Die speziell über die letzten Jahrzehnte sich immer stärker und repressiver ausbreitende Macht des Neoliberalismus auf einen Großteil der Weltbürger wird schon seit vielen Jahren speziell vom linken Flügel der Politik und von den kritischen Geisteswissenschaften hinterfragt.
Ist es möglich sich dieser vereinnahmenden Macht entziehen zu können? Wenn ja, auf welche Weise und in welchem geographischen Maßstab. Könnte sich ein ganzes Land von heute auf morgen von der neoliberalen Doktrin abwenden oder ist das womöglich zunächst nur auf kommunaler Ebene möglich? Diesen Fragen soll in vorliegender Arbeit nachgegangen und mithilfe einiger Beispiele nähergekommen werden.
In Bezug auf geographische Ungleichheiten mahnte HARVEY bereits an, dass das versprochene Ergebnis der Armutsreduzierung durch freieren Handel, offene Märkte und neoliberaler Strategien der Globalisierung sich nicht bewahrheitet hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der Neoliberalismus in seiner Entwicklung
3. Die Rolle des Neoliberalismus in unterschiedlichen geographischen Maßstäben
4. Anknüpfungspunkte lokal geschaffener Alternativen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die hegemoniale Macht des Neoliberalismus und analysiert, ob und in welchem geographischen Maßstab es möglich ist, sich dieser Doktrin zu entziehen und alternative gesellschaftliche Organisationsformen zu etablieren.
- Entwicklung und historische Genese des Neoliberalismus
- Die gouvernementale Vernunft und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft
- Neoliberalismus als extralokales Regime und dessen Disziplinierung von Raum
- Potenziale und Herausforderungen lokaler Widerstandsbewegungen
- Strategien für einen gesellschaftlichen Wandel jenseits neoliberaler Marktlogik
Auszug aus dem Buch
3. Die Rolle des Neoliberalismus in unterschiedlichen geographischen Maßstäben
Welche Auswirkungen hat folglich der Neoliberalismus auf den unterschiedlichen Skalen respektive den geographischen Maßstäben? Zunächst ist festzustellen, dass der Neoliberalismus eine Art Betriebsrahmen beziehungsweise eine ideologische Software für eine wettbewerbliche Globalisierung geschaffen sowie weitreichende Programme der Staatsrestrukturierung inspiriert und eine Fülle nationaler und lokaler Kontexte neu skaliert hat (vgl. PECK & TICKELL 2002: 380). In gleichem Maße wie die Globalisierung als fortwährender Prozess und nicht als Endzustand zu verstehen ist, gilt dies auch für den Neoliberalismus. Infolge der nach-fordistischen Krise entstand das sogenannte „jungle law“ (PECK & TICKELL 2002: 385) als politische Essenz. Demnach wurden soziale Beziehungen im Kontext harter Wettbewerbsmarkt-Imperative wiederhergestellt. Dabei gingen – als geographische Schlussfolgerung – interlokale Beziehungen unter wettbewerblichem, kommodifiziertem und vergeldlichtem Druck, mit weitreichenden Konsequenzen für die lokale politische Agenda und für regulatorische Abkommen einher.
Aus diesem Kontext heraus entstand aller Voraussicht nach auch der heutige Wettbewerb unter Städten und Standorten. Die dabei auftretenden stark konkurrierenden interlokalen Beziehungen unterliegen der disziplinären Kraft neoliberalisierender räumlicher Beziehungen. Das schafft einen Eindruck, dass sich die richtige Handlungsweise nur über einen extralokalen Maßstab bilden kann. Der Neoliberalismus definiert die Regeln des interlokalen Wettbewerbs, beispielsweise in Form des Aufstellens von Metriken, durch die unterschiedliche Aspekte gemessen werden können (regionale Wettbewerbsfähigkeit, soziale Produktivität, usw.). Diesen einen bestimmten Raum in dem der Neoliberalismus wirkt oder letztlich nicht wirkt gibt es nicht, da er aufgrund seiner Manifestation und Quelle politisch-ökonomischer Macht omnipräsent ist. Es bietet sich daher an, von einem extralokalen Regime mit Regeln und Routinen sowie Druck und Sanktionen zu sprechen (vgl. PECK & TICKELL 2002: 392).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, ob der Neoliberalismus als allumfassendes Dispositiv durch lokale Alternativen herausgefordert werden kann.
