Diese Hausarbeit widmet sich der Untersuchung der Europäisierungswirkung auf intermediäre Strukturen am Beispiel Großbritanniens (GB) und der Bundesrepublik Deutschland (BRD).
Zur Begutachtung steht das Verhältnis von Interessenverbänden zu ihrer Landesregierung und zur europäischen Union. Begleitet wird diese Untersuchung mit folgende Leitfrage:welche Wirkung hat Europäisierung intermediärer Strukturen auf nationalstaatlicher Ebene?Die Relevanz dieser Fragestellung ergibt sich durch zwei wesentliche Aspekte, zum einen theoretisch (wo wird die Macht ausgeübt) und zum anderen praktisch (wo muss ich meine Interessen anbringen und wie muss ich vorgehen). Um die Leitfrage zu beantworten, werden wir uns zunächst ansehen wie die Interessenvermittlung in den hier betrachteten EU-Mitgliedstaaten, Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland, abläuft. Diese Untersuchung kann nur durch eine Operationalisierung der Arten der Interessenvermittlung geschehen wofür ich auf die in der Literatur gängige Typologie zurückgreife und somit in der hier erfolgenden Untersuchung einen Vertreter des Korporatismus und des Pluralismus betrachte. Die Entscheidung für diese „Typen“ fällte ich durch die hier vorherrschenden systemischen Gegensätze, wobei wir es bei Großbritannien mit einem pluralistischen Staat zutun haben, der erst mit bzw. durch die Reformen der Regierung Thatcher wirklich pluralistisch wurde und vorher schwach korporatistisch (vgl. Cowles 2001:163) war, was sich durchaus als interessante Angelegenheit im Rahmen dieser Untersuchung entpuppen könnte. Die Wirkung der Europäisierung auf die betrachteten Systeme und des hiermit einhergehenden, notwendigen Wandels lässt sich daran erkennen, wie sich Gewichte zwischen Regierung, Verbänden und einzelnen Unternehmen verschieben. Rainer Eising (2003:311) nennt „die Internationalisierung der Wirtschaft, die europäische Integration, technologischer Wandel und demographische Veränderungen ebenso wie der Wertewandel in der Gesellschaft“ als Faktoren vor denen die BRD sowie die EU- und die anderen europäischen Staaten derzeit stehen. Mit der europäischen Integration spricht er explizit den Part der Wandelungen an, welchen wir hier genauer betrachten werden. Exemplarisch werde ich hierfür Interessenverbände in den untersuchten Staaten betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Korporatistische / pluralistische Systeme und Verbände
1.1 Korporatismus und Verbände
1.2 Pluralismus und Verbände
1.3 Vergleich des BDI und CBI
2. Auswirkungen
2.1 Veränderungen in der BRD
2.2 Veränderungen in GB
2.3 Wo Veränderungen notwendig sind
3. BRD-GB im Vergleich
3.1 Die Verknüpfung mit der EU
3.2 Die Gemeinsamkeiten
3.3 Die Unterschiede
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Europäisierung auf intermediäre Strukturen am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland und Großbritanniens, mit einem spezifischen Fokus auf die Interessenvermittlung von Arbeitgeberverbänden gegenüber nationalen Regierungen und der Europäischen Union.
- Vergleich der korporatistischen Struktur Deutschlands mit dem pluralistischen System Großbritanniens.
- Analyse der Rolle von Interessenverbänden (BDI und CBI) im europäischen Politikprozess.
- Untersuchung des "Misfits" zwischen nationalen Traditionen und europäischer Interessenvermittlung.
- Evaluation des Wandels intermediärer Strukturen infolge des Transatlantic Business Dialogue (TABD).
- Einfluss von Unternehmen als "Change Agents" auf die Arbeit der Verbände.
Auszug aus dem Buch
1.1 Korporatismus und Verbände
Die Bundesrepublik Deutschland findet man in zahlreichen Werken, wie z.B. im Lexikon der Politik, als Beispiel für einen klassischen Vertreter für einen korporatistischen Staat (vgl. Schubert 1998:334ff.).
