Wissenschaftliche Betrachtung der Motivation und empirische Bestimmung eines Basiswertes der intrinsischen Leistungsmotivation


Bachelorarbeit, 2019
110 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract I

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

I Theoretischer Teil

1. Einleitung

2. Definition Motivation und Motiv sowie Beziehung

3. Evolutionspsychologische Herleitung der Motivation
3.1. Bei ersten Lebewesen .
3.2. Bei Tieren
3.3. Beim Menschen
3.4. Zusammenfassung

4. Neuro-psychologische Grundlagen
4.1. Das Belohnungssystem
4.2. Vegetatives Nervensystem
4.3. Reticulares Aktivationssystem
4.4. Triebtheorie von Clark Hull und Sigmund Freud
4.5. Konfliktmodell von Miller und Lewin
4.6. Problem der zerstreuenden Wissenschaftsrichtungen

5. Motivationstheorien
5.1. Intrinsisch. Extrinsisch & Selbstbestimmungstheorie
5.2. Die drei Motive
5.3. Kognitive Beurteilungsmodelle
5.4. Attributionstheorien
5.5. Maslow, McGregor und Konditionierung

6. Zusammenführung zu einem vereinheitlichten Model

7. Die Lücke des Basiswertes der intrinsischen Leistungsmotivation
7.1. Beobachtungen im Arbeitsalltag
7.2. Kindliche Konditionierung, Leidensverarbeitung & Energie
7.3. Leistungsmotivation
7.4. Begriffsabgrenzungen
7.5. Zusammenfassung

II Empirischer Teil

8. Methode
8.1. Geeignete Probanden
8.2. Fragebogendesign, Vortest & Umfrage
8.3. Haupthypothese – Der Basiswert der intrinsischen Leistungsmotivation
8.4. Nebenhypothese - Süßigkeiten und Leistungswerte
8.5. Entwicklung der Formel durch Hinzunahme aller relevanten Faktoren

9. Ergebnisse
9.1. Nullhypothese & Alternativhypothese
9.2. Statistische Auswertung - Teil 1 Hypothese
9.2.1. Untersuchung mit 40 Bekannten
9.2.2. Untersuchung mit 90 Probanden
9.3. Statistische Auswertung - Teil 2 Nebenhypothese und weitere Erkenntnisse
9.4. Statistische Auswertung - Teil 3 Problemgruppe

10. Diskussion
10.1. Interpretation
10.1.1. Allgemeine Auslegung der Ergebnisse
10.1.2. Zu einem Auswahlverfahren für Arbeitgeber
10.2. Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang
- Anonyme Umfrage für wissenschaftliche Untersuchung
- Berechnungen in R

Eidesstattliche Erklärung

Abstract

In dieser wissenschaftlichen Untersuchung, geht es darum, herauszufinden, ob jeder Mensch eine nicht oder kaum veränderbare innere Motivation hat, Aufgaben zu erledigen. Es wird hierbei von einem Basiswert der intrinsischen Leistungsmotivation gesprochen. Um dies herausarbeiten zu können, muss die Dimension der Motivation verstanden werden, wozu die meisten Motivations- und Handlungstheorien, und -modelle widerspruchsfrei vereinheitlicht wurden.

Es wurden 90 arbeitende Personen zwischen 20 und 64 Jahren zu verschiedenen Punkten befragt, und mit den gewonnenen Werten, nach einer bestimmten Formel berechnet, welche den Komplex der intrinsischen Leistungsmotivation abzubilden vermag. Dies funktioniert durch eine Art Gleichung der real erbrachten Arbeitsleistung, zu der intrinsischen Leistungsmotivation. Diese Differenz ist exakt der Zufriedenheitswert einer Person. Je höher der Zufriedenheitswert, desto geringer diese Differenz.

Durch die hohe Signifikanz der statistischen Auswertungen, kann diese Hypothese mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Dies wiederum ist die Basis für die Entwicklung eines Einstellungstests für Arbeitgeber, um Menschen herausfinden zu können, die eine grundsätzlich sehr schwache Leistungsmotivation besitzen, bzw. nicht arbeiten wollen.

Abbildungsverzeichnis

1. Gesamtmodell der Motivation Teil 1

2. Gesamtmodell der Motivation Teil 2

3. Gesamtmodell der Motivation Teil 3

4. Zusammenführung der Entwicklungsgruppen, der Motive, der Grundbedürfnisse und Motivatoren - Teil 1

5. Vereinfachte Interpretation des evolutionären Kreislaufs des vegetativen Nervensystems

6. Das Yerkes Dodson Gesetz

7. Gesamtmodell der Motivation Teil 4

8. Natürliche Hierarchiebildung

9. Quellen der intrinsischen und extrinsischen Motivation

10. Zusammenführung der Entwicklungsgruppen, der Motive, der Grundbedürfnisse und Motivatoren- Teil 2

11. Zusammenführung der Entwicklungsgruppen, der Motive, der Grundbedürfnisse und Motivatoren- Teil 3

12. Vereinfachte Darstellung des Handlungs- und Motivationskreislaufs

13. Vereinheitlichtes Motivationsmodel

14. Schema zur Einordnung der sechs relevanten Faktoren nach einer möglichen hierarchischen Anordnung von Innen nach Außen

15. Schema zur Einordnung aller erarbeiteten intrinsischen Handlungsfaktoren kombiniert mit persönlicher Entwicklungsfolge

16. Theoretisch rechnerische Vorhersage der Geraden.

17. "abline" Befehl der linearen Regression bei 40 Bekannten.

18. rote Linie ="abline" Befehl der linearen Regession bei 90 Befragten, blaue Linie = theoretischer Sollwert

19. Plot – Residuals gegen Werte.

20. Plot – Quantilenberechnung normalverteilte Residuen

21. Plot – Konfidenzintervall 95% und 99%

22. wachsender Empfindlichkeits- oder Widerstandswert "Ln"

23. wachsender intrinsischer Leistungswert "PtLw"

24. Erweiterte Darstellung einer möglichen Ordnung der vier Gruppen.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Statistische Werte zu dem Ergebniswert GAw

Tabelle 2. Statistische Werte zu den Hauptvariablen.

Tabelle 3. Große Differenzen bei Psychologengruppe

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I Theoretischer Teil

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich damit, was Motivation ist und durch was sie beeinflusst wird, woraus die mögliche wissenschaftliche Lücke eines Basiswertes der intrinsischen Leistungsmotivation postuliert wird. Hierzu ist es notwendig, die Motivation und ihre umliegenden Einflußgrößen zu kennen und deren Beziehung darzustellen. Es ist nicht möglich zu verstehen was Motivation ist, wenn man nur die exakte Definition hat, ohne zu verstehen, wie Motivation im Kontext entsteht und durch was sie gesteuert wird. Dies macht es nicht nur notwendig, einen gesamten Motivationszyklus zu erstellen, sondern diesen auch durch verschiedenste Ebenen der Wissenschaften zu verbinden um so erst die gesamte Bedeutung und Tragweite des Mechanismus und seiner Auswirkungen sichtbar zu machen. Anzunehmen, man könne Motivation sowie Bedürfnisse, Triebe, Entscheidung, Handeln, Verhalten und ähnliches einfach verstehen, unterliegt einem Trugschluss und trägt mit zu den vielen verschiedenen Theorien. Mit den Jahren hat die Psychologie gelernt, dass solche Mechanismen weit aus komplexer sind und mit vielen anderen Prozessen zusammen hängen. Es ist vielleicht vergleichbar mit Prozessen des Körpers, die man zwar oft herunterbrechen kann auf eine relativ einfache Erklärung, dies dem wirklichen Vorgehen jedoch niemals auch nur halbwegs gerecht wird und dazu führt, dass dieses Halbwissen zu Verzerrungen in Entscheidungen der Person führen, die so verfahren. Wie schon die Verschiedenartigkeit der Motivationstheorien und -modelle zeigt, ist das Gebiet weitaus komplexer, als einzelne Forscher gedacht hatten. Ein Zusammenführen all dieser Theorieansätze, die in unterschiedliche Richtungen streben ist unumgänglich, will man wirklich verstehen können was Motivation ist, was bedeutet, dass man damit auch verstehen kann wie man motiviert, warum Menschen so ticken wie sie es tun, und woher die Beweggründe kommen, um motiviert zu sein oder nicht. Um es mit Leonardo da Vincis Worten zu sagen: "Wer die Praxis übt, ohne sich vorher mit der Theorie beschäftigt zu haben, gleicht einem Steuermann, der sein Schiff ohne Kompass und Steuer besteigt und nicht weiß, wohin er fährt."

Damit ist Motivation nicht nur mehr ein eindimensionaler Begriff (der ebenfalls neu zu definieren ist), sondern in einem zusammenhängenden Kontext zu sehen, der unter anderem die gesamte Handlung einer Person erklärbar macht. Dies ermöglicht letzlich in der Untersuchung dieser Arbeit eine Vorhersagekraft in der Grundmotivation (der Leistungsmotivation) eines Menschen, inwieweit dieser grundsätlich bereit ist, Leistung zu erbringen.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass es in der wissenschaftlichen Arbeit mit psychologischen Themen nicht ausbleibt, konstruierend arbeiten zu müssen, um Möglichkeiten aufzeigen zu können, wie die verschiedenenen Forschungsansätze am wahrscheinlichsten nach dem folgerichtigen Denken (nach den Gesetzen der Logik) zu vereinen sind. Dies an parallelen Maßstäben der Evolutionspsychologie und Neoropsychologie zu reflektieren, ist sinnvoll und vielleicht sogar unvermeidbar, möchte man die Lethargie der wissenschaftlichen Entwicklung in eine konstruktive Richtung durchbrechen. Es ist sogar von einer Krise der Theorien die Rede, da es ein scheinbar unlösbares Problem darstellt, die ganzen Theorien unter einen Hut zu bringen (Krueger, 2018). Daher ist es notwendig, Ideen zur Umsetzung und Schaffung funktionierender formaler Systeme zu unterstützen, und dies in die Anfordernisse von wissenschaftlichen Arbeiten einzuflechten.

