Prüfungsangst ist ein verbreitetes Problem Studierender. Mittlerweile gibt es zahlreiche Angebote, die Betroffenen helfen soll, diese zu überwinden. Diese stehen häufig in Verbindungen zu Vorschlägen des Zeitmanagements oder der Selbstsicherheit. Ob und inwiefern es Zusammenhänge zwischen Prüfungsangst und weiteren Faktoren geht, ist zwar in einigen Studien erforscht, ein eindeutiges Ergebnis liegt bis heute jedoch nicht vor.
In dieser Arbeit soll herausgearbeitet werden, ob es unter den Studierenden der Geisteswissenschaften der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg möglich ist, eine Korrelation zwischen Prüfungsangst und Prokrastination festzustellen. Dies wurde mittels eines Fragebogens erfasst, welcher an die Studierenden zu Beginn des 1. Semesters ausgeteilt wird. Damit sollen in erster Linie Kenntnisse über die Sozialstruktur der Anwesenden in der Vorlesung in Erfahrung gebracht werden, jedoch dient er hier als Grundlage folgender statistischer Untersuchungen.
Es wurde kein Zusammenhang zwischen Prüfungsangst und Prokrastination festgestellt, lediglich ein schwacher positiver Zusammenhang zwischen Prüfungsangst und dem Geschlecht der Befragten. Demnach sind Frauen allgemein mehr von Examensängsten betroffen als Männer.
Inhaltsverzeichnis
1 Prüfungsangst als gesellschaftlich akzeptiertes Phänomen
2 Prüfungsangst – was ist das?
2.1 Definition des Begriffs „Prüfungsangst“
2.2 Geschichtlicher Hintergrund in Bezug auf die Erforschung von Prüfungsangst
2.3 Merkmale von Prüfungsangst – Welche Symptome können auftreten?
2.4 Ursachen und Auswirkungen
3 Vorstellung des theoretischen Rahmens des Zusammenhangs von Prüfungsangst und Prokrastination
3.1 Kurze Erläuterung des Begriffs „Prokrastination“
4 Aktueller Forschungsstand
5 Hypothese
5.1 Vorstellungen des Fragebogens und der Kernvariablen Prokrastination und Prüfungsangst
6 Operationalisierung
6.1 Individuelle Betrachtung der Kernvariablen zur Überblicksgenerierung
6.2 Testen der Zusammenhänge der Kernvariablen
6.3 Hinzuziehen der biographischen Variablen Geschlecht und Alter sowie der studienbezogenen Variable Fachsemester
7 Eingehen auf den Zusammenhang von Alter und Prüfungsangst
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob unter Studierenden der Geisteswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg eine statistische Korrelation zwischen Prüfungsangst und Prokrastinationsverhalten feststellbar ist, wobei zusätzlich der Einfluss biographischer Faktoren wie Geschlecht und Alter analysiert wird.
- Analyse theoretischer Grundlagen zu Prüfungsangst und Prokrastination
- Überprüfung bestehender wissenschaftlicher Hypothesen zum Aufschiebeverhalten
- Empirische Untersuchung mittels Sekundärdaten aus einem universitären Fragebogen
- Statistische Regressionsanalyse zur Identifikation signifikanter Zusammenhänge
- Untersuchung geschlechtsspezifischer Unterschiede bei Examensängsten
Auszug aus dem Buch
2.2 Geschichtlicher Hintergrund in Bezug auf die Erforschung von Prüfungsangst
Prüfungsangst ist keine neumodische Erfindung des 21. Jahrhunderts, sie wurde lediglich häufiger thematisiert und gewann somit an Relevanz innerhalb der Sozialwissenschaft. Bereits 1933 schrieb Dr. Johannes Neumann in seinem Buch darüber, was die Gründe von „Examensangst“ (Neumann 1933, S. 26) sind und wie man diese clustern könnte. So beschreibt er die unterschiedlichen Formen der Angst, die Typen der betroffenen Personen, Ursachen sowie Lösungswege aus der Angst heraus. Er erläutert: „[v]ersagendes Gedächtnis ist eine nicht minder stark vorkommende Form der kalten Angst. Man ‚will‘ ja, ja man ‚paukt‘ um so [sic!] mehr, jedoch ‚es geht nichts rein‘“ (Neumann 1933, S. 27). Damit will er ausdrücken, dass Examensangst nicht immer offen gezeigt wird, sondern sich durch Verhaltensweisen äußert, welche es dem Prüfling unmöglich machen, furchtlos durch die Prüfungssituation zu gelangen.
Hierzu nennt er des Weiteren noch die „Flucht in die Krankheit“ (Neumann 1933, S. 26). Das soll heißen, dass es Menschen gibt, die sich einbilden, physisch krank zu sein um somit die Prüfung nicht antreten zu müssen. Jedoch ist ihnen nicht klar, dass die Angst vor der tatsächlichen Prüfungssituation Ursache für ihr körperliches Befinden ist. (Neumann 1933) Herr Dr. Neumann war wahrscheinlich der Vorreiter für alle Forschungsarbeiten und Bücher, die seither zum Thema Prüfungsangst verfasst worden sind. Da seine Monographie jedoch nie ins Englische übersetzt wurde, konnte diese auch nicht international bekannt werden. Erst in den 1950er Jahren gewann die Thematik an Relevanz, wodurch zu der Zeit auch die ersten methodisch schlüssigen Arbeiten veröffentlicht wurden, die sich hauptsächlich „aus persönlichkeits-, differentialpsychologischer oder sozialpsychologischer Perspektive“ (Fehm und Fydrich 2011, S. 3) an das Thema wagten und somit ein Modell entstehen konnte, welches versucht, die Prüfungsangst zu erklären.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Prüfungsangst als gesellschaftlich akzeptiertes Phänomen: Dieses Kapitel beleuchtet Prüfungsangst als verbreitetes Problem unter Studierenden und führt in die wissenschaftliche Debatte sowie die Verbindung zwischen Angst und Vermeidungsverhalten ein.
2 Prüfungsangst – was ist das?: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung des Angstbegriffs, eine Definition von Prüfungsangst sowie eine historische Aufarbeitung der Forschungsansätze inklusive der Symptomatik und Ursachen.
3 Vorstellung des theoretischen Rahmens des Zusammenhangs von Prüfungsangst und Prokrastination: Das Kapitel verknüpft die beiden Kernvariablen und erläutert, warum die flexible Gestaltung des Studiums in den Geisteswissenschaften das Aufschiebeverhalten begünstigen kann.
4 Aktueller Forschungsstand: Es wird ein Überblick über existierende Studien gegeben, die psychische Belastungen bei Studierenden untersuchen und einen Anstieg der Prüfungsängste über die letzten Jahre belegen.
5 Hypothese: Auf Basis der vorangegangenen Theoriebildung wird die Forschungsarbeit darauf ausgerichtet, den vermuteten Zusammenhang zwischen Prüfungsangst und Prokrastination an der FAU zu prüfen.
6 Operationalisierung: Dieses Kapitel erläutert die methodische Umsetzung der Datenanalyse anhand des verwendeten Fragebogens sowie die Durchführung statistischer Tests wie Regressionsanalysen.
7 Eingehen auf den Zusammenhang von Alter und Prüfungsangst: Hier werden spezifische statistische Auswertungen zum Einfluss biographischer Daten präsentiert, wobei insbesondere geschlechtsspezifische Unterschiede hervorgehoben werden.
8 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Interpretation der Ergebnisse, bei denen zwar kein signifikanter Zusammenhang zwischen den Kernvariablen gefunden wurde, wohl aber geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Prüfungsangst.
Schlüsselwörter
Prüfungsangst, Prokrastination, Studierende, Geisteswissenschaften, Leistungsdruck, Sekundäranalyse, Regressionsanalyse, Examensangst, Sozialstrukturanalyse, Leistungsangst, Blackout, Zeitmanagement, Geschlechtsspezifische Unterschiede, Empirische Forschung, Akademisches Aufschiebeverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob es bei Studierenden der Geisteswissenschaften an der FAU Erlangen-Nürnberg einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Prüfungsangst und dem Phänomen der Prokrastination gibt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Definition und historische Erforschung von Prüfungsangst, die psychologischen Aspekte von Leistungsdruck im Studium sowie die Analyse von Aufschiebeverhalten bei akademischen Aufgaben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, ob Prüfungsangst und Prokrastination statistisch korrelieren und ob biographische Faktoren diesen Zusammenhang beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine sekundärstatistische Auswertung von Daten, die über einen standardisierten Fragebogen im Rahmen einer Vorlesung zur Sozialstrukturanalyse erhoben wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung des Phänomens Prüfungsangst, eine Analyse des aktuellen Forschungsstandes, die Operationalisierung der Variablen und die statistische Auswertung der Daten mittels Regressionsanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Prüfungsangst, Prokrastination, Leistungsdruck, Studierende und statistische Korrelation.
Warum konnte kein Zusammenhang zwischen Prüfungsangst und Prokrastination festgestellt werden?
Die durchgeführte Regressionsanalyse ergab für die untersuchte Stichprobe keine statistisch signifikanten Werte, die einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Variablen bestätigen würden.
Welche Rolle spielt das Geschlecht bei den untersuchten Ängsten?
Die Ergebnisse deuten auf einen schwachen positiven Zusammenhang zwischen dem Geschlecht und der Examensangst hin, wobei Frauen in der untersuchten Gruppe von stärkeren Ängsten berichteten als Männer.
- Arbeit zitieren
- Anna Butzbacher (Autor:in), 2017, Gibt es einen positiven Zusammenhang zwischen Prokrastination und Prüfungsangst?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495178