage.16 Diese besagt, dass die Evangelien „in der Reihenfolge Matthäus-, Lukas-, Markusevangelium abgefasst“ worden sind „und der jeweils spätere Autor […] die Werke der Vorgänger“17 kannte.

Eher plausibel ist aber „nach Meinung der überwiegenden Mehrheit der Exegeten […] das Markusevangelium und die Logienquelle als Arbeitsgrundlage für Matthäus und Lukas, also […] die Zweiquellentheorie.“18

Kein anderes Evangelium wirft „so viele Streitfragen [auf][…], wie das des Markus“.19 Es ist nicht möglich mit Bestimmtheit etwas über den Verfasser, die Entstehungszeit oder den Entstehungsort des Markusevangeliums zu sagen.

Im Buch wird der Name des Verfassers nicht genannt. Die Überschrift des Werkes nennt zwar den Namen Markus, diese wurde aber nachträglich zugefügt und ist nicht ursprünglich.20 In der Kirchenväterliteratur hingegen wurde „Markus mehrfach als Verfasser eines Evangeliums genannt.“21 Es ist schwierig zu sagen, ob hierbei vielleicht von dem Johannes Markus, dem „Gefährten des Paulus“ gesprochen wird, der in den Apostelgeschichten benannt wird.22 Denn „in jener Zeit war es ja üblich, daß ein Verfasser sein eigenes Buch einem anderen zuschrieb, die einen gewichtigeren Namen hatte als er selbst, um auf diese Weise den Inhalt des Buches größeren Gewicht zu verleihen.“23

Ebenfalls eine Ortsangabe, in dem der Verfasser des Markusevangeliums schrieb, ist nicht gegeben. In älteren Überlieferungen wird von Rom als Entstehungsort geredet, was aber als eher unwahrscheinlich angesehen wird.24

Es gibt Nachrichten aus der Alten Kirche, „nach denen das Evangelium entweder noch zu Lebzeiten des Petrus oder nach dessen Tod verfaßt worden sein soll.“25 Diese sollen aber nach Meinung der Exegeten zu keiner genauen Klärung der Abfassungszeit führen.26 Des Weiteren gibt es „gute Gründe, an einen Zeitpunkt kurz vor oder nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahre 70 zu denken“27, was die vorherige These, dass die Abfassungszeit nahe am Todesjahr des Petrus im Jahr 65 liegt28, bestätigt. Hinweise über die Entstehungszeit des Markusevangeliums liefert dessen 13. Kapitel, in dem von der Tempelzerstörung in Jerusalem gesprochen wird.29, 30 Joachim Gnilka hält diese sogar für eine Voraussetzung für das Abfassen des Evangeliums und plädiert darauf, dass dieses ca. drei Jahre nach der Zerstörung verfasst wurde und Petrus Tod ein Beweggrund gewesen sein könnte, die Jesusüberlieferungen zu verschriftlichen.31

Hinsichtlich des Verfassers, der Entstehungszeit und des Entstehungsortes des Markusevangeliums wird deutlich, dass es nicht möglich ist, die Geschehnisse alle genauestens nachzuvollziehen, wodurch man sich auf die Spekulationen der vorhandenen Quellen stützen muss.

Nach der kurzen Einleitung in das Markusevangelium möchte ich nun im Folgenden genauer auf die Perikope Mk 2, 18-22 eingehen.

2. Übersetzungsvergleich

32 Im Folgenden werde ich die Perikope Mk 2, 18-22 in zwei verschiedenen Bibelübersetzungen und in einer Übersetzung aus einem Kommentar betrachten und miteinander vergleichen. Dabei stütze ich mich zum einen auf die Elberfelder Bibel, bei deren Übersetzung eher auf eine urtextgetreue Wiedergabe geachtet wurde anstatt sie der Sprache des Volkes anzupassen und zum anderen stütze ich mich auf die Interlinearübersetzung, da hier ebenfalls darauf geachtet wurde, dass der ursprüngliche Wortlaut nicht verloren geht. Bei letzterer ist zwar eine, für den Leser ungewöhnliche Satzstellung vorhanden, dies aber nur, weil hier versucht wurde, die Satzstellung aus dem Urtext eins zu eins zu übernehmen, was bei der Erschließung der ursprünglichen Sinns hilfreich sein kann. Als Kommentar habe ich den von Karl August Dächsel namens „Die Bibel oder die ganze heilige Schrift“ ausgewählt. Dieser Kommentar orientiert sich zwar an der Lutherübersetzung und ist aus dem Jahr 1867, mit den vielen Zusätzen zur Übersetzung gelingt es aber, den Sinn, Zusammenhang und einen möglichen Grund für eine gewisse Wortwahl zu finden bzw. besser zu verstehen.

