Anfänge und Ziele der italienischen Epoche des Risorgimento


Referat (Ausarbeitung), 2019

12 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff „Risorgimento“

Italien im europäischen Kontext

Die Reformen des 18. Jahrhunderts

Carlo Emanuele III. (1730 – 1773)

Die Jakobiner

Filippo Buonarroti

Napoleon Bonaparte

Der Wiener Kongress

Italiens Restauration

Aufschwung

Das „neoguelfische“ Moment

Quellenverzeichnis:

Der Begriff „Risorgimento“

Das italienische Risorgimento gilt in der italienischen Geschichte als eine Epoche, welche von 1815 bis 1870 stattfand. Einige Historiker jedoch datieren den Beginn des Risorgimentos bereits mit der Französischen Revolution 1789 und das Ende erst nach dem Ersten Weltkrieg 1919.1

Risorgimento bedeutet „Wiederauferstehung“. Der Begriff des Risorgimentos bindet die italienische Geschichte daher auch an gewisse Mythen. Man unterstellt Italien damit einst eine große Geschichte gehabt und einen Niedergang gehabt zu haben. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert hab es in Italien viele mächtige Stadtstaaten, die im Laufe der Zeit ihre wirtschaftliche Macht sowie ihren politischen Einfluss verloren. Ein wesentlicher Grund dafür war die Machtausdehnung der österreichischen Habsburger und der Bourbonen. Im Gründungsmythos um das Risorgimento konzentrierte man sich vorerst nicht auf die Antike, sondern versuchte an das Mittelalter anzuknüpfen. Man bezog sich auf die Hochzeiten der Kommunen und auf das Papsttum als deren einigende Macht. Erst 1848/49 gewann der Mythos der antiken römischen Republik an Bedeutung.

1847 appellierte zum Beispiel Goffredo Mameli (1827-1849) in seinem Gedicht Fratelli d’Italia an die Italiener, sich ihres großen römischen Erbes würdig zu zeigen. Dieses Gedicht bildet im Übrigen den Text der Nationalhymne.

Um die Geschichte des italienischen Risorgimentos schreiben zu können, sind die Erneuerungen in den italienischen Staaten ab der Mitte des 18. Jahrhunderts zu berücksichtigen.2

Italien im europäischen Kontext

Bezugnehmend auf die Risorgimento-Mythen ist auch auf die Feindbilder Italiens zu verweisen. Italienische Patrioten gaben Österreich die Schuld an der Zerrissenheit ihres Landes. Durch Frankreich bekamen die Italiener die Wucht der Französischen Revolution zu spüren. Obwohl die Französische Revolution auch Spuren und Ideen in Italien hinterlassen hatte, wollte man nicht von Frankreich abhängig sein. Literaten wie Allessandro Manzoni sprachen davon, dass allein die Italiener selbst ihr Land von den Fremdherrschaften befreien konnten. Nicht zu vergessen ist dennoch, dass die Unabhängigkeitsbewegungen 3 durch die Französische Revolution inspiriert wurden. Eines der Ideale, welche zum Vorbild genommen worden waren, waren die Menschen- und Bürgerrechte von 1789, welche damals von Napolèon Bonaparte mit dem Code Civil verbreitet worden waren. Ebenso ist Großbritannien nicht zu vergessen. Die Engländer waren ausschließlich an einem Gleichgewicht der Mächte in Europa interessiert. Allerdings kamen diese in den 1850er Jahren zur Erkenntnis, dass sich das Risorgimento bzw. die Nationalbewegung nicht mehr aufhalten lässt. Dennoch versuchten sie deren Eigendynamik zu kontrollieren. Die britische Regierung unterstützte Camillo Cavours Pläne zur Gründung eines italienischen Nationalstaates.3

Die Reformen des 18. Jahrhunderts

Wie oben schon kurz erwähnt, ist es für die Schreibung des italienischen Risorgimentos wichtig, die Erneuerungen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts mit einzuschließen. Somit möchte ich nun kurz auf die Veränderungen der politisch-sozialen Strukturen der Staaten in Italien eingehen.

Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg erhielt Österreich im Frieden von Utrecht (1713) und Raststatt (1714) das Königreich Neapel und Sardinien. Nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg mussten die Habsburger mit dem Frieden von Aachen 1748 die Herrschaft über das Königreich Neapel wieder abgeben. Somit wurden unter anderem das Herzogtum Parma und das Königreich Neapel von den Bourbonen regiert. Genua musste 1768 Korsika an Frankreich abtreten. Auch das Papsttum musste sich meist den Vorgaben der europäischen Großmächte beugen.

Carlo Emanuele III. (1730 – 1773) aus dem Haus Savoyen regierte über Piemont und konnte sein Machtgebiet bis zum Fluss Tessin ausweiten. Sein regiertes Gebiet war einer der am besten organisierten Staaten Italiens. Durch die Regierung seines Sohnes Vittorio Amadeo III. (1773 – 1796) machte sich im Land eine von Militarismus und Autoritarismus geprägte Atmosphäre breit.

