Vergleich der tierethischen Positionen von Tom Regan und Peter Carruthers


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Rechte?

3. Die tierethischen Positionen
3.1 Peter Carruthers: Tiere haben keinen moralischen Status
3.2 Kritische Auseinandersetzung mit Carruthers Position
3.3 Tom Regan: Tiere haben moralische Rechte
3.4 Kritische Auseinandersetzung mit Regans Position

4. Vergleich von Carruthers und Regan

5. Konsequenzen für den Umgang mit Tieren

6. Wie realisierbar sind diese Konsequenzen?

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ob und in wieweit Tiere bei unseren Handlungen moralisch berücksichtigt werden müssen ist mittlerweile eine kontrovers diskutierte Frage. Auch in der Philosophie gibt es darüber bisher noch keine Einigkeit. Als Ausgangspunkt für Argumente in dieser Diskussion wird dabei auf unterschiedliche allgemeine Ethikpositionen Bezug genommen wie der Tugendethik, dem Utilitarismus oder der Pflichtenethik. Mit einer unterschiedlichen Basis ist es nicht verwunderlich, dass man zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangt. Aber auch wenn vom gleichen Prinzip ausgegangen wird, heißt es nicht zwangsläufig, dass man einer Meinung ist.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Text „Warum Tiere moralisch

nicht zählen“ von Peter Carruthers und der Ausarbeitung von Tom Regan „Von Menschenrechten zu Tierrechten“. In beiden Texten wird auf der Basis von Rechten argumentiert und mit einem ähnlichen argumentatorischen Aufbau gearbeitet. Allerdings verneint Carruthers, dass Tiere Rechte haben, Regan hingegen gesteht ihnen diese zu. Im Folgenden wird der Argumentationsgang beider Autoren nachvollzogen, um danach die Ergebnisse kurz zu diskutieren. Anschließend werden die beiden Positionen miteinander verglichen, um herauszufinden, warum sie zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen. Darüber hinaus werden die Konsequenzen zu dem Umgang mit Tieren dargestellt, die sich aus den Essays ergeben. Denn obwohl Carruthers den Tieren Rechte abspricht, ist er trotzdem der Meinung, dass wir indirekte Pflichten ihnen gegenüber haben. Zunächst wird aber das grundlegende Prinzip der Rechte dargestellt.

2. Was sind Rechte?

Damit die nachfolgend dargestellten Positionen besser verstanden werden können, wird nun zuerst das generelle Verständnis von Rechten skizziert und eine kurze Definition gegeben. Das Konzept der Rechte wird in Gesellschaften verwendet, in denen es zu Interessenkonflikten zwischen einzelnen Parteien kommen kann. So können sie als ein Normsystem gesehen werden, das die soziale Ordnung schützt und die menschlichen Interaktionen leitet (Vgl. Seelmann 2010: 61). Allerdings umfassen Rechte zumeist nur einen geringeren Umfang an sozialen Verhaltensnormen als die allgemeine Moral, da es beispielsweise Religions- und Weltanschauungsfreiheit gibt. Im Zentrum steht die Sicherung des sozialen Friedens (Vgl. ebd.: 66). Aus diesen Freiheiten ergibt sich, dass Rechte auch das Individuum vor „moralischen Zumutungen“ (Seelmann 2010: 66) anderer Personen schützen sollen, sodass es den Menschen ermöglicht wird ihre moralischen Entscheidungen frei zu wählen.

Zu dem Verständnis von Rechten gehört, dass ihre Durchsetzung erzwungen werden darf. Des Weiteren besitzen Rechteträger einen Anspruch auf ein gewisses Verhalten von anderen, sodass sie das Tun oder Unterlassen einer Handlung verlangen können. Aus diesem Grund unterscheidet man zwischen positiven und negativen Rechten. Positive Rechte beziehen sich auf die Handlungen anderer Rechteträger. Negative Rechte hingegen sichern, dass eigene Handlungen nicht behindert werden, beziehen sich also auf das Unterlassen von Aktionen (Vgl. Kirste 2010: 93f.). Mit dem Begriff des Rechts ist immer auch der Terminus Pflicht verknüpft. Ohne entsprechende Verpflichtungen würde das Konzept der Rechte keinen Sinn machen, da an einer Interaktion mindestens zwei Partien beteiligt sind. Von einem Rechteträger kann ein Anspruch auf eine Handlung nur erhoben werden, wenn es dazu eine korrespondierende Pflicht gibt (Vgl. ebd.).

