Der Übersetzung von literarischen Werken ist seit jeher eine große Signifikanz einzuräumen, da sich an diesem Punkt die Disziplinen Sprach- und Translationswissenschaft sowie die Literaturwissenschaft treffen und ergänzen. Da man immer schon versuchte literarische Werke in andere Sprachen zu übersetzen, um sie so Menschen anderer Länder zugänglich zu machen, ist mit diesem Unterfangen eine große Historie verbunden. Oftmals sind mit dem Übertragen eines Werkes in eine andere Sprache große Probleme verbunden, da es unter Umständen zu inhaltlichen Verlusten oder sogar zu Veränderungen kommen kann, die entweder von der Art der Funktion der Übersetzung, aber auch von der Zielsprache des Vorhabens abhängen können. In dieser Arbeit soll die Übersetzung als literarische Vergleichsgröße am Beispiel von William Shakespeares Macbeth und der deutschen Bühnenbearbeitung Friedrich Schillers analysiert werden, um so am konkreten Beispiel zu zeigen, wie Sprach- Translations- und Literaturwissenschaft in Dialog treten um aufkommende Fragen zu lösen.
Als erstes wird die Frage nach dem kulturellen Hintergrund von Macbeth gestellt. Warum suchte sich Schiller ein englisches Stück aus? Und im Anschluss: Warum genau Macbeth? Diese Fragen werden im anschließenden Kapitel, welches sich den formalen und inhaltlichen Änderungen des Stückes in der Version Schillers widmet, wieder aufgegriffen. Der erste Teil des Kapitels beschäftigt sich mit den auffälligsten dramaturgischen Eingriffen Schillers und deren Bedeutung für die Leseart des Stückes. Vor diesem Hintergrund wirft sich auch eine neue Frage auf, die auch sogleich beantwortet wird: ist der Terminus „Übersetzung“ in diesem Kontext überhaupt korrekt? Das nächste Unterkapitel befasst sich mit dem Motiv des Bösen, welches bei Shakespeare eine ausgeprägte Rolle spielt und der Schuld sowie deren Verteilung innerhalb der Tragödie. Den Abschluss dieses Kapitels bilden die Hexen. Das nächste Kapitel umfasst eine Analyse der textlichen Übereinstimmungen anhand der zwei bekanntesten Monologe aus Macbeth “If it were done when `tis done…” und „Is this a dagger which i see before me“, die in beiden Versionen einander gegenübergestellt werden. Es ist in Bezug auf diese Arbeit interessant zu untersuchen, wo und insbesondere wie, Shakespeare kreativ geworden ist und wie Schiller diese Stellen in seiner Version wiedergibt. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit, welches die gewonnenen Ergebnisse zusammenfasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Macbeth
3. Formale und inhaltliche Änderungen
3.1 Ortswechsel und der Pförtner
3.2 Das Motiv des Bösen und die Schuld
3.3 Die Hexen
4. Textlicher Vergleich
4.1 If it were done when `tis done
4.2 Is it a dagger which i see before me
4.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen literarischer Übersetzung und Bühnenbearbeitung am Beispiel von William Shakespeares "Macbeth" und Friedrich Schillers deutscher Adaption. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen inhaltlichen und formalen Eingriffe Schillers aufzuzeigen und deren Wirkung auf die Leseart des Stückes vor dem Hintergrund der klassischen Ästhetik zu analysieren.
- Literarische Vergleichsgröße von Übersetzung und Bühnenbearbeitung
- Analyse dramaturigischer Eingriffe und Reduzierung der Komplexität
- Untersuchung der Schuldverteilung und der Umdeutung zentraler Motive
- Vergleichende Analyse bekannter Monologe (If it were done / Is this a dagger)
- Rezeption von Shakespeares Werk im deutschen Sprachraum des 18. und 19. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
4.2 Is it a dagger which i see before me
Der zweite Monolog, der auf textliche Überstimmung analysiert werden soll ist „Is this a dagger which i see before me“ Dieser lautet im Original
Is this a dagger, which I see before me, The handle toward my hand? Come, let me clutch thee: - I have thee not, and yet I see thee still. Art thou not, fatal vision, sensible To feelings, as to sight? or art thou but A dagger of the mind, a false creation, Proceeding from the heat-oppressed brain? I see thee yet, in form as palpable As this now I draw. Thou marshall’st me the way I was going; And such an instrument I was to use. – Mine eyes are made the foolgs o’th’other senses, Or else worth all the rest: I see thee still; And on thy blade, and dudgeon, gouts of blood, Which was not so before. – There’s no such thing. It is the bloody business which informs Thus to mine eyes. […]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der literarischen Übersetzung und Adaption ein und stellt die Relevanz der Untersuchung von Schillers "Macbeth" dar.
2. Macbeth: Dieses Kapitel beleuchtet das Originalwerk Shakespeares, seine Entstehungsgeschichte und die Bedeutung des Stoffes sowie Schillers Motivation für die Adaption.
3. Formale und inhaltliche Änderungen: Hier werden die strukturellen und inhaltlichen Anpassungen durch Schiller, wie die Reduzierung von Ortswechseln und die Umdeutung der Hexen, diskutiert.
3.1 Ortswechsel und der Pförtner: Fokus auf die formalen Eingriffe zur Bühnenanpassung und die Ersetzung der Pförtner-Szene durch ein Morgenlied.
3.2 Das Motiv des Bösen und die Schuld: Analyse der Umverteilung moralischer Schuld und der Charakterisierung der Hexen als Schicksalsmächte.
3.3 Die Hexen: Untersuchung der veränderten Darstellung der Hexenfiguren und ihrer Funktion im Schillerschen Drama.
4. Textlicher Vergleich: Ein direkter Vergleich zentraler Monologe des Originals mit Schillers Übersetzung zur Erfassung textlicher Unterschiede.
4.1 If it were done when `tis done: Analyse des ersten Monologs hinsichtlich seiner sprachlichen Übertragung und metaphysischen Bedeutung.
4.2 Is it a dagger which i see before me: Untersuchung des zweiten Monologs mit Fokus auf Macbeths Halluzinationen und moralische Entschlossenheit.
4.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Zusammenfassende Betrachtung der textuellen und inhaltlichen Übereinstimmungen beider Werke.
5. Schlussbetrachtung: Fazit über Schillers Werk als eigenständige Bühnenbearbeitung im Geiste der Klassik statt als bloße Übersetzung.
Schlüsselwörter
Macbeth, Friedrich Schiller, William Shakespeare, literarische Übersetzung, Bühnenbearbeitung, Dramaturgie, Schuld, Hexen, Monolog, Klassik, Performativität, Intertextualität, Theatergeschichte, Adaption, Textvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Shakespeares "Macbeth" zu der deutschen Bühnenbearbeitung von Friedrich Schiller und hinterfragt den Begriff der "Übersetzung" für dieses literarische Unterfangen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die dramaturgische Transformation von Originaltexten für ein spezifisches Zielpublikum, die Analyse von Übersetzungsstrategien sowie die Interpretation moralischer Konzepte wie Schuld und Böses.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schiller durch bewusste inhaltliche und formale Eingriffe Shakespeares Werk an die Ästhetik des klassischen deutschen Theaters anpasste.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es erfolgt eine textanalytische Gegenüberstellung zentraler Monologe sowie eine literaturwissenschaftliche Analyse dramentheoretischer Aspekte unter Berücksichtigung intertextueller Modelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der formalen Änderungen, der inhaltlichen Umgestaltung der Hexen-Rollen, der Schuldfrage sowie einen direkten textlichen Vergleich ausgewählter Monologe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Macbeth, Schiller, Übersetzung, Bühnenbearbeitung, Dramaturgie, Schuld, Hexen und Klassik.
Wie bewertet der Autor die Übersetzung von Schiller?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Schillers "Macbeth" eher als eigenständiges literarisches Werk im Geiste der Klassik denn als bloße Übersetzung zu betrachten ist.
Warum wurde die Szene des Pförtners von Schiller ersetzt?
Schiller ersetzte die derb-komische Pförtner-Szene durch ein idyllisches Morgenlied, um den poetischen Anspruch und die Ästhetik seiner klassischen Bühnenbearbeitung zu wahren.
- Citar trabajo
- Karsten Klein (Autor), 2018, Übersetzung als literarische Vergleichsgröße am Beispiel von William Shakespeares "Macbeth" und der deutschen Bühnenbearbeitung Friedrich Schillers, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495454