Prüfungsangst bei Kindern erkennen. Wie Lehrer bei der Bewältigung helfen können


Hausarbeit, 2019
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Entstehung von Ängsten bei Kindern
2.1 Definition von Prüfungsangst
2.1.1 Epidemiologie
2.2 Symptome von Prüfungsangst

3. Entstehung von Prüfungsangst

4. Diagnostik von Prüfungsangst

5. Handlungsmöglichkeiten zum Abbau von Prüfungsangst
5.1 Ebene des Schülers / der Schülerin
5.2 Ebene der Eltern
5.3 Ebene der Lehrkraft

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Prüfungsangst ist eine weit verbreitete Angst. Jeder kennt das Gefühl der Anspannung und Nervosität vor einer Prüfung. Wenn dieses Gefühl aber zur echten Angst wird, die sich auf unterschiedlichen Ebenen äußert und die Leistungsfähigkeit sowie das Wohlbefinden stark beeinträchtigt, spricht man von einer Prüfungsangst. Kinder und Jugendliche geraten in ihrer Schulzeit immer wieder in die Situation, in unterschiedlichen Prüfungssituationen Leistung erbringen zu müssen. Während einer Schullaufbahn kann es dabei immer wieder passieren, dass solche Prüfungssituationen und der damit verbundene Leistungsdruck sehr negativ verknüpft werden oder ein Kind am Modell anderer lernt, dass Prüfungssituationen Angst machen. Schülerinnen und Schüler mit Ängsten fallen in einer Klasse zunächst einmal nicht so stark auf, wie Kinder mit anderen Verhaltensauffälligkeiten. Oft haben sie bereits Strategien entwickelt, mit denen sie ihre Ängste verstecken oder werden von den Lehrkräften einfach den ruhigen und unauffälligen Schülerinnen und Schülern zugeordnet, die nicht stören. Diese Kinder und Jugendlichen haben aber genauso Bedarf im Bereich Verhalten wie Kinder und Jugendliche mit einer Aggressionsproblematik oder Auffälligkeiten im Arbeitsverhalten und brauchen die Unterstützung ihrer Lehrkraft. Wie kann es nun Lehrkräften gelingen, Kinder mit Prüfungsangst zu erkennen? Wie entsteht eine Prüfungsangst überhaupt? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Brauchen Schülerinnen und Schüler mit Prüfungsangst besondere Unterstützung? Aus den beschriebenen Überlegungen zu Prüfungsangst bei Schülerinnen und Schülern entwickelte sich folgende Fragestellung, die im Rahmen dieser Hausarbeit beantwortet werden soll:

Woran ist zu erkennen, ob ein Kind unter Prüfungsangst leidet und inwiefern können Lehrkräfte Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, diese zu überwinden?

Im ersten Teil der Hausarbeit wird das Phänomen Prüfungsangst genauer beschrieben und von anderen Ängsten abgegrenzt. Es wird des Weiteren darauf eingegangen, wie häufig Prüfungsängste bei Schülerinnen und Schülern vorkommen und in welchen Symptomen sich Prüfungsangst äußern kann. Darüber hinaus wird die Entstehung von Prüfungsangst analysiert, wofür unterschiedliche Erklärungsansätze herangezogen werden. Weiterführend wird auf die Möglichkeiten der Diagnostik eingegangen und in einem abschließenden Teil werden die Handlungsmöglichkeiten zur Bewältigung von Prüfungsangst auf unterschiedlichen Ebenen beleuchtet. Im Fazit werden die Erkenntnisse miteinander in Beziehung gesetzt und die eingangs gestellte Fragestellung wird beantwortet.

2. Entstehung von Ängsten bei Kindern

Klicpera et al. (2019) halten fest, dass unterschiedliche Erklärungsansätze zur Entstehung von Ängsten bei Kindern existieren. Der Psychoanalytiker Freud interpretiert Ängste als eine Externalisierung von internen Konflikten, während Bowlby nach der Bindungstheorie in Ängsten eher den Ausdruck einer Trennungserfahrung sieht. Nach der Lerntheorie sollen Ängste wiederum bloß aus Konditionierung entstanden sein. Schließlich gibt es noch die Theorie, dass Ängste aus unterschiedlichen Reaktionskomponenten bestehen und klinisch bedeutsame Angst erst dann entsteht, wenn sie sich in der Quantität deutlich von normaler Angst unterscheidet. Die physiologischen, kognitiven und emotionalen Reaktionskomponenten sind allerding wenig und insbesondere bei Kindern kaum untersucht.

Angstgefühle sind so alt, wie die Menschheit selbst und das nicht ohne Grund. Angst ist seit jeher ein überlebenswichtiges Gefühlssystem. Untersuchungen legen nahe, dass sich der Gefühlseindruck und die grundlegende Funktionsweise von Angst über die Entwicklung unserer Vorfahren bis heute nicht gravierend verändert haben. Angst hat in erster Linie die überlebenswichtige Funktion, den Menschen vor Gefahren zu warnen und lässt den Körper so reagieren, dass die Bedrohung bewältigt werden kann oder richtig damit umgegangen wird. Kämpfen oder Fliehen waren früher die sinnvollsten Strategien, wenn man angegriffen wurde. Reste dieser Mechanismen tragen wir auch heute noch in uns. Diese körperlichen Reaktionen reichen über den Drang auszuweichen oder zu fliehen, Ansteigen des Puls und Blutdrucks, Konzentrationsschwierigkeiten und die Ausschüttung von Stresshormonen bis hin zum Schwitzen (Fehm & Fydrich,2013).

Phasen besonderer Ängste sind in der Entwicklung von Kindern zunächst einmal völlig normal. Die spezifische Art der Angst hängt dabei stark mit dem jeweiligen Entwicklungstand des Kindes zusammen. Trennungsangst tritt bereits ab dem 6. bis 8. Lebensmonat auf und löst intensive emotionale Reaktionen aus. Bereits in diesem jungen Entwicklungsalter gibt es große interindividuelle Unterschiede in der Intensität der erlebten Angst und den geäußerten Reaktionen darauf. Im weiteren Entwicklungsverlauf treten weitere Ängste vor Unbekanntem und schlecht Einschätzbarem auf. So kommt es oft vor, dass Kinder ab einem Alter von drei Jahren Ängste vor Tieren, Dunkelheit oder Fantasiegestalten zeigen. In der Regel nehmen diese Ängste mit zunehmendem Alter wieder ab. Mit Schuleintritt kommen aber wieder neue, auf die Schule bezogene Ängste, soziale Ängste, Angst um Geldangelegenheiten oder Angst die eigene Identität betreffend hinzu. Vor allem in einem Alter von 9 bis 12 Jahren können diese Arten von Ängsten beobachtet werden. Im Jugendalter verändern sich diese Ängste zu Angst vor körperlicher Verletzung, Angst um persönliche Sicherheit und Ängste um Sozialkontakte nehmen zu (Klicpera et al., 2019).

Klicpera et al. (2019) betonen, dass sich gleichzeitig zur Entwicklung von Angst und ängstlichem Verhalten auch die Fähigkeit diese zu kontrollieren und zu modifizieren entwickelt. Während ihrer Entwicklung sind Kinder lange Zeit auf ihre Eltern angewiesen und finden so Sicherheit. Mit zunehmendem Alter lernen sie aber, sich selbst zu regulieren und gewinnen Sicherheit in der Kontrolle im Umgang mit Angst auslösenden Situationen.

