„Es wird Nacht in Zuffenhausen“ titulierte die Welt den drastischen und anhaltenden Produktionsrückgang des traditionellen Automobilherstellers Porsche AG am 04.07.1992. Der renommierte Sportwagenhersteller befand sich seit nunmehr fünf Jahren in einer prekären Wirtschaftslage, in der sich fast alle wesentlichen Kennzahlen negativ entwickelt haben. Dem Unternehmen drohte ein ähnliches Schicksal wie vielen anderen Sportwagenherstellern, nämlich die bevorstehende Übernahme durch einen kapitalstärkeren, globalen Autokonzern. Interesse an „Deutschlands kleinstem Autobauer“ wurden unter anderem den westdeutschen Branchengrößen Daimler-Benz und Volkswagen nachgesagt. Trotz der finanziellen Attraktivität eines Zusammenschlusses versuchte sich die Unternehmensführung um den Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking an einer Bewältigung der Krise, den sogenannten Turnaround, um die Eigenständigkeit auch weiterhin zu bewahren. Nach seinem ersten Amtsjahr resümierte Wiedeking, dass „die ersten Schritte hin zur „lean production“ – zur „schlanken Produktion“ (...) getan wurden“ und gab damit gleichzeitig Einblick über den verfolgten Kurs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Automobilindustrie im Spannungsfeld von Kontinuität und Wandel
3. Theoretischer Bezugsrahmen
3.1 Untersuchungsleitender Forschungsdiskurs
3.2 Das „Produktionsmodell“
4. Der Entwicklungspfad der Porsche AG bis zur Krise
4.1 Von der Konstruktionsberatung zum Sportwagenhersteller
4.2 Die Expansionsphase der Porsche AG 1981-1987
5. Die Unternehmenskrise der Porsche AG
5.1 Krisenverlauf
5.2 Ursachenanalyse
6. Turnaround – Die Einführung der Lean Production
6.1 Restrukurierung der Produktionsorganisation
6.1.1 Dezentralisierung der Produktionsorganisation
6.1.2 Dehierarchisierung und Gruppenarbeit
6.2 Porsche-Verbesserungs-Prozess
6.3 Restrukturierung der Zulieferbeziehungen
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Unternehmenskrise der Porsche AG in den 1980er Jahren und die darauffolgenden Sanierungsmaßnahmen, um aufzuzeigen, wie das Unternehmen durch die Einführung der Lean Production und eine umfassende strategische Neuausrichtung einen nachhaltigen Turnaround erreichen konnte.
- Analyse des Krisenverlaufs und der Ursachen der wirtschaftlichen Schieflage.
- Untersuchung der strukturellen und organisatorischen Veränderungen bei Porsche.
- Evaluation des Einflusses der Lean Production auf Produktionsprozesse.
- Betrachtung der Rolle der Zulieferer und des Porsche-Verbesserungs-Prozesses (PVP).
- Einordnung der Unternehmensentwicklung in den Kontext der Automobilindustrie.
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Expansionsphase der Porsche AG 1981-1987
Unter Peter Schutz als Vorstandsvorsitzenden im Zeitraum 1981-1987 verzeichnete der Sportwagenhersteller seine erfolgsreichste Wachstumsphase der kurzen Unternehmensgeschichte. Die Zahlenbeispiele in seinen ersten vier Amtsjahren sind beeindruckend. Eine Verdreifachung des Umsatzes, eine annähernde Verdopplung der Mitarbeiterzahl und Jahresüberschüsse im Schnitt von 80 Millionen DM konnten durch eine konsequente Erhöhung des Produktionsausstoßes von 33.000 in 1981 auf über 53.000 Stückzahlen in 1986 erzielt werden.
An der raschen Expansionsphase hatte die äußerst positive Marktaufnahme des neusten Sportwagens im Produktprogramm, dem Porsche 944, maßgeblichen Anteil. Das Automobil stellte den Nachfolger des Porsche 924 dar und wurde ebenfalls innerhalb eines Kooperationsvertrages von der Volkswagentochter Audi in Neckarsulm gefertigt. In seinem Premierenjahr 1981 erreichte der Porsche 944 bereits einen Anteil von 20 % des Gesamtabsatzes, um dann rasch auf 50 % im Spitzenjahr 1986 hochzuschnellen. Während sich diese Entwicklung vor allem zu Lasten des Porsche 924 vollzog, konnten zudem die Absätze der teureren Sportwagen ausgeweitet werden. Das Spitzenmodell 928 konnte einen leichten Anstieg verzeichnen und bewegte sich weiterhin im niedrigen vierstelligen Bereich. Indessen war es vor allem der positiven Absatzentwicklung des Porsche 911 um 61 % zu verdanken, dass der Umsatz erstmalig die drei Milliarden überschritt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den drastischen Produktionsrückgang und die prekäre Wirtschaftslage von Porsche zu Beginn der 1990er Jahre sowie das Ziel der Arbeit, den Turnaround unter Wendelin Wiedeking historisch aufzuarbeiten.
