Schließung und Öffnung sozialer Systeme - Besuchsregelung der Intensivstation als Grenzziehung von Krankenhäusern gegenüber Angehörigen


Hausarbeit, 2005
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

Abkürzungsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Definitionen

3.0 Systemtheoretische Ansätze der formalen Organisation Krankenhaus
3.1 Formale Organisation
3.2 Informale Organisation
3.3 Grenzziehung
3.3.1 Organisationsinterne Grenzziehung
3.3.2 Organisationsexterne Grenzziehung
3.4 Legitimation

4.0 Übertragung der Erkenntnisse auf das Beispiel der Intensiv- station ...
4.1 Abgrenzung der Intensivstation gegenüber Patientenbesuchern
4.2 Legitimität der Besuchsregeln
4.3 Rollenzuschreibungen des Angehörigen

5.0 Zukünftige Rolle von Angehörigen im Behandlungsverlauf

6.0 Resümee

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.0 Einleitung

Die verfasste Hausarbeit trägt den Titel „Schließung und Öffnung sozialer Systeme“. Meine Motivation, diesen Aspekt sozialer Systeme zu betrachten, liegt darin, dass soziale Systeme, um als solche erkennbar zu sein, sich automatisch von ihrer Umwelt abgrenzen. Hierbei handelt es sich nicht um eine totale Abgrenzung, da diese unter bestimmten Bedingungen überschritten werden kann, ohne die Organisation in ihrer Beständigkeit zu beeinflussen.

„Grenzen jeglicher Art können mehr oder weniger deutlich markiert sein und mehr oder weniger häufig von außen verletzt werden. Das gilt in besonders ausgeprägtem Maße für die Sinngrenzen sozialer Systeme.“ (R. Münch 1976, S. 22)

Durch die zweite Überschrift, „- Besuchsregelung der Intensivstation als Grenzziehung von Krankenhäusern gegenüber Angehörigen -“, erfolgt eine Eingrenzung des Themas. Dies ermöglicht eine differenzierte Betrachtung eines Teilaspektes und die Möglichkeit, die theoretischen Aspekte an einem konkreten Beispiel darzulegen. Die Intensivstation ist ein Bereich, in dem sich die Interessen der Angehörigen und Lebenspartner von Patienten mit denen des therapeutischen Klinikpersonals zum einen als kongruent, zum anderen als divergent bezeichnen lassen. Abweichende Ansichten bestehen teilweise bei der Besuchsregelung von Intensivpatienten, da sich Angehörige und Partner ausgegrenzt und ausgeschlossen fühlen.

Die Hausarbeit gliedert sich in folgende Punkte von der Begriffsdefinition, über die differenzierte Betrachtung der systemtheoretischen Ansätze sozialer Systeme und Organisationen, inklusive der Ausführung bezüglich Grenzziehung und Legitimation. Darauf aufbauend ist eine exemplarische Darstellung der Schließung und Öffnung der formalen Organisation Krankenhaus am Beispiel der Besuchsregelungen von Intensivstationen integriert, anschließend erfolgt ein Ausblick auf mögliche zukünftige Veränderungen sowie ein abschließendes Resümee.

2.0 Definitionen

Die Hausarbeit trägt den Titel „Schließung und Öffnung sozialer Systeme“, soziologisch betrachtet definieren sich Systeme als: „Systeme (griech.), „Zusammenstellung“, „Gliederung“, einheitl. geordnetes Ganzes. S. ist ein Grundbegriff der Soziologie zur Analyse der Wechselwirkungen aufeinander bezogenen (interdependenten) Handelns mehrerer Individuen, Gruppen oder Organisationen. Ein S. besitzt ein gewisses Maß von Integration u. Geschlossenheit im Verhältnis seiner Elemente zueinander (Struktur), eine es von anderen S.en, d.h. von der Umwelt, abhebende Grenze, ... .“ (Wörterbuch der Soziologie 1994, S. 857)

Die soziologische Definition von „sozial“ lautet: „Gesellschaftlich, im Gegensatz zu individuell. Der Begriff verweist in sehr allgemeiner Weise darauf, daß er etwas mit den Beziehungen zwischen Menschen zu tun hat.“ (Lexikon zur Soziologie 1994, S. 661)

Doch bedeutet „soziales System“ mehr, als sich aus der Addition der Erläuterungen zu „System“ und „sozial“ erschließt. Das „soziale System“ wird soziologisch folgendes verstanden:

„Eine Mehrzahl handelnder Personen und Organisationen. Konstitutiv für beide Aspekte des s.n S.s ist der Begriff der Rolle, jenes Teils des Persönlichkeitssystem, mit dem der Handelnde in einer sozialen Beziehung engagiert ist. Ein s. S. läßt sich als ein System von Rollen analysieren, die einerseits arbeitsteilig an den essentiellen Systemproblemen orientiert sind, andererseits durch ihre institutionelle Verankerung die Regelmäßigkeit von Interaktionsmustern erst begründen, also Strukturen des s.n S.s definieren.“ (Lexikon zur Soziologie 1994, S. 664)

Ein System kann sich gegenüber seiner Umwelt öffnen und schließen. Von einer Öffnung eines Systems wird gesprochen wenn, „ ... Elemente von denen eins oder mehrere in Beziehung (Input- oder Output-Beziehung) mit der Umwelt des Systems stehen. Während fast alle realen Systeme (Organismen, Gruppen) als o.e S.e anzusehen sind, wird in der wissenschaftlichen Analyse häufig eine künstliche Schließung vorgenommen, die eindeutige Aussagen ermöglicht. (Lexikon zur Soziologie 1994, S. 663)