Die Übersetzungen ins Deutsche stammen alle aus der althebräischen bzw. das NT aus der altgriechischen Sprache und können deshalb gut miteinander verglichen werden.33

Beim Vergleichen des Verses 18 der verschiedenen Übersetzungen sind im ersten Satz zunächst kleinere Unterschiede zu erkennen. Alle drei Übersetzungen benutzen eine Vergangenheitsform, nur die Interlinearbibel benutzt „fasten“ nicht als Verb, wie die anderen, sondern als Adjektiv („waren […] fastend]. Dagegen kommt das Adjektiv „viel“, welches in der Elberfelder Bibel und dem Kommentar benutzt wird, in der Interlinear nicht vor. Außerdem steht im Kommentar „der Pharisäer“ und in den beiden verglichenen Bibeln „die Pharisäer“. Im Satzzusammenhang ergibt dies einen anderen Sinn.

Im Kommentar ist hierbei von den Jüngern des Johannis und den Jüngern der Pharisäer die Rede. In den anderen Übersetzungen werden nur die Jünger des Johannes und die Pharisäer allgemein benannt. Dabei muss man hinterfragen, ob wirklich nur die Pharisäer im Allgemeinen gemeint sind, oder hier eventuell ein Übersetzungs- oder Übertragungsfehler vorliegt. Man kann davon ausgehen, dass der Verfasser des Urtextes dies auf die Jünger der Pharisäer bezogen hat. Diese galten als äußerst bedacht, sehr fromm zu sein und damit ihrem Lehrherr zuvor zu kommen.34

Auch aus dem weiteren Verlauf der Perikope kann man dies entnehmen, da die Jünger der Pharisäer dort explizit erwähnt werden.

Bei diesem Vergleich fällt auf, dass im Kommentar von „Johannis“ gesprochen wird und in der Elberfelder- und der Interlinearübersetzung von „Johannes“, wobei man beim Kommentar davon ausgehen kann, dass hier ebenso von Johannes dem Täufer die Rede ist.35

Im darauffolgenden Satz benutzen die Elberfelder und die Linear die Präsensform. Außer, dass in der Elberfelder noch ein „sie“ hinzugefügt wurde, unterscheiden sich die beiden Übersetzung hinsichtlich dieses Satzes nicht. Im Kommentar wird dagegen die Vergangenheitsform benutzt und es wird der Satz „Und es kamen etliche“ anstatt „und sie kommen“ verwendet, wodurch kein direkter Bezug auf den vorherigen Satz bzw. auf die Jünger hergestellt wird.

Im nächsten Satz wird in allen drei Übersetzungen eine Frage gestellt. Die Wortwahl ist gleich und es sind keine größeren Unterschiede zu erkennen. In diesem Satz wird Jesus direkt angesprochen („deine Jünger“) Auch der erste Satz des Verses 19 weist keine gravierenden Unterschiede, außer der Satzstellung bei der Interlinearübersetzung, auf. Der nächste Satz wird mit einem Doppelpunkt eingeleitet und die direkte Rede Jesu beginnt. Der Kommentar beginnt mit dem Fragewort „Wie“, wohingegen die anderen Übersetzungen mit „Etwa“ oder „Können etwa“ beginnen, wobei die Rhetorik der Frage mehr zum Ausdruck kommt.

Das Subjekt des Satzes wird hier jeweils anders benannt. Im Kommentar heißt es „Hochzeitsleute“, in der Elberfelder Bibel „Hochzeitsgäste“ und in der Interlinear „Söhne des Brautgemachs“. Letztere nutzt eine sehr altertümliche Sprache. Die unterschiedliche Wortwahl lässt darauf schließen, dass es Schwierigkeiten gab, eine genaue und gute Übersetzung zu finden, wobei diese Verschiedenheiten sich aber nicht auf den Text auswirken. Denn „Sohn wird auch verwendet, um die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaftsgruppe auszudrücken“36, wodurch die „Söhne des Brautgemachs“ der Interlinearübersetzung nur die Gesellschaft des Bräutigams und somit Hochzeitsgäste sind.

