In dieser Arbeit sollen folgende Fragen beantwortet werden: Was macht den Erfolg von Sanktionen aus und wie lässt sich eine größtmögliche Effektivität erzielen? Wie lässt sich das Einlenken Irans erklären und welche Maßnahmen waren effektiv? Haben auch andere Faktoren zum Einlenken der Regierung im Iran beigetragen?
Ziel ist es, die Abschätzung der Effektivität von Sanktionsinterventionen und deren Kausalität im Falle Irans und dem Atomwaffensperrvertrag zu untersuchen.
Bei den Sanktionen des Westens gegen Russland in Bezug auf die Annexion der Krim ab dem Jahr 2014, werden immer wieder Stimmen laut, die das Ende dieser Sanktionen fordern. Ihr Hauptargument ist die angebliche Wirkungslosigkeit bei gleichzeitigen wirtschaftlichen Einbüßen für den Westen. Dabei stellen Sanktionen eines der wichtigsten Instrumente bei der Durchsetzung von internationalen Normen dar. Sanktionen verursachen zwar wirtschaftliche Kosten für die Sanktionierenden, die Alternative, militärische Einsätze, können diese Kosten jedoch um ein Vielfaches übersteigen.
In diesem Zusammenhang liegt es nahe, sich mit der Rolle von Sanktionen als Maßnahmen bei Bedrohungen der internationalen Sicherheit und des Friedens zu befassen. Als Fallbeispiel dienen in dieser Arbeit der Iran und der Atomwaffensperrvertrag. Der Streitpunkt auf der diplomatisch-verhandlungspolitischen Ebene zwischen dem Iran und den Vereinten Nationen besteht darin, inwieweit es der Islamischen Republik erlaubt ist, Uran anzureichern. Teheran bejaht dies mit Hinweis auf den nuklearen Nichtverbreitungsvertrag, den das Land unterschrieben hat, und das nationale Recht auf Urananreicherung für zivile Zwecke. Der UN-Sicherheitsrat lehnt diese Forderung ab, da es keine Kontrollmöglichkeit dafür gibt. Er ist der Meinung, dass nicht gewährleistet sei, dass das Regime die Urananreicherung ausschließlich für zivile Zwecke und nicht für den Erwerb von nuklearer Kapazität nützt. Teheran lässt sich zwar auf diplomatische Gespräche ein, lehnt aber jegliche Forderungen seitens der Vereinten Nationen ab, weil sie überzogen und nicht begründet seien. Um Iran zum Einlenken zu bewegen setzen die Vereinten Nationen, die USA und die EU auf Sanktionen.
Vor diesem Hintergrund analysiert diese Arbeit die Erfolgsbedingungen von Sanktionen sowie die wirtschaftliche und politische Effektivität, die mit internationalen Strafmaßnahmen verbunden ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Sanktionen
2.1 Begriffsbestimmung und Typologie
2.1.1 Entstehung und Verbreitung von Sanktionen
2.1.2 Positive und negative Sanktionen
2.2.3 Das klassische Modell (Makro-Modell)
2.2.4 Das interessenpluralistische Modell (Mikro-Modell)
2.2 Zum Stand der Forschung
2.3 Hypothesenbildung
3. Iran und der Atomwaffensperrvertrag
3.1 Auf dem Weg zu einer atombombenfreien Welt
3.1.1 Von der Bombe zum Nichtverbreitungsvertrag
3.1.2 Kritik am Vertrag und dessen Umsetzung
3.2 Chronologie des Irankonflikts
3.3 Internationale Sanktionen
3.4 Die Effektivität von Sanktionen
4. Fallanalyse und Hypothesenbildung
4.1. Geschlossenheit in der Sanktionsallianz und deren Umsetzung
4.2. Verwundbarkeit des Ziellandes und ökonomische Kosten der sanktionierenden Staaten
4.3 Von der Eingrenzung des Handlungsspielraums zum Regimewechsel
4.4 Leader turnover
4.5 Auswertung der Analyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Effektivität von internationalen Sanktionen am Fallbeispiel des Irans und dessen Atomprogramm. Ziel ist es, die Kausalität zwischen Sanktionsmaßnahmen, politischem Verhalten des Ziellandes und einer möglichen Verhaltensänderung durch interne politische Wechsel zu bewerten.
