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Genuswechsel im Französischen

Titel: Genuswechsel im Französischen

Seminararbeit , 2005 , 20 Seiten , Note: 1

Autor:in: Christian Werner (Autor:in)

Französische Philologie - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Vor Beginn der Ausführungen über den Genuswechsel im Französischen erscheint es sinnvoll, die beiden Termini des natürlichen Geschlechts,le sexe,und des grammatischen Geschlechts, le genre,zu definieren. Beim natürlichen Geschlecht handelt es sich um die Kategorisierung von Inhalten der realen Welt nach ihrem tatsächlichen, natürlichen Geschlecht (lateinischsexus).Das grammatische Geschlecht (lateinischgenus)stellt dagegen ein rein grammatikalisches Phänomen dar, das zur Klassifikation aller Substantive dient. Beim Blick auf die Entwicklung des Konzeptes des Genus stellt man fest, dass man in frühindogermanischen Sprachen scheinbar zwischen zwei Genera unterschied: eines für Lebewesen und eines für Dinge. Im Lateinischen finden sich neben dem Neutrum, das nunmehr die Dinge bezeichnet, zwei weitere Genera, das Maskulinum und das Femininum, welche männliche und weibliche Lebewesen, sowie Dinge bezeichnen, die auf symbolische Art und Weise als solche angesehen werden. Das Französische kennt mit dem Maskulinum und dem Femininum nur noch zwei Genera. Dabei besteht für die Lebewesen, und hierbei vor allem für Begriffe, die den Menschen bezeichnen, eine bedeutungsvolle Beziehung zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht. Anders gesagt: das Genus scheint in der Natur begründet zu sein. Genus und Numerus werden heute im Französischen durch Determinanten angegeben. So ist zu erkennen, dass es sich bei dem maskulinen Substantivle locataireum einen Mann handelt, während la locataire nur ein weiblicher Mensch sein kann. In Einzelfällen wird diese Beziehung zwischen genre und sexe jedoch gestört, etwa bei den militärischen Begriffenla recrue, la vigie oder la sentinelle, die dem Genus nach feminin sind, in Realität aber zumeist Männer bezeichnen. Im Gegenzug benennen Substantive wie le mannequin, le laideron, le tendronoderle bas-bleu Frauen. Die Beziehung zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht bei den Objekten ist dagegen nicht semantisch geprägt, da im Französischen ja kein neutrales Genus mehr existiert. Hier erfüllt das grammatische Geschlecht also eine ausschließlich grammatische Rolle und scheint völlig willkürlich zu sein. Brunot bringt es auf den Punkt: Assurément la notion de genre, appliquée aux choses qui n’ont pas de sexe, ne peut être qu’arbitraire. So unterscheidet sich das Genus der beiden Zitrusfrüchte une orange und un citron ohne semantische Motivation.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Natürliches und grammatisches Geschlecht

2. Die Kategorien des Genuswechsels im Französischen

3. Genuswechsel vor dem 16. Jahrhundert

3.1. Entwicklungen im Vulgärlatein als Voraussetzung für den Genuswechsel

3.2. Das lateinische Neutrum im Französischen

3.3. Genuswechsel lateinischer Maskulina im Französischen

3.4. Genuswechsel lateinischer Feminina im Französischen

4. Genuswechsel ab dem 16. Jahrhundert

4.1. Das 16. Jahrhundert

4.2. Entwicklungen ab dem 17. Jahrhundert

5. Soziolinguistische Genusvariation

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die verschiedenen Ursachen für Genuswechsel in der französischen Sprache vom Vulgärlatein bis in die Neuzeit. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse grammatischer, semantischer und soziolinguistischer Faktoren, die zu einer Veränderung oder Instabilität des grammatischen Geschlechts von Substantiven führten.

  • Die Abgrenzung von natürlichem und grammatischem Geschlecht
  • Einfluss des Vulgärlateins auf die Genusstruktur
  • Die Rolle der Analogie und der Sprachnormierung durch die Académie française
  • Semantische Motivationen für Genusverschiebungen
  • Soziolinguistische Genusvariationen in verschiedenen Sprachräumen

Auszug aus dem Buch

Die Kategorien des Genuswechsels im Französischen

Wie in Punkt 1. gezeigt, ist das grammatische Geschlecht oftmals ein Produkt des Zufalls, das jeglicher Motivation entbehrt. Yaguello beschreibt, dass in diesem Fall die Zuteilung eines Substantivs zu einem Genus durch zwei einander entgegenwirkende Kräfte gesteuert wird, die sie la tradition und l’analogie nennt. Die tradition werde demnach oft auch entgegen dem bei den Sprechern vorherrschenden Sprachgefühls auf Betreiben der Grammatiker durchgesetzt, die einem Substantiv sein etymologisch korrektes Genus zuweisen wollen. So versuchte man beispielsweise im 16. Jahrhundert dem lateinischen Femininum arbor, welches sich im Französischen zum Maskulinum arbre entwickelt hatte, wieder dem Femininum zuzuführen, was sich im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch nicht durchsetzte.