2.1 Definition von Prüfungsangst

Um Prüfungsangst genauer zu definieren, schlagen Klicperaet al. (2019) vor, zunächst einmal Angst von Furcht und Phobie zu unterscheiden. Furcht drückt sich immer in Bezug auf ein konkretes Objekt aus. Von diesem Objekt scheint eine Bedrohung auszugehen und der Mensch durchlebt ein negatives Gefühl. Angst ist als Gefühl grundlegender und allgemeiner angelegt. Oft wird Angst in bedrohlichen Situationen ausgelöst und hat dann die überlebenswichtige Funktion einer Warnung. Unter einer Phobie kann man eine Zuspitzung der Furcht vor konkreten Objekten oder Situationen verstehen. Diese Furcht wird oft als sehr intensiv und überwältigend wahrgenommen, ist in der Realität aber meistens übertrieben. Eine Phobie kann man gegenüber bestimmten Tieren oder Insekten, aber auch gegenüber sozialen Situationen entwickeln.

Melfsenund Walitza(2013) halten fest, dass unter dem Oberbegriff der „Sozialen Angst“ alle Konzepte zusammengefasst werden, die sich auf ein Gefühl des Unbehagens in sozialen Situationen oder bei Leistungsanforderungen beziehen. Hartke et al.(2018) unterscheiden zwischen Leistungsangst und sozialer Angst. Leistungsangst bezieht sich konkret auf Situationen in denen Anforderungen gestellt werden und eine Leistung erbracht werden soll. Der Stellenwert einer Prüfung und die Erfolgswahrscheinlichkeit beeinflussen die subjektiv empfundene Hilflosigkeit und damit die Stärke der Leistungsangst. Unter sozialer Angst fassen die Autoren Angst vor Zurückweisung, vor Nichtanerkennung oder vor Machtverlust zusammen. Die soziale Angst entwickelt sich dabei unabhängig von einer Leistungserwartung. Die Prüfungsangst ist demnach der Kategorie der Leistungsängste zuzuordnen.

Nach Melfsenund Walitza(2013) wird die Prüfungsangst keiner definierten Störungskategorie zugeordnet. Die Klassifikationssysteme ICD-10 und DSMV-IV erwähnen die Prüfungsangst unter der Definition anderer Angststörungen. Im DSM-IV wird Prüfungsangst unter der Sozialen Phobie erwähnt. Im ICD-10 kann die Prüfungsangst der spezifischen Phobie oder einer Generalisierten Angststörung zugeordnet werden.

Fehmund Fydrich(2013) schlagen folgende Definition von Prüfungsangst vor:

„Prüfungsangst ist eine anhaltende und deutlich spürbare Angst in Prüfungssituationen und/oder der Zeit der Prüfungsvorbereitung, die den Bedingungen der Prüfungsvorbereitung und der Prüfung selbst nicht angemessen ist. Die Angst äußert sich auf einer oder mehreren Ebenen: Diese betreffen Verhalten, Gefühle, Gedanken und körperliche Reaktionen.“ (S.19)

Nach den Autoren Grolimund und Rietzler(2013, S.23) „fühlen sich Schüler mit Prüfungsangst in Leistungssituationen bedroht. Viele haben generell vor allen Testsituationen Angst, bei anderen beschränkt sich die Nervosität auf einzelne Fächer oder Vorträge und mündliche Prüfungen.“ Dabei leiden nicht nur Schülerinnen und Schüler mit schlechten Noten unter Prüfungsangst, sondern auch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Die Betroffenen unterschätzen ihr Können und haben oft das Gefühl, dass bei einem Versagen ihre Person als Ganzes bewertet wird. Melfsen und Walitza(2013) halten fest, dass Betroffene die Situationen, in denen sie Prüfungsangst verspüren, gut in einer sogenannten Angsthierarchie mit ansteigendem Belastungsgrad anordnen können. In einer Angsthierarchie ordnen die Betroffenen die angstauslösenden Situationen in einer Skala von 1 bis 10 ein. 1 bedeutet, dass die Situation keine Angst auslöst und 10 bedeutet, dass die Situation sehr starke Angst auslöst. Eine Angsthierarchie könnte dann folgendermaßen aussehen: 6) Im Unterricht Fragen beantworten, 8) Referat vor der Klasse halten, 9) mündliches Referat, 10) schriftliche Klassenarbeit.

