Nach Riemann stellt „die Beratung ein Kernelement der alltäglichen Praxis […] dar“ (Riemann et al. 2000). Die Beratung im Feld der Förderschularbeit verfolgt die Absicht, Menschen mit Beeinträchtigungen in ihrem schulischen und beruflichen Werdegang zu unterstützen. Im Zuge der Inklusion wird dem Handlungsfeld des Beraters eine immer größer werdende Wichtigkeit zugeschrieben und der Ausbau der Beratungskompetenzen steht genauso im Fokus der Förderschullehrkräfteausbildung, wie der Ausbau der fachlichen Kompetenzen.
Im Seminar „Gesprächsführung in sonderpädagogischen Arbeitsfeldern“ wurden Einblicke in die Techniken der Gesprächsführung und der Funktion des Beratens gewährt. Behandelt wurde z.B. die kooperative Beratung, als Beispiel einer Methode der personenzentrierten Gesprächsführung, welche in Schulen bereits auf eine lange Tradition zurückblicken kann. So nahm der „personenzentrierte Ansatz“ nach Rogers (1986) seinen Anfang in den 1980er Jahren.
Die vorliegende Hausarbeit soll einen Überblick geben über den Ablauf eines Beratungsgesprächs, die darin angewendeten Techniken der Gesprächsführung sowie Verbesserungsvorschläge. Durchgeführt wurde das nachfolgende, eigens durchgeführte Beratungsgespräch an der Goethe Universität Frankfurt, wobei die Rolle des Klienten von einer Kommilitonin übernommen wurde. Der Aufbau der hier angewendeten Reflexionsmethode beinhaltet ein dreistufiges Modell mit den Schwerpunkten Erinnern, Reflektieren und Planen. Das erste Kapitel illustriert die Phasen des Gesprächs anhand eines Gedächtnisprotokolls, sowie positive und negative Aspekte der Gesprächsführung. Daran gliedert sich im zweiten Kapitel die Reflexion an, welche z.B. den Aspekten nachgeht, ob ein Lernerfolg hinsichtlich der eigenen Beraterrolle zu erkennen war und welcher Teil des Beratungsgesprächs als am gelungensten angesehen werden kann. Darauf aufbauend werden im dritten Kapitel Verbesserungsvorschläge, alternative Verhaltensweisen und Aspekte der Selbsterkenntnis in Bezug zur Beraterrolle aufgezeigt. Den Abschluss dieser Hausarbeit bildet ein kurzes Fazit zu dem durchgeführten Beratungsgespräch, sowie zum Seminar.
Inhaltsverzeichnis
1 Erinnerung
1.1 Kontakt und Orientierung
1.2 Ist-Situation, Beschreibung des Problems, Erweiterung der Problemsicht, Zieldefinition
1.3 Lösung und Transfer
1.4 Verabschiedung
1.5 Dinge, die während des Beratungsgesprächs nach Plan und nicht nach Plan verliefen
2 Reflexion
3 Planen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen strukturierten Überblick über den Ablauf eines Beratungsgesprächs im sonderpädagogischen Kontext zu geben, die angewandten Techniken der Gesprächsführung zu analysieren und kritische Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.
- Methoden der personenzentrierten Gesprächsführung
- Analyse des Beratungsablaufs anhand eines dreistufigen Modells (Erinnern, Reflektieren, Planen)
- Reflexion der Beraterrolle und der eingesetzten Gesprächstechniken
- Identifikation von Lösungsansätzen für universitäre Belastungssituationen
- Bedeutung der kooperativen Beratung in der Sonderpädagogik
Auszug aus dem Buch
1.2 Ist-Situation, Beschreibung des Problems, Erweiterung der Problemsicht, Zieldefinition
Die Phase beginnt mit der offenen Frage „ was würdest du denn sagen ist gegenwärtig die Problematik, weswegen fühlst du dich gerade unwohl und überlastet?“, an die Ratsuchende. Ich habe die Form der offenen Frage gewählt, da nach Simon (2004) dadurch die Möglichkeit besteht, mehr Informationen der Ratsuchenden zu erhalten, „die Richtung der Antwort“ jedoch der Ratsuchenden überlassen bleibt (Simon 2004, S. 105). Auf meine Frage hin beginnt die Ratsuchende mit der Schilderung des Problems, bzw. der Illustration des aktuellen Stands ihres Studiums.