2. Die Automobilindustrie im Spannungsfeld von Kontinuität und Wandel: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der westdeutschen Automobilindustrie nach und beleuchtet den strukturellen Wandel, der den Übergang von Massenproduktion zu flexibleren Modellen erzwang.
3. Theoretischer Bezugsrahmen: Hier werden wissenschaftliche Konzepte, insbesondere das „Produktionsmodell“ von GERPISA, eingeführt, um eine theoretische Grundlage für die Analyse der Unternehmensentwicklung zu schaffen.
4. Der Entwicklungspfad der Porsche AG bis zur Krise: Es wird die Unternehmensgeschichte von der Konstruktionsberatung über die erfolgreiche Expansionsphase der 1980er Jahre bis hin zum Vorabend der Krise skizziert.
5. Die Unternehmenskrise der Porsche AG: Dieses Kapitel analysiert detailliert den Verlauf des Absatzeinbruchs ab 1988 und identifiziert exogene sowie endogene Faktoren, die zu dieser existenzbedrohenden Lage führten.
6. Turnaround – Die Einführung der Lean Production: Im Zentrum stehen die umfassenden Reorganisationsmaßnahmen, die durch die Einführung von Lean Production, Gruppenarbeit und eine Restrukturierung der Zulieferbeziehungen den Turnaround einleiteten.
7. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bestätigt den Erfolg der Sanierungsstrategie durch die Etablierung eines nachhaltigen Geschäftsmodells.
Schlüsselwörter
Porsche AG, Unternehmenskrise, Turnaround, Lean Production, Automobilindustrie, Produktionsmodell, 1980er Jahre, Wendelin Wiedeking, Restrukturierung, Zulieferbeziehungen, Kaizen, Porsche-Verbesserungs-Prozess, Wertschöpfung, Qualitätsmanagement, Unternehmensgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die schwere wirtschaftliche Krise der Porsche AG Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre sowie die strategischen Maßnahmen, mit denen das Unternehmen durch einen Turnaround gerettet wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der westdeutschen Automobilindustrie, die Ursachen der Porsche-Krise, die Implementierung der Lean Production und die Neuausrichtung der Unternehmens- und Zulieferorganisation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die krisenhafte Entwicklung von Porsche historisch zu rekonstruieren und zu prüfen, welche betriebswirtschaftlichen Maßnahmen zur Bewältigung der Krise und zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit geführt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse, basierend auf einer Auswertung von Geschäftsberichten, historischen Fachpublikationen und Zeitungsartikeln, um den Turnaround systematisch darzulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Entwicklungspfads, die Analyse der Krisenursachen sowie eine detaillierte Erläuterung der Reorganisationsmaßnahmen, inklusive der Dezentralisierung und der Einführung von Lean-Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Porsche AG, Turnaround, Lean Production, Unternehmenskrise, Strukturwandel, Kaizen und Wertschöpfung.
Warum war die Abhängigkeit vom US-Markt ein kritisches Problem für Porsche?
Die einseitige Ausrichtung auf den amerikanischen Markt machte Porsche anfällig für wirtschaftliche Schwankungen in den USA sowie für Währungsverluste durch einen schwächer werdenden US-Dollar, was die Exporte verteuerte und den Absatz einbrechen ließ.
Welche Rolle spielte der Porsche-Verbesserungs-Prozess (PVP) bei der Sanierung?
Der PVP fungierte als Instrument der kontinuierlichen Optimierung, das alle Beschäftigten einbezog, um Ineffizienzen abzubauen und die Produktqualität durch delegierte Entscheidungskompetenz signifikant zu steigern.
Wie veränderte sich das Verhältnis zu den Zulieferern während des Turnarounds?
Porsche wandelte die Zulieferbeziehungen von reinen Lieferantenverhältnissen hin zu Partnerschaften mit Modullieferanten, die in die Entwicklung einbezogen wurden und Verantwortung für Kosten- und Fertigungsoptimierungen übernahmen.
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- Patrick Jikeli (Author), 2017, "Als es Nacht in Zuffenhausen wurde". Die Krise der Porsche AG in den 1980er Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495420