Manferdini(2016, S.3) hält fest, dass es bei Prüfungsangst „um ein körperliches Befinden geht, in dem man keinen klaren Gedanken mehr fassen kann, Erinnerungsblockaden auftreten, Versagensängste dominieren und körperliche Symptome wie Durchfall, Brechreiz, Muskelzittern, Schlafstörungen usw. auftreten“.

Wie weitreichend die Auswirkungen von Prüfungsangst sein können, zeigen Fehm und Fydrich(2013, S.14) auf: „Prüfungsängste sind für die Betroffenen belastend und können viele oder gar alle Lebensbereiche beeinflussen.“ Fehm und Fydrich (2013) halten ferner fest, dass Prüfungsängste oft schon Wochen oder Monate vor der eigentlichen Prüfung auftreten können und sich als Angstgefühle äußern oder in Form bestimmter Gedanken und Verhaltensweisen und oft begleitet werden von körperlichen Symptomen.

2.1.1 Epidemiologie

Wie häufig Prüfungsängste bei Schülerinnen und Schülern auftreten ist nicht genau bekannt. Melfsen und Walitza(2013) halten fest, dass zur Epidemiologie von Prüfungsangst nur sehr wenige Studien vorliegen. Dies liegt zum Einen an einer fehlenden einheitlichen Definition von Prüfungsangst und zum Anderen am Fehlen eines geeigneten Messinstruments. Eine Studie von Suhr-Dachsund Döpfner(2005, zitiert nach Melfsen und Walitza, 2013, S.74) stellt fest, dass von den untersuchten Schülerinnen und Schüler im Alter von 8 bis 18 Jahren 20 Prozent unter der Angst, durch eine Prüfung zu fallen leiden und etwa 14 Prozent Angst vor schlechten Noten haben. Andere Studien stellen starke Prüfungsängste bei 10 bis 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler fest, wobei schriftliche Arbeiten stärker angstbesetzt als mündliches Abfragen sind (Lukesch,1981, zitiert nach Melfsen und Walitza, 2013, S.74). Federer et al. (2000, zitiert nach Melfen und Walitza, 2013, S.74) stellten einen geringen Geschlechterunterschied in der Ausprägung von Prüfungsangst fest. Mädchen leiden demnach unter stärkerer Prüfungsangst als Jungen. Dass Prüfungsangst keineswegs ein Phänomen ist, welches sich auf die Schulzeit bezieht, zeigen die Ergebnisse von Fehm und Fydrich (2013). In ihrer Studie haben die Autoren 500 Berliner Studierende befragt und dabei eine enge Definition von Prüfungsangst angelegt, um diese von anderen Ängsten unterscheiden zu können. Als prüfungsängstlich wurden demnach nur solche Personen bezeichnet, die von Angstsymptome im Zusammenhang mit Prüfungssituationen berichten und davon in ihrer Lebensführung deutlich beeinträchtigt sind. 5 Prozent der Befragten wurden als deutlich prüfungsängstlich eingestuft.

2.2 Symptome von Prüfungsangst

Die Symptomatik der Prüfungsangst kann laut Melfsenund Walitza(2013) sehr unterschiedlich aussehen. Symptome äußern sich dabei auf der Ebene der Gedanken, Emotionen, des Verhaltens und schließlich auf der Ebene der physiologischen Reaktionen.

Gedanken: Lange bevor die Prüfung überhaupt stattfindet, machen sich Betroffene darüber Gedanken. Oft sorgen sie sich, die Prüfung nicht zu bestehen und sich zu blamieren. Die selbstabwertenden und negativen Gedanken kreisen immer um den bevorstehenden möglichen Misserfolg. Oft werden im Kopf die negativen Folgen eines Scheiterns, wie zum Beispiel das Enttäuschen von Bezugspersonen oder der Beweis der eigenen Unfähigkeit durchgegangen. Betroffene berichten aber auch von einem Zustand der Gedankenleere vor der Prüfung. Während der Prüfung kann es zu Blackouts und Denkblockaden kommen.

