Bereits frühe Sprachforscher wie Condillac, Rousseau und Herder beschäftigten sich mit den wesentlichen Grundfragen über die menschliche Sprachfähigkeit. Was ist Sprache eigentlich? Ist Sprache ein Spezifikum des Menschen? Und vor allem – was ist der tatsächliche Ursprung von Sprache? Besonders jene letzte Frage – die Frage nach dem Sprachursprung scheint auf ein wesentliches menschliches Bedürfnis abzuzielen. Der Mensch will sich in irgendeiner Weise in der Welt und zu ihr verortet wissen. Als scheinbar menschliches Spezifikum erscheint Sprache in dieser Hinsicht produktiv. Die Frage nach dem Sprachursprung wurde daher traditionell in Verbindung mit der Frage nach dem menschlichen Wesen selbst gedacht.
Spätestens mit der Auslobung des Wissenschaftspreises der Berliner Akademie der Wissenschaften im 18 Jahrhundert nimmt die Frage nach dem Sprachursprung an Fahrt auf. Das Problem wurde damals noch in Abgrenzung zu Gott gedacht. Später unter dem Einfluss der Evolutionstheorie eher in Abgrenzung zur Natur. Wo also steht der Mensch? Und was ist nun der Ursprung der Sprache?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Struktur der Beweisführung
2.1 Empirische Beweise
2.2 Die Triangel empirischer Beweise
2.3 Die Voraussetzungen empirischer Beweise
3. Beweis – Aufrechter Gang
4. Beweis – Zeichensprache und Affen
5. Beweis – FoxP2
6. Beweis – Mimese
6.1 Spekulativer Ansatz
6. 2 Empirischer Ansatz
7. Schluss und persönliches Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gestische Sprachursprungstheorie, indem sie die von David Armstrong angeführten empirischen Beweise kritisch analysiert, deren wissenschaftliche Voraussetzungen prüft und die Stichhaltigkeit der Argumentation bewertet.
- Grundlagen und Struktur empirischer Beweisführung
- Einfluss des aufrechten Gangs auf die kommunikative Entwicklung
- Untersuchung von Lernprozessen bei Primaten im Kontext menschlicher Zeichensprache
- Die Rolle des FoxP2-Gens beim Übergang zu artikulierter Sprache
- Bedeutung der Mimese als erste Stufe der Sprachentwicklung
Auszug aus dem Buch
3. Beweis – Aufrechter Gang
Ein Argument für die gestische Sprachursprungstheorie ergibt sich aus der Umstellung der Fortbewegungsart hin zum aufrechten Gang. Der Quadrupedalismus wird sukzessive durch den Bipedalismus abgelöst. Als Konsequenz ist die Fortbewegung auch ohne Einsatz der vorderen Gliedmaßen möglich. Die Hände werden potentiell frei für andere Tätigkeiten. Nachweisbar ist der aufrechte Gang bereits bei Ardipithecus anhand von Untersuchungen zur Knochen- und Skelettstruktur. Die Befreiung der Hände ist bei dieser Entwicklung wesentlich. Gestische Kommunikation wird durch Gebrauch von Händen effizient. Mithilfe der Hände können Gedanken und Imaginationen begrifflich erfasst und verarbeitet werden. Begriffliches Denken wird dadurch also erst ermöglicht. Der Ursprung menschlicher Sprachfähigkeit ist damit eine gestische Kommunikation mit Händen.
Für diese Interpretation spricht die Tatsache, dass sich mit der Umstellung hin zum aufrechten Gang die Entwicklung der Hände vergleichsweise schnell vollzog. Eine Hand moderner Ausprägung ist bereits bei Homo Erectus nachweisbar. Die Relevanz einer ausgebildeten Hand scheint sich evolutionär als wichtig erwiesen zu haben.