Im nächsten Satz findet man wieder, außer der Satzstellung, keine gravierenden Unterschiede. Alle vorliegenden Übersetzungen sind im Präsens verfasst, im Kommentar ist der Bräutigam das Subjekt des ersten Hauptsatzes und in den anderen Übersetzungen lediglich das Objekt, was aber zu keiner Sinnveränderung führt.

Im Vers 20 findet man eine Zeitangabe. Im Kommentar wird hierbei von der „Zeit“ gesprochen, in den beiden anderen Übersetzungen hingegen von den „Tage[n]“, die kommen wird/werden. Dabei wird von einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft gesprochen. Die Zeitangaben, die bestimmte Ereignisse wiedergeben, wurden damals in Tagen beschrieben, wodurch man davon ausgehen kann, dass die Übersetzungen der beiden Bibeln eher dem Urtext entsprechen.37 Die verschiedenen Übersetzungen reden dabei alle von einem Ereignis in der Zukunft („wird kommen“). Den Nebensatz leiten alle Übersetzungen unterschiedlich ein. Der Kommentar beginnt mit „daß“, die Elberfelder Bibel mit „da“ und die Interlinear mit „wo“, was eher nach einer Freiübersetzung aussieht, dennoch den gleichen Bezug hat, nämlich den zum beschriebenem Zeitpunkt. Dieses beschriebene Ereignis wird in allen verglichenen Übersetzungen als ein passives dargestellt („wird weggenommen“). Beim Kommentar wird am Ende des Verses lediglich „dann werden sie fasten“ geschrieben, während bei der Elberfelder- und der Interlinear Bibel noch „an jenem Tag“ dazu gefügt ist. Hierbei wird noch einmal der Zeitpunkt des in der Zukunft eintreffenden Ereignisses betont.

Ab Vers 21 gibt es mehrere Übersetzungsunterschiede. Diese sind aber meistens nur Synonyme und verändern den Sinn des Textes nicht. Der Kommentar benutzt zum Beispiel das Verb „flicken“ und die beiden anderen Übersetzungen „nähen“. Ebenso wird beim Kommentar vom „Lappen aus neuem Tuch“ geredet, in der Elberfelder von einem „Flicken von neuem Tuch“ und in der Interlinear von einen „Flicklappen aus einem ungewalkten Stoffstück“. Auffallend ist hierbei, dass bei den Bibeln das Nomen Flicken ist und bei dem Kommentar dieses Wort als Verb benutzt wird, was eventuell auf eine Verwechslung bei der Übersetzung schließen kann. Nun wird im Kommentar erneut der „alte Lappen“ aufgegriffen, in der Elberfelder Bibel wird dagegen vom „Eingesetzten“ und in der Interlinear vom „Füllstück“ geredet. In allen drei Übersetzungen wird aber noch einmal die Gegenüberstellung von neu und alt aufgezeigt. In den Bibeln wird der Riss „schlimmer“, im Kommentar „ärger“ Vers 22 wird vom Kommentar mit „Auch“ eingeleitet, in den beiden anderen Übersetzungen mit „Und“. Hier wird also erneut ein Beispiel genannt. Auffallend ist das Wort „Most“, das im Kommentar anstelle von „Wein“ benutzt wird. Most ist ebenfalls ein weinartiges Getränk und zeigt hier wohl nur einen anderen Sprachgebrauch.

Die Elberfelder- und die Interlinearübersetzung schreiben von dem Verderben des Weins und der Schläuche. Der Kommentar dagegen schreibt „und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche kommen um“, wodurch hier noch ein weiteres Verb im Satz vorhanden ist. Im letzten Satz-(teil) wird im Kommentar erneut vom Most gesprochen, der in neue Schläuche gefüllt werden soll, in den anderen Übersetzungen hingegen liegt die Betonung allein auf dem Neuen, wobei neuer Wein in neue Schläuche gefüllt werden soll.