Emotionen: Starke Ängste bis hin zu Panikreaktionen können während oder kurz vor einer Prüfungssituation auftreten. Betroffene berichten von Gefühlen der inneren Unruhe, der Hoffnungslosigkeit, der Verzweiflung bis hin zu Depressionen. Die Stimmung insgesamt ist geprägt von Sorge, Gereiztheit, Niedergeschlagenheit, Versagens- und Minderwertigkeitsgefühlen.

Verhalten: Anspannung zeichnet das Verhalten vor und während einer Prüfung aus. Die Betroffenen zeigen klassische Stressreaktionen, wie „Konzentrationsmangel, motorische Unruhe, Verhaltensstörungen, psychosomatische Beschwerden, Unlust, Antriebslosigkeit und erhöhte Schreckhaftigkeit“ (Melfsen& Walitza, 2013, S.72). Kurz vor der Prüfung kämpfen die Betroffenen oft mit Schlafstörungen. In der Prüfungsvorbereitungsphase lassen sich Vermeidungsverhalten und Lernschwierigkeiten beobachten. Das Lernen wird entweder bis zur letzten Sekunde aufgeschoben oder die Betroffenen verlieren sich in exzessivem Lernen.

Physiologische Reaktionen: Prüfungsangst kann sich auch in körperlichen Symptomen, wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Herzrasen, starker Muskelanspannung, Schweißausbrüchen, Zittern oder Harndrang äußern. Betroffene beschreiben ihre körperlichen Symptome oft unspezifischer mit „weichen Knien“, „flaues Gefühl im Magen“ oder „Kloß im Hals“. Es kann auch passieren, dass sich das Blut aus Händen und Beinen zurückzieht und somit ein Gefühl der Kälte in Händen und Füssen entsteht. Oft klagen Betroffene auch über Schwindel, Müdigkeit und Lustlosigkeit.

Hartke et al. (2018) halten fest, dass Ängste häufig nicht erkannt werden und schwer zu beobachten sind. Oft werden darüber hinaus andere Gründe für das jeweilige Verhalten angenommen. Die Autoren legen nahe, über längere Zeit eine gezielte Verhaltensbeobachtung durchzuführen und dabei den Fokus auf bestimmte Symptome zu legen. Hartke et al. (2018) schlagen vor, folgende Symptome von Leistungsangst zu beobachten:

„1) Erröten bei Leistungsanforderungen, wie z.B. Vorlesen, beim Rechnen einer Aufgabe vor der Klasse
2) Geht ungerne an die Tafel
3) Beteiligt sich ungern an Spielen, die Leistungen messen („Eckenrechnen“)
4) Vermeidet oder verweigert Konkurrenzsituationen, wie z.B. beim Sportunterricht (Wettlauf, Wettschwimmen), im Mathematikunterricht (Kopfrechenübungen) oder im Deutschunterricht (Tafeldiktat)
5) Hat Bauchschmerzen vor Klassenarbeiten oder Testsituationen, klagt über Übelkeit vor, während und nach Leistungssituationen
6) Erbrechen vor der Schule oder in der Schule
7) Zittern der Hände, Nervosität, Nägel knabbern
8) Beteiligt sich selten an Unterrichtsgesprächen
9) Verlässt den Unterricht für Toilettengänge sehr häufig sowie über ausgedehnte Zeiträume
10) Resigniert beim Misslingen einer Leistungsanforderung
11) Wirkt verzweifelt, niedergeschlagen beim Nichtbewältigen einer Aufgabe
12) Fängt an zu weinen, wenn eine Aufgabe nicht gelingt oder falsch gelöst ist
13) Versichert sich sehr häufig bei der Lehrkraft, ob die Aufgabe richtig ist
14) Körperliche Unruhe, Erblassen, Erröten, angespannte Gesichtszüge
15) Misserfolgserwartungshaltung in Leistungssituationen
16) Mangelnde Konzentration bei Leistungsanforderungen
17) Impulsives Verhalten bei Leistungsanforderungen
18) Fehlt mit erkennbarer Regelmäßigkeit (entschuldigt/unentschuldigt) bevorzugt an Tagen, für die Leistungskontrollen, Klassenarbeiten, Projektpräsentationen etc. angekündigt waren“ (S.114)

