Diese Arbeit thematisiert zunächst den Begriff "Hate Speech". Eine Frage, die geklärt werden soll, lautet: Wann kann ein Beitrag oder ein Kommentar als Hate Speech klassifiziert werden? Anschließend stellt sich die Frage, wie Facebook mit Hate Speech umgeht und wie einflussreich Facebook wirklich auf unsere Meinungsbildung im politischen Raum ist. Außerdem werden kurz die Aufgaben von Medien in einer Demokratie erläutert.
Der zweite Teil dieser Arbeit konzentriert sich auf Lösungsansätze. Es werden drei wichtige Organisationen und Akteure vorgestellt, die sich alle gegen Hassrede einsetzen. Dabei werden die Ziele und die dafür vorgesehenen Mittel und ihre Aufstellung genauer betrachtet. Zuletzt wird die Spannung zwischen Hassrede und Redefreiheit thematisiert, da bei der Literaturrecherche immer wieder das Problem aufkam, ab wann es legitim ist, die Meinungsfreiheit einzuschränken.
Das Internet dient nicht nur als Kommunikationsplattform, sondern es bietet auch Raum für Rassismus, Antisemitismus oder diskriminierende Äußerungen in Form von Hassreden. Dies ist ein besorgniserregendes Phänomen, welches nicht nur untersucht, sondern auch bekämpft werden muss. Zwei Drittel der Befragten der Forsa-Studie gaben an, schon einmal mit Hate Speech in Kontakt getreten zu sein. Soziale Medien werden immer wieder kritisiert, da freie Meinungsäußerung unzivilisierter Meinungen oder Beleidigungen und Verleumdungen im öffentlichen Raum stattfinden und diese fördern Hate Speech oder Falschmeldungen. Daraus ist die Fragestellung entstanden: Welche Akteure bekämpfen mit welchen Mitteln Hate Speech in sozialen Medien?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hate Speech/ Hass Rede – Eine Begriffsbestimmung
2.1 Hate Speech auf Facebook
2.2 Die Rolle der Medien in der Demokratie
3 Akteure bei der Bekämpfung von Hate Speech
3.1 Die Organisation Jugendschutz.net
3.2 Das Projekt „No Hate Speech Movement“
3.3 Task Force „Umgang mit rechtswidrigen Hassbotschaften im Internet”
4 Hassrede – Redefreiheit
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbreitung von Hate Speech in sozialen Netzwerken, analysiert die Mechanismen und Auswirkungen auf die demokratische Meinungsbildung und beleuchtet Strategien sowie Akteure, die aktiv gegen Hassbotschaften im Internet vorgehen.
- Definition und Erscheinungsformen von Hate Speech im Web 2.0
- Die Rolle und Verantwortung von sozialen Medien für den gesellschaftlichen Diskurs
- Präventions- und Bekämpfungsstrategien durch staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure
- Das Spannungsfeld zwischen Redefreiheit und strafrechtlich relevanter Hassrede
- Effektivität von Meldesystemen und Kooperationen zwischen Politik und Plattformbetreibern
Auszug aus dem Buch
2.1 Hate Speech auf Facebook
Nachfolgend werden Beispiele von Hasskommentare auf der AfD-Facebookseite in Bezug auf Angela Merkel untersucht. Der Korpus besteht aus Facebook-Messages, in denen der Name Angela Merkel enthalten sind. Methodisch wurde dabei so vorgegangen, dass wiederkehrende Muster durch die Suchfunktion gefunden wurden. Des Weiteren wurden nach Wortpaaren gesucht, die ebenfalls häufig gemeinsam vorkommen. Anschließend wurde geprüft, welche Themenkomplexe besonders häufig genannt werden.
Themen, die eine große Rolle spielten, waren: Flüchtlinge, Islam/Islamisierung, Asyl, Vergewaltigung, Frauen, Medien und Geld. Dabei ist aufgefallen, dass viele Kommentare sehr herabwürdigend und menschenverachtend sind, jedoch können sie nicht alle problemlos der Kategorie Hate Speech zugeordnet werden. Folgende Beispiele sind jedoch eindeutig der Hassrede zuzuordnen:
53003603: „Die Toten hat Frau <Merkel> zu verantworten ! <Merkel>=Massenmörder”
77215231: „<Merkel> sollte man mit der ganzen Meute einsperren evtl. Steht sie ja auf Gruppen Vergewaltigung?”
Hier sind nicht nur direkte und persönliche Beleidigungen zu finden, sondern es kann ziemlich eindeutig von Verunglimpfung und Diskriminierung gesprochen werden. Außerdem ist der Aufruf zu Gewalt und Hass gegenüber einer Person besonders stark ausgeprägt. Doch wieso können User von Facebook ihre Gewaltphantasien so frei äußern, ohne Angst vor Konsequenzen zu haben? Das Problem liegt bei dem amerikanischen Konzern selbst. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook steht zwar folgende Definition von Hate Speech:
„Wir definieren Hassrede als direkten Angriff auf Personen aufgrund geschützter Eigenschaften: ethnische Zugehörigkeit, nationale Herkunft, religiöse Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung, Kaste, Geschlecht, Geschlechtsidentität, Behinderung oder Krankheit. Auch Einwanderungsstatus ist in gewissem Umfang eine geschützte Eigenschaft. Wir definieren Angriff als gewalttätige oder entmenschlichende Sprache, Aussagen über Minderwertigkeit oder Aufrufe, Personen auszuschließen oder zu isolieren. Wir teilen Angriffe wie unten beschrieben in drei Schweregrade ein” (Facebook 2018).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Hate Speech im Internet ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Akteuren und Mitteln zur Bekämpfung dieses Phänomens.