Im Laufe der Arbeit wird auch ein weiteres Problem der psychologischen Wissenschaft sichtbar, das Problem der Interpretation (die Fehler in der Logik), wobei die Anwendung formaler Logik unentbehrlich ist und ein sehr sauberes Arbeiten, bei dem alle Verknüpfungen bedacht werden (weil so komplex), ohne den kleinsten Interpretationsfehler diesbezüglich fast unmöglich macht. Auch die Problematik des sauberen Definierens, was zu großen (wie man sehen wird) Problemen in der Zuordnung führt, stellt eine Herkulesaufgabe dar. Auch beim Arbeiten mit dieser Thematik drängt sich des öfteren der Gedanke auf, dass die Forscher teilweise das selbe meinten, jedoch durch unsauber abgegrenzte Begrifflichkeiten fällt dies schwer auf, dass es sich um Synonyme (oder Schnittmengen) handelt (Beispiel: Leidensfähigkeit, Fähigkeit Anstrengung zu überwinden, Selbstkontrolle, Disziplin).

Es ist schon immer ein Problem gewesen, zu definieren, wie man psychologische Studien angeht, wie eine Theorie aufgebaut sein muss. Eine Quintessenz ist daher schwer zu definieren und auch die Leitbilder der Wissenschaft gehen stark auseinander. Eine sinnvolle Herangehensweise, welche scheinbar auch bessere Resultate liefert ist eine, welche versucht, alle beeinflussenden Faktoren zu bestimmen, mit einzubeziehen und gegen verschiedenene Ebenen zu reflektieren. Dies bedeutet, den Mensch zu betrachten was aus ihm kommt und welchem Einfluss er von innen und außen ausgesetzt ist und wie dieser in ihm funktioniert, bzw. welche Reaktion dieser Einfluss hervorruft. Auch wenn dies eine scheinbare Unmöglichkeit darstellt, dies alles unter einen Hut zu bringen, und in seiner Komplexität eines Tages Bereichen wie der Biopsychologie an Komplexität vermutlich ebenbürdig sein wird (sind zumindest zwei direkt beeinflussende Ebenen welche interagieren), so muss es doch möglich sein, da in den meisten Fällen die Forscher ja tatsächlich etwas reales beobachteten und erforschten, auch wenn der Versuch dies dann zu beschreiben, aus zu viel Interpretationsspielraum und zu geringem Forschungsstand meist (mindestens geringfügig) fehlerhaft ist. Man kann dies sehr gut sehen an der Zuteilung der vier Gruppen, im Laufe der Arbeit (siehe Abbildung 11). Durch die schiere Komplexität des Themas und seiner Vielschichtigkeit, ist es erst möglich, ab einem gewissen Erkenntnissgrad diese Variablen stimmig zusammenzufügen. Um es metaphorisch auszudrücken, könnte man auch sagen: erst wenn eine größere Anzahl an Puzzleteilen vorhanden ist, kann man ein Bild erahnen. Vorher wird es kaum möglich sein, ein Bild zu bekommen, das man auch halbwegs korrekt interpretieren kann. Und dass viele versucht sind, Teile des Puzzles als Gesamtbild zusammenzufügen, als eine Art neuer "Formel" oder neues "Modell", dies aber nicht alles in sich vereinen kann, ist menschlich und in praktisch allen Theorien wiederzufinden. Die Kunst muss darin liegen, alles zusammenzufügen, so dass damit eine jede Handlung, und die dazugehörige Motivation, als innere Handlungsbereitschaft erklärt werden kann (um etwas vorzugreifen). Dies bedarf mutiger Schritte, die dennoch nicht unwissenschaftlich sein müssen. Bei möglichen Abweichungen, Lücken oder Unklarheiten ergibt dies lediglich neue Forschungsfelder, welche konkret dann eine erweiterte vereinheitlichende Theorie, bedienen.

2. Definition Motivation und Motiv sowie Beziehung

Das Wort Motivation leitet sich aus dem lateinischen Wort movere ab, was "bewegen" oder auch "antreiben" bedeutet, was natürlich eine sehr oberflächliche Beschreibung ist und bestenfalls eine grobe Beschreibung des Begriffs erlaubt. Nun gibt es für dieses "bewegen" oder "antreiben" eine Vielzahl von Definitionen ohne einheitlichen Konsens. Um dieses Dickicht ordnen zu können, ist es nötig, sich zuerst mehrere Definitionen anzusehen. Hierzu muss ebenfalls differenziert werden (erst einmal nur) zwischen Motivation und Motiv. Der Verhaltensbilologe Bernhard Hassenstein deutet die "Motivation als variable Handlungsbereitschaft, welche durch verschiedene Faktoren stark oder schwach sein kann" (Hassenstein, 1967, S. 54).

Für Seidel, der sich viele Jahrzehnte mit dem Thema beschäftigt hat, ist Motivation "das auf emotionaler und neuronaler Aktivität (Aktivierung) beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten. Motivation steigert die Handlungsbereitschaft und ist somit eine Triebkraft für Verhalten" (Seidel, 2013, S. 58).

Die eine Definition spricht davon, dass Motivation die Handlungsbereitschaft ist, die andere, dass Motivation diese steigert. Die verschiedenen Faktoren der ersten Definition sind in der zweiten das emotionale und neuronale Streben, was als Synonym gesehen werden kann. Motivation als Triebkraft zu bezeichnen, ist wiederum die Unterstellung, dass die Motivation der Antrieb selbst ist, was bedeuten würde, dass die Faktoren (oder das emotionale und neuronale Streben) und die Motivation dasselbe sind. Wären die Faktoren die Ursache, die Motivation die innere Handlungsbereitschaft, was im Grunde dann "nur" wie eine Art Kontrolle funktionieren würde, so wie in der ersten Definition von Hassenstein, dann wäre es logisch korrekt definiert, da eine Ursache nicht auch gleich die Wirkung sein kann.

Dennoch kann man sagen, dass es bei diesen beiden Definitionen noch relativ widerspruchsfrei und übereinstimmend zugeht (bis auf die angesprochene Diskrepanz), so wird es bei folgenden Definitionen etwas komplizierter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gesamtmodell der Motivation Teil 1 (Eigene Darstellung).

Laut dem Duden ist Motivation die "Gesamtheit der Beweggründe, Einflüsse, die eine Entscheidung, Handlung o. Ä. beeinflussen, zu einer Handlungsweise anregen." Weiter wird als Beispiel hinzugefügt: "ihre Motivation (ihr Antrieb, ihre Bereitschaft) zur Umschulung ist eher gering" (Duden, 2018). Der mögliche dezente Definitionsunterschied, erst von einer Gesamtheit von etwas zu sprechen um dann im Beispiel von einem Antrieb zu sprechen, muss sich nicht ausschließen, wenn damit gemeint ist, dass der Antrieb ebenfalls aus mehreren Beweggründen besteht. Die Deutung, dass die Motivation bzw. der Antrieb als solches zwar nicht teilbar ist, aber die Gründe dazu durchaus manigfaltig sein können, scheint ein akzeptabler Kompromiss bei der Interpretation. Das problematische bei dieser Definition, zum Unterschied der beiden vorigen ist, dass hier die Beweggründe mit der Motivation gleichgesetzt werden, während davor noch von den Faktoren die Rede ist, welche die Motivation anregen. In der zweiten Definition ist von den Faktoren die Rede, auf denen die Motivation beruht, was im Grunde die selbe Unterteilung ist. Da alle Faktoren nicht auch gleich ein und die selbe Handlungsbereitschaft sein können, sondern nur die vorgeschaltete Ursache für die Wirkung, muss hier beides differenziert werden. Die Motivation ist demnach zuersteinmal eine Handlungsbereitschaft, eine positive innere Unterstützung der aktiven äußeren Handlung.

Für eine Erarbeitung eines zusammenhängenden und aus der Literatur gewonnenen Gesamtbildes der Motivation und deren direkter Einflussgrößen, wird zur besseren Verständlichkeit eine (mit den Schritten wachsende) Grafik erstellt.

Als nächstes folgt eine Definitionen, welche noch unsauberer formuliert wurden: Auf der Seite des Onlinelexikons der Psychologie Dorsch, steht folgende Definition zu Motiv: "Motiv (lat. Movere: bewegen) latente Bewertungsdisposition für Ziele und für Situationsmerkmale, die eine Zielerreichung oder Zielverfehlung erwarten lassen. Motive beziehen sich auf Inhaltsklassen von Zielen. Sie werden als organismusseitiges Bestimmungsstück der Motivation und somit als innere Ursache des Verhaltens angesehen. Sie haben konzeptuell Ähnlichkeit mit Instinkten, Bedürfnissen und Trieben..." (Dorsch, 2018). In dieser Definition wird klar unterschieden zwischen Motivation und Motiv. Allerdings verwirrt die Äußerung, dass Motive Ähnlichkeiten mit Instinkten und Trieben haben sollen. Instinkte (vermutlich angelehnt aus der Tierkonditionierung) sind eine unterbewusste "Stimme" die auf Erfahrungen und Gefühl basiert und gewissermaßen einer "Ahnung" gleichkommt. Menschen nutzen sie, wenn eine Situation schwer oder nicht kognitiv beurteilt und abgeschätzt werden kann, etwa bei einer Heuristik. Es wäre somit ein motivationsbeeinflussender Aspekt und nicht die Motivation oder gar das Motiv selbst. Und Triebe sind Spannungszustände die ausgeglichen werden wollen (Freud, 1915). Da ein Ziel nicht auch gleichzeitig die Bewegung zum Ziel sein kann, muss hier exakter differenziert werden. Bei den Motiven ist die Rede, dass ein "organismusseitiges Bestimmungsstück der Motivation" existiert (Dorsch, 2018), welches als innere Ursache des Verhaltens angesehen wird. Hier muss jedoch deutlich differenziert werden. Wenn man etwa von einem Teenager hört oder liest, der seine Familie umgebracht hat, hört oder liest man auch gleichzeitig meist von möglichen Gründen für diese Tat. Hier wird deutlich, dass das Motiv durchaus der Hass auf die Familie, jedoch der Beweggrund etwa ein psychisches Problem sein kann. Meist sind die Beweggründe Gegenstand der Psychologie und liegen selbst für den Betroffenen im Dunkel. Das Motiv gehört vielleicht innerhalb eines Handlungszyklus mit den Beweggründen zusammen, jedoch sind es unterschiedliche Faktoren die zu unterscheiden sind. Wenn das Motiv das Ziel ist, welches man sich herbeisehnt, was es zu erreichen gilt, und die Beweggründe für die Handlung die Ursache sind, dann ist beides deutlich zu trennen. Dieser Punkt wird zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gesamtmodell der Motivation Teil 2 (Eigene Darstellung).

