Ziel dieser Arbeit soll es deshalb sein, zu untersuchen, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen eine gerechte Alternative zur Lohnarbeit darstellen kann.
Um den dieser Frage impliziten drei Hauptaspekten – nämlich dem der Gerechtigkeit, der Rolle der Lohnarbeit und der Machbarkeit – näherzukommen, wird in einem ersten Teil eine theoretische Grundlegung darüber stattfinden, was eine gerechte Gesellschaft überhaupt ausmacht.
Zu diesem Zweck werden neben der Menschenrechtsthese die Gerechtigkeitselemente der Verteilungsgerechtigkeit, des Verdienstes und der fairen Chancengleichheit insbesondere unter Bezugnahme und Abwägung der Argumentationen John Rawls und Friedrich August von Hayeks diskutiert.
Nach dieser theoretischen Aufarbeitung von Gerechtigkeitsprinzipien wird es darum gehen, zu konkretisieren, was genau gemeint ist, wenn über ein bedingungsloses Grundeinkommen gesprochen wird. Hierfür ist es zweckdienlich, nach einem kurzen Blick in die Geschichte, zunächst die Grundidee des bedingungslosen Grundeinkommens sowie die für die Befürworter
des Grundeinkommens diese innewohnenden Chancen darzulegen.
Im darauffolgenden Kapitel zur Lohnarbeit wird es noch einmal vertieft um die Beziehung des Menschen zur Arbeit gehen, besonders im Sinne des Spannungsverhältnisses zwischen Lohn und Care- bzw. ehrenamtlicher Arbeit. Anschließend sollen die aus den Auswirkungen eines aufzuzeigenden beginnenden Verständniswandels von Arbeit und den Veränderungen des Arbeitsmarktes, unter anderem durch die Digitalisierung, herrührenden Folgen thematisiert werden.
Zusätzlich soll untersucht werden, ob und inwieweit diese unter anderem destabilisierenden Effekte mittels eines BGEs überwunden werden könnten.
Bevor final weitere, einem bedingungslosen Grundeinkommen anhaftende Kritikpunkte und Gefahrenquellen vorgestellt und auf Basis der vorangegangenen Erkenntnisse geprüft werden, wird es ausführlicher um eine systematische Abbildung der Finanzierungsmöglichkeiten desselbigen gehen.
Zu diesem Zweck werden zunächst die Randbedingungen der Finanzierung bestimmt und im Zuge dessen eine kurze Aufarbeitung des finanziellen Bedarfs eines Grundeinkommens stattfinden. Es folgt eine Übersicht von vier grundlegenden Finanzierungsansätzen.
Schließlich wird auf Grundlage weiterer Teilergebnisse dieser Arbeit eine Aussage darüber getroffen werden, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen tatsächlich eine gerechte Alternative zur Lohnarbeit darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundzüge einer gerechten Gesellschaft
2.1 Grundlagen eines gerechten Systems
2.2 Menschenrechte als normative Basis
2.3 Verteilungsgerechtigkeit
2.4 Verdienst
2.5 Faire Chancengleichheit
3. Das bedingungslose Grundeinkommen
3.1 Ein kurzer Rückblick
3.2 Die Idee des BGE
3.3 Vorteile, Ziele und Chancen
3.4 Vertreter und Konzepte
3.4.1 Unternehmer Götz Werner
3.4.2 Entwurf für die Schweiz
3.4.3 Parteikonzept DIE LINKE
3.4.4 Solidarisches Bürgergeld
3.4.5 Liberales Bürgergeld der FDP
3.5 Bedingte Grundeinkommen
4. Lohnarbeit im Wandel
4.1 Der Mensch und sein Verhältnis zur Lohnarbeit
4.2 Care-Arbeit und Ehrenamt
4.3 Fachkräftemangel vs. Digitalisierung
4.4 Folgen des Wandels
4.5 Das BGE als Lösungsansatz
5. Finanzierung des Grundeinkommens
5.1 Randbedingungen
5.1.1 Territoriale Ausdehnung
5.1.2 Berechtigter Personenkreis
5.1.3 Auszahlungshöhe
5.2 Finanzierungsansätze
5.2.1 Freiwerdende Gelder
5.2.2 (Negative) Einkommenssteuer
5.2.3 Konsum-/Mehrwertsteuer
5.2.4 Finanztransaktionssteuer
6. Kritik und Gefahren eines BGEs
6.1 Unerschwinglicher Finanzierungsbedarf
6.2 Ungenaue Prognosen
6.3 Mangel an repräsentativen Studien
6.4 Mangel an Arbeitsmotivation
6.5 Psychologische Hürden bei Umstellung
6.6 Arbeit als identitätsstiftendes Moment
6.7 Kontinuität von Ungleichheit
6.8 Sogwirkung
6.9 Demokratiegefährdung
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, ob das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) als gerechte Alternative zur gegenwärtigen Lohnarbeitsgesellschaft fungieren kann. Dabei wird analysiert, inwieweit das BGE mit Prinzipien der Gerechtigkeit, der Rolle menschlicher Arbeit und der ökonomischen Machbarkeit vereinbar ist.