2 Hate Speech/ Hass Rede – Eine Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel liefert theoretische Definitionen von Hassrede und beleuchtet die Rolle der sozialen Medien sowie die Funktion der Presse in einer modernen Demokratie.
2.1 Hate Speech auf Facebook: Anhand von Fallbeispielen auf Facebook wird untersucht, wie Hasskommentare in sozialen Netzwerken verbreitet werden und wie der Plattformbetreiber regulatorisch darauf reagiert.
2.2 Die Rolle der Medien in der Demokratie: Dieses Kapitel analysiert das demokratiebelebende Potenzial des Internets und stellt gleichzeitig die Gefahren durch Desinformation und den Wegfall klassischer Selektionsinstanzen dar.
3 Akteure bei der Bekämpfung von Hate Speech: Hier werden Strategien aufgezeigt, wie durch Kooperationen zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren gegen Hassbotschaften im Netz vorgegangen werden kann.
3.1 Die Organisation Jugendschutz.net: Dieser Abschnitt beschreibt die Arbeit von Jugendschutz.net bei der Identifikation und Löschung jugendgefährdender Inhalte sowie deren präventive Bildungsarbeit.
3.2 Das Projekt „No Hate Speech Movement“: Vorstellung dieser internationalen Kampagne, die zivilgesellschaftliches Engagement fördert, um solidarisch gegen Hass und Hetze im Netz aktiv zu werden.
3.3 Task Force „Umgang mit rechtswidrigen Hassbotschaften im Internet”: Fokus auf die Initiative des Bundesjustizministeriums zur Verbesserung von Meldesystemen und der strafrechtlichen Verfolgung in Zusammenarbeit mit Plattformbetreibern.
4 Hassrede – Redefreiheit: Analyse des komplexen Spannungsverhältnisses zwischen der grundgesetzlich geschützten Meinungsfreiheit und den notwendigen Grenzen bei Volksverhetzung oder Gewaltaufrufen.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unterstreicht die Notwendigkeit, Plattformbetreiber und Zivilgesellschaft gemeinsam in die Verantwortung zu nehmen.
Schlüsselwörter
Hate Speech, Hassrede, Soziale Medien, Facebook, Demokratie, Meinungsbildung, Jugendschutz.net, No Hate Speech Movement, Redefreiheit, Counter Speech, Volksverhetzung, Diskriminierung, Medienkompetenz, Rechtsradikalismus, Strafverfolgung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen durch Hassrede in sozialen Netzwerken und untersucht, welche Akteure mit welchen Strategien gegen dieses Phänomen vorgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Hate Speech, die Rolle von Social-Media-Plattformen bei der politischen Meinungsbildung sowie die rechtlichen und zivilgesellschaftlichen Instrumente der Bekämpfung von Online-Hass.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die aktuelle Strategielandschaft zur Bekämpfung von Hasskommentaren zu analysieren und zu klären, wie wirksam verschiedene Gegenmaßnahmen in der Praxis sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der qualitativen Auswertung von Fallbeispielen aus sozialen Netzwerken, um die Mechanismen von Hasskommentaren besser zu verstehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Organisationen wie Jugendschutz.net, das "No Hate Speech Movement" sowie die staatliche "Task Force" detailliert vorgestellt und deren Vorgehensweisen kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hate Speech, Redefreiheit, Counter Speech, soziale Netzwerke, Medienkompetenz und staatliche Regulierung.
Wie unterscheidet sich die Debatte über Hate Speech in Deutschland von der in den USA?
Die Arbeit erläutert, dass die US-amerikanische Debatte stärker durch das Recht auf freie Rede (First Amendment) geprägt ist, während in Deutschland die Grenzen durch den Straftatbestand der Volksverhetzung deutlicher definiert sind.
Was versteht man unter dem Begriff "Counter Speech" in diesem Kontext?
Unter Counter Speech wird die aktive Gegenrede verstanden, bei der Zivilpersonen oder Organisationen mit Argumenten oder Bildungsprogrammen den Hassbotschaften entgegentreten, um den Diskurs nicht den Aggressoren zu überlassen.
Welche Rolle spielt Facebook als Akteur in dieser Untersuchung?
Facebook wird sowohl als Plattform für die Verbreitung von Hassrede als auch als verantwortlicher Akteur analysiert, der durch interne Richtlinien und Kooperationen mit Behörden zur Problemlösung beitragen muss.
- Quote paper
- Emma Hinz (Author), 2018, Hate Speech in sozialen Netzwerken. Welche Akteure sind bei der Bekämpfung beteiligt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495175