Dass die Motivation die Handlungsbereitschaft ist, kommt auch aus der Forschung der Tierversuche (Gattermann, 1993). Hier sah man es so, dass etwa durch Konditionierung, die Bereitschaft zur Handlung erreicht wurde, was man mit Motivation gleich gesetzt hat.

Die Motivation ist demnach die innere Handlungsbereitschaft, welche die äußere Handlung supportet, dadurch, dass die Motivation viel oder wenig Energie in die Handlung leitet. Dabei wird die Energie oder Kraft eines Lebewesen in die Handlung gelenkt. Die Motivation bestimmt wie viel Energie/ Kraft dazu abgerufen wird. Es geht hierbei darum, ein Ziel (das Motiv) zu erreichen. Wurde das Ziel (das Motiv) erreicht, endet die Motivation weil die Handlung endet.

Das Motiv (das zu erreichende Ziel) ist immer etwas noch rein hypothetisches bis zur Erreichung. Das Brot, das wir essen wollen sehen wir zwar, aber es geht ja um das Essen, nicht um das Sehen. Daher ist das Brot im Mund noch etwas nicht existentes, hypothetisches.

Dieser (bisherige) Vorgang sollte noch an 2 praktischen Beispielen aufgezeigt werden.

Beispiel a) Jemand möchte einen 100 Meter Sprint bei der Olympiade gewinnen (Motiv). Die Motivation, ist dann das maximale Energiegeben in das Laufen selbst.

Beispiel b) Eine Frau arbeitet in einer Firma als Hilfsarbeiterin. Sie macht dies um ihren Lebensunterhalt (Geld) zu verdienen (Motiv). Die Motivation wird erstellt, durch das schnelle Erledigen der Arbeit.

Was geschieht nun wenn das Motiv/ Ziel erreicht wurde?

a) Wenn der Läufer ins Ziel eingelaufen ist, fällt jegliche Anspannung ab. Es ist nicht mehr nötig Motivation auszubauen für den Lauf, da das Ziel erreicht wurde. Je nach Erfolg, ist der Läufer zufrieden.
b) Wenn die Arbeitszeit zu Ende ist, fällt jegliche Anspannung darüber ab. Bei guter Leistung stellt sich Zufriedenheit ein.

Mit Erfolg ist hier gemeint, ob eine Erwartung erfüllt oder gar übertroffen wurde.

Um der Dimension der Ursache nochmals etwas vorzugreifen, sei hier noch hingewiesen, was mögliche Ursachen für beide Beispiele sein könnten. Die Arbeiterin könnte Existenzängste als Ursache haben und der Läufer den Wunsch nach Anerkennung/ Ruhm. Dies ist nicht mit dem Motiv zu verwechseln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Gesamtmodell der Motivation Teil 3 (Eigene Darstellung).

3. Evolutionspsychologische Herleitung der Motivation

Um Motivation, Motiv, weitere einflussnehmenden Größen, sowie den Mechanismus im Kontext umfassend darzustellen, in der steigenden Abstraktheit der evolutionären Entwicklung des Lebens bis zum Mensch, ist es sinnvoll, den Begriff an verschiedenen Stationen der Entwicklung des Lebens zu reflektieren. Das Herausarbeiten des Begriffs in seiner ganzen Komplexität, ist unter anderem wichtig, für spätere Abgrenzungen und Zuordnungen. Ebenfalls ermöglicht es ein Erarbeiten einer vereinheitlichten Motivationstheorie aus den bestehenden, woraus schließlich die "Lücke" sichtbar wird. Genaugenommen werden mehrere Lücken hervortreten.

3.1. Bei ersten Lebewesen

Die Entstehung der ersten Lebensformen, war wohl ungefähr 800 Millionen Jahre nach Entstehung der Erde (Dood, Papineau, 2017). Die Existenz der ersten Einzeller, vermutlich aus Aminosäuren ist nicht abschließend geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass die erste wirkliche Lebensform Cyanobakterien waren. Die ersten Mehrzeller (die es noch immer gibt) wandeln Sonnenlicht in Sauerstoff um, betreiben Photosynthese. Um produktiver zu sein, haben sie gelernt, sich in Kollonien, bekannt als Blaualgen, zusammenzuschließen. Da es am Anfang des Lebens (vor ca. 3,5 bis 2,4 Milliarden Jahre), nur sehr primitive Mehrzeller gab, geschah vor 2,4 bis 2,5 Milliarden Jahren etwas sehr interessantes. Wie Wissenschaftler der Uni Zürich herausfanden, produzierten Cyanobakterien so viel Sauerstoff, dass praktisch alle anderen Lebensformen ausgerottet wurden. Die freien Nischen, besetzten dann Mutationen von Cyanobakterien (Schirrmeister, 2013). Es ist ebenfalls noch wichtig zu erwähnen, dass die Evolution, immer in Freiräume drängt, da Wachstum (der gleichzusetzen ist mit Evolution) ein wesentlicher Bestandteil des Lebens ist (Dörken, 2003).

Dies führt zu folgender Zusammenfassung, womit der Bogen zur Motivation geschlagen wird: die ersten mehrzelligen Lebewesen, taten in erster Linie nichts anderes, als eine Energieform umzuwandeln und dafür ein Abfallprodukt abzugeben. Gewissermaßen könnte man sagen, sie "aßen" die Sonnenstrahlen (und Stickstoff und Phosphor) und "schieden" Sauerstoff aus. Diese Umwandlung (oder Transformation) von Energie, ist die Basis einer jeden Lebensform um lebensfähig sein zu können. Ein Merkmal, welches jedes Lebewesen hat. Jedes Lebewesen muss irgendeine Form von Energie für sich erzeugen, bzw. umwandeln (verstoffwechseln), um tätig sein zu können, um sich bewegen zu können. Diese Bewegung, dient wiederum in erster Linie der Erzeugung von Energie. Durch Bildung von Kollonien, wird eine Art Zusammenschluss erreicht, was ein gemeinsames Ziel effektiver erreichen will. Dies hat -mit Blick auf die Fortpflanzung- den Sinn, die Umwelt zu dominieren, was wiederum den Grund hat, ohne Konkurrenz die eigene Energieumwandlung sicherzustellen. Konkurrenz bedeutet die Möglichkeit verdrängt zu werden, was im schlimmsten Fall bedeuten kann, dass die Art ausstirbt (Darwin, 1860). Genaugenommen, sind dies alles existenzielle "Bewegungen", Tätigkeiten, die dem Überleben dienen. Diese Lebensformen, sind demnach gewissermaßen motiviert, effektiver zu arbeiten, durch den Zusammenschluss von Kollonien. Ebenfalls sind sie motiviert, die Umwandlung des Sonnenlichts zu betreiben, um überhaupt die Wahl einer Bewegung zu haben, sich grundsätzlich bewegen zu können.

3.2. Bei Tieren

Tiere haben einen entwickelteren Organismus (als etwa Pflanzen), wo sich das Festgestellte jedoch genauso gut finden lässt, natürlich in einer komplexeren Dimension. Die meisten Tiere sind die meiste Zeit damit beschäftigt, Nahrung zu suchen und zu sich zu nehmen. Es gibt viele Tierarten, die sich zu Gruppen zusammengeschlossen haben, um ihre Effizienz bei der Nahrungsbeschaffung und/oder Überlebenswahrscheinlichkeit gegen Fressfeinde zu erhöhen oder sich vor Kälte zu schützen. Auch wenn es in erster Linie immer ums Überleben geht, die Gewährleistung der Existenz, kann man bei den höchst entwickelten Tierarten, wie den Affenarten, bereits soziale Interaktionen erkennen, die scheinbar nicht mehr nur das Überleben betreffen. Wir haben auch hier in erster Linie wieder Motivationen, sich zu bewegen um eine Energieform zu sich zu nehmen, welche zu Bewegungsenergie umgewandelt werden kann. Auch hier haben wir wieder den Grund des Wachstums, genauso wie den Grund der Dominanz um sich stärker ausbreiten zu können, um andere Konkurrenten zu verdrängen (vor allem bei Nahrungsmittelknappheit). Doch wie bei anderen Zusammenschlüssen anderer Lebensformen, Pflanzen- und Tierarten, haben wir die Toleranz der Gruppenzugehörigen, sozusagen als "Regel", andere in der Gruppe zu tolerieren. Dieses soziale Verhalten in einer Gruppe, beruht nach Experimenten von Harry Harlow (auch) auf der Liebe, die Lebewesen im Baby- und Kindsalter von ihrer Mutter bekommen (Harlow, 1961). Demnach scheint ein soziales Lebewesen, erst dann fähig zu sein, auch sozial interagieren zu können. Es gibt hier jedoch einige Ausnahmen bei Fleischfressern, die alleine bereits sehr erfolgreiche Jäger sind und daher keine Hilfe von anderen benötigen, zudem könnten mangelnde Nahrungsmittel dazu beitragen, ein Einzelgänger zu werden oder die Gruppe klein zu halten. Doch dies scheinen eher Ausnahmen zu sein, in den meisten Fällen bevorzugen Tiere die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, welche stark abhängig zu sein scheint, von einer Rangfolge der Mitglieder.

Die sozialen Prozessen, die auf Bindungen beruhen, wobei sich Mitglieder der Gruppe aus verschiedensten Gründen zusammentun, geht scheinbar bis zu Kleinstlebewesen, mit einem hierarchischen Prozess einher. Dass sich dieser Prozess, der Hierarchiebildung sogar vor der Gruppenbildung ereignet, bzw. existiert, zeigen Experimente wie die von Elizabeth Tibbetts. Sie klebte den Wespen ihre Gesichtsmuster ab, an denen sie normalerweise sofort die Rangordnung ablesen. Durch das Abkleben der Muster beginnen die Wespen unmittelbar gegeneinander zu kämpfen sobald sie aufeinander treffen (Tibbetts, 2004). Auch bei anderen Tierarten kann beobachtet werden, dass ein erstes Zusammentreffen mit der Klärung der Rangordnung zu tun hat, bevor sich das Tier der Gruppe anschließen kann.