Fraglich ist allerdings inwieweit dieser Umstand tatsächlich die gestische Sprachursprungstheorie stützen kann. Es wird stillschweigend vorausgesetzt, dass der Primärzweck der Hände in der Verbesserung von Kommunikation zu sehen ist. Dies konterkariert beispielsweise die heutige Verwendung der Hände. Um sich mitzuteilen verwendet der moderne Mensch primär nicht etwa die Hände, sondern gesprochene Sprache. Die rasche Evolution zur modernen Hand kann also auch andere Gründe haben. Beispielsweise erlaubt diese eine deutlich bessere Handhabung von Werkzeugen oder sonstigen Hilfsmitteln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische und philosophische Fragestellung nach dem Ursprung der Sprache ein und benennt die gestische Sprachursprungstheorie als zentralen Untersuchungsgegenstand.
2. Struktur der Beweisführung: In diesem Kapitel werden die methodischen Ansätze von Armstrong vorgestellt, insbesondere die Einteilung in archäologische, komparative und spekulative Beweise.
3. Beweis – Aufrechter Gang: Es wird analysiert, inwieweit die Evolution des aufrechten Gangs die Hände für gestische Kommunikation befreite und ob dies ein stichhaltiges Argument für den Sprachursprung ist.
4. Beweis – Zeichensprache und Affen: Dieses Kapitel prüft die Lernfähigkeit von Schimpansen im Bereich menschlicher Zeichensprache und bewertet deren Relevanz für die evolutionäre Sprachursprungstheorie.
5. Beweis – FoxP2: Es wird untersucht, welche Rolle das Gen FoxP2 als Auslöser für den Übergang von gestischer Kommunikation zur Vokalisation spielt.
6. Beweis – Mimese: Hier wird der Ansatz der Mimese als Nachahmung mit Darstellungsabsicht betrachtet, unterteilt in philosophisch-spekulative und neurobiologische Argumente.
7. Schluss und persönliches Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, die feststellt, dass die Theorie schlüssig ist, aber lediglich Wahrscheinlichkeitsaussagen zulässt.
Schlüsselwörter
Sprachursprungstheorie, Gestik, Evolution, Anthropologie, Armstrong, Ardipithecus, Zeichensprache, Primatenforschung, FoxP2, Mimese, Spiegelneuronen, Broca-Areal, Kommunikation, Sprachfähigkeit, Bipedalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der gestischen Sprachursprungstheorie, die postuliert, dass sich die menschliche Sprache aus einer ursprünglichen gestischen Kommunikation heraus entwickelt hat.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung und kritische Einordnung der empirischen Beweise für die gestische Theorie, unter besonderer Berücksichtigung des Essays von David Armstrong.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die anatomische Evolution (aufrechter Gang), vergleichende Primatenstudien, genetische Faktoren wie FoxP2 sowie die Rolle der mimetischen Nachahmung.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die bestehende archäologische, biologische und verhaltenswissenschaftliche Forschungsergebnisse und Hypothesen kritisch zueinander in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Beweislinien, darunter die funktionale Bedeutung freier Hände durch den Bipedalismus, die kognitive Kapazität von Primaten sowie die Rolle neurologischer Strukturen.
Wie lautet das Fazit der Arbeit?
Die Autorin bzw. der Autor kommt zu dem Schluss, dass die gestische Sprachursprungstheorie ein schlüssiges Denkkonstrukt darstellt, jedoch keine eindeutige Verifikation ermöglicht, sondern lediglich wahrscheinliche Hinweise liefert.
Welche Rolle spielen Spiegelneuronen für die Argumentation der Theorie?
Spiegelneuronen dienen als neurobiologischer Beleg für die Fähigkeit zur Beobachtung und Nachahmung von Gesten bei Primaten, was als Vorstufe für eine kommunikative Grundausstattung interpretiert wird.
Warum wird das FoxP2-Gen in der Arbeit als kritisch bewertet?
Das Gen wird zwar als Enabler für Vokalisation diskutiert, jedoch weist die Arbeit darauf hin, dass seine Funktionen sehr allgemein sind und eine monokausale Zuordnung zur Sprachentwicklung wissenschaftlich umstritten bleibt.
- Arbeit zitieren
- Bastian Fischl (Autor:in), 2018, Die gestische Sprachursprungstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496182