- Erfolgsbedingungen für internationale Sanktionen
- Analyse des iranischen Atomkonflikts (2002-2015)
- Wirtschaftliche Auswirkungen des Ölembargos
- Einfluss von "Leader turnover" auf Sanktionsverläufe
- Effektivität von "smart sanctions" gegenüber breiten Wirtschaftssanktionen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Von der Bombe zum Nichtverbreitungsvertrag
Auf der ganzen Welt gibt es keine andere Waffe, die eine größere Zerstörungskraft besitzt als die Atombombe. Im Gegensatz zu konventionellen Waffen werden drei Wirkungen erzeugt, gegen die der Mensch machtlos ist. Die erste Wirkung einer Atomexplosion ist ein intensiver Lichtblitz. Die Temperaturen erreichen unbeschreibliche Höhen und in einem bestimmten Umkreis wird alles verdampft. Die direkte Hitze entfacht Brände an Gebäuden, Wäldern und schwere Verbrennungen am Menschen. Die zweite Wirkung ist die Druckwelle, die zu 50 Prozent aus der Energie der Atomexplosion freigesetzt wird. Die Schäden werden sowohl durch den Luftüberdruck an der Vorderseite der Druckwelle als auch durch die extrem starken Stürme verursacht. Die so entstandenen Brände dehnen sich mit überhöhter Geschwindigkeit aus und vervielfachen sich. Der Atmosphäre wird Sauerstoff entzogen und die Luft wird mit Rauch, Asche und Verbrennungsgasen kontaminiert. Die dritte Wirkung der Atomexplosion ist die radioaktive Strahlung. Diese kann sowohl unmittelbare wie auch langfristige Folgen verursachen. Die Kurzzeiteffekte bestehen unter anderem in der Fehlfunktion des zentralen Nervensystems, Brechreiz, Übelkeit und Durchfall durch Verletzungen des Magen-Darm-Traktes, lebensbedrohliche Infektionen und unkontrollierte Blutungen durch Fehler in der Produktion neuer Blutzellen. Die Langzeiteffekte manifestieren sich als Fehlbildungen bei neugeborenen Kindern von Müttern, die radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren, verschiedenen Arten von Krebs und auch Traumata, verbunden mit psychischer Instabilität und posttraumatischen Stresssyndromen (Atomwaffen A-Z 2013).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Das Vorwort führt in die Thematik der Sanktionen ein, erläutert die Relevanz der Untersuchung am Beispiel des Iran und definiert die zentralen Forschungsfragen.
2. Sanktionen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung über Definitionen, Typologien sowie verschiedene wissenschaftliche Modelle zur Wirksamkeit von Sanktionen.
3. Iran und der Atomwaffensperrvertrag: Das Kapitel bietet eine historische Einordnung des Atomwaffensperrvertrags und eine detaillierte Chronologie des Irankonflikts samt der verhängten internationalen Sanktionen.
4. Fallanalyse und Hypothesenbildung: In diesem Hauptteil werden die zuvor aufgestellten Hypothesen anhand der empirischen Daten zum Iran-Fall systematisch überprüft.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Effektivität des eingesetzten Instrumentariums und wirft einen Blick auf zukünftige Implikationen.
Schlüsselwörter
Iran, Sanktionen, Atomwaffensperrvertrag, Internationale Politik, Atomprogramm, Ölembargo, Nichtverbreitung, Wirtschaftssanktionen, Smart Sanctions, Internationale Sicherheit, Regime, Leader Turnover, IAEO, Verhandlungen, Effektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie effektiv internationale Sanktionen als außenpolitisches Instrument zur Durchsetzung von Normen sind, am konkreten Beispiel des Irans.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Sanktionstheorie, der Atomwaffensperrvertrag, der chronologische Verlauf des Irankonflikts und die Analyse von Sanktionserfolgen anhand verschiedener Hypothesen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die Abschätzung der Effektivität von Sanktionsinterventionen im Falle des Iran und die Untersuchung der Kausalität zwischen Sanktionen und dem Einlenken des Regimes.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine fallstudienbasierte Analyse durchgeführt, in der theoretisch abgeleitete Hypothesen zur Sanktionswirksamkeit empirisch am Beispiel des Irans getestet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Geschlossenheit der Sanktionsallianz, die Verwundbarkeit des Irans durch wirtschaftliche Maßnahmen, die Eingrenzung des Handlungsspielraums und die Bedeutung von Regierungswechseln.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Iran, Sanktionen, Atomwaffensperrvertrag, Ölembargo und Leader Turnover aus.
Warum war das Ölembargo laut der Autorin besonders effektiv?
Das Ölembargo traf die wichtigste Einnahmequelle des Regimes und wirkte sich massiv auf die iranische Wirtschaftskraft aus, was den Druck auf die Regierung in Teheran deutlich erhöhte.
Welche Rolle spielte der Führungswechsel (Leader turnover) bei der Lösung des Konflikts?
Der Wechsel von einem harten Kurs unter Ahmadinedschad zu einem moderaten Kurs unter Hassan Rohani schuf die notwendigen Bedingungen für neue Verhandlungen, die letztlich zur Aufhebung der Sanktionen führten.
- Arbeit zitieren
- Andrada Davisca (Autor:in), 2017, Iran und der Atomwaffensperrvertrag. Die Effektivität von Sanktionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495947