Die Gerechtigkeit in Dantes "Monarchia". Darstellung und kritische Analyse


Studienarbeit, 2016

25 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung S

II. Das Gerechtigkeitsargument S

III. Das Gerechtigkeitsargument – die Struktur S

IV. Das Gerechtigkeitsargument – die Prämissen S
1. Untersuchung des Obersatzes S
1.1 „divinus poeta“ S
1.2 Die Gerechtigkeit als Bedingung für Friede & Vernunft S
2. Untersuchung des Untersatzes S
2.1 Die Definition der Gerechtigkeit S
2.2 Die Methode/Theorie der Gerechtigkeit S
2.2.1 Persönlichkeitsebene S
2.2.2 Konzeptionelle Ebene S
2.2.3 Handlungsebene S
2.2.4 Zusammenfassung der Methode/Theorie S
2.3 Die Anwendung der Methode S
2.3.1 Der Monarch auf Persönlichkeitsebene S
2.3.2 Der Monarch auf konzeptioneller Ebene S
2.3.3 Der Monarch auf Handlungsebene S

V. Schluss – persönliches Fazit S

VI. Literaturverzeichnis S

A-1 Anhang 1 – Schema Tätigkeit S

A-2 Anhang 2 – Legende S

I. Einleitung

„Allen Menschen, denen die höhere Natur das Streben nach Wahrheit eingeprägt hat, scheint es das Wichtigste zu sein, daß sie in gleicher Weise, wie sie durch die Arbeit der Vorfahren bereichert worden sind, auch selbst für die Nachfahren arbeiten, damit die Nachwelt von ihnen etwas erhalte, wodurch sie bereichert wird.“1

Dies ist der erste Satz der Monarchia von Dante Alighieri. Der Dienst an der nachfolgenden Generation und der zukünftigen Menschheit ist der hehre Anspruch dieses staatsphilosophischen Werkes. Dante will den öffentlichen Nutzen mehren und einen Beitrag zum Wohl der Menschheit leisten.2 In drei Büchern widmet sich Dante drei entsprechenden „Zweifelsfragen“, deren Aufklärung einen derartigen Nutzen stiften soll:3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die folgende Studienarbeit beschäftigt sich speziell mit dem Gerechtigkeitsargument in I, xi und xii. Es sei an dieser Stelle erlaubt, ebenso mit einigen zentralen Frangen im Hinblick auf die vorliegende Arbeit einzuleiten. Folgendes soll beantwortet werden:

- Wie ist die Struktur der Argumentation?
- Was ist die theoretische Basis?
- Wie ist die praktische Umsetzung?
- Welche Wechselwirkungen mit weiteren Textstellen der Monarchia gibt es?
- Welche Ansätze bieten Anlass zu Kritik?

II. Das Gerechtigkeitsargument [Mon. I, xi – I, xii]

Wie die meisten Argumente in der Monarchia, ist auch das Gerechtigkeitsargument streng durchkomponiert. Nach Exposition einer These, leitet Dante nach aristotelischer Schlusslehre ab. Aus Obersatz und Untersatz wird mithilfe eines Mittelbegriffs eine Konklusion hergestellt, die sich zwingend aus den Prämissen ergeben soll. Die Argumentation ist somit konsequent syllogistisch.4 Dass Dante sich in seiner Argumentationsweise an Aristoteles anlehnt ist nicht weiter verwunderlich, war jener doch in dieser Zeit als „der Philosoph“ bekannt. Ebenso baut Dante seine Argumente inhaltlich oft in erheblichem Maße auf dem theoretischen Fundament von Aristoteles auf.5 Es findet sich eine ganze Fülle von Zitaten in der Monarchia, die Dante als Beleg seiner eigenen Thesen verwendet.6 Die Relevanz Aristoteles als eine der prägenden Figuren der Philosophiegeschichte, wenn nicht sogar als wichtigster Vertreter seines Faches steht für Dante fest.

III. Das Gerechtigkeitsargument – die Struktur

Das Argument wird eingangs in seiner grundsätzlichen Struktur vorgeführt. Es funktioniert wie folgt:

Prämisse 1 (Obersatz)

„Überdies ist die Welt am besten geordnet, wenn in ihr die Gerechtigkeit am meisten Macht besitzt.“7

Auf Inhaltsebene weist der Satz zwei Ereignisse auf. Zum besseren Verständnis ein „Content Breakdown“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Prämisse 2 (Untersatz)

„Die Gerechtigkeit besitzt allein unter der Herrschaft des Monarchen am meisten Macht.“8 „Content Breakdown“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schlussfolgerung (Konklusion)

„Also ist für die beste Ordnung der Welt die Monarchie oder das Imperium erforderlich.“9 „Content Breakdown“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Vorgehensweise ist damit streng syllogistisch. Die Konklusion wird durch den Mittelbegriff (Ereignis A) hergestellt und es liegt ihr somit eine zwingende Wenn–Dann–Bindung zugrunde, die logisch einwandfrei funktioniert. Voraussetzung ist allerdings die Richtigkeit und Plausibilität der Prämissen, aus denen heraus die Konklusion ihre Legitimation erhält. Sind die Prämissen fehlerhaft, ist es auch die Konklusion.

IV. Das Gerechtigkeitsargument – die Prämissen

1. Untersuchung des Obersatzes

1.1 „divinus poeta“

Zur argumentativen Unterfütterung des Obersatzes, ruft Dante zuerst Vergil zu Hilfe, dessen „Bukolischen Gedichte“ er wie folgt zitiert:10

„<<Schon naht die Jungfrau, die saturnischen Reiche kehren wieder>>.“11

Die im ersten Anblick kryptisch anmutende Bedeutung von Vergils Versen, erhellt Dante selbst indem er sie interpretiert:

Jungfrau:

„Die Gerechtigkeit nämlich wurde Jungfrau genannt [...]“12

saturnischen Reiche:

„[...] saturnische Reiche, damit sind die besten Zeiten gemeint, die sie [die Römer] auch die goldenen nannten.“13

Interessant ist hierbei die Reihenfolge des Zitats. Obwohl die Satzteile formell gleichwertig sind, ist eine Ursache–Wirkung–Beziehung implizit. Die Gerechtigkeit ist Vorbedingung und ursächlicher Grund für die besten Zeiten des Römischen Imperiums.14 Was Dante genau mit den besten Zeiten meint, lässt er an dieser Stelle offen. Mon. I, xvi, 1 und 2 legt aber nahe, dass Dante den Zustand des Römischen Reiches zum Zeitpunkt der Regentschaft Augustus meint, in dem – so Dante – die Menschen in der Ruhe des allgemeinen Friedens glücklich sein konnten.15 Graßmück sieht Augustus gar als prototypisches Vorbild für Dantes Vorstellung eines optimalen Monarchen und Herrschers.16

Die Plausibilität des Argumentes selbst wird nicht weiter hinterfragt. Die Evidenz ist für Dante allein durch die Autorität Vergils sichergestellt, den er auch „divinus poeta“ nennt .17 Das Argument ist damit von seiner Art her ein reines Autoritätsargument und insofern jedenfalls nicht logisch entwickelt. Für die Tragfähigkeit des Argumentes ist dies aus pragmatischer Sicht eher abträglich.

1.2 Die Gerechtigkeit als Bedingung für Friede und Vernunft

Ein weiteres Argument ist implizit vorhanden und verfängt auf einer deutlich formelleren Ebene. Grundlage des Argumentes ist Mon. I, xi, 14:

„Da unter allen Gütern des Menschen das wichtigste ist, daß er in Frieden lebe, wie oben gesagt wurde, und dies am meisten und wirksamsten die Gerechtigkeit bewirkt, stärkt die Liebe die Gerechtigkeit am meisten, und um so mehr, je kräftiger und mächtiger sie ist.“18

Die Gerechtigkeit bewirkt demnach den Frieden. Aus Mon. I, iv, 2 ergibt sich ferner der Friede als eine Voraussetzung für das allgemeine Menschheitsziel, welches die Ausbildung von Intellekt und Vernunft ist.19 Es besteht folglich ein direkter Zusammenhang zwischen Gerechtigkeit und dem allgemeinen Menschheitsziel.

Wir bