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Der literarische Umformungsprozess von Theoderich dem Großen zu Dietrich von Bern in der germanischen Heldensage

Vom ruhmreichen König zum glücklosen Exilanten

Titel: Der literarische Umformungsprozess von Theoderich dem Großen zu Dietrich von Bern in der germanischen Heldensage

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2018 , 16 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Alexandra Breier (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, wie der Umformungsprozess von Theoderich dem Großen zu Dietrich von Bern, vom erfolgreichen König zur erfolglosen Sagenfigur, stattfinden konnte.

Zunächst wird darauf eingegangen, wie geschichtliche Ereignisse in Sagen und Dichtung verarbeitet werden, im Speziellen im "Heldenbuch". Im Folgenden stellt wird die Frage beantwortet, ob es sich mehr um Fantasie oder um eine Chronik handelt. Anschließend werden zwei Arten der Dietrichepik unterschieden, die historische und die ventiurehafte Dietrichepik. Danach folgt ein geschichtlicher Einschub. Hier werden die wichtigsten Stationen im Leben Theoderichs skizziert. Der Autor arbeitet heraus, welche Schemata angewandt wurden, damit die Umformungen der historischen zu den literarischen Ereignissen vorgenommen werden konnten. Zudem wird anhand von zwei Beispielen die konkrete Umformung in der Dietrichepik erklärt und abschließend die Frage der Historizität der Dichtung aufgegriffen. Der Fokus der Arbeit liegt auf der historischen Dietrichepik, die aventiurehafte Dietrichepik sowie die Thedriksage werden ausgespart.

Das Heldenleben der literarischen Figur Dietrich von Bern entfaltet sich im 13. Jahrhundert. Aufgrund der zahlreichen Texte, in denen Dietrich von Bern eine Rolle spielt, gilt in der Forschung die Meinung, dass die Dietrichgestalt verschiedenartig und facettenreich wie keine andere Figur der germanischen Heldensage ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Verarbeitung von Historie in Sagen und Dichtung

2.1 Das Heldenbuch: Fantasie oder Chronik?

2.2 Das kulturelle Gedächtnis und das heroic age

3 Die Dietrichepik

4 Das Leben von Theoderich dem Großen

5 Historie versus Dietrichepik

5.1 Schemata der Umformung

5.2 die Umkehrung historischer Fakten in der Dietrichepik

5.3 Die Frage nach der Historizität

6 Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den literarischen Umformungsprozess, durch den die historische Gestalt Theoderichs des Großen im 13. Jahrhundert in die sagenhafte Figur Dietrich von Bern überführt wurde, wobei insbesondere die Diskrepanz zwischen historischer Faktenlage und epischer Darstellung beleuchtet wird.

  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen historischer Überlieferung und literarischer Fiktion.
  • Untersuchung der Entstehung und Funktion von Sagen innerhalb des kulturellen Gedächtnisses.
  • Darstellung der historischen Lebensdaten Theoderichs des Großen als Kontrastfolie.
  • Identifikation spezifischer Schemata der literarischen Umformung und Personalisierung.
  • Diskussion der Frage nach der Historizität mittelalterlicher Heldendichtung.

Auszug aus dem Buch

5.1 Schemata der Umformung

Laut Elisabeth Lienert ist der Ausgangspunkt für die heroische Überlieferung der Germania die Geschichte. Mythos und Märchen liefern allenfalls sekundäre Motive. Der historische Kern der Überlieferung wird jedoch nicht in seiner Faktizität wiedergegeben, sondern regelhaft nach wiederkehrenden Prinzipien umgeformt. Diese Umkehrungen in der Dietrich Epik verlieren nach unterschiedlichen Schemata. Zunächst ist die Synchronisierung von Ereignissen zu nennen.

„Die Synchronisierung von Ereignissen, die zu verschiedenen Zeiten geschehen sind, und von Personen, die zu verschiedenen Zeiten gelebt haben, ist ein typischer Zug der Umformung von Historie in heroischen Überlieferungen[…] sie zielt auf ein Konstrukt einer geschlossenen Heldenwelt, in der alles mit allem zusammenhängt und jeder mit jedem zu tun hat“.