Die Medicis galten bis ins 18. Jahrhundert als einflussreiche italienische Dynastie. Ihre Herrschaft in der Toskana und in Parma wurden durch „ausländische“ Herrscher ersetzt. Dieser Machtwechsel wirkte sich durchaus positiv auf das Land aus. Durch die lange Friedenszeit war die Möglichkeit der Weiterentwicklung des „aufgeklärten Absolutismus“ gegeben.

Der aufgeklärte Absolutismus wurde in Italien aufgeklärter Despotismus genannt. Hier geht es darum, dass der Herrscher zum Wohlergehen seiner Untertanen regieren soll. Der aufgeklärte Absolutismus diente auch zur Stärkung des königlichen Absolutismus (dem König wird durch Gottes Gnade absolute Herrschaft über seinen Staat zugesprochen).4

Um die Durchsetzung ihrer Macht ohne Beschränkungen zu gewährleisten, benötigten die Fürsten würdige Bündnispartner. Diese fanden sie im Bürgertum, wo die Ideen der Aufklärung besonders emphatisch aufgenommen wurden. Aus diesem Grund kam es auch in diesen Staaten Italiens zu den umfassendsten Reformen, in denen die Aufklärung stärker verbreitet war als in anderen.

Die Vertreter der jansenistischen Bewegung hofften auf die Unterstützung der aufgeklärten Fürsten in Sachen Kirchenreformpläne. Die italienischen Jansenisten vertraten die Vorstellung, dass die Kirche der Hoheit der weltlichen Macht und des Staates unterstellt sein sollte. Hier ist Pietro Leopoldo von Habsburg-Lothringen, Großherzog von Toskana (1765 – 1790) zu nennen. Durch seine stetige Reformpolitik machte der Regent die Toskana zu einem Musterstaat. Ebenso versuchte man sich in der Lombardei und im Königreich Neapel an verschiedenen Reformen. In Neapel sind berühmte Wirtschaftsleute wie Ferdinando Celestino Galiani (1728 – 1787) und Antonie Genovesi (1713 – 1769) zu erwähnen. Durch sie verbreitete sich der gute Ruf der Aufklärung auch im Süden. Das Reformprogramm von König Carlo III (1716 – 1788) wurde von Minister Bernardo Tanucci (1698 – 1783) umgesetzt.

Der aufgeklärte Absolutismus in Italien erwies sich für das Risorgimento durchaus als nützlich. Durch ihn konnte die wesentliche Funktion des Gewaltmonopols sichtbar gemacht werden. Mit dem dadurch erzielten wirtschaftlichen Aufstieg der italienischen Staaten konnte eine neue politische Oberschicht heranwachsen. Die bürgerliche Schicht war zweifelsohne Hauptträger des Risorgimento.

Die Jakobiner

Zur Zeit der Französischen Revolution wurden die reformerischen Bewegungen verurteilt. Beispielsweise Dalmazzo Vasco aber sah in der Revolution eine Gelegenheit für eine Restauration des alten Systems. Gleicher Ansicht war ein Teil des Bürgertums sowie einige aufgeschlossene der Adelsschicht. In jakobinischem Stil sollten freie, republikanische Nationen mit Demokratien gebildet werden. Das alte System sollte abgeschafft werden.

Durch die Französische Revolution verbreiteten sich in den Ländern Unruhen. Dennoch gab es auch einige Befürworter wie Alessandro Verri in Mailand. Ziel war die Schaffung eines Kreises freier, republikanischer Nationen mit Demokratien. Der Jakobinismus zielte darauf ab das alte Regime abzuschaffen. Weiters sollte es zu einer Landreform kommen, in der auch das „einfache Volk“ in die politische Erneuerung und Neugestaltung des Staates eingebunden werden sollte.

Erste Aufstände wurden zum Beispiel in Bologna von Luigi Zamboni und Giovanni Battista De Rolanis angeführt. Diese Aufstände wurden allerdings 1794 alle niedergeschlagen. Ein wichtiger Anhänger des Risorgimentos war Filippo Buonarroti.