Innerhalb, dieser sozialen Prozesse, finden sich auch Tätigkeiten, die scheinbar nichts (oder nicht direkt) etwas mit dem Überleben zu tun haben. Ein Verhalten, das entwickeltere Tierarten scheinbar anstreben, also Motivation zeigen, diesen Zustand zu erreichen und zu pflegen, aber der nichts mit den bisherigen Beobachtungen zu tun haben scheint. Tiere scheinen sich so zu verhalten, weil es ihnen gefällt, weil es ihnen gut tut, weil es ihnen Spaß macht. Ohne dies weiter auszudifferenzieren, können wir ohne Vorbehalte von einer Motivation für Leben sprechen, als klarer Gegenpart zu den Anstrengungen des Überlebenskampfes. Wer könnte widersprechen, dass ein entwickeltes Lebewesen gerne lebt und das damit nicht Überleben gemeint ist? Da man schwerlich beweisen kann, ob dies bei Pflanzen, oder weniger entwickelten Tieren auch so ist, kann auch nicht automatisch davon ausgegangen werden. Es ist möglich, dass dies so ist, jedoch dann vermutlich in einer sehr unbewussten Form, die keine explizite Motivation zu solch einem Zustand entstehen lässt. Zumindest scheint es bei entwickelten Lebewesen, mindestens denen man ein Bewusstsein zuschreibt, so zu sein.

3.3. Beim Menschen

Die Entwicklungsgeschichte der Menschen zeigt eine weitere Steigerung der Abstraktheit der Motivationsformen und verdichtet vieles. Bei den ersten menschlichen Gruppierungen ist es noch relativ einfach, ähnliche Motivationen abzuleiten. Es ging darum, Nahrung zu jagen und zu sammeln, die Gruppe zu schützen vor Kälte, Fressfeinden und möglicherweise anderen feindlichen Gruppen. Vor etwa 70.000 Jahren brachte dann der Ausbruchs eines Indonesischen Supervulkans die Menschheit an den Rand des Aussterbens und vermutlich gelang es alleine durch Kooperation und Zusammenarbeit, dass wir überlebten (Ambose, 1998). Der Zusammenhalt, das Zusammenarbeiten in der Gruppe, stellte vermutlich lange einen großen überlebenswichtigen Aspekt dar. Die Motivation so vorzugehen, ist auch hier ganz eindeutig existentieller Natur, die höhere Überlebenschance. Der Ackerbau und der Bau von Häusern und somit die Erfindung der Zivilisation, brachte weitere Vorteile, da hiermit eine größere Anzahl von Kräften dazu beitragen konnten, dass die Gruppe überlebt, bzw. dominanter wird, leichter an Energieformen (Ressourcen) gelangt, welche zur Energiegewinnung benötigt werden. Man könnte auch sagen, durch mehr Dominanz eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit zu erreichen, was bedeutet, dass der Wohlstand steigt und der Kampf ums Überleben gemindert wird. Und hier wird es dann komplizierter, eine einfachere Determination, was Motivation und Motiv ist, zu finden. Der Grad der Abstraktheit steigt immer weiter, und welche Handlungen nun dem Überleben entspringen oder dem Leben, treten oft nicht deutlich hervor. Sehen wir uns die heutige Menschheit an, dann ist unsere Dominanz unbestritten. Wir haben einen Zustand von hohem Wohlstand erreicht in einigen westlichen Ländern. Wir benötigen nicht mehr viel Bewegung um Nahrung zu finden, um "freie Bewegung" zu haben, was man etwa mit mehr Möglichkeiten der Entfaltung interpretieren könnte. Geld als Wert für Arbeit, der externalisiert wurde, ist als Synonym für den Oberbegriff dessen, was wir Energie nennen (besitzen wollen), erfunden worden. Dies alleine ist eine große Abstraktheit dieser Prozesse der Motivation und Motive. Geld ist gewissermaßen ein (oder das) oberes Motiv geworden und das Erreichen von viel Geld vergleichbar mit dem Jagen nach Tieren oder Sammeln von Pflanzen. Gewissermaßen kann man sich zu einem Teil Gesundheit mit Geld kaufen, kann sich (zu einem gewissen Teil) Glück mit Geld kaufen, da es einfacher ist, ein schönes Heim zu haben um eine Familie zu gründen und es soll vorgekommen sein, dass man mit Geld leichter einen adäquaten Partner für die Familiengründung findet. Geld ist damit stellvertretend für Kämpfe um die besten Stücke, es definiert die Hierarchie neu, ohne Gewalt anwenden zu müssen. Nicht mehr der Stärkste steht ganz oben, sondern der mit dem meisten Geld. Selbstverständlich birgt diese Abstraktion der Arbeitsleistung eine Verzerrung der ursprünglichen Idee, was jedoch nicht Thema dieser Arbeit ist, allerdings soll festgehalten werden, dass durch solche Regelungen, Geld einzuführen um den Kampf um Ressourcen anders zu entscheiden, eine weitere Entwicklung ist, der ebenfalls einer Motivation und einem Motiv folgen muss. In Gesellschaften, die einen Punkt des Wohlstandes erreicht haben, in denen die Zeit und Energie nicht weiter mit Arbeit für Nahrung, bzw. das Überleben aufgewendet werden muss, entwickeln sich wissenschaftliche Interessen, das Nachsinnen über sich selbst, das Bedürfniss nach Wissen, wer wir sind und wohin wir gehen, Kultur und Kunst entstehen in günstigen Bedingungen. Ein mögliches neues Motiv, wenn man so will, und eine neuartige Motivation, welch völlig neue Ziele verfolgt, die auch mit Geld nicht groß zu interagieren scheint. Man könnte es auch eine Evolution des Geistes nennen, was ein Selbstverständnis (und somit "neuartige" Motivationen) erst möglich macht (Dux, 2017). Die Prozesse des Überlebens wurden so weit verkünstelt, dass daraus ein System wurde, dass ungewollte Prozesse, wie Problemlösungen durch Gewalt, vermieden und allerlei Probleme des Zusammenlebens, so geregelt wurden, dass sie zu einem Großteil kontrolliert werden können. Dies birgt eine Vielzahl von Unvorhersehbarkeiten, welche bisher immer wieder ein großes Maß an Anpassung erforderte. Dies wiederum betrifft die Motivation nach Überleben. Durch das Bestreben aller Lebewesen, den Kampf ums Überleben so zu dominieren, dass hierbei keine Motivation mehr nötig ist, kann davon ausgegangen werden, dass dies ebenso ist in unserer jetzigen menschlichen Gesellschaft. Evolutionspsychologisch spricht man von Selektion. Die Natur wird, weil man Änderungen wünscht, so verändert, dass sich die Prozesse des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens verändern und durch den Grad der Abstraktion, kaum mehr als solche wahrgenommen werden können, da sich alles zu vermischen scheint. Dies bedeutet auch für die Gründe der Motivation veränderte Wahrnehmungen. Wenn die natürliche Selektion bedeutet, dass die besten Gene sich durchsetzen, weil sie am leichtesten überleben, dann wird dies in unserem System nun verzerrt, z. B. durch die Attribute des Geldes. Das bedeutet nun, dass innerhalb dieses Systems, jemand mit viel Geld, leichter überlebt. Der Grundbeweggrund der Motivation mag gleichbleiben, aber wie die Motivation dann Anwendung findet, ist kaum mehr als solch ein natürlicher Grund auszumachen, was das Ganze schwieriger macht zu identifizieren. Dennoch bleibt die Frage, ob eine solche Entwicklung letztlich immer eine gewisse Notwendigkeit ist, da sich durch die Entwicklung der Gesellschaft die Abstraktheit steigert und somit ständig neue Nischen entstehen (altes, das sich nicht mit anpasst geht unter), so könnte es vielleicht sogar keine Alternative zu dieser Entwicklung geben. Denn wenn in der sich ständig ändernden Welt unserer Gesellschaft, Anpassung eines der wichtigsten Eigenschaften für einen Mensch sind, dann scheint dies nicht zu weit entfernt zu sein, von der Natur. Für die Motivation bedeutet dies, dass derjenige erfolgreicher ist im Überleben, der motivierter ist, die kommenden und neuen Veränderungen zu erkennen, zu tolerieren und zu integrieren, bzw. so darauf zu reagieren, dass derjenige einen Vorteil daraus erfährt. Metaphorisch interpretiert, könnte man sich vorstellen, beim surfen auf Wellen, motiviert zu sein nicht vom Brett zu fallen, wenn man von einer abebbenden auf eine anwachsende Welle wechselt. Dies erinnert wiederum an die ständige Problematik von Firmen, sich immer wieder verändernden Marktsituationen anzupassen. Die Quintessenz der Problematik, dass einfacheres Überleben scheinbar eine Verschlechterung der Lebensqualität beinhaltet, mag nur so wirken. Es scheint demnach eher plausibel, dass sich das System so lange ändert, so lange anpassen muss, bis in beiden Bereichen Zufriedenheit erreicht wurde, was wiederum konform mit der Motivations-Motiv-Aussage einher ging.

Das nächste, was noch zu erwähnen ist, ist das Konzept einer Hierarchie, um damit einen evolutionären Vorteil zu erlangen, bzw. die Kräfte zu bündeln, um effektiver vorzugehen und somit das Überleben der Gruppe besser sichern zu können. Die Erfindung der Hierarchie ist vermutlich ebenfalls eine ausgesprochen wichtige, gewissermaßen eine Bündelung der Transformation. Wenn grundsätzlich jeder macht, was er so macht, dann dient das noch keinem gemeinschaftlichen Sinn, auch keiner effektiveren Sicherstellung des Überlebens oder gar einer Dominanz, sondern nur einer Verknappung der Ressourcen. Nur durch Vermehrung wird keine Dominanz hergerstellt, im Gegenteil sogar, wie man in der Natur sehen kann. Eine hierarchische Ordnung, kann man bei Tieren genau so wie bei ersten Menschengruppen sehen. Sieht man sich bei Tieren und Menschen an, was eine Hierarchie bewirkt, so bemerkt man, dass es die Tätigkeiten der Menschen unter dem Anführer erhöht, und auf bestimmte Gebiete lenkt. Heute nennt man das Spezialisierung. Sind diese beiden Argumente ( Erhöhung & Lenkung) in einer Hierarchie nicht stark ausgeprägt, so besitzt ein/e Anführer/Anführerin zumindest immer die meiste Erfahrung, was ebenfalls dem Überleben der Gruppe dient. Ein/e Anführer/in hat meist einen Vorteil an Fähigkeiten (meist auch an Wissen), und lenkt die Aktivitäten der Gruppe so, dass sie effektiver sind, Energie zu transformieren und sicher gestellt wird, dass die Gruppe in Zukunft noch einfacher Energie transformieren kann. Für den Einzelnen, den Machtmotivierten, bedeutet das, auf sich selbst bezogen, das selbe, er ist dominant, weil er sich Vorteile von Ressourcen verschaffen will (Heckhausen, 2018).