Was die Analogie betrifft, so unterscheidet man zwischen der analogie formelle (formale Analogie) und der analogie sémantique (semantisch motivierte Analogie). Die Analogie der Form strebt danach, Wörtern das Genus zuzuweisen, welches sie aufgrund ihrer männlich oder weiblich klingenden Endung zu fordern scheinen. So wurden die aus dem Italienischen entlehnten Substantive fresque und mosaïque im Französischen zu Feminina, obgleich fresco und mosaïco italienische Maskulina sind. Hierbei spielt die Etymologie der Wörter also keine Rolle. Der entscheidende Faktor ist das End-e-muet, das einen starken feminisierenden Einfluss ausübt. Dem vormals maskulinen Substantiv cuiller wurde im allgemeinen Sprachgefühl ein imaginäres End-e beigefügt; die Endung -ère, die sich unter anderem auch im Femininum théière findet, veranlasste die Entstehung der orthographischen Variante cuillère und die Tatsache, dass dieses Wort nunmehr als Maskulinum gebraucht wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Natürliches und grammatisches Geschlecht: Definition der Grundbegriffe und Erläuterung der Beziehung zwischen Genus und Geschlecht im Französischen sowie im Lateinischen.

2. Die Kategorien des Genuswechsels im Französischen: Einführung in die Triebkräfte der Genusentwicklung, insbesondere Tradition und Analogie (formal und semantisch).

3. Genuswechsel vor dem 16. Jahrhundert: Analyse der lautlichen und strukturellen Veränderungen beim Übergang vom Lateinischen zum Vulgärlatein und ihre Auswirkungen auf das Genus.

4. Genuswechsel ab dem 16. Jahrhundert: Untersuchung der Sprachnormierung während der Renaissance und der Rolle der Académie française bei der Fixierung von Genuszuweisungen.

5. Soziolinguistische Genusvariation: Betrachtung heutiger Genusvariationen unter Einbeziehung regionaler Unterschiede wie dem Französisch in Quebec.

Schlüsselwörter

Genuswechsel, Französische Sprachgeschichte, Vulgärlatein, Grammatisches Geschlecht, Analogie, End-e-muet, Académie française, Etymologie, Sprachwandel, Morphologie, Semantik, Sprachnormierung, Soziolinguistik, Lehnwörter, Substantive.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit behandelt die historischen Ursachen und Prozesse, die im Französischen zu einem Wechsel des grammatischen Geschlechts (Genus) von Substantiven geführt haben.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind der Übergang vom Lateinischen zum Romanischen, die Rolle der Analogiebildung, der Einfluss von Grammatikern und der Académie française sowie semantische Entwicklungen bei der Genuszuweisung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum das ursprüngliche Genussystem des Lateinischen durch Lautwandel, Analogie und Sprachreglementierung in das heutige französische System transformiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine diachrone sprachwissenschaftliche Analyse angewandt, die sich auf etymologische Herleitungen, historische Sprachbelege und grammatiktheoretische Konzepte stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte: von den vulgärlateinischen Entwicklungen und dem Verlust des Neutrums bis hin zur normativen Phase ab dem 16. Jahrhundert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Genuswechsel, Analogie, Vulgärlatein, morphologische Entwicklung und sprachliche Normierung charakterisiert.

Warum ist das lateinische Neutrum für die Arbeit von besonderer Bedeutung?

Das Verschwinden des Neutrums im Französischen ist der Ausgangspunkt vieler Genusverschiebungen, da Wörter dieses Typs zwangsläufig in das maskuline oder feminine System integriert werden mussten.

Welche Rolle spielt das "e-muet" bei der Genusentwicklung?

Das auslautende "e-muet" fungiert in der französischen Sprachgeschichte als starker feminisierender Faktor, der viele Substantive analog in das feminine Genus zog.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich soziolinguistischer Variationen?

Der Autor stellt fest, dass Genuszuweisungen bei nicht-biologischen Begriffen oft willkürlich sind und regional unterschiedlich ausfallen können, was durch Beispiele wie "auto" oder "sandwich" in Frankreich und Quebec belegt wird.

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Details

Titel
Genuswechsel im Französischen
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1
Autor
Christian Werner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V49456
ISBN (eBook)
9783638459082
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Genuswechsel Französischen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christian Werner (Autor:in), 2005, Genuswechsel im Französischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49456
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Leseprobe aus  20  Seiten
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