Beim Vergleichen der drei Übersetzungen fällt auf, dass sich die Elberfelder- und die Interlinearbibel in ihrer Wortwahl sehr ähneln. Der Kommentar hingegen benutzt oft andere Wörter, was aber daran liegen kann, dass dieser an die Übersetzung Martin Luthers anlehnt und diese bekannt dafür ist, der Sprache des Volkes angepasst zu sein. Dennoch ändert diese angepasste Wortwahl nichts am Sinn des Textes.

3. Literarkritik

3.1 Stellung im Kontext

38 Hinsichtlich der Abgrenzung sollte man zunächst die allgemeine Gliederung des Markusevangeliums betrachten. Die erzählte Geschichte des Markus verläuft von der Taufe Jesu, über seine Taten und sein Wirken, bis hin zu seiner Kreuzigung und seinem Grab.

Hierbei hat der Verfasser dessen „die Gliederungssignale offensichtlich nicht so gesetzt, daß sie uns Heutigen noch klar erkennbar wären.“39 Für das Markusevangelium gibt es keine „einheitliche[n] Kriteriologie der Forschung“.40 Es wird zum Beispiel gegliedert nach der „geographische[n] Aufteilung des Evangeliums, [der] Anlehnung an die jüdischen Festkalender oder [dem] antiken Drama, […] Inhalt“41, usw. Ingo Broer ist dabei der Meinung, am ehesten „anhand inhaltlicher und geographischer Merkmale“ eine gelungene Gliederung erstellen zu können.42

Willi Marxen teilt dabei grob in drei Komplexe ein: „Vorgeschichte (1,1-13), die Wirksamkeit Jesu vor dem Jerusalemer Aufenthalt (1,14-10,52), Ereignisse in und um Jerusalem (11,1-16,8).“43 Bas M.F. van Iersel hat das topographische System des Evangeliums untersucht, da in diesem ganzheitlich Ortsbestimmungen auftreten44 und teilt das Buch in die fünf Unterabschnitte „die Wüste“, „Galiläa“, „der Weg“, „Jerusalem“ und „das Grab“ ein. Er sieht das Buch als eine „Sandwich-Konstruktion“ aufgebaut und teilt das Buch in weitere Unterabschnitten ein, die die vorherigen ummanteln (Titel [1,1] - In der Wüste [1,2-13] – 1. Scharnierstück [1,14-15] – in Galiläa [1,16-8,21], blind – sehend (1) [8,22-26], usw.).45 Die zu untersuchende Perikope Mk 2, 18-22 befindet sich demnach im Abschnitt „Galiläa“46 bzw. berichtet von der „Wirksamkeit Jesu vor dem Jerusalemer Aufenthalt“.47

[...]


1 Revidierte Elberfelder Bibel (Rev. 26) 1985/1991/2008, Mk 2,18-22. Witten.

2 Vgl. Bas M.F. van Iersel, Markus: Kommentar, übersetzt von Alfred Suhl, Düsseldorf 1993. 66.

3 Vgl. Bas M.F. van Iersel, a.a.O., 67.

4 Bas M.F. van Iersel, a.a.O., 66.

5 Gnilka, Joachim, Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament. Das Evangelium nach Markus, 1. Teilband: Mk 1-8, 26, Zürich u.a. 1989. 17.. Die synoptischen Evangelien, die Apostelgeschichte und die johaneische Literatur. Würzburg, 2006. 26.

6 Vgl. Broer, Ingo, Einleitung in das Neue Testament. Band I: Die synoptischen Evangelien, die Apostelgeschichte und die johanneische Literatur, Würzburg 2006. 26.