Eine Schließung des Systems gegenüber seiner Umwelt kann folgendermaßen betrachtet werden: „Kein als System betrachteter Zusammenhang ist jemals völlig geschlossen. Wir können uns aber entschließen, ihn unter bestimmten Aspekten als geschlossen zu betrachten - also bestimmte Interaktionsbeziehungen (materieller, energetischer, informationeller Art) mit der Umwelt zu vernachlässigen.“ (Lexikon zur Soziologie 1994, S. 662)

3.0 Systemtheoretische Ansätze der formalen Organisation Krankenhaus

„Ein System besteht darin, daß Einheiten (Substanzen) durch Beziehungen als Teile zu einem Ganzen verbunden werden.“ (N. Luhmann 1976, S. 23) „Jede Sozialordnung, eine Familie, eine Behörde, eine Reisegesellschaft, eine primitive Stammeskultur oder eine Gewerkschaft kann als ein System von Handlungen aufgefaßt und analysiert werden.“ (ebd.) Auf dieser Grundlage ist auch ein Krankenhaus als ein System anzusehen.

„Das System ist die Interdependenz der Teile im Rahmen eines Ganzen. Die Art, wie die Teile zu einem Ganzen zusammengeordnet sind, macht die Struktur des Systems aus.“ (ebd.) „Soweit die Handelnden ihre Handlungen an anderen eigenen und fremden Handlungen orientieren, sind diese aufeinander bezogen, und sie bilden insofern ein soziales System.“ (R. Münch 1976, S. 19)

3.1 Formale Organisation

Betrachtet man die Struktur eines Krankenhauses, so erschließt sich eine ausdifferenzierte Organisationsstruktur, wie sie formale Organisationen besitzen. Diese Struktur ist charakterisiert durch einen höheren Komplexitätsgrad, als er sich bei flüchtigen oder organisierten Interaktionssystemen darstellt. „Dabei unterscheiden sie [formale Organisationen] sich normalerweise von den organisierten Interaktionssystemen dadurch, daß ihr Ende bei Beginn nicht feststeht, sondern zukunftsoffen ist.“ (H.-J. Hohm 2000, S. 32) Eine differenzierte Betrachtung sozialer Systeme ergibt folgendes Modell verschiedener Ebenen, „ ... eine Mikroebene [Interaktionssysteme], eine Mesoebene [formale Organisationen] und eine Makroebene ... [Funktionssysteme der jeweiligen nationalen Gesellschaft und die Weltgesellschaft].“ (H.-J. Hohm 2000, S. 20) „Organisationen müssen wie alle komplexen Sozialsysteme das Problem ihrer Identität unabhängig von einer kontinuierlichen Anwesenheit ihrer Teilnehmer und damit auch unter Verzicht auf eine reziproke Wahrnehmung als Strukturmerkmal lösen.“ (B. Sievers 1974, S. 50) „Im Zusammenhang mit der Eigenzeit der jeweiligen formalen Organisation spielt die Vergangenheit insofern eine wichtige Rolle, als sie, je nach Grad der formalen Verbindlichkeit getroffener Entscheidungen, organisationsinterne Veränderungen in unterschiedlicher Weise erleichtern oder blockieren kann.“ (H.-J. Hohm 2000, S. 32)

Die Existenz von Organisationen wird von Türk wie folgt beschrieben: „Wichtig festzuhalten ist aber, daß Organisationen eben nur in den Köpfen der Menschen „existieren“; sie sind keine Stühle oder Tische, die man sehen, anfassen könnte; man kann sie nur erleben.“ (K. Türk 1978, S. 2) Übertragen auf die formale Organisation Krankenhaus bedeutet dies, dass diese nicht eine vorfindbare Aggregation von Räumen (Patientenzimmer, OP-Sälen, usw.), Mobiliar und menschlichen Organismen ist, sondern durch ein unsichtbares Netz, welches auf einem identifizierbaren spezifischen Sinngehalt von aufeinander bezogenen Handlungen mehrerer Menschen beruht, zusammen gehalten wird. (vlg. hierzu K. Türk 1978, S. 2)

Die formale Organisation kann durch unterschiedliche formalisierte Organisationsabläufe / Kommunikationsstrukturen gegliedert sein. Diese zeichnen sich durch eine horizontale und vertikale Differenzierung aus. Folgende Beispiele: Linien-, Stab-Linien-, Funktionale- und Matrixorga-nisationen sind als Strukturmuster möglich. (vgl. K. Türk 1978, S. 99) Die Organisationsstruktur des Krankenhauses wird häufig durch die Stab-Linien-Organisation bestimmt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Schließung und Öffnung sozialer Systeme - Besuchsregelung der Intensivstation als Grenzziehung von Krankenhäusern gegenüber Angehörigen
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Veranstaltung
Vorlesung in Soziologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V49421
ISBN (eBook)
9783638458825
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schließung, Systeme, Besuchsregelung, Intensivstation, Grenzziehung, Krankenhäusern, Angehörigen, Vorlesung, Soziologie
Arbeit zitieren
Sascha Krames (Autor), 2005, Schließung und Öffnung sozialer Systeme - Besuchsregelung der Intensivstation als Grenzziehung von Krankenhäusern gegenüber Angehörigen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49421

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