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Fragmentarische Musik. Modernes Songwriting im Hiphop

Titel: Fragmentarische Musik. Modernes Songwriting im Hiphop

Hausarbeit , 2014 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Ivan Logunov (Autor:in)

Soziologie - Medien, Kunst, Musik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit beleuchtet fragmentarische Musik und zeigt modernes Songwriting am Beispiel des Hiphops. Im Vergleich zu langen Konzerten klassischer Musik, die eine im Vergleich zum Gesamtstück kurze Pause genehmigen, den Ablauf durch festgesetzte Zeiten bestimmen und die Zuschauer vor die Aufgabe stellen ihren Körper im Theatersaal während der Aufführung ständig zu kontrollieren, steht ein Hörer eines circa 3-minütigen Musikstücks, das auf YouTube jederzeit verfügbar ist, vor geringeren Anforderungen. In einem solchen Szenario sähe Adorno das Versagen der Aufmerksamkeit der Masse. Es ist dem Körper des Menschen heute nicht mehr möglich sich solchen Anforderungen auszusetzen. Von der Kulturindustrie wird gewissermaßen eine Unaufmerksamkeit habitualisiert. Bei Betrachtung der Popularität von Twitter, das maximal 140 Zeichen pro Meldung erlaubt und Kurzgeschichten, die sich durch ihre eigenen stiltypischen Vorgaben von langen Romanen abgrenzen, scheint Musik nicht der einzige Bereich zu sein, der sich auf kurze Sequenzen spezialisiert.

Ob es die Momentaufnahme eines iPhones im Vergleich zum lange vorbereiteten Kunstwerk oder das 15 Sekunden Twitter-Video, bestehend aus einzelnen Filmfetzen, im Vergleich zum Film oder Theaterstück ist, jeweils zeichnet sich eine Entwicklung in Richtung immer kürzerer Sequenzen ab, die sich homolog in den genannten und noch weiteren Bereichen ausbreitet. Entgegen dem Postulat Adornos, dass es sich um einen Verfall des Geschmacks handelt, werde ich das Genre des Hiphops als Vertreter von Popmusik mit der Kurzgeschichte vergleichen, seine fragmentartige Schreibweise näher bestimmen, systemtheoretische Ideen aufgreifen und versuchen eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung aufzeigen, die die Kürze in vornehmlich Musik erst ermöglicht und vorantreibt.

Für Adorno kann bei Betrachtung der Kulturindustrie der 40er Jahre, wie sie von ihm genannt wird, schwerlich von Geschmack gesprochen werden, es geht in diesem Bereich mehr um Unterhaltung, die sich als Unterhaltung tarnt. "Die Unterhaltung [gewährt] den Reiz, den Genuß, den sie verspricht, bloß um ihn zugleich zu verweigern". Adorno geht davon aus, dass durch eine Beschreibung der Kulturindustrie Rückschlüsse über die Konsumenten möglich sind. "Die Existenz des Subjekts, das solchen Geschmack bewähren könnte, ist so fragwürdig geworden".

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Adornos Kritik an der Kulturindustrie

2. Stiltypische Vorgaben der Kurzgeschichte in populärer Musik

2.1 Slice-of-life story

2.2 Viele Fragmente in einem Album

2.3 Die Schnitttechnik des Films in der Musik

3. Popschreibweise – Jetzt, Jetzt, Jetzt

4. Besonderheitsindividualität

5. Schluss

6. Literaturangaben

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Struktur moderner populärer Musik, insbesondere des Hiphop, und setzt diese in Bezug zur Gattung der Kurzgeschichte. Dabei wird der Hypothese widersprochen, dass die zunehmende Fragmentierung von Musik und deren Kürze einen bloßen Verfall des Geschmacks im Sinne Adornos darstellt; stattdessen wird analysiert, wie diese Formate als Reaktion auf eine moderne, ereigniszentrierte Wirklichkeitserfahrung zu verstehen sind.

  • Kritische Auseinandersetzung mit Adornos Kulturindustrietheorie
  • Strukturelle Analogien zwischen Kurzgeschichten und populärer Musik
  • Die Bedeutung von Fragmentierung und Situationszentriertheit
  • Mediale Schnitttechniken und ihre Übertragung auf Songstrukturen
  • Das Verhältnis von Gegenwart, Identität und Individualisierung