- Theoretische Grundlegung von Gerechtigkeitsprinzipien nach Rawls und Hayek
- Analyse der historischen Entwicklung und aktueller BGE-Konzepte
- Untersuchung des Bedeutungswandels von Lohn- und Care-Arbeit
- Prüfung von Finanzierungsmodellen (z.B. Konsumsteuer, negative Einkommenssteuer)
- Kritische Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Risiken einer Einführung
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Mensch und sein Verhältnis zur Lohnarbeit
Will man nachvollziehen, warum Lohnarbeit nach wie vor eine derart große Rolle innerhalb der heutigen Gesellschaft spielt und ein Paradigmenwechsel, wie er auch für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens notwendig wäre, für die meisten Autoren als eine schier utopische Aufgabe erscheint (Ulrich u. Rudzio 2016), muss man verstehen, wie tief die individuelle Wertschöpfung eines jeden Einzelnen in der Erwerbsarbeit verankert ist. Maßgeblich scheint hierbei die Überzeugung zu sein, dass jeder bekomme, was er verdient und eine besser bezahlte Arbeit eng mit einem höheren gesellschaftlichen Wert der Person verwoben ist.
Zeugnis dafür sind unter anderem große und weitverbreitete Zustimmungswerte für Aussagen wie, dass härter arbeitende Menschen auch besser verdienen sollten; niemand mehr Verantwortung innerhalb einer Arbeit übernähme, sofern er diese nicht vergütet bekäme; „in einem fairen Wirtschaftssystem [...] Menschen mit größeren Fähigkeiten“ (Miller 2008, S. 111–112) auch besser bezahlt würden oder es die Bereitschaft zu härterer Arbeit zerstörte, wenn man allen „unabhängig von der Art ihrer Arbeit etwa das gleiche Einkommen gäbe“ (Miller 2008, S. 112). Die Relevanz des Verdienstkriteriums zeigt sich, wie oben bereits angedeutet, auch in der Stigmatisierung all jener Menschen, die auf die finanzielle Hilfe der Gesellschaft angewiesen sind, ohne einen dafür als ausreichend anerkannten Grund vorweisen zu können, etwa eine Erkrankung. „[U]nsere Gesellschaft fordert von jedem gesunden Menschen, dass er den Lebensunterhalt selber verdient“ (Müller u. Straub 2012, S. 44), weshalb andernfalls der Empfang „von Sozialhilfe von der Öffentlichkeit [...] als Missbrauch gewertet wird“ (Hirsch 2016, S. 106).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Bedeutungswandel von Erwerbsarbeit und stellt die Forschungsfrage zur Gerechtigkeit des bedingungslosen Grundeinkommens.
2. Grundzüge einer gerechten Gesellschaft: Dieses Kapitel erörtert theoretische Ansätze von Gerechtigkeit, insbesondere durch den Vergleich der Positionen von Hayek und Rawls.