Als Fazit kann man Rechte als Aufforderungen verstehen gewisse Handlungen durchzuführen oder zu unterlassen. Sie haben den Sinn die soziale Ordnung zu bewahren und die Freiheit des Einzelnen vor unzulässigen Eingriffen zu schützen.

3. Die tierethischen Positionen

3.1 Peter Carruthers: Tiere haben keinen moralischen Status

Da ein grundlegendes Verständnis für den Terminus Rechte geschaffen wurde, werden nun in den folgenden Kapiteln die in der Einleitung erwähnten Konzeptionen vorgestellt. In dem einen Essay „Warum Tiere moralisch nicht zählen“ vertritt Carruthers die Position, dass Tiere im Gegensatz zu allen Menschen keinen moralischen Status besitzen. Seine Argumentation basiert auf dem Kontraktualismus, wobei er zwei Formen exemplarisch herausstellt, um seine Theorie zu untermauern. Hierbei bezieht er sich zum einen auf das Modell von John Rawls, und zum anderen auf das Modell von Thomas Scanlon.

Carruthers beginnt sein Essay mit dem Auflisten gewisser Eigenschaften von Tieren. Tiere können seiner Meinung nach leiden und haben ein Bewusstsein ähnlich dem Menschen. Doch dürfen sie nicht als rationale Akteure gesehen werden, da sie ihre Handlungen nicht nach allgemeinen Regeln lenken können (Vgl. Carruthers 2014: 219f.). Nur rationale Akteure können einen Vertrag entwickeln, der als Grundbaustein der Gesellschaft dient. Um zu erklären warum alle Menschen bei der Vertragsschließung moralisch relevant sind, also auch kleine Kinder und demente Menschen, die keine rationalen Akteure sind, führt Carruthers das Argument der sozialen Stabilität auf (Vgl. Carruthers 2014: 225). Wenn diesen Menschen keine Rechte zugeschrieben werden würde, würden ihre Angehörigen dagegen vorgehen, denn „Wenn überhaupt etwas zur »menschlichen Natur« zählt (…), gehört die tiefe Bindung von Menschen zu ihren Kindern und zu ihren betagten Verwandten sicherlich dazu“ (ebd.). Da rationale Akteure beim Vertragsschluss nicht wollen können, dass die soziale Sicherheit gefährdet wird, werden auch diese Menschen berücksichtigt. Dieses Argument kann man nach Carruthers nicht auf Tiere übertragen, da die Haltung von Tieren nicht zur Natur des Menschen gehört. Auch dürfen keine Menschen beauftragt werden für die Tiere bei der Vertragsschließung Partei zu ergreifen, weil es eine moralische Vorannahme wäre, dass Tiere berücksichtigt werden müssen. Darüber hinaus ist das Nichtwissen über die eigene Spezieszugehörigkeit bei Vertragsschließung im Sinne des Kontraktualismus kein gültiges Argument, da „die Spezieszugehörigkeit nicht für moralisch irrelevant [gehalten wird]“ (Carruthers 2014: 231). Aus diesen Argumenten zieht Carruthers die Konklusion, dass Tiere keine moralischen Rechte haben. Allerdings ist er trotz dessen der Auffassung, dass Tiere eine indirekte moralische Bedeutung haben, da die Behandlung von Tieren etwas über den Charakter von Menschen aussagt. Auf die Art wie ein Mensch ein Tier behandelt, kann man ableiten, wie er sich gegenüber Menschen verhalten würde. So schreibt Carruthers: „Die Vertragspartner sollten sich auf eine Pflicht zur Ausbildung bestimmter Charakterzüge oder Tugenden einigen“ (Carruthers 2013: 238), damit das moralische Handeln wahrscheinlicher wird. Diese Tugenden würden dann auch für Tiere gelten. Menschen, die gegenüber Tieren grausam sind, sind es mit höherer Wahrscheinlichkeit auch gegenüber anderen Menschen.

Als kurze Zusammenfassung zu diesem Essay kann man festhalten, dass Carruthers allen Menschen ohne Ausnahme einen moralischen Status zugesteht. Bei Tieren sieht er hingegen nur eine indirekte Pflicht, da sich im Umgang mit ihnen Charakterzüge zeigen, die den Menschen betreffen können.