Gerade die BRD und mit ihr die ansässigen Interessengruppen müssen sich gegenwärtig einer Reihe strukturellen Herausforderungen stellen (vgl. Eising 2005:311). Diese liegen nach Eising in der Internationalisierung der Wirtschaft, der europäischen Integration, dem technologischen Wandel und demographischen Veränderungen ebenso wie der Wertewandel in der Gesellschaft (vgl. ebd.:311). Er führt weiter aus, dass die Europäisierung der Interessenvermittlung vor allem die Struktur der Verbände, die Legitimität und Praxis der Beteiligung von Interessenorganisationen an Politikformulierung und -umsetzung sowie die Merkmale der einzelnen Interessengruppen, insbesondere ihre Organisation, Funktionen, Strategien und Positionen im Verbandsgefüge und ist als Fallstudie gut geeignet“, da es zahlreiche konkurrierende Studien zur Europäisierung gab (vgl. ebd.:311).
Viele der nationalen Verbände in der BRD haben sich in den vergangenen Dekaden EU Verbänden, wie z.B. der DGB dem EGB angehört oder die SPD der SPE, angeschlossen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Korporatistische / pluralistische Systeme und Verbände: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen des Korporatismus in Deutschland und des Pluralismus in Großbritannien vor und führt die untersuchten Verbände BDI und CBI ein.
2. Auswirkungen: Hier wird der Anpassungsdruck auf die nationalen Systeme sowie der Grad des Misfit zur europäischen Interessenvermittlung analysiert.
3. BRD-GB im Vergleich: Dieses Kapitel verknüpft die Erkenntnisse, um Gemeinsamkeiten und gravierende strukturelle Unterschiede in der Interessenpolitik beider Länder herauszuarbeiten.
Schlüsselwörter
Europäisierung, Interessenvermittlung, BDI, CBI, Korporatismus, Pluralismus, Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, TABD, UNICE, Lobbying, Misfit, Wirtschaftsverbände, Interessenpolitik, Politische Systeme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie die europäische Integration und die damit einhergehende Europäisierung die Art und Weise beeinflussen, wie Interessengruppen in Deutschland und Großbritannien ihre Anliegen gegenüber der Politik vertreten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Strukturvergleich zwischen korporatistischen und pluralistischen Systemen, die Rolle des Transatlantic Business Dialogue (TABD) und die Anpassung nationaler Verbandsstrukturen an europäische Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die zentrale Leitfrage lautet: „Welche Wirkung hat Europäisierung intermediärer Strukturen auf nationalstaatlicher Ebene?“
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor nutzt einen institutionalistischen Ansatz, um den innerstaatlichen Wandel der Verbände zu analysieren, wobei Variablen wie die Strukturen der Interessenvermittlung auf EU-Ebene und intervenierende innerstaatliche Faktoren einbezogen werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Verbandssysteme, eine Analyse der Auswirkungen (Wandel und Misfit) in den beiden Staaten sowie einen direkten Vergleich der Verknüpfung beider Länder mit der EU.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Korporatismus, Pluralismus, Europäisierung, Misfit und Interessenvermittlung geprägt.
Inwiefern unterscheidet sich der BDI vom CBI in seiner Arbeitsweise?
Der BDI agiert in einem stark korporatistisch geprägten Umfeld als Institution zur Politikberatung, während der CBI in einem pluralistischen System als "pressure group" agiert und sich stärker durch die aktive Teilhabe einzelner Unternehmen und einen Club-Charakter auszeichnet.
Welche Rolle spielen "Change Agents" im Kontext der deutschen Interessenvertretung?
Als "Change Agents" werden große Unternehmen bezeichnet, die durch ihr direktes Agieren auf europäischer und nationaler Ebene die traditionelle Vermittlungsmonopolstellung des BDI herausfordern.
- Quote paper
- Diplom Politologe Tim Pommeränig (Author), 2005, Europäisierungswirkung auf intermediäre Institutionen - eine Analyse am Bsp. des BDI der BRD und des CBI in GB-, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49601