Ist die Existenz Gottes kosmologisch beweisbar? Argumente und Einwände


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Hintergrunde

3 Kosmologische Argumente
3.1 Thomas von Aquin
3.2 Gottfried Wilhelm Leibniz
3.3 Richard Swinburne

4 Einwande gegen die kosmologischen Argumente

5 Fazit und Ausblick

1 Einleitung

Ob es einen Gott gibt oder nicht, handelt sich um eine wichtige und sinnvolle Frage. Naturlich kann die Existenz Gottes nicht in der Weise eines mathematischen Lehrsatzes ,bewiesen’ werden. Die traditionellen sogenannten ,Gottesbeweise’ wollen keine ,Beweise’ sein, sondern vielmehr rationale Argumente, welche die Annahme der Existenz Gottes als vernunftig erscheinen lassen.1 Somit verdienen diese Argumente sowie die Einwande ernst genommen und im Detail diskutiert zu werden. Seit den Anfangen, hauptsachlich im griechischen Denken bis heute, haben sich die Denker des Ostens und des Westens mit den Beweisen fur und gegen die Existenz Gottes beschaftigt.2 Traditionell werden drei Arten von Gottesbeweisen unterschieden: Die ontologischen, die teleologischen und die kosmologischen Gottesbeweise. In der folgenden Arbeit werden die kosmologischen3 Beweise im Detail betrachtet. .

Die Frage nach dem Existenzbeweis eines monotheistischen Gottes ist primar innerphilosophisch situiert.4 Notwendige Voraussetzung dafur ist der Gedanke einer letzten Begrundung. Der kosmologische Gottesbeweis sucht nach einem letzten Grund allen Seins bzw. der Existenz der Welt. Dies impliziert auch die naturwissenschaftliche Frage nach einer eventuellen Erstursache bzw. einem eventuellen zeitlichen Beginn des Universums. Die kosmologischen Argumente gehen von der konkreten Erfahrungstatsache aus, dass es das Universum gibt. Es finden sich kosmologische Argumente verschiedenster Formen in den Schriften griechischer, arabischer, judischer und christlicher Philosophen und Theologen.5 Klassische Beispiele einer derartigen Argumentation fur die Existenz Gottes finden sich in den Texten von Thomas von Aquin und Gottfried Wilhelm Leibniz.

Zunachst werden die historischen Hintergrunde der kosmologischen Gottesbeweise erlautert. Danach erfolgt die genaue Vorstellung der kosmologischen Argumente von Thomas von Aquin, Gottfried Willhelm Leibniz und Richard Swinburne. Im Anschluss daran werden die Einwande gegen die kosmologischen Argumente aufgefuhrt. AbschlieBend erfolgt ein Fazit und ein Ausblick.

2 Historische Hintergrunde

Die kosmologischen Argumente sind sachlich und terminologisch recht unubersichtlich. Zu den Autoren, die sich mit ihnen beschaftigten gehoren Platon, Aristoteles, Al Farabi, Al Ghassali, Ibn Ruschd (Averroes), Maimonides, Thomas von Aquin und Leibniz.6 Es entstanden verschiedene Formen der philosophiehistorischen Argumente. Zu den prominenten Argumenten zahlen die von Thomas von Aquin (1225-1274) entwickelten ,Quinque viae’, die funf Wege des Beweises des Daseins Gottes. Diese kann man als Zusammenfassung und vorlaufigen Hohepunkt des antiken und mittelalterlichen Denkens nach der Frage der Existenz Gottes betrachten.7 Zentral bei den Argumenten von Thomas sind Phanomene wie Bewegung und Verursachung sowie das Regressprinzip.8 Spater befassen sich die Rationalisten (16.-18. Jh.) und Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) mit der Gottesfrage. Sie schlossen von der kontingenten Existenz der Welt insgesamt auf die Existenz Gottes als ein notwendiges Wesen.9 Dabei handelt es sich auch um die Version, die Kant (1724-1804) vertraut war. Kant pragte schlieBlich hierfur den Ausdruck ,kosmologisches Argument’.10 AuBerdem teilte Kant die verschiedenen moglichen Gottesbeweise von der Vernunft her in drei Kategorien ein: den ontologischen, den kosmologischen und den teleologischen Beweis. Er fugte aber noch einen vierten, eigenen hinzu, den moralischen Gottesbeweis.11

Es gibt in jungerer Zeit Entwicklungen aus astrophysikalischen Theorien, die auch als kosmologische Argumente bezeichnet werden.12 Dabei spielt der zeitliche Anfang des Universums eine entscheidende Rolle. Im Unterschied zu den klassischen Gottesbeweisen, welche in einem grundsatzlichen, metaphysischen Sinn verstanden werden.13 Es tauchen darin Motive aus den klassischen kosmologischen Argumenten auf, aber auch solche aus der islamischen Theologie. Daher ruhrt die Bezeichnung ,Kalam-Argument’ (von arabisch kalam, etwa ,Theologie’).14

3 Kosmologische Argumente

3.1 Thomas von Aquin

Thomas von Aquin lebte wahrscheinlich von 1225 bis 1274 und war ein bedeutender Kirchenlehrer und Philosoph der Scholastik. Er tritt bereits mit funf Jahren in den Benediktinerorden ein. Mit 14 Jahren begann er sein Studium in Neapel. 1245 fuhrte ihn sein weiteres Studium nach Paris, dann nach Koln, wo er Schuler von Albertus Magnus war (1248-1252). AnschlieBend nahm er eine Lehrtatigkeit in Paris auf. 1272 wurde er nach Neapel gerufen um dort das Studium Generale aufzubauen und dort zu lehren.15