Das, was wir jedoch nicht bei Tieren antreffen, und scheinbar den menschlichen Gesellschaften vorbehalten bleibt, ist die Schaffung von Werten, woraus wir fähig sind, Regeln für die Gemeinschaft abzuleiten. Die Erfindung von Religionen ist hierbei ein Meilenstein. Die Forscherin Inna Wunn sieht die evolutionäre Entwicklung der Religionen in engem Zusammenhang mit den Sozialstrukturen (Wunn, 2017). Das Zusammenleben wird dadurch offensichtlich positiv beeinflusst, was im Kontext eines reibungsloseren Miteinanders verstanden werden muss. Dies weiter aus zu differenzieren, und der Frage nachzugehen, welche Religionen nun effektiver den Wohlstand fördern -wenn dies die Quintessenz eines jeden sozialen Konzeptes ist- und worin die Unterschiede liegen, ist jedoch nicht Bestandteil dieser Arbeit. Es geht nur darum zu zeigen, in welche Richtungen sich die Entwicklungsgeschichte der Menschen bewegt hat, und was dies mit Motivation zu tun hat. Auch hierbei kann festgehalten werden, dass die Erfindung der Religionen, bzw. die Erfindung von Werten, das Motiv haben muss, die Energietransformation besser sicher zu stellen und den Aufwand zu veringern, also den Wohlstand zu fördern und das Überleben sicher zu stellen. Der Historiker Yuval Harari hat dies gut erklärt. Nach seiner Forschung, gab es vor etwa 70.000 Jahren eine kognitive Revolution, welche die Sprache hervorbrachte, die wiederum auch möglich machte, dass sich Mystisches, Märchen und Ideale entwickelten, welche erste Formen von Religionen oder Glaubensanschauungen waren (Harary, 2015). Die Abstrahierung davon, ist dann vermutlich die Politik, welche Werte und Regeln definiert, mit dem Primärziel der Wohlstandsmaximierung (primär all derer, die zum Gelingen des Systems beitragen).

3.4. Zusammenfassung

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass bei allen Lebensformen, eine Motivation nach dem Finden und zu sich nehmen, geeigneter Energieformen, besteht (Transformation), sowie die Motivation, dies sicherzustellen durch Steigerung der eigenen Dominanz, was Konkurrenten verdrängen soll (und damit die eigene Überlebens-"Sicherheit" maximieren soll), entweder durch eigene Ausbreitung und Wachstum, oder durch Zusammenschluss einer Gruppe die versucht, dominant zu werden, durch Hierarchie effizienter ist. Es mag transformelle Prozesse geben, Arbeiten vollbracht werden, die nicht existenzieller Natur sind, sondern aus Lust und Freude daran. Dies zeigt vermutlich, dass es zwar solch eine Entwicklungsrichtung gibt, da das eine vermutlich auf das andere aufbaut, aber ab einem gewissen Punkt, an dem Überleben endet und Leben beginnt, möglicherweise die selben Formen annimmt, nur ohne Zwang und Kampf, sondern geprägt durch Spiel und Lust, etwa Kunst, Kultur und Sport.

Die Handlungen (die Motivationen) welche dorthin führen sollen, sind zum einen Nahrungsaufnahme (und der Kampf darum) sowie zum anderen die Steigerung (Ausbreitung) der Dominanz (und der Kampf darum). Werkzeuge, die diesen Motivationen entsprechen und darüber entscheiden ob die Lebensform erfolgreich ist oder nicht (überlebt oder nicht), sind demnach etwa die Strategien der Anpassung, bzw. das Ausbilden eines evolutionären Vorteils (Wrede, 2012). Den Vorteil haben wir durch eine erfolgreiche Hierarchie, indem die Gruppe effektiver ist bei der Nahrungssuche und daher weniger Zeit dafür in Anspruch nimmt und so andere Punkte entwickeln kann. Dies ist auch ein Sicherheitsaspekt, da das Überleben der meisten (oder aller) Gruppenmitglieder einfacher wird. Es bleibt noch zu erwähnen, dass diese Vorteile, welche die Gruppe hat, auch für den gelten, der die Macht hat. Durch die Dominanz hat derjenige nicht nur mehr Ressourcen zur Verfügung sondern in den meisten Tiergruppen auch das Vorrecht bei der Fortpflanzung (in patriarchaischen Hierarchien). Wir haben demnach zuerst eine Transformation, von Nahrungsumwandlung in Bewegungsenergie. Dem folgt scheinbar die Hierarchie vor dem Zusammenschluss der Gruppenmitglieder. Das würde bedeuten, dass aus einem losen Zusammenschluss von Wesen gleicher Art, einer hervortritt und beginnt, die Transformation zu koordinieren. Dies hat dann zur Folge, dass sich in dieser Hierarchie Grüppchen bilden, welche versuchen, hierin Bindungen einzugehen, zwecks Arbeitsteilung. So kann man dies etwa auch bei unseren nächsten Verwandten sehen, den Schimpansen (Max-Planck-Gesellschaft, 2018) oder bei Bonobos, auch wenn die Hierarchiekonzepte unter den Menschenaffen sehr unterschiedlich geprägt sind. Die Antropologen Brian Hare und Christopher Krupenye von der Duke Universität in Durham, fanden interessante Parallelen zwischen dem Sozialverhalten von Bonobos und Menschen. Die Forscher schlussfolgerten hierbei, dass es die Kooperativität, das Sozialverhalten, dass auf Helfer setzt, uns Menschen so erfolgreich machte (Krupenye, 2018). Dies ist demnach ein hervortretendes Merkmal oder Motiv des Zusammenschließens, welcher letztlich Arbeitsteilung und somit effektiveres Arbeiten erst ermöglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Zusammenführung der Entwicklungsgruppen, der Motive, der Grundbedürfnisse und Motivatoren – Teil 1 (Eigene Darstellung).

Zusammengefasst ergibt sich folgende Reihenfolge der menschlichen Entwicklung im Bestreben auf ein immer leichteres Leben, was auch eine steigende Sicherheit des Überlebens bedeutet: die Transformation, die Hierarchie, die Kooperation und zuletzt die Werte. Es muss jedoch betont werden, dass sich trotz leichterem Lebens und sichererem Überlebens, die vier Gruppen wahrscheinlich nicht ablösen (ein Problem Maslows), sondern scheinbar immer relevant bleiben (in den Stärken, welche das Individuum für sich entwickelt hat), allerdings in immer spielerischer (abstrakterer) Form, wie etwa in Hobbys, Kunst und Kultur.

4. Neuro-psychologische Grundlagen

Um das Konstrukt der Motivation verstehen zu können, ist es notwendig, neben dem evolutionären Bezug, auch die neuro-biologische Sicht der Psychologie von Motivation zu beleuchten. Dies führt zu einem vollständigeren Bild, um das Thema dann weiter aufarbeiten zu können.

Die Neuropsychologie und die Beginne der Psychologie und Psychiatrie, beschäftigte sich schon seit Beginn des 20. Jahrhundert (und davor) mit den Fragen, wie Handlungen entstehen. Es wurde sich stark darauf konzentriert, den Motivations- und Handlungsprozess, auf die Begriffe Aktivierung und Erregung hin, zu untersuchen. Hierzu gab es Triebtheorien (z. B. Siegmud Freud und Clark Hull), Untersuchungen des Nervensystems (Symphatikus, Parasymphatikus, Etherisches Nervensystem), und Untersuchung des Gehirns (primär Pons, Formatio Reticularis und Medula).

4.1. Das Belohnungssystem

Der Neurologe Kent Berridge, von der Universität von Michigan fand 1996 heraus, dass sich Laborratten nicht mehr um Futter bemühten, wenn man ihnen einen Teil des Gehirns durchtrennte der für die Dopaminzufuhr verantwortlich ist. Die Ratte aßen zwar, wenn man ihnen das Futter direkt auf die Zunge legte, jedoch fehlte ihnen jegliche Motivation danach zu suchen (Berridge, 1996). Dies führt zu der Annahme, dass (auch beim Menschen) im gesamten Kreislauf von Verlangen bis Erfüllung, Dopamin ein bedeutender Faktor ist. Dies könnte so erklärt werden, dass wir uns die Erfüllung – das Erhalten dessen was wir wollen- gewissermaßen durch den Wunsch bereits vorstellen, simmulieren.

Man kann vereinfacht darstellen, dass eine Ausschüttung von Noradrenalin und Adrenalin, einen Bewegungsdrang freisetzen, der im allgemeinen der Motivation entspricht. Dopamin entspricht hierbei dem Hormon, welches das Belohnzentrum aktiviert und der Erreichung des Ziels (des Motivs) entspricht (Liebermann, 2018). Diese Erkenntnis geht konform mit der Ansicht, dass für eine hohe Motivation, auch ein starkes Ziel vor Augen liegen muss.