3. Das bedingungslose Grundeinkommen: Hier werden die historischen Wurzeln, die Kernidee des BGE sowie verschiedene Konzepte und deren Vertreter detailliert vorgestellt.
4. Lohnarbeit im Wandel: Das Kapitel analysiert das Verhältnis des Menschen zur Arbeit, die Bedeutung von Care-Arbeit und die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt.
5. Finanzierung des Grundeinkommens: Hier werden Randbedingungen der Finanzierung sowie verschiedene Finanzierungsansätze wie Steuerreformen und der Wegfall bestehender Sozialleistungen erörtert.
6. Kritik und Gefahren eines BGEs: Dieses Kapitel prüft kritische Gegenargumente wie Finanzierungsschwierigkeiten, Motivationsverlust und potenzielle Gefährdungen für die Gesellschaft.
7. Resümee: Das Resümee führt die Ergebnisse zusammen und bewertet das BGE als theoretisch gerechtes, praktisch jedoch noch nicht umsetzbares Modell.
Schlüsselwörter
Bedingungsloses Grundeinkommen, Lohnarbeit, soziale Gerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Rawls, Hayek, Care-Arbeit, Finanzierung, Sozialstaat, Digitalisierung, Existenzminimum, Meritokratie, Arbeitsmotivation, Bürgergeld, Paradigmenwechsel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das bedingungslose Grundeinkommen eine gerechte Alternative zum aktuellen System der Lohnarbeit darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Gerechtigkeitstheorien, die Rolle von Erwerbs- und Care-Arbeit sowie die praktische Umsetzbarkeit und Finanzierung des Grundeinkommens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, zu analysieren, ob ein BGE unter Berücksichtigung von Gerechtigkeitsprinzipien, Arbeitsmarktveränderungen und Finanzierungsmodellen eine gerechte gesellschaftliche Alternative bieten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und theoretische Analyse unter Einbeziehung philosophischer Gerechtigkeitskonzepte, ökonomischer Finanzierungsmodelle und soziologischer Betrachtungen der Arbeitswelt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Gerechtigkeitsgrundsätze (Rawls/Hayek), erläutert verschiedene BGE-Konzepte, untersucht den Wandel der Lohnarbeit durch Digitalisierung und diskutiert Finanzierungswege sowie Kritikpunkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören BGE, soziale Gerechtigkeit, Lohnarbeit, Finanzierungsansätze, Care-Arbeit und der Wandel der Arbeitsgesellschaft.
Warum spielt das Verdienstprinzip eine so große Rolle für die Kritik?
Das Verdienstprinzip ist tief im Alltagsverständnis verankert; Arbeit wird oft als einzige Legitimation für soziale Teilhabe gesehen, weshalb ein BGE ohne Gegenleistung oft als ungerecht empfunden wird.
Wie unterscheidet sich das "Solidarische Bürgergeld" von einem "reinen" BGE?
Es ist oft an eine negative Einkommenssteuer gekoppelt, was bedeutet, dass es bei Überschreiten gewisser Einkommensgrenzen abgeschmolzen wird, was die Bedingungslosigkeit des Konzepts in Frage stellt.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung für die Argumentation?
Die Digitalisierung wird als potenzieller Treiber für Arbeitsplatzverluste diskutiert, was die Notwendigkeit einer neuen sozialen Sicherung wie des BGE verstärkt.
Ist das BGE laut Autorin nun eine gerechte Alternative?
In der Theorie bejaht die Autorin die Gerechtigkeit im Sinne der Menschenrechte, stuft das Modell aufgrund der praktischen Hürden und fehlenden gesellschaftlichen Realisierbarkeit jedoch noch als nicht umsetzbar ein.
- Citar trabajo
- Mandy Büttner (Autor), 2019, Die Möglichkeit des bedingungslosen Grundeinkommens als gerechte Alternative zur Lohnarbeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495909