Heutzutage verbinden die meisten Menschen mit dem Konzept der Demokratie die Ideale der Freiheit und Gleichheit. Dass Jean-Jacques Rousseau in seinem 1762 erschienenen Hauptwerk Du Contract Social ou Principes du Droit Politique (Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes) eine radikale Demokratietheorie entwarf, welche totalitäre Züge in sich trägt, erscheint vor diesem Hintergrund umso erstaunlicher. Es stellt sich nun die Frage, inwieweit der Staatsentwurf Rousseaus von einem totalitären Geist durchzogen ist. Um dies aufzuklären, werden im Folgenden an beispielhaften Ausschnitten einzelne Aspekte seines contract social und des damit verbundenen volonté générale kritisch hinterfragt und nach totalitären Elementen untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff des volonté générale und die Voraussetzungen des Gesellschaftsvertrags
3. Kritik an der totalitären Tendenz der Rousseauschen Demokratietheorie
3.1 Die Rolle des Individuums und die Gefahr der Entindividualisierung
3.2 Homogenität, Konfliktvermeidung und deren Folgen
3.3 Zur Problematik der direktdemokratischen Umsetzung
3.4 Die Unteilbarkeit der Souveränität und die Ablehnung der Gewaltenteilung
3.5 Unterdrückung von Parteien und Interessengruppen
4. Fazit und kritische Würdigung
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht das Hauptwerk von Jean-Jacques Rousseau, "Du Contract Social", mit dem Ziel, die in seiner radikalen Demokratietheorie angelegten totalitären Züge und deren Auswirkungen auf die individuelle Freiheit und rechtsstaatliche Prinzipien kritisch zu hinterfragen.
- Analyse des "volonté générale" (Gemeinwille)
- Untersuchung der Gefahren der Entindividualisierung
- Kritik an der Ablehnung der Gewaltenteilung
- Problematisierung der Unterdrückung von Pluralismus und Interessengruppen
- Diskussion über das Verhältnis von Freiheit und staatlichem Zwang
Auszug aus dem Buch
Der totalitäre Rousseau - eine kritische Betrachtung des volonté générale
Heutzutage verbinden die meisten Menschen mit dem Konzept der Demokratie die Ideale der Freiheit und Gleichheit. Dass Jean-Jacques Rousseau in seinem 1762 erschienenen Hauptwerk Du Contract Social ou Principes du Droit Politique (Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes) eine radikale Demokratietheorie entwarf, welche totalitäre Züge in sich trägt, erscheint vor diesem Hintergrund umso erstaunlicher. Es stellt sich nun die Frage, inwieweit der Staatsentwurf Rousseaus von einem totalitären Geist durchzogen ist. Um dies aufzuklären, werden im Folgenden an beispielhaften Ausschnitten einzelne Aspekte seines contract social und des damit verbundenen volonté générale kritisch hinterfragt und nach totalitären Elementen untersucht.
Rousseau beginnt sein Werk mit ein paar einführenden Worten, die aber bereits sehr tief in seine Gedanken blicken lassen. „Die gesellschaftliche Ordnung ist ein geheiligtes Recht“1 dogmatisiert er gleich zu Beginn. Wenn etwas heilig ist, dann ist es im allgemeinen Verständnis unantastbar, nicht veränderbar und für den Menschen nicht erreichbar. Er stilisiert also gleich zu Beginn seinen Entwurf einer Demokratie zu etwas Religiösem und Sakralem. Ist dieses System erst einmal implementiert, dann scheint sich jede Kritik an demselben zu verbieten.
Nachdem Rousseau die Voraussetzungen für den Gesellschaftsvertrag beschrieben hat, kommt er nun zu dessen Entstehung. Sein Ziel ist es, einen Entwurf zu formulieren, der das Vermögen und Leben eines jeden Einzelnen schützt, aber die Individuen genau so frei lässt, wie im Naturzustand zuvor. Damit dies geschehen kann, ist es nötig, dass jeder Einzelne sich vollständig an das Gemeinwesen veräußert.2 Dieser Gedanke erscheint in sich widersprüchlich. Eine völlige Rechtslosigkeit gegenüber eines abstrakten volonté générale bietet Freiheit, aber eine Freiheit ohne Rechte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwieweit Rousseaus Staatsentwurf totalitäre Züge aufweist und begründet die kritische Auseinandersetzung mit dem volonté générale.
2. Der Begriff des volonté générale und die Voraussetzungen des Gesellschaftsvertrags: Dieses Kapitel erläutert die dogmatische Setzung der gesellschaftlichen Ordnung durch Rousseau und die daraus resultierende Notwendigkeit der völligen Entäußerung des Individuums.
3. Kritik an der totalitären Tendenz der Rousseauschen Demokratietheorie: Der Hauptteil analysiert die Gefahren von Rousseaus Theorie, insbesondere die Entindividualisierung, die Ablehnung der Gewaltenteilung und die Unterdrückung von Pluralismus.
4. Fazit und kritische Würdigung: Das Fazit fasst zusammen, dass Rousseaus Theorie in einer Diktatur der Mehrheit gipfelt, würdigt aber zugleich seine Bedeutung als Gegenentwurf zum Absolutismus.
Schlüsselwörter
Jean-Jacques Rousseau, Du Contract Social, volonté générale, Totalitarismus, Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Gesellschaftsvertrag, Gewaltenteilung, Volkssouveränität, Pluralismus, Entindividualisierung, Diktatur der Mehrheit, Staatstheorie, Gemeinwille.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Demokratietheorie von Jean-Jacques Rousseau auseinander und untersucht, inwiefern seine Konzepte totalitäre Elemente enthalten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören der Gesellschaftsvertrag, der Gemeinwille (volonté générale), das Verhältnis von Individuum und Staat sowie die Problematik von Herrschaftsstrukturen.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die zentrale Frage ist, inwieweit der Staatsentwurf von Rousseau von einem totalitären Geist durchzogen ist und ob dieser mit freiheitlichen demokratischen Idealen vereinbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Analyse verwendet?
Der Autor führt eine textkritische Untersuchung durch, bei der zentrale Ausschnitte aus Rousseaus Hauptwerk "Du Contract Social" in den Kontext politikwissenschaftlicher Theorie gesetzt und hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Entindividualisierung des Bürgers, der Ablehnung der Gewaltenteilung, der Unvereinbarkeit mit gesellschaftlichem Pluralismus und der Problematik der direktdemokratischen Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie volonté générale, Totalitarismus, Gesellschaftsvertrag, Volkssouveränität und Demokratietheorie beschreiben.
Warum hält der Autor die "völlige Entäußerung" des Einzelnen für problematisch?
Der Autor argumentiert, dass die vollständige Unterordnung des Einzelnen unter den Gemeinwillen zu einer Freiheit ohne Rechte führt, was das Individuum schutzlos einem abstrakten Regelsystem ausliefert.
Wie bewertet der Autor Rousseaus Ablehnung der Gewaltenteilung?
Der Autor kritisiert diese Ablehnung scharf und verweist darauf, dass die Gewaltenteilung ein bewährter Grundpfeiler demokratischer Stabilität ist, um Unrecht und Zensur zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Andreas Schumacher (Autor:in), 2015, Der totalitäre Rousseau. Eine kritische Betrachtung des volonté générale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495520