4.2. Vegetatives Nervensystem

Das vegetatie Nervensystems besteht aus den drei Arten, des Sympathikus, des Parasymphathikus und des entherischen Nervensystems. Der Symphatikus steigert die Aktivität, der Herzschlag beschleunigt sich, der Körper wird für Kampf oder Flucht bereit gemacht. Dies ist vonnöten, wenn wir voll da sein müssen, reagieren müssen, gefährliche Situationen vorhanden sind. Um die drei Arten für die Grafiken einfacher (optisch) abgrenzen zu können, verwenden wir hierzu ein (+), ein (–) und eine (0) die wir den drei Arten zuordnen. Beim Sympathikus geben wir demnach ein (+). Der Parasympathikus hingegen tut genau das Gegenteil. Es fährt runter, beruhigt uns, wir entspannen, hier ordnen wir eine (0) zu, da hier das Energielevel herabgefahren wird. Das entherische Nervensystem kurbelt die Verdauung an, entzieht Nährstoffen die Energie (Witte, 2012). Hier können wir nun ein (–) zuordnen. Wir sehen demnach ein grundsätzliches Muster, das bei diesen Aktivierungen abläuft. Und zwar die Aktivierung der Aggressivität und Kraft durch den Symphatikus, der uns jagen/ kämpfen lässt um Nahrung zu suchen bzw. durchzusetzen, was wir wollen. Haben wir Nahrung gefunden, schaltet sich der Parasympathikus ein und die Anspannung fällt von uns ab, wir entspannen. Dies hält noch längere Zeit, auch nach dem Essen an, denn der Parasympathikus schaltet bereits die Verdauung an (Thews, Vaupel, 1997). Nach dem Essen schaltet sich das entherische Nervensystem ein und wir verdauen die zu uns genommene Nahrung. Nach der Nacht, schaltet sich wieder der Sympathikus ein, denn wir müssen für unser Essen sorgen. Früher durch Jagd, heute durch Arbeit. Es muss erwähnt werden, dass die drei Teile des vegetativen Nervensystems, nicht strikt der Reihe nach funktionieren, sondern alle drei in unterschiedlichen Stärken, zu unterschiedlichen Zeiten. Man kann grob sagen, dass der Sympathikus zwischen 8 Uhr morgens bis 21 Uhr Abends und der Parasympathikus zwischen 21 Uhr bis 8 Uhr dominant ist (Franke-Gricksch, 2016). Zusammengefasst kann gesagt werden, dass wir bei der aktiven Handlung, des Arbeitens bzw. des Nahrungsbeschaffens (Arbeiten ist davon eine Abstraktion) den Sympathikus aktiviert haben, beim Entspannen haben wir den Parasympathikus aktiviert und beim Verdauen, dem eigentlichen Transformieren von Nährstoffen in Energie, ist das entherische Nervensystem aktiviert. Das Ausbleiben von Nährstoffen und somit die Unfähigkeit des entherischen Nervensystems Nahrung zu verdauen, führt zu einem Defizit, welches wiederum die Notwendigkeit von Nahrungsaufnahme wachsen lässt.

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Abbildung 5: Vereinfachte Interpretation des evolutionären Kreislauf des vegetativen Nervensystems (Eigene Darstellung).

4.3. Reticulares Aktivationssystem

Forschungen zeigten, dass die Formatio Reticularis beteiligt ist, an der Erzeugung eines Wachzustandes, der Muskelspannung (Verhaltensbereitschaft), sowie der Verstärkung oder Abschwächung von Impulsen. Dies wird "Retikuläres Aktivationssystem", kurz "RAS" genannt (Hassler, 1971). Bei den Forschungen dieses Aktivationssystems, fand man heraus, dass ein mittleres Aktivationsniveau als optimal erlebt wird. Dies bedeutet, dass Menschen, die zu wenig Stimulation (Reize) irgendeiner Art empfangen, versuchen werden, dies auszugleichen (Heron, 1961). Dies führt bei extrem wenig Reizen sogar dazu, dass nebensächlichste Informationen mit großem Interesse aufgenommen werden, dies erinnert etwas an eine Theorie wie das Imunsystem funktioniert, nachdem dieses ebenfalls immer etwas zu tun haben muss, und bei Unterforderung sich eher Dingen widmet, die es nicht "verdient" haben, bzw. gar keine Bedrohung sind, was dann als Allergie auftritt. Bei zu viel Stimulation (zu viel Reizen), versucht die Person hingegen, Vermeidungsstrategien anzuwenden, um dem zu entgehen. Dies hängt im ersten Fall damit zusammen, dass das Gehirn zu wenig zu tun hat und hier keine gewohnten Aktivitäten mehr ausführen kann, was einem Wunsch nach Aktivierung, einer Bewegung, gegenüber steht. Im zweiten Fall, können die Reize nicht mehr verarbeitet werden, und es kann ebenfalls zu keiner (oder eingeschränkter) Handlung kommen (Yerkes & Dobson, 1908). Dies beinhaltet aber auch die Erkenntnis, dass sehr einfache Arbeiten ein höheres Erregungsniveau benötigen und schwierige/ komplexe Aufgaben ein sehr niedriges Erregungsniveau benötigen.

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Abbildung 6: Das Yerkes Dodson Gesetz. (Darstellung von Zimbaro & Gerrig).

Dies deutet darauf hin, dass es sinnvoll ist bei einfacheren Aufgaben, das Erregungsniveau zu erhöhen, etwa durch Musik (Hargreaves, 1999). Die Forscher Wyat und Langon wiesen gar eine Leistungssteigerung von 3 bis 20 % nach, wenn man bei monotoner Arbeit Musik laufen ließ (Wyatt, 1937). Desweiteren kann aus diesen Erkenntnissen geschlossen werden, dass ein Lebewesen eine gewisse Mindestaktivität hat, bzw. muss das Gehirn ein gewisses Minimum an Reizen bekommen. Dies legt nahe, dass Tätigkeit oder Arbeit als Synonym für Tätigkeit, nicht per se vermieden werden will. Es gibt demnach eine Grundmotivation und Faktoren, welche die Motivation steigern/senken.

4.4. Triebtheorie von Clark Hull und Sigmund Freud

Nach Clark Hull, besteht eine motivationale Handlung, aus den triebhaften Bedürfnissen, welche nicht befriedigt sind. Nach Hull ist somit ein Trieb um so stärker, je länger der Trieb (das Bedürfnis) nicht befriedigt wurde. Hull nimmt wie Freud an, dass sich alles Verhalten aus den Trieben nach Bedürfnisbefriedigung speist (Rudolph, 2003). Man könnte demnach von der Motivation des Existentiellen sprechen oder wie es Freud beschreibt, versucht der Mensch mit seiner Motivation, die Triebspannung zu neutralisieren, in Homöostase zu gelangen. Hull entwickelte auch einen Versuch einer Motivationsformel, welche einzuordnen ist. Nach seiner Idee, multiplizieren sich Trieb und Gewohnheit sowie Anreiz. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Gewohnheit in die Schublade der Konditionierung einzuordnen ist und der Anreiz je nach Verlangen etwas mit Impulskontrolle zu tun hat. Daher ist diese Formel zwar nicht unbedingt falsch, jedoch bei Menschen niemals so einfach überprüfbar, da es verschiedenste Konditionierungen, Verlangen (nicht jeden interessiert der selbe Reiz gleichstark) und unterschiedlich starke Impulskontrollen gibt. Dies ist jedoch etwas vorgegriffen und wird im Laufe der weiteren Ausführungen deutlicher. Mit Ratten funktionierte dies bedingt, leider gab es dann mehrere Stimmen, die andere Punkte aufdeckten, welche diese Formel nicht abdeckten. Eine davon war die Vermeidungsmotivation. Jemand hat demnach keinen Anreiz für ein Ziel, dass er erreichen möchte, sondern etwas sehr unangenehmes, dem er aus dem Weg gehen möchte. Würde man dies mit dem vorangesprochenen Aktivationssystem verbinden, käme man auf die Idee, dass hier keinesfalls ein Widerspruch vorliegen muss, dass beides auf einer Skala liegt. Der Anreiz wäre dann eben nicht positiv, sondern negativ, und die Motivation des Erreichen-wollens, kehrt sich um zu einer Motivation des Vermeiden-wollens. Denn die Vermeidung eines möglichen Schadens/Schmerzes, ist praktisch das selbe, wie das Erreichen eines Vorteils, da bei Vermeidung des Schadens sich der Vorteil zwar offensichtlich nicht geändert hat, jedoch davon ausgehend, dass die Alternative ein Verlust/ Abmilderung eines Vorteils gewesen wäre, ist dies dennoch das Erreichen eines Vorteils. Anders ausgedrückt, wenn jemand motiviert war, einer gefährlichen Situation schnell aus dem Weg zu gehen, die ihn sonst umgebracht hätte, so hat er den Vorteil des Überlebens erreicht. Jedoch wird Hull vermutlich mit Anreiz, etwas extrinsisches wie Geld gemeint haben. So eine Art "Verstärker" der eigentlichen Motivation. Dies könnte ein Interpretationsfehler seiner Arbeit sein, ebenso die nicht berücksichtigten Differenzierungen der vorweggegriffenen Punkte.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass gemeinsam mit den anderen Erkenntnissen, davon ausgegangen werden kann, dass unsere Motivation, verschiedene Ungleichgewichte (Bedürfnisse) auszugleichen sucht, um Homöostase zu erreichen, was sich grundsätlich nicht mit dem/einem existentiellen Motiv widerspricht. Auch Kurt Lewin sah übrigens die Motivation als ein Ausgleichen verschiedener Spannungszustände (Lewin, 1926).