Die Ratsuchende erzählte, dass sie gegenwärtig im fünften Semester studiere und froh sei, bis dahin „durchgehalten“ zu haben. Die Situation des Studiums bereite ihr nach wie vor Probleme, jedoch seien bereits kleinere Erfolge zu verzeichnen. Sie kam zu der Erkenntnis, dass sie sich sehr viel Stress selber mache, insbesondere zum Ende des Semesters, wenn zu dem regulären Universitätsalltag zusätzlich Klausuren und Hausarbeiten kämen. Sie würde dann unter der Last der universitären Pflichten regelrecht zusammenbrechen und sei so blockiert, dass ihr ein Anfang zur Abarbeitung der Universitätsarbeiten unmöglich wäre. Diese Phase der „Mitteilung der aktuellen Lage“ und Schilderung des Problems der Ratsuchenden, wurde von mir durch „passives“ und „aktives “ Zuhören unterstrichen. Nach Simon (2004) wird dem Ratsuchenden durch das Zuhören Wertschätzung vermittelt und dass er als Person geachtet wird (vgl. Simon 2004, S. 110).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Erinnerung: Dieses Kapitel dient der Rekapitulation des geführten Beratungsgesprächs, indem die Phasen des Prozesses detailliert beschrieben und die angewandten Techniken reflektiert werden.
2 Reflexion: Hier wird der Verlauf des Gesprächs aus der subjektiven Perspektive des Beraters erneut betrachtet, um Lernfortschritte und Verbesserungspotenziale in der eigenen Beraterrolle zu identifizieren.
3 Planen: In diesem Kapitel werden konkrete Verbesserungsvorschläge für die Gesprächsführung abgeleitet und theoretische Bezüge sowie gewonnene Kompetenzen thematisiert.
4 Fazit: Das Kapitel fasst die Bedeutung der Beratungsfunktion für den Förderschullehrerberuf zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer fundierten Ausbildung durch Reflexion.
Schlüsselwörter
Beratungsgespräch, Sonderpädagogik, Gesprächsführung, Reflexion, Personenzentrierter Ansatz, Kooperative Beratung, Zieldefinition, Aktives Zuhören, Paraphrasieren, Prokrastination, Pädagogische Professionalität, Beratungsmodelle, Stressbewältigung, Kommunikation, Selbstwirksamkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert und reflektiert ein im Rahmen eines Seminars geführtes Beratungsgespräch an der Goethe-Universität Frankfurt, wobei der Fokus auf dem Ablauf und den angewandten Techniken liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die professionelle Gesprächsführung im sonderpädagogischen Kontext, die Anwendung des personenzentrierten Ansatzes und die Reflexion der Beraterrolle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den eigenen Beratungsstil zu analysieren, die Effektivität verschiedener Gesprächstechniken zu evaluieren und Ansätze für eine zukünftige professionelle Beratertätigkeit zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt ein dreistufiges Modell bestehend aus den Phasen „Erinnern“, „Reflektieren“ und „Planen“, gestützt durch fachwissenschaftliche Literatur zur Gesprächsführung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung des Gesprächsverlaufs, eine subjektive Selbstreflexion über die Rolle als Berater sowie eine theoretisch fundierte Planung zur Optimierung der eigenen Beratungsfähigkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Beratungsgespräch, Reflexion, Kooperative Beratung und sonderpädagogische Arbeitsfelder charakterisiert.
Warum spielt die „kooperative Beratung“ eine so wichtige Rolle für den Autor?
Der Autor bevorzugt diesen Ansatz, da er ein symmetrisches, wertschätzendes Verhältnis zwischen Berater und Ratsuchendem schafft, was besonders im sonderpädagogischen Feld zur Förderung der Selbstwirksamkeit beiträgt.
Wie geht der Autor mit dem Problem der „Prokrastination“ um?
Durch das Aufgreifen des Themas im Gespräch und das gemeinsame Erarbeiten von Zielen sowie die Erstellung eines Zeitplans zur Strukturierung der universitären Leistungen.
Welche Schwächen hat der Autor in seiner Beratung identifiziert?
Er benennt unter anderem das Vergessen des Datenschutzes beim Einstieg, eine zu dominante Steuerung durch vorgegebene Antwortmöglichkeiten in der Phase „Lösung und Transfer“ sowie Schwierigkeiten bei der präzisen Zielformulierung.
- Arbeit zitieren
- Corinna Herr (Autor:in), 2017, Gesprächsführung in sonderpädagogischen Arbeitsfeldern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495920