2. Der Neoliberalismus in seiner Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entstehung des Neoliberalismus nach, von der Idee der begrenzten Regierungsmacht bis hin zur marktkonformen Rationalisierung der Gesellschaft.
3. Die Rolle des Neoliberalismus in unterschiedlichen geographischen Maßstäben: Hier wird analysiert, wie der Neoliberalismus Räume skaliert, Wettbewerb zwischen Standorten erzwingt und als extralokales Regime soziale Beziehungen diszipliniert.
4. Anknüpfungspunkte lokal geschaffener Alternativen: Der Abschnitt beleuchtet Möglichkeiten des lokalen Widerstands, wie etwa durch Gemeinschaftskapazitäten und hybride Regierungsformen, um dem neoliberalen Druck entgegenzuwirken.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass zwar lokale Ansätze für Alternativen existieren, diese jedoch im Kontext eines mächtigen, global wirkenden neoliberalen Systems stehen, das eine konsequente theoretische und praktische Analyse erfordert.
Schlüsselwörter
Neoliberalismus, Humangeographie, Gouvernementalität, Marktliberalismus, Wettbewerbsfähigkeit, Lokale Alternativen, Raumproduktion, Staatsrestrukturierung, Soziale Reproduktion, Interlokaler Wettbewerb, Widerstand, Politische Ökonomie, Gesellschaftsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die hegemoniale Stellung des Neoliberalismus und die Möglichkeiten, sich dessen Einfluss auf verschiedenen räumlichen Maßstäben zu entziehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Feldern zählen die historische Entwicklung neoliberaler Logiken, die räumliche Skalierung durch globale Marktmechanismen sowie die Chancen und Grenzen für lokale alternative Gesellschaftsentwürfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob ein Ausbrechen aus der neoliberalen Doktrin möglich ist und ob dies eher auf kommunaler oder nationaler Ebene realisierbar erscheint.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse geographischer und politikwissenschaftlicher Diskurse sowie die Auswertung relevanter Fachliteratur, beispielsweise von Autoren wie Foucault, Harvey und Peck.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Genese der "gouvernementalen Vernunft", die räumlichen Auswirkungen neoliberaler Politik sowie konkrete Fallbeispiele für lokale Partnerschaften und Widerstandsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Neoliberalismus, Gouvernementalität, interlokaler Wettbewerb, räumliche Skalierung und soziale Widerstandsbewegungen.
Wie unterscheidet der Autor zwischen verschiedenen Maßstabsebenen?
Der Autor argumentiert, dass der Neoliberalismus zwar omnipräsent wirkt, sich jedoch auf lokaler Ebene spezifische Phänomene wie "entrepreneurialism" zeigen, während auf globaler Ebene Mechanismen wie das "jungle law" und harte Wettbewerbs-Imperative dominieren.
Welche Rolle spielen die sogenannten "Strategic Brokers" im Text?
Diese Schlüsselindividuen dienen als Verbindungsglieder bei der Schaffung lokaler Partnerschaften und sind für den Erfolg alternativer Entwicklungsansätze von zentraler Bedeutung.
Warum wird im Fazit die "Rekommunalisierung" kritisch diskutiert?
Der Autor weist unter Berufung auf Harvey darauf hin, dass die Konföderation autonomer Kommunen allein noch nicht die Entwicklung von Ungleichheiten zwischen den Gemeinden verhindert und somit neue soziale Probleme schaffen könnte.
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- Andreas Ditzig (Author), 2016, Alternativen des Neoliberalismus. Eine Frage des geographischen Maßstabs?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495501