3.2 Kritische Auseinandersetzung mit Carruthers Position

Nachdem im vorherigen Abschnitt Carruthers Position inhaltlich kurz skizziert wurde, soll nun seine Argumentation kritisch hinterfragt werden, um auf mögliche Unklarheiten zu verweisen. Schon zu Beginn seines Essays stellt Carruthers fest, dass als einziger geeigneter moralischer Ansatz der Kontraktualismus in Frage kommt (Vgl. Carruthers 2014: 221). Im Verlaufe des Textes kommen allerdings auch tugendethische Komponenten hinzu. Carruthers ist der Ansicht, dass gute und schlechte Charakterzüge, also Tugenden und Laster, bei der Vertragsschließung berücksichtigt werden müssen, um moralisch richtiges Handeln wahrscheinlicher zu machen. Diese Tugenden sollten dann auch gegenüber Tieren gelten. Aus Sicht eines rationalen Akteurs soll es bei einer Handlung also sehr wohl um das Tier gehen, man soll beispielsweise nicht grausam sein. „Doch was einen grausamen Charakterzug moralisch schlecht macht, ist die Tatsache, dass er sich wahrscheinlich in Grausamkeit gegenüber Menschen manifestieren wird“ (Carruthers 2014: 237). Aus der metaphysischen Perspektive wird das Getane aber nur auf andere Menschen bezogen. Im Prinzip geht es also nie um das Tier an sich. Warum die schlechte Behandlung von Tieren sich auch auf den Menschen ausweiten kann, stellt Carruthers aber nicht abschließend fest. Schließlich haben Tiere im Gegensatz zu Menschen keinen moralischen Status, wodurch die Aktionen voneinander getrennt betrachtet werden müssten. An diesem Argument wird auch erneut deutlich, dass er sich nicht allein auf den Kontraktualismus bezieht, sondern der Tugendethik eine wichtige Rolle zuspricht. Auch dass Menschen gegenüber Tieren keine direkten Pflichten haben, hat bereits Kant in seiner Pflichtenethik vorgeschlagen (Vgl. Korsgaard 2014: 248). Im Gegensatz zu seiner eigenen Behauptung scheint Carruthers sich also nicht nur auf die Vertragstheorie zu beziehen.

Des Weiteren wirken seine im Text verwendeten Beispiele wie „das Beispiel von Astrid der Astronautin“ (Carruthers 2014: 234), die veranschaulichen sollen, dass wir Tieren gegenüber nur indirekte Pflichten haben, sehr konstruiert und realitätsfern. Eine Astronautin, die im Weltall eine Katze quält, ohne dass je ein Mensch davon erfahren wird, weil sie nicht wieder zur Erde zurückkehrt, handelt nach diesem Beispiel moralisch falsch, weil das auf einen Charakterfehler hindeutet, der sich auch gegenüber Menschen zeigen könnte. Dieser extreme Sonderfall hilft eher weniger, um allgemeine moralische Verhaltensregeln aufzustellen.

Wenn sich Carruthers nur auf den ersten Teil seines Essays beschränkt hätte, ohne die indirekten Pflichten gegenüber Tieren zu erläutern, wäre seine Position in sich konsistenter und besser nachvollziehbar gewesen, da sie dort eine logische Trennung zwischen Tieren und Menschen gezogen hat. Im weiteren Verlauf des Textes wird diese Trennlinie allerdings durch die indirekten Pflichten gegenüber Tieren unschärfer und unverständlicher.

3.3 Tom Regan: Tiere haben moralische Rechte

In seinem Text „Von Menschenrechten zu Tierrechten“ vertritt Tom Regan die Position, dass Tiere einen moralischen Status haben und damit auch moralische Rechte. Am Beispiel der Syphilis-Studie in Tuskegee wird zunächst verdeutlicht, welchen Sinn moralische Rechte für den Menschen haben. Zum einen bieten sie sowohl körperlichen als auch geistigen Schutz, weil niemand, der die moralischen Rechte respektiert, in diese Freiheiten eingreifen darf (Vgl. Regan 2014: 90). Darüber hinaus stellen sie aber auch die Gleichheit zwischen den Menschen fest. Rechte beruhen nicht auf kontingenten Faktoren, sondern gelten für alle Menschen gleichermaßen. Außerdem kann auf ihrer Basis Gerechtigkeit eingefordert werden. Auch wenn man selbst nicht erkennt, dass die eigenen Rechte verletzt werden, haben andere Menschen dann die Pflicht diese Ungerechtigkeit zu verhindern. Bei diesem Ansatz verweist Regan besonders auf kleine Kinder oder benachteiligte Erwachsene (Vgl. Regan 2014: 94).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Vergleich der tierethischen Positionen von Tom Regan und Peter Carruthers
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V495877
ISBN (eBook)
9783346009364
ISBN (Buch)
9783346009371
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tierethik, Tom Regan, Peter Carruthers, Tierrechte, Tiere Moral
Arbeit zitieren
Lena Schneider (Autor), 2014, Vergleich der tierethischen Positionen von Tom Regan und Peter Carruthers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495877

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