7 Ebd.

8 Vgl. Broer, Ingo, a.a.O., 75.

9 Ebd.

10 Luther 1984. Mk 1, 1. URL: http://www.bibleserver.com/text/LUT/Markus1 [18.03.2014]

11 Vgl. Broer, Ingo, a.a.O., 30.

12 Ebd.

13 Broer, Ingo, a.a. O., 39.

14 Vgl. Broer, Ingo, a.a.O., 40.

15 Pesch, Rudolf, Synoptisches Arbeitsbuch zu den Evangelien. Band 1 Synopse nach Markus, Gütersloh u.a. 1980. 7.

16 Vgl. Broer, Ingo, a.a.O., 43.

17 Ebd.

18 Broer, Ingo, a.a.O., 52.

19 Broer, Ingo, a.a.O., 73.

20 Vgl. Broer, Ingo, a.a.O., 76.

21 Ebd.

22 Vgl. Bas M.F. van Iersel, a.a.O., 61.

23 Ebd.

24 Vgl. Ebd.

25 Broer, Ingo, a.a.O., 83.

26 Broer, Ingo, a.a.O., 83-84.

27 Bas M.F. van Iersel, a.a.O., 61.

28 Vgl. CVJM AG. URL: http://www.cvjm-ag.de/534.html [20.03.2014]

29 Vgl. Mk 13, Endzeitrede: Tempelzerstörung und Drangsale der Endzeit. URL: http://www.bibleserver.com/text/ELB/Markus13 [21.03.2014]

30 Vgl. Gnilka, Joachim, a.a.O., 34.

31 Vgl. Gnilka, Joachim, a.a.O., 34-35.

32 Vgl. Anhang. Übersetzungsvergleich - Elberfelder 1985. Mk 2, 18-22, Die Frage nach dem Fasten. URL: http://www.joyma.com/elberfe.htm [21.03.2014] - Interlinear 1979. Mk 2, 18-22, URL: http://bitflow.dyndns.org/german/InterlinearBibel/Interlinearuebersetzung_Deutsch_Neues_Testament.pdf [21.03.2014] - Dächsel, Karl August, 1867, Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift. Groß Desingen. (Kommentar)

33 Vgl. Das Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft. - Lutherbibel. URL: http://www.die-bibel.de/bibelwissen/bibeluebersetzung/deutsche-uebersetzungen/uebersicht/luther-1984/ [21.03.2014] - Elberfelder Bibel. URL: http://www.die-bibel.de/online-bibeln/elberfelder-bibel/informationen-zur-bibeluebersetzung/ [21.03.2014] - Interlinearversion NT. URL: http://www.die-bibel.de/bibelwissen/bibeluebersetzung/deutsche-uebersetzungen/uebersicht/interlinearversion-nt/

34 Vgl. Dächsel, Karl August, a.a.O., 458.

35 Vgl. Ebd.

36 Bibelwissenschaften, Lexikon. Sohn. URL: https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/sohn-tochter-at-3/ch/48b78875b632f5f4b6b44fe2945a642f/ [21.03.2014]

37 Bibelwissenschaften, Lexikon. Tag/Tagzeiten. URL: https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/tag-tageszeiten-at-3/ch/994fb13c9d527d86e1178ce92e6121ad/ [21.03.2014]

38 alle von mir zitierten Bibelstellen stammen aus der revidierten Elberfelder Bibel (Rev.26) 1985/1991/2008, Witten

39 Broer, Ingo, a.a.O., 73.

40 Vgl. Ebd.

41 Ebd.

42 Broer, Ingo, a.a.O., 73-74.

43 Vgl. Marxen, Willi (1978), Einleitung in das Neue Testament. Einführung in ihre Probleme, Gütersloh. 140.

44 Bas M.F. van Iersel, a.a.O., 67.

45 Vgl. Bas M.F. van Iersel, a.a.O., 68.

46 Ebd.

47 Vgl. Marxen, Willi, a.a.O., 140.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Die Fastenfrage. Eine neutestamentliche Exegese von Mk 2, 18-22
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Einführung in den Umgang mit dem neuen Testament
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
32
Katalognummer
V494037
ISBN (eBook)
9783346000408
ISBN (Buch)
9783346000415
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Markusevangelium, Interpretation, Bibel, Bibelarbeit, Markus, Fasten, Fastenfrage, neues Testament, Religion, Übersetzungsvergleich, synoptischer Vergleich, Tradition, Religionsgeschichtliche Analyse, Einheitlichkeit, Abgrenzung, Literarkritik, Begriffsgeschichte, Sinn des Textes
Arbeit zitieren
Luisa Förster (Autor), 2013, Die Fastenfrage. Eine neutestamentliche Exegese von Mk 2, 18-22, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494037

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