Die Sage hat so historische Elemente, Figuren und Ereignisse aus verschiedenen Epochen aufgenommen, umgeformt und auf eine Zeitebene geschoben. Zudem spricht man von einer Reduktion und Assimilation. Reduktion bedeutet, dass komplexe, historische Ereigniszusammenhänge, Konflikte und machtpolitische Motivationen auf elementare menschliche Affekte, Motive und Konflikte reduziert werden. Durch die Assimilation werden Ereignisse in traditionelle Erzählschemata wie Brautwerbung oder verräterische Einladung überführt. Ein weiteres Mittel ist die Integration. Heroische Überlieferungen drängen hierbei ihre Protagonisten, welche ursprünglich aus unterschiedlichen heroic ages kommen, in eine Generation zusammen. Zuletzt ist noch die Personalisierung zu nennen, welche in großem Maße in der Dietrichepik betrieben wurde. Durch sie werden bevorzugt politische Gegnerschaften zu Verwandtenkonflikten umgedeutet. All diese Prozesse führen zu einer Literarisierung in Form dessen, dass eigenständige Stoffkreise zu einer Heldenwelt verschmelzen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der literarischen Transformation historischer Stoffe ein und definiert das Forschungsziel, den Weg von der historischen Person zur Sagenfigur nachzuzeichnen.

2 Die Verarbeitung von Historie in Sagen und Dichtung: In diesem Kapitel wird theoretisch erläutert, wie sich Heldendichtung aus einem kulturellen Gedächtnis speist und warum historische Fakten zugunsten einer narrativen Logik verfremdet werden.

3 Die Dietrichepik: Hier werden Definitionen und Gattungsmerkmale der Dietrichepik dargelegt sowie deren mündliche Tradition und die Anonymität der mittelalterlichen Verfasser thematisiert.

4 Das Leben von Theoderich dem Großen: Dieses Kapitel liefert eine historische Skizze der Lebensdaten und Regierungszeit des Ostgotenkönigs als notwendigen Vergleichsrahmen für die spätere literarische Umgestaltung.

5 Historie versus Dietrichepik: Dieser Hauptteil untersucht detailliert die Mechanismen der Umformung, wie Personalisierung und Synchronisierung, und diskutiert kritisch den Wahrheitsgehalt der literarischen Texte.

6 Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Sagenbildung kein bloßer Fehler der Geschichtsschreibung ist, sondern eine bewusste literarische Form, um Identität und menschliche Erfahrungen in einem überzeitlichen Schema abzubilden.

Schlüsselwörter

Theoderich der Große, Dietrich von Bern, Dietrichepik, Heldenbuch, kulturelles Gedächtnis, heroic age, historische Umformung, Mittelalter, Literarisierung, Reduktion, Assimilation, Personalisierung, Historizität, Sagenforschung, ostgotische Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Wandel der historischen Figur Theoderich des Großen hin zur literarischen Sagenfigur Dietrich von Bern in der mittelalterlichen Literatur.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Untersuchung umfasst die Theorie des kulturellen Gedächtnisses, die Analyse spezifischer mittelalterlicher Gattungen der Dietrichepik sowie die historische Lebenswirklichkeit der ostgotischen Herrscherzeit.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird gefragt, nach welchen Mustern und durch welche literarischen Prozesse historische Ereignisse in eine fiktive Heldenwelt überführt wurden, ohne den Bezug zur historischen Grundlage vollständig zu verlieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse auf Basis der einschlägigen Sekundärliteratur zur germanischen Heldensage und Dietrichepik.

Was steht im Zentrum des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung Theoderichs und eine detaillierte Untersuchung der Umformungsmechanismen, wie etwa die Reduktion komplexer Politik auf persönliche Konflikte.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?

Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Historizität, Literarisierung, kulturelles Gedächtnis und heroische Überlieferung.

Warum wird Dietrich von Bern als „unglücklicher Exilant“ dargestellt?

Das Werk zeigt, dass das Sagenbild Dietrichs stark von der historischen Realität abweicht, um ein emotional zugänglicheres Bild des Helden zu schaffen, das besser zu den Werten und Sorgen des 13. Jahrhunderts passte.

Inwiefern beeinflussten historische Fakten die Sagenbildung?

Obwohl die Sage weit von historischen Fakten abweicht, dienen diese als Ausgangsmaterial, das durch Techniken wie die Synchronisierung verschiedener Zeitebenen in eine geschlossene, sinnstiftende Erzählung überführt wurde.

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Details

Titel
Der literarische Umformungsprozess von Theoderich dem Großen zu Dietrich von Bern in der germanischen Heldensage
Untertitel
Vom ruhmreichen König zum glücklosen Exilanten
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Autor
Alexandra Breier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V494216
ISBN (eBook)
9783346004307
ISBN (Buch)
9783346004314
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umformungsprozess theoderich großen dietrich bern heldensage könig exilanten
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alexandra Breier (Autor:in), 2018, Der literarische Umformungsprozess von Theoderich dem Großen zu Dietrich von Bern in der germanischen Heldensage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494216
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Leseprobe aus  16  Seiten
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