4.5. Konfliktmodell von Miller und Lewin

Miller fand heraus, dass es erlernbare, sogenannte sekundäre Triebe gibt, welche nichts mit der Gewohnheit von Hull zu tun haben (Pritz & Stumm, 2000). Primär lag das Augenmerk der Theorie auf Vermeidungssituationen durch den sekundär erlernbaren Trieb der Angst. Hierzu wurden etwa Beispiele genannt wie folgendes: ein Kind hat Angst eine Ziege zu streicheln. Leider wird in seiner Arbeit nicht differenziert, zwischen dem Grund der Angst, welches als eigener Grund betrachtet, dann nicht vergleichbar wäre mit seiner Monokausalitätserklärung. Wenn ein Kind Angst hat sich einer Ziege zu nähern, resultiert dies daraus, dass das Kind nicht abschätzen kann, ob dies eine unangenehme Reaktion der Ziege zur Folge hat, welche natürlich vermieden werden soll. Daher das natürliche Zögern. Lewin zieht dieses "Unvermögen eine Lösung zu finden" (wie er es beschreibt) einzig aus dem Verhältnis zwischen Neugier und Angst. Dies ist jedoch nicht pauschalisierbar, etwa mit einer existentiellen Angst, oder Angst vor Schmerzen/Schädigung die man nicht vermeiden kann. Verknüpft man dies mit dem RAS, könnte man geneigt sein anzunehmen, dass Reizen zu folgen, ein Grundvorgang des Gehirns ist, da ja das Ausbleiben von Reizen (siehe Kapitel: Neuro-psychologische Grundlagen: Reticulares Aktivationssystem) große Probleme verursacht. Neugier scheint demnach etwas zu sein, was das Gehirn zum Funktionieren benötigt. Demgegenüber steht Angst, als eine Verunsicherung der Einschätzung eines Zustandes, wenn wir nicht einschätzen können, was uns erwartet, und es im Bereich des möglichen liegt, dass wir uns verletzen oder Schaden nehmen. Es scheint fast, wie eine Simulation eines möglichen Zustandes der Zukunft zu sein, den das Gehirn projeziert. Aufhin einer solchen möglichen Befürchtung, kann Angst empfunden werden, bevor überhaupt etwas geschehen ist, nur auf die hypothetische Möglichkeit hin (Berzewski, 1996). Das Muster scheint das selbe zu sein, wie es beschrieben wurde, mit der Vorstellung, ein Brot zu essen, beim hypothetischen Motiv. Wir müssen zumindest grob abschätzen können, was uns erwartet, es muss eine gewisse Kontrollierbarkeit der Situation herrschen, damit wir frei agieren können (Kuhl, 1983). Dennoch kann man Angst viel einfacher definieren, was die Definition von Lewin scheinbar inkorrekt, da zu einseitig, macht. Angst wäre nach diesen Erkenntnissen schlicht und einfach, das (hypothetische und mögliche) Erwarten eines Nachteils (einer Schädigung), eines Moments, der dem Erhofften (Vorteil) entgegensteht, wie dem Vorteil, das weiche Ziegenfell zu streicheln. Der Vorteil kann auch schlicht und einfach darin bestehen, den Zustand so wie er ist, beibehalten zu können, in einer reelen, gefährlichen Situation, einer Form des Schmerzes, im Gegensatz zur Lust als Begriff dessen, was wir wollen. Demnach gäbe es mindestens zwei Formen der Angst, eine vor einem Schmerz (Schmerz als Inbegriff für Misserfolg) der abwendbar ist und einer weiteren in dem der Schmerz nicht abwendbar wäre und wir hindurch müssten, wie etwa durch unangenehme Aufgaben, die erfüllt werden müssen, denen man sich stellen muss, keine Flucht möglich oder sinnvoll ist.

Da Hulls erfolgreiche Rattenexperimente an Menschen so nicht validiert werden konnten, wurden umfangreichere Erklärungsansätze wie die von Miller und Lewin bevorzugt. Warum stockten Hulls Experimente? Ein Problem bestand darin, dass davon ausgegangen wurde, dass die Triebe untereinander austauschbar sind, da der Triebwert bei Hull ein einziger war, der schlicht multipliziert wurde. Daher ging man dazu über, für jeden Trieb (gewissermaßen auch für jedes Bedürfnis), eine eigene Motivation zu kreieren. Doch wenn man davon ausgeht, dass jeder Trieb (oder jedes Bedürfnis) aus dem existentiellen Überleben oder dem Leben hervorgeht, man jeden Trieb zusammenfassen würde als Vorteil, könnte man womöglich, diese beiden Triebe (Überleben und Leben), als Quelle aller Motivation annehmen. Selbst diese beiden Begriffe können zu einem zusammengefasst werden, nämlich dem Trieb, zu existieren, was Hulls Ausgangslage möglicherweise stärkt. Was relativ konform, mit Sigmund Freud ist. Durch eine steigende Abstraktheit dieses (möglichen) Existenztriebes können wir zumindest drei antreibende Kräfte ausmachen, die drei verschiedene Formen eines Existenztriebes, sein könnten. Es ist wohl vergleichbar mit der Teilchenphysik. Hier können wir sehen, dass sich aus einer Hand voll Elementarteilchen das gesamte Universum inklusive aller phyiklaischen Gesetze determinieren. Oder man könnte es noch analogisch mit den Farben vergleichen. Magentha, Cyan und Gelb ergeben und entspringen der einzigen Farbe Schwarz wenn es um Körperfarben geht. Bei den Lichtfarben besteht Weiss, aus den drei Farben Rot, Grün und Blau.

Der (-) Faktor ist nach dem erarbeiteten Vorangegangenen das wachsende Bedürfnis, das Defizit, das Anwachsen des Spannungszustandes, das entsteht, wenn wir etwas wollen/benötigen, aber nicht haben. Es entsteht Hunger, oder Begierde, nach etwas das wir wollen/brauchen. Dies kann auch Sicherheit sein, es kann Wohlstand sein, ein Leben in besseren Zuständen etwa. All die Vorteile oder Verbesserungen, die unseren Antrieb anschaltet und unsere Motivation verstärken, dies zu erreichen. Dieser (-)-Trieb scheint gewissermaßen zu "ziehen", während der (+)-Trieb eher "schiebt", wenn man es so vergleichen möchte.

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Abbildung 7: Gesamtmodell der Motivation Teil 4 (Eigene Darstellung).

Da es ein Kreislauf zu sein scheint, könnte erklärt werden, dass wir uns mit einem erreichten Vorteil selten zufrieden geben, sondern nach einiger Zeit versuchen werden den nächst höheren Vorteil zu erreichen. Etwa bei den Lebensumständen. Wenn sich uns die Möglichkeit bietet, unsere Position weiter zu verbessern, werden die meisten sicherlich versuchen, dies zu erreichen, je nach Ausprägung des (0)-Triebes. Diese drei Punkte, Mangel (-), Aktivität (+) und Homöostase (0) könnte man auch in einer Hierarchie abbilden.

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Abbildung 8: Natürliche Hierarchiebildung (Eigene Darstellung).

Diese evidente hierarchische Ordnung der drei mehrfach erarbeiteten Punkte, scheinen auch gleichzeitig ein natürliches Hierarchiekonzept unserer Welt zu sein, an dem wir uns ( und viele, evtl. alle anderen Lebewesen) orientieren, das wir scheinbar immer und überall vorfinden. Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion am Ende der Arbeit mit aufgenommen wird, ist die naheliegende Möglichkeit, dass diese drei Gruppen, gleich den drei Trieben, gleich den drei Teilen des vegetativen Nervensystems (inklusive zusätzlicher Mechanismenteile wie z. B. dem RAS) sind. Dies würde die Theorie, dass jede "Kraft", jede der drei Teile, selbst antreibend wäre, untermauern. Mit dem RAS (+) ist dies bereits scheinbar so, als eine Art Grundmotivation für egal welches Handeln. Ebenfalls die Defizite, Ungleichgewichte und offenen Bedürfnisse (-), die ebenfalls antreibend wirken. So kann z. B. eine Kränkung, ein Verlangen nach Anerkennung, das entstand, weil man glaubt, großartigere Leistungen erbringen zu können als andere, oder eine große Ungerechtigkeit ein großes Defizit herstellen, welches den Betroffenen die Grundlage für sein Ziel und seine Motivation gibt.

Bei der Entspannung, der Zufriedenheit, der Homöostase, dem (0)-Trieb, ist es wohl ebenso, dass dies ein eigenständiger Antrieb ist, da dies zumindest der Zustand ist, der immer angestrebt werden will, die Auflösung des Defizits, der Friede, das Glück wenn man so will. Hierbei könnte man auch eine Analogie zu der Vorstellung des Himmels vieler Religionen einflechten. Da es sich bei der Motivation, den Bedürfnissen, der Handlung (das Verhalten) und den anderen dazugehörigen Teilen dieses Kreislaufs, nur um Teile dieses Kreislaufs handelt, wäre der Überbegriff eines "Triebmodells" oder eines "Handlungsmodells" vermutlich korrekter.

4.6. Problem der zerstreuenden Wissenschaftsrichtungen

Leider geht der Trend weg von den Versuchen, eine einheitliche Motivationstheorie zu determinieren, hin zu einer Zersplitterung einer Vielzahl verschiedenster Theorien. Schlimm dabei ist auch, dass die unterschiedlichen Richtungen sich nicht mehr oder kaum noch austauschen und so kaum der Versuch unternommen wird, alles zusammenzuführen (Funke, 2003). Leider scheint dies ein allgemeines Problem unserer Welt zu sein, das möglicherweise mit dem steigenden Grad der Abstraktion zusammenhängt. Es könnte jedoch nur ein Problem in der Logik der Zuordnung geben, da die Menschen unterschiedlich denken und möglicherweise wenig bereit sind, einen Konsens zu finden, sondern mehr daran interessiert sind, sich selbst in den Vordergrund zu stellen, etwa bei wissenschaftlichen Leistungen. Dies soll bedeuten, dass man etwa nicht zwangsläufig versucht ein Schema zu suchen in denen alle bisherigen Unterteilungen zusammenpassen, sondern nur enthalten sind. Es erinnert etwas an die Situation mit den Religionen. Alle haben einen Gott, der irgendwie das selbe sagt, es geht um das selbe, dennoch sind alle zerstritten und haben unterschiedlichste Auslegungen. Die Wissenschaft sollte solche Zersplitterungen überwinden und im Ideal, des Erwerbs von Wissen, daran arbeiten, selbiges herauszufinden, was nicht mit einer weiteren Zersplitterung konform gehen kann, sondern eine Zusammenführung aller Forschungsarbeiten bedeuten muss.

5. Motivationstheorien

Um nach dem ersten und zweiten Einfühlen in die Thematik, die Semantik des Komplexes weiter abzugrenzen und definieren zu können, ist es nötig, sich mit den wissenschaftlichen Arbeiten über Motivation (und Motive) auseinander zu setzen. Hierzu werden nun viele verschiedene Motivationstheorien und -Modelle vorgestellt, beleuchtet und zusammengefasst. Es werden nur einige für die Studie relevantere Theorien thematisiert, auf welche im Laufe der Arbeit weiter eingegangen wird. Es wird weniger versucht, nach vorhandenen Gruppierungen zu ordnen, sondern nach stattfindenden Abläufen, aufbauend und reflektierend auf bisherigen Erkenntnissen.