Auszug aus dem Buch

2.1 Slice-of-life story

„Das Konzept eines fragmentarischen Ausschnitts aus den Wechselfällen des Lebens wurde von der klassischen Moderne zum Modell für gelungene Kurzgeschichten überhaupt erhoben“ (Brosch 2007: 74f). Die Kurzgeschichte wird mir als Vergleichsobjekt zum Hiphop dienen, denn sie erhebt die von Adorno in der Musik kritisierte Fragmenthaftigkeit zur gängigen Erzählform. Ich gehe davon aus, dass sich Literatur und Musik auf eine ähnliche Weise strukturiert. „Kurzgeschichten stehen der normalen Erzählkommunikation näher, die eine natürliche Neigung beinhaltet, Erfahrungs- und Erlebensumstände zu verarbeiten“ (Fludernik 1996: 50). In Anlehnung an Erzählkommunikation, existiert im Hiphop ein Sprecher, der anders als das lyrische Ich, das ein mehr erfundener Charakter ist, den Autor repräsentieren soll und seine Erfahrungen im Lied verarbeitet. Sei es eine gescheiterten Beziehungen oder ein Morgen im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Die Kurzgeschichte wird von älteren textorientierten short-story-Theorien durch einen verkürzten Einstieg, den Beginn media in res, charakterisiert (Vgl. Brosch 2007: 66). Gleiches gilt für den Hiphop, wenn drei- bis vierminütige Lieder keine Zeit für einen längeren Einstieg erlauben.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der Fragmentierung in der modernen Populärkultur und Darstellung der Forschungsfrage im Kontext von Adornos Kritik.

1. Adornos Kritik an der Kulturindustrie: Analyse der Adorno’schen Perspektive auf die Kulturindustrie, insbesondere der Regressivität des Hörens und der Gleichheit von Kulturprodukten.

2. Stiltypische Vorgaben der Kurzgeschichte in populärer Musik: Vergleich der Erzählformen der Kurzgeschichte mit Hiphop-Strukturen, inklusive der Analyse von „Slice-of-life“, Album-Fragmenten und Schnitttechniken.

3. Popschreibweise – Jetzt, Jetzt, Jetzt: Untersuchung der zeitlichen Dimension in der Popmusik und wie diese das Verhältnis zur Gegenwart mittels einer spezifischen Schreibweise prägt.

4. Besonderheitsindividualität: Erörterung der modernen Individualität und wie die Betonung des Moments in der Musik als Ausdruck für das Subjekt in einer flexiblen Gesellschaft dient.

5. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse und Widerlegung der These eines generellen Geschmacksverfalls zugunsten einer neuen, zeitgemäßen Schreib- und Rezeptionsform.

6. Literaturangaben: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Texte.

Schlüsselwörter

Populärkultur, Hiphop, Fragmentierung, Adorno, Kulturindustrie, Kurzgeschichte, Slice-of-life, Jetztzeit, Situationszentriertheit, Besonderheitsindividualität, Musiksoziologie, Moderne, Erzählform, Schnitttechnik, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Strukturen moderner Popmusik, mit Fokus auf das Genre Hiphop, unter dem Gesichtspunkt ihrer Fragmentierung und Kürze.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung behandelt die Parallelen zwischen Kurzgeschichten und Popmusik, die Rolle der Kulturindustrie sowie die soziologische Bedeutung des Moments in der modernen Identitätsbildung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Adornos These vom Verfall des Geschmacks durch die moderne Popkultur zu hinterfragen und die musikalische Fragmentierung als bewusste, gesellschaftlich verankerte Ausdrucksform zu deuten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche und musiksoziologische Analyse angewandt, die theoretische Ansätze mit empirischen Beispielen aus der aktuellen Hiphop-Szene verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Erzählstrukturen, mediale Schnitttechniken in der Musikproduktion, das Verhältnis zur Gegenwart („Jetztzeit“) und die soziologische Kategorie der Besonderheitsindividualität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Fragmentierung, Kulturindustrie, Populärkultur, Hiphop und Kurzgeschichte.

Wie unterscheidet sich die im Hiphop verwendete „Slice-of-life“-Erzählweise von traditionellen Erzählungen?

Im Gegensatz zu langen Romanen verzichtet Hiphop oft auf eine Exposition („media in res“) und einen abgeschlossenen Handlungsbogen, was eine höhere Aufmerksamkeit beim Hörer erfordert.

Welche Rolle spielt die Schnitttechnik des Films für die Musikrezeption?

Der Schnitt – sei es durch gezieltes Skippen von Liedern oder die Montage von Samples – ermöglicht es Hörern, eigene „Gestalten“ aus Fragmenten zu bilden, statt passiv ganze Werke zu konsumieren.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Fragmentarische Musik. Modernes Songwriting im Hiphop
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,0
Autor
Ivan Logunov (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V494413
ISBN (eBook)
9783668996229
ISBN (Buch)
9783668996236
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musik Soziologie Hiphop Songwriting Selbstthematisierung Biographie Teilbiographie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ivan Logunov (Autor:in), 2014, Fragmentarische Musik. Modernes Songwriting im Hiphop, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494413
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Leseprobe aus  16  Seiten
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