Filippo Buonarroti (1761–1837) gilt als Vordenker für eine italienische Einigung. Er strebte die Einigung auf sozialrevolutionärer Grundlage an. Von Beginn an war er Verfechter für die Ideen der Französischen Revolution. Aus diesem Grund musste er sich auch für einige Zeit aus Italien zurückziehen. Ebenso war er Revolutionskommissar für das Gebiert Oneglia, wo er in den Jahren 1794/95 versuchte die Ideen der Französischen Revolution auf Italien zu übertragen. Nachdem er einen gescheiterten Aufstand in Korsika mitgeplant hatte, musste er nach Frankreich flüchten.5

Napoleon Bonaparte

Während der Herrschaft von Napoleon Bonaparte wurden die ersten italienischen Republiken gegründet. Die erste italienische Republik wurde 1796 in der Stadt Alba gegründet, welche Bonaparte im Frieden von Cherasco an das Haus Savoyen abgetreten hatte. In den Jahren 1796/97 folgten weitere Friedensschlüsse mit dem Herzog von Parma, dem Herzog von Modena, dem König von Neapel und mit Pius VI. Bonaparte galt als Anführer der Revolutionsarmee. Unaufhaltsam wurden immer mehr Republiken gegründet. Allerdings wurden nur Verfassungen nach dem französischen Modell von 1795 akzeptiert. Auf der Versammlung von Reggio Emilia 1796/1797 wurde die Cispadanische Republik gegründet, welche die Gebiete Reggio, Modena, Ferrara und Bologna umfasste. Zum ersten Mal tauchte die Trikolore auf. Im Juli 1797 entstand mit der Vereinigung mit der Lombardei das größte Staatsgebilde Italiens – die Cisalpinische Republik. Danach folgte, ebenfalls 1797, die Gründung der Ligurischen Republik. Im Jahr 1798 entstand die Römische Republik. Währenddessen weitete Napoleon seine Macht und seine Gebiete gewaltvoll weiter aus.

Durch Napoleon Bonapartes Feldzüge wurde in ganz Europa ein neuer Drang von Freiheitserwartungen entfacht. Es wurde zur Erkenntnis gebracht, dass nationale Unabhängigkeit und politische, konstitutionelle Freiheit untrennbar miteinander verbunden sind. Gleichzeitig erkannten die Italiener, dass sie ihre Heimat selbst erobern müssen, um eine Nation zu werden. Für das Risorgimento hingegen war die napoleonische Herrschaft wichtig. Immerhin konnten dadurch Reforminitiativen fortgesetzt werden. Ebenso konnte sich eine staatliche und militärische Führungsschicht herausbilden. Im Jahr 1814 wurde Napoleon schließlich gestürzt. Im November 1814 wurde der Wiener Kongress einberufen.6

Der Wiener Kongress

Am 1. November 1814 wurde der Wiener Kongress eröffnet. Thema war die Neuordnung Europas nach den Feldzügen Napoleons. Vertreter der Siegermächte dominierten den Kongress. Vertreten waren unter anderen Minister Lord Castlereagh (England, 1769 – 1822), der österreichische Fürst Metternich (1773 – 1859), Russland mit Graf Nesselrode (1780 – 1862) und Preußens Gesandter Fürst von Hardenberg (1750 -1822). Ebenso befand sich Frankreichs Vertreter, Graf Tallyrand (1754 – 1838) auf dem Wiener Kongress. Die Siegermächte hatten vor allem großes Interesse daran ein neues europäisches System zu errichten und diesem eine größtmögliche Stabilität zu verleihen. England war nach wie vor an einem Kräftegleichgewicht interessiert. Fürst Metternich hatte eine ausgleichende Funktion inne, unter anderem führte er eine Reaktivierung von Elementen des aufgeklärten Absolutismus herbei. Der russische Zar Alexander I. setzte sich dafür ein, dass die neue Ordnung Europas religiös abgesegnet sein müsse. Es wurde die Heilige Allianz ins Leben gerufen, welche zwischen Russland, Österreich und Preußen geschlossen wurden. Später trag auch Frankreich dem Bündnis bei. Es galt der Grundsatz, dass sich die einzelnen Staaten „alle als Mitglieder einer einzigen christlichen Nation betrachten, weil sich auch die drei verbündeten selbst als Gesandte der Vorsehung betrachten, um die drei Zweige derselben Familie zu regieren.“ Bei den Verhandlungen waren den Herrschern ausschließlich machtpolitische Überlegungen wichtig.7

[...]


1 Vgl.: https://www.youtube.com/watch?v=xecW1STLntA

2 Vgl.: Traniello, Francesco; Sofri Gianni. Der lange Weg zur Nation – Das italienische Risorgimento; S. 20ff

3 Vgl.: Traniello, Francesco; Sofri Gianni. Der lange Weg zur Nation – Das italienische Risorgimento; S. 24ff

4 Der lange Weg zur Nation – Das italienische Risorgimento; S. 40ff

5 Vgl.: Der lange Weg zur Nation – Das italienische Risorgimento; S. 47ff

6 Vgl.: Der lange Weg zur Nation – Das italienische Risorgimento; S. 49ff

7 Vgl.: Der lange Weg zur Nation – Das italienische Risorgimento; S. 58ff

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Anfänge und Ziele der italienischen Epoche des Risorgimento
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V494356
ISBN (eBook)
9783346004505
ISBN (Buch)
9783346004512
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Il Risorgimento, Napoleon, Mazzini
Arbeit zitieren
Anja Schneider (Autor:in), 2019, Anfänge und Ziele der italienischen Epoche des Risorgimento, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494356

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