5.1. Intrinsisch, Extrinsisch & Selbstbestimmungstheorie

Die beiden Forscher Richard Ryan und Edward Deci entwickelten 2008 (Deci, Ryan, 2008) die sogenannte Selbstbestimmungstheorie. Hierbei ist ein Kern dieser Forschung, die drei postulierten Grundbedürfnisse. Diese sind Kompetenz, Autonomie und soziale Eingebundenheit. Dies besagt nun, dass Menschen (meistens) in eine soziale Gruppe eingebunden sein möchten, eher keine Einzelgänger sind, um Motivation an den Tag zu legen. Dass der Mensch "Kompetenz" benötigt, bedeutet, dass er handlungsfähig sein möchte, um motiviert arbeiten zu können. Kann jemand etwas nicht so gut, so ist er schnell demotiviert. Mit Autonomie ist gemeint, dass jemand nicht unter Kontrolle stehen möchte, sondern mit einer gewissen Selbstständigkeit seine Arbeit verrichten kann. Eine der daraus resultierenden direkten Erkenntnisse von Deci und Ryan ist etwa, dass kontrollierendes Feedback sehr stark demotiviert. Statt dessen ist informelles Feedback nicht demotivierend sondern motivierend (Deci, Ryyan, 1985). Diese drei motivationalen Grundbedürfnisse basieren bereits auf ihrer Entwicklung der intrinsischen und extrinsischen Motivation aus 1985 (Ryan, Deci, 1985). Damit ist grundsätzlich gemeint, dass die Motivatoren (direkte motivierende Ursachen), von innen oder von außen kommen können. Motivation von innen, intrinsische Motivation, sind inneres Wollen, weil man etwa möchte, dass die Arbeit fertig wird oder weil man sich persönlich entwickeln möchte. Externe Motivation (wobei das Motivierende von außen kommt), ist zum Beispiel Geld, Druck vom Vorgesetzten oder Anerkennung. Daraufhin entwickelte John Barbuto einen Fragebogen, womit er 5 extrinsische und intrinsische Motivationen postulierte (Barbuto, 2005). Durch weitere Studien konnte dieses Thema gut validiert und weiter reduziert werden. Waldemar Pelz verfeinerte diese Theorie und teilte dies nun ein in zwei intrinsische und zwei extrinsische Motivationen (Pelz, 2014).

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Abbildung 9: Quellen der intrinsischen und extrinsischen Motivation ( Darstellung von Pelz, W.).

Demnach kann man verschiedenste Bedürfnisse diesen Gruppen zuschreiben. Anerkennung hat dann etwas mit dem extrinsischen Umfeld bei Waldemar Pelz Modell zu tun, und dem Wunsch nach sozialer Eingebundenheit bei den Grundbedürfnissen von Deci und Ryan. Und so lassen sich möglicherweise alle Bedürfnisse einordnen, jedenfalls ist dies die Aussage der Forscher. Natürlich bedeutet dies nicht, dass es nicht noch ein unentdecktes Grundmotiv oder eine unentdeckte Motivation gibt, welche nur nicht häufig auftritt, in diesem Kulturraum. Doch im Kontext des bereits Erarbeiteten, kann man einige fehlende Differenzierungen feststellen, welche das Ganze zwar grundsätzlich nicht falsch darstehen lassen, aber als nicht genügend aufgeschlüsselt um es korrekt einordnen zu können. Motivation an und für sich, ist lediglich eine innere Handlungsbereitschaft. Was uns dazu bewegt, diese innere Bereitschaft zu aktivieren, bzw. zu koppeln mit der äußeren Handlung, hat verschiedenste Gründe, nämlich die, die man in Wladimir Pelz Tabelle sieht. Doch man muss hierbei unterscheiden, zwischen den Arten, wie Motivation beleuchtet wurde. Bei den kognitiven Theorien, wurde unter anderem zwischen unbewusst und bewusst unterschieden, hierbei wird zwischen inrinsisch und extrinsisch unterschieden, was alles in einem anderen Bedeutungsrahmen erscheinen lässt. Es ist nur erklärbar, wenn man die Gebiete zusammenfasst, jedem seine Existenzberechtigung zugesteht und (überlappende) Redundanzen erkennt.

Dies kann einfach angesehen werden, indem man sich überlegt, wo eigentlich eine kognitive Theorie hineinpassen könnte – insofern man nicht von vorneherein ausschließt, dass diese in diesem Zusammenspiel existieren könnten. Es mag zwar so erscheinen, als dass beide Theoriegruppen nicht miteinander harmonieren können und müssen, dennoch ist eine motivierte reele Handlung nicht möglich wenn mehrere unterschiedliche Teile nicht harmoniert zusammenarbeiten würden. Denn etwa ein Weg-Ziel-Modell von Porter (Weinert, 1998), zeigt gewissermaßen einen Kreislauf der Motivation, wobei Belohnungen, Fähigkeiten und Werte benannt werden. Bei Waldemar Pelz widerum liegen schlicht und einfach vier Motivationsarten vor, die aus dem Nichts zu kommen scheinen. Gehen wir davon aus, dass Wladimir Pelz Modell grundsätzlich korrekt ist, so muss es noch eingebunden werden, in ein Gesamtmodell, der Motivation. Davon ausgehend, dass Motivation lediglich die innere Handlungsbereitschaft ist, keine weitere Unterteilung hat, muss man anerkennen, dass die vier Motivationen von Waldemar Pelz damit zu korrespondieren scheinen, bzw. sich letztlich so darstellen. Dies könnte etwa dann der Fall sein, wenn diese vier Gruppen die direkten Einflussgrößen der Motivation sind. Es könnte sich hierbei ein weiteres Problem ergeben, wenn man sich überlegt, dass die innere Handlungsbereitschaft, immer grundsätzlich intrinsisch ist, aus einem Bedürfniss heraus, welche die vier Motivatoren gewissermaßen repräsentieren. Auch wenn z. B. Anerkennung als extrinsisch gekennzeichnet wird, so ist das Bedürfniss von innen heraus aktiv. Jemand, der sich nach Anerkennung sehnt, tut dies nicht aus dem Nichts heraus, dies hat einen psychologischen Grund, etwa durch mangelnde Aufmerksamkeit in der Kindheit (Defizit). Es könnte demnach durchaus sein, dass zuerst der innere Wunsch, bzw. das innere Bedürfnis dvorhanden ist, äußere Anerkennung zu suchen, was dann eher als intrinsisch zu sehen ist (jedenfalls was den Ursprung angeht). Es mag nun so aussehen, dass die extrinsischen Motivatoren die intrinsischen "durchqueren" müssen, ähnlich einer Zollstation. Anders ausgedrückt könnte dies so erscheinen, dass es in erster Linie die intrinsischen Motivatoren gibt und die extrinsischen nach diesen inneren Faktoren ausrichten, ohne hierbei eine Hierarchie erstellen zu wollen.

Wir müssen es noch ein wenig komplizierter machen um die Redundanz und die Passung erkennen zu können und den möglichen Widerspruch auszuräumen. Wenn wir uns den Motivator der Aufgabe, bzw. Leistung ansehen, dann ist dies ja immer eine äußere Aufgabe, etwas das in der Umgebung zu erledigen ist, nichts, das in uns zu erledigen wäre. Dennoch wird dies als intrinsischer Wert gezählt, da die Befragten dies eher so sehen, dass sie es gern machen. Dies schließt nicht aus, dass die Befragten sich über die Differenzierung nicht bewusst sind, oder es sich für sie besser anhört, wenn sie antworten, es mache ihnen Spaß eine Aufgabe zu erledigen, als wenn sie antworten würden, dass sie den "Mist" ja machen müssten, da es sonst keiner macht. Durch das Arrangement mit der härteren Lebenssituation, können möglicherweise selbst unangenehme Arbeiten so gesehen werden, dass sie ihnen Spaß machen. Es wurde diesbezüglich nachgewiesen, dass sich der Mensch zu einem Teil an seine Wunschrealität anpasst, was auch bedeutet, dass er Dinge, die sich nicht vermeiden lassen, irgendwann als nicht mehr so schlimm bis hin zu angenehm empfindet (Cassidy, 2018). Leider steht in der Arbeit von John Barbuto oder Waldemar Pelz zu den fünf, bzw. vier Motivaoren keine solche Differenzierungsmöglichkeit. Ebenso könnte es sich mit den anderen Motivatoren verhalten, etwa mit dem Anreiz. Hierbei gibt es zuerst verschiedene Möglichkeiten, welche äußeren Wertgegenstände jemand möchte. Allgemein ist dies immer etwas, das jemand möchte, um einen Vorteil zu erlangen. Dies kann ein Gegenstand sein, den derjenige zur Aufgabenbewältigung nutzt, um die Aufgabe leichter bewältigen zu können, was jedoch der erste Motivator wäre, oder zu diesem wird. Wenn jemand Geld möchte, so ist dies immer "nur" eine Abstaktheit einer Ware, die jemand möchte, etwa weil er Einfluss oder Status möchte, was wiederum intrinsische Ursachen sind (bzw. der Gruppe der Defizite angehören), die sich jedoch äußerlich zeigen können. Geld ist gewissermaßen eine Gegenleistung für eine Arbeitsleistung. Man erbringt eine Leistung und bekommt dafür einen Gegenwert. Überträgt man dies in seine primitiveren Ursprünge zurück, und betrachtet es mit obigen evolutionspsychologischen Punkten, so stellt sich dies als reines Überleben dar. Jemand leistet etwas, um davon leben zu können. Demnach ist das Geld eigentlich nur eine Abstraktion eines evolutionären und existentiellen Schrittes, der rein intrinsisch liegt. Etwas ganz anderes jedoch ist es, wenn jemand viel mehr davon möchte als er braucht, was auch oft als Sicherheit betrachtet wird, dass sich diejenigen so absichern, gegen jede Katastrophe gewabnet zu sein und dann durch ihr vieles Geld, einen Ressourcenvorteil gegenüber anderen zu haben. Und das möchten nicht wenige solcher Anreizmotivierten nach außenhin zeigen.

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Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
Wissenschaftliche Betrachtung der Motivation und empirische Bestimmung eines Basiswertes der intrinsischen Leistungsmotivation
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
110
Katalognummer
V495330
ISBN (eBook)
9783346003799
ISBN (Buch)
9783346003805
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Motivation, Handlung, Entscheidung
Arbeit zitieren
Alexander Maschke (Autor), 2019, Wissenschaftliche Betrachtung der Motivation und empirische Bestimmung eines Basiswertes der intrinsischen Leistungsmotivation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495330

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