3. Entstehung von Prüfungsangst

Hartke et al.(2018) gehen von der Annahme aus, dass Ängste weitgehend erlernt sind. Unangenehme Gefühle, die auch mit Angst besetzt sein können, werden in bestimmten Situationen ausgelöst. Wenn man zum Beispiel eine persönliche Niederlage erfährt oder bloßgestellt wird. Diese unangenehmen Erlebnisse und Gefühle müssen verarbeitet werden. Falls dies nicht geschieht, können sie sich in Ängste weiterentwickeln und Auswirkungen auf andere Situationen haben. Ein Reiz kann dabei auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Gefühl Angst verknüpft werden. Geht man von der Theorie des Klassischen Konditionierens aus, muss der Angstreiz in einer bestimmten Situation sehr hoch gewesen sein, damit das Gefühl Angst mit dieser Situation verknüpft wird. Als Beispiel nennen die Autoren das Fallen von einem Reck, was fortan als traumatisches Erlebnis erinnert wird. Das Reck wird also beim Betroffenen mit der Emotion Angst verknüpft. Ein weiters Beispiel im schulischen Bereich könnte das Kopfrechnen vor der Klasse sein. Ein Lehrer nimmt einen Schüler dran, der offensichtlich nicht weiß, wie er die Aufgabe lösen soll und stellt ihn vor der Klasse bloß. Diese Situation ist von nun an mit der Emotion Angst verknüpft.

Ängste können darüber hinaus auch über das Operante Konditionieren und das Modelllernen erlernt werden. Operantes Konditionieren funktioniert so ähnlich wie das Klassische Konditionieren. Ein Schüler macht immer wieder die gleiche Erfahrung, dies kann auch weniger intensiv als beim Klassischen Konditionieren passieren, und entwickelt so Ängste. Regelmäßige schlechte Zensuren und Rückmeldungen können dazu führen, dass sich ein Schüler den schulischen Anforderungen nicht gewachsen fühlt, sich deshalb in Prüfungssituationen unsicher, unfähig und nicht selbstwirksam erlebt und daraus Leistungsängste und sogar eine Schulphobie entwickeln kann. Ein Teufelskreislauf kommt dann in Bewegung, wenn dieser Schüler denkt, dass sich all seine Bewältigungsversuche und Anstrengungen nicht lohnen, sich ein negatives Selbstbild entwickelt und das Interesse an schulischen Inhalten abnimmt. Kinder und Jugendliche in diesem Teufelskreis versuchen die angstbesetzten Situationen zu vermeiden und werden so in ihrer Neugierde gebremst und in der Aneignung neuer Lernerfahrungen behindert. (Borchert,1996; zitiert nach Hartke et al., 2018, S.109). Schülerinnen und Schüler mit Angstproblematiken können nur erschwert aktiv am Unterricht teilnehmen. Zudem erreichen sie ihre sich selbst gesetzten, oft überzogenen, Ziele nicht und sind in Folge dessen permanent gestresst, angespannt und unzufrieden. Kinder und Jugendliche, die sich in einer solchen Situation befinden, können auch physiologische Symptome zeigen, wie weiter oben bereits beschrieben.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Prüfungsangst bei Kindern erkennen. Wie Lehrer bei der Bewältigung helfen können
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V496060
ISBN (eBook)
9783346006189
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leistungsangst, Prüfungsangst, Verhaltensauffälligkeiten, Handlugsmöglichkeiten, Angst
Arbeit zitieren
Julia Buck (Autor), 2019, Prüfungsangst bei Kindern erkennen. Wie Lehrer bei der Bewältigung helfen können, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496060

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