Thomas von Aquin wird als ,Fursten der Scholastik’ bezeichnet. Er erschuf „ein allseitiges System der christlichen Philosophie und Theologie von groBer Einheitlichkeit der Prinzipien und Folgerungen“.16 Daneben gilt Thomas als Schopfer klassischer Gottesbeweise.17 Er bezieht sich dabei vor allem auf Aristoteles.18 Aber er zieht auch Schriften der arabisch- judischen Philosophie zu Rate und gliedert platonisch-augustinisches Gedankengut in seine Gedanken ein.19 Bei den Gottesbeweisen der christlichen Denker der Scholastik ist zu beachten, dass diese auch philosophisch gebildet sind, aber in erster Linie Theologen darstellen. „Sie brauchen Gott nicht zu suchen, weil sie ihn schon durch den Glauben besitzen.“20

Thomas von Aquin erachtet die Existenz Gottes als grundsatzlich beweisbar.21 Er formuliert die sogenannten funf Wege zu Gott, die ,quinque viae’. Sie finden sich im ersten Teil seines theologischen Hauptwerkes, der Summa Theologiae, bei der zweiten Frage im dritten Artikel.22 Er legt darin funf Beweisformen vor, die die Existenz Gottes beweisen sollen. Diese Beweise stellen aus seiner Sicht keinen apriorischen Schluss auf die Existenz Gottes dar. Im Gegensatz zum Argument von Anselm, der allein aus dem ,Begriff Gottes’ auf dessen Dasein schlieBen will. Vielmehr sieht Thomas seine Beweisfuhrung als aposteriorisch an, da sie von erfahrbaren, faktisch vorliegenden Strukturen der Welt ausgeht.23

Die quinque viae24 - Die funf Wege bzw. Argumente fur die Existenz Gottes:

1. Argument aus der Bewegung
2. Argument aus der Wirkungsursache
3. Argument aus der Moglichkeit und Notwendigkeit
4. Argument aus den Seins-Stufen
5. Argument aus der Geordnetheit der Dinge

Thomas setzt im ersten Argument voraus, das alles was sich bewegt, von etwas anderem bewegt wird. Handelt es sich bei diesem ebenfalls um etwas Bewegtes, dann muss auch seine Bewegung durch etwas anderes verursacht worden sein. Diese Kette von Bewegungen kann nach Thomas nicht in das Unendliche zuruckgehen. Es muss also jede Bewegung letztlich von einem ersten Glied, einem ,unbewegten Beweger’ ausgehen. Diesen ,unbewegten Beweger’ verstehen alle als Gott.25

Im zweiten Argument heiBt es, dass jede beobachtbare Wirkung eine Ursache hat. Thomas findet, dass in der Welt der wahrnehmbaren Dinge eine Ordnung bewirkender Ursachen herrscht.26 Ihm erscheint der Gedanke einer Selbstverursachung als vollig abwegig.27 In der Folge der bewirkenden Ursachen kann nicht ins Unendliche fortgeschritten werden. Bei allen bewirkenden Ursachen, die einer Ordnung folgen, „ist das erste Glied die Ursache des mittleren und das mittlere Glied die Ursache des letzten Gliedes - gleichgultig, ob das mittlere Glied nur ein einziges ist oder sich aus einer Reihe zusammensetzt.“28 Wird nun die Ursache weggenommen, so verschwindet auch die Wirkung. Gibt es folglich unter den bewirkenden Ursachen kein erstes Glied, so wird es auch kein letztes und kein mittleres Glied geben.29 Konnte man jedoch in der Folge der bewirkenden Ursachen bis ins Unendlich fortschreiten, so gabe es keine erste bewegende Ursache.30

[...]


1 Hoerster: Glaube und Vernunft , S. 13.

2 Clayton: [Art.] Gottesbeweise, S. 740.

3 Vom Griechischen „kosmos “ = Ordnungsgefuge, Weltall.

4 Hiltscher: Gottesbeweise, S. 12.

5 Mackie: Das Wunder des Theismus, S. 130.

6 Mackie: Das Wunder des Theismus, S. 130.

7 Loffler: Einfuhrung in die Religionsphilosophie, S. 60.

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Clayton: [Art.] Gottesbeweise, S. 743.

12 Loffler: Einfuhrung in die Religionsphilosophie, S. 60.

13 Schmidt-Leukel: Grundkurs Fundamentaltheologie, S. 98.

14 Loffler: Einfuhrung in die Religionsphilosophie, S. 60.

15 Heinzmann: Thomas von Aquin, S. 22 f.

16 Huonder: Die Gottesbeweise, S. 52.

17 Ebd., S. 49.

18 Ebd., S. 37.

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Hiltscher: Gottesbeweise, S. 115.

22 Heinzmann: Thomas von Aquin, S. 127-131.

23 Hiltscher: Gottesbeweise, S. 115.

24 Schmidt-Leukel: Grundkurs Fundamentaltheologie, S. 97.

25 Ebd.

26 Hoerster: Glaube und Vernunft, S. 26.

27 Hiltscher: Gottesbeweise, S. 118.

28 Hoerster: Glaube und Vernunft, S. 26.

29 Ebd.

30 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ist die Existenz Gottes kosmologisch beweisbar? Argumente und Einwände
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Einführung in die systematische Theologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V495294
ISBN (eBook)
9783668986893
ISBN (Buch)
9783668986909
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Gottfried Wilhelm Leibniz, Richard Swinburne, Thomas von Aquin, Kosmologische Argumente, Historische Hintergründe, Gottesbeweise, Kosmologie, kosmologischer Gottesbeweis
Arbeit zitieren
Eva Stoll (Autor), 2010, Ist die Existenz Gottes kosmologisch beweisbar? Argumente und Einwände, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495294

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