Sprache in Arbeitszeugnissen. Unterrichtsentwurf für Berufsschüler zum Thema Sachtexte


Unterrichtsentwurf, 2019

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1 Planungsrelevante Faktoren

1.1 Schülerbezogene Planungsfaktoren

Mein Unterrichtsbesuch findet im Fach Deutsch im Kernbereich 2 „Sachtexte“ in der Klasse FHR 18 (Abendunterricht zur Erlangung der Fachhochschulreife während der dualen Ausbildung). Die Klasse setzt sich aus 9 Schülerinnen und Schülern1 zusammen, die seit Beginn des laufenden Schuljahres die Abendschule besuchen. Die Schülerinnen und Schüler sind im Alter zwischen 18 und 24 Jahren und haben den Mittleren Schulabschluss, der Voraussetzung für die Anmeldung zur Abendschule ist. Die Klasse hat wöchentlich 2 Schulstunden Deutsch. Diese Stunden werden im zweiten Halbjahr, nach Absprache mit dem zuständigen Koordinator, zweiwöchentlich geblockt, da die Oberstufe dann bereits die schriftliche Prüfung in Deutsch und Englisch absolviert hat. Daher ergeben sich im 2. Halbjahr jeweils 4 Stunden Deutsch im wöchentlichen Wechsel mit 4 Stunden Englisch.

Das Leistungsniveau und die Lernfähigkeit der Schüler bewerte ich, gestützt auf meine bisherigen Unterrichtsstunden, als durchschnittlich. Dies liegt meiner Ansicht nach an der relativ heterogenen Klassenzusammensetzung. Die Schüler erlernen sehr unterschiedliche Ausbildungsberufe aus dem kaufmännischen und gewerblich-technischen Bereich und verfügen daher über sehr unterschiedliche Fähigkeiten im Bereich der Präsentationskompetenz, der selbständigen Erarbeitung neuer Inhalte und der Lernausgangslage. Diese Voraussetzungen nutze ich im Bereich des kooperativen Lernens und stelle immer wieder fest, wie die Schüler, durch Berücksichtigung dieser unterschiedlichen Kompetenzen im Rahmen der Unterrichtskonzeption, effektiv voneinander lernen. Der überwiegende Teil der Schüler arbeitet in meinen Unterrichtsstunden gut mit.

1.2 Lehrerbezogene Planungsfaktoren

Im Rahmen meines Einsatzes in der Abendschule bin ich in dieser Klasse seit Beginn des Schuljahres 2018/2019 eingeplant. Ich bin Klassenlehrerin dieser Klasse und koordiniere u.a. den Austausch mit den Klassenlehrer/innen der Schüler im dualen Bereich hinsichtlich der Notenausweisung des Zusatzunterrichts im Berufsschulzeugnis, Abschlusszeugnis, Prüfungstermine und weiterer planungsrelevanter Faktoren, die die Rahmenbedingungen eines erfolgreichen Besuches der Abendschule betreffen. Die Schüler sind mir gegenüber freundlich und aufgeschlossen. Für die Schüler ist die Situation eines Unterrichtsbesuches durch die Schulleitung neu.

1.3 Organisatorische Planungsfaktoren

Der Unterricht findet in der dritten und vierten Unterrichtsstunde in der Zeit von xxx Uhr bis xxx Uhr statt. Der Besuch der Schulleiterin ist für die 4. Stunde geplant. Der Unterricht findet im regulären Unterrichtsraum xxx statt.

2 Sachanalyse

Auf die Sachanalyse wird, wie abgesprochen, verzichtet.

3 Entscheidungen

3.1 Makroebene

3.1.1 Legitimation des Unterrichts und grundsätzliche Absichten

Der Lehrplan Deutsch-Zusatzunterricht für den Erwerb der Fachhochschulreife in der Berufsschule enthält den Kernbereich 2 „Sachtexte“.2 Im Rahmen dieses Kernbereiches sollen sich die Schüler mit berufsbezogenen Fachtexten auseinandersetzen, diese interpretieren und gestalten. Gegenstand der Sequenz wird daher die inhaltliche und sprachliche Erschließung verschiedener Sachtexte, vorwiegend aus dem beruflichen Kontext, sein.

Abgesehen vom Lehrplan ist das Thema Arbeitszeugnisse für die Schüler in ihrem späteren Arbeitsleben von großer Relevanz. Da jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis hat, sichern die im Unterricht erworbenen Kenntnisse ein besseres Verständnis späterer Zeugnisse.

Im Zuge der Beschäftigung mit Sachtexten lege ich bei der Auswahl der Texte, gerade vor dem Hintergrund der Heterogenität bezüglich der Lernausgangslage als auch der erlernten Ausbildungsberufe, großen Wert auf den allgemeinen Berufsbezug, sodass die Schüler durch diese Konzeption in Anlehnung an die didaktische Route3 einen bestmöglichen Kompetenzzuwachs erreichen.

3.1.2 Einbettung in den laufenden Unterricht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Mikroebene

3.2.1 Didaktische Reduktion

In dieser Stunde soll die Sprache in Arbeitszeugnissen analysiert werden. Hierbei habe ich bewusst die Vorgaben zur formalen Gestaltung eines Arbeitszeugnisses didaktisch reduziert, da ich im Rahmen einer späteren Unterrichtsstunde (15.05.2019) auf den formalen Aufbau eines Sachtextes eingehe und hier die Differenzierung zwischen verschiedenen Typen eines Sachtextes einfließen lasse. Daher kann ich in dieser Stunde dieses Lernziel vorerst didaktisch reduzieren, um eine spätere Redundanz zu vermeiden.

3.2.2 Stundenlernziel

Die Schüler erlernen die Sprache in Arbeitszeugnissen, indem Sie die typischen Formulierungen interpretieren und Ihre Kenntnisse durch das Verfassen eigener Zeugnisse anwenden.

Einzellernziele

Die Schüler erweitern und stärken ihre

Fachkompetenz, indem sie

- die sprachlichen Techniken zur Verschlüsselung des Inhaltes eines Arbeitszeugnisses kennenlernen.
- Verschlüssellungstechniken durch eigene Formulierung von Arbeitszeugnissen erproben.
- durch das Unterscheiden zwischen der Alltagssprache und der Sprache in Arbeitszeugnissen über Sprache reflektieren.
Methodenkompetenz, indem sie
- kooperative Strategien erlernen, die das eigene Lernergebnis überprüfen.
- die Gruppenergebnisse dem Plenum präsentieren und die Auswertung moderieren.
Personal- und Sozialkompetenz, indem sie
- als Experte für ein Teilgebiet Verantwortung für den gemeinsamen Lernerfolg übernehmen.
- im Team ergebnisorientiert ein Produkt erstellen.

4 Unterrichtsverlauf

4.1 Phasierung

Einstieg

Inhalt und Vorgehensweise

Zu Beginn der Vorlaufstunde erfolgt die Darstellung einer Handlungssituation durch ein typisch formuliertes Arbeitszeugnis mit dem Arbeitsauftrag auf dieser Grundlage zu entscheiden, ob der Arbeitnehmer eingestellt werden soll. Die Einschätzung erfolgt mittels digitaler Meinungszielscheibe auf www.oncoo.de. Die Adresse der Abfrage stelle ich mittels QR-Code dar.

Begründung

Erfahrungsgemäß schätzen Schüler, die sich noch nicht intensiv mit der Sprache in Arbeitszeugnissen beschäftigt haben, ein typisch formuliertes Zeugnis zu positiv ein. Mit Hilfe der Zielscheibe visualisiere ich die Lernausgangslage zur Thematik und nutze das Smartphone mit Einbezug des QR-Codes als ein schülernahes Medium.

Erarbeitungsphase I

Inhalt und Vorgehensweise

In dieser Phase erarbeiten die Schüler innerhalb ihrer Gruppe verschiedene Bereiche (siehe AA 1) zum Aufbau und Inhalt eines Arbeitszeugnisses. Hierbei habe ich bewusst 2 Gruppen mit marginal abweichendem Anspruchsniveau gebildet und die stärkere Gruppe mit einem anspruchsvolleren Arbeitsauftrag ausgestattet.

Begründung

Zur Vorbereitung des Kugellagers „speed dating“ sollen die Schüler anhand von Informationsmaterial die relevanten Sachverhalte in die Matrix eintragen und sich darauf vorbereiten, diese anderen Mitschülern zu erläutern. Ich habe zwei Arbeitsaufträge vorgesehen, die sich im Anspruchsniveau etwas unterscheiden, um differenziert die starke Heterogenität der Klasse zu berücksichtigen. Dadurch ergibt sich, dass die stärkeren Schüler den schwierigeren Arbeitsauftrag bearbeiten und die schwächeren Schüler einfachere Aufgaben bearbeiten, was sich im Verlauf des Kugellagers aber aufhebt, da als Ziel jeder Schüler jedes Ergebnis gesichert hat. Der Unterschied ist nur, dass der schwierigere Teil bereits von der stärkeren Gruppe vorbereitet wurde, indem die relevanten Inhalte in die Matrix übernommen wurden. Dadurch erreichen die etwas schwächeren Schüler innerhalb der Methode aber das gleiche Lernziel im Rahmen des kooperativen Lernens. Diese Differenzierungskonzeption wird den Schülern im Unterrichtsverlauf nicht bewusst, da der Umfang des Auftrages in beiden Gruppen annähernd identisch ist und im Ergebnis alle eine Gesamtmatrix erstellt haben.

Vermittlungsphase

Inhalt und Vorgehensweise

In dieser Phase sortieren die Schüler sich in ein „speed-Dating“-Kugellager und vermitteln in der ersten Phase ihr neu erlerntes Wissen an den ersten Partner. Hierbei wird die Ergebnismatrix ergänzt. Im Anschluss setzen die Schüler sich jeweils einen Platz weiter nach rechts und erläutern ihrem neuen Partner die gerade neu erlernten Inhalte. Hierbei erfolgt eine Prüfung des Lernerfolges durch den Experten dieses Themas. Im nächsten Schritt setzen die Schüler sich erneut einen Platz weiter und stellen sich gegenseitig die vollständige Matrix vor und überprüfen ihre Ergebnisse.

Begründung

Das „speed-dating“-Kugellager eignet sich besonders für kleinere Gruppen und fördert das kooperative Lernen mit integrierter überprüfter Ergebnissicherung durch die Schüler. Die intrinsische Motivation der Schüler ist deutlich höher, wenn sie nicht nur Verantwortung für den eigenen Lernerfolg übernehmen, sondern auch für den Lernerfolg der Gruppe. Durch die doppelte Prüfung der Ergebnisse im Kugellager entsteht ein Ergebnis, welches ohne Intervention der Lehrenden für die Anwendungsphase nutzbar ist. Die Erstellung der Matrix dient der Ergebnissicherung.

Erarbeitungsphase II

Inhalt und Vorgehensweise

In dieser Phase wenden die Schüler ihr im Kugellager erlerntes Wissen an, indem Sie zwei Arbeitszeugnisse formulieren sollen. Hierbei bekommen die Schüler Informationen zu den Angestellten, über die ein Zeugnis erstellt werden soll.

Begründung

Die Schüler gelangen von abstrakten Kenntnissen, im Sinne der deduktiven Methode, durch Anwendung der Inhalte zu vertieften Kompetenzen. Die Schüler bekommen selektive Vorgaben, um zu gewährleisten, dass unterschiedlich zu bewertende Zeugnisse entstehen.

Präsentationsphase

Inhalt und Vorgehensweise

In dieser Phase präsentieren die Schüler ihre Ergebnisse mit Hilfe der Dokumentenkamera. Hierbei sollen die Mitschüler das erstellte Zeugnis interpretieren, indem sie ihre neuen Kenntnisse anwenden.

Begründung

Um den Schülern ihren Lernerfolg bewusst zu machen, interpretieren sie ein Zeugnis unter Einbezug der im Kugellager erlernten Inhalte. Hierbei wird eine Reflexion über Sprache angestoßen, da nicht jede Formulierung ein eindeutiges Ergebnis bedeutet.

Erarbeitungsphase III – Anwenden

Inhalt und Vorgehensweise

In dieser Phase konfrontiere ich die Schüler in Anlehnung an die Handlungssituation noch einmal mit dem Zeugnis, welches ich als Einstieg projiziert hatte. Ich fordere die Schüler erneut auf mit Hilfe der Meinungszielscheibe auf www.oncoo.de zu entscheiden, ob sie einen Bewerber mit entsprechendem Zeugnis einstellen würden.

Begründung

Ich möchte den Schülern ihren individuellen Lernzuwachs bewusst machen und die sich ergebenen Ergebnisse mit der ersten Abstimmung vergleichen. Hier werde ich Impulsfragen stellen, die die Benennung der Kompetenzen auslösen. Da die Abfragen mittels www.oncoo.de anonym erfolgen, wird kein subjektiver Lernzuwachs dargestellt, der zu Diskriminierung führen könnte. Trotzdem ist jeder einzelne Schüler in der Lage seinen Fortschritt anhand der Zielscheibe festzustellen.

[...]


1 Aus Gründen der Lesbarkeit wird im Folgenden für beide Geschlechter die Bezeichnung „Schüler“ verwendet.

2 https://lehrplan.lernnetz.de/index.php?wahl=35, Abruf 30.03.2019.

3 http://wiki.herrspitau.de/rtfm/100_didaktischeroute, Abruf 30.03.2019.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Sprache in Arbeitszeugnissen. Unterrichtsentwurf für Berufsschüler zum Thema Sachtexte
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V495473
ISBN (eBook)
9783346053589
ISBN (Buch)
9783346053596
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprache, arbeitszeugnissen, unterrichtsentwurf, berufsschüler, thema, sachtexte
Arbeit zitieren
Stephanie Hilbert (Autor:in), 2019, Sprache in Arbeitszeugnissen. Unterrichtsentwurf für Berufsschüler zum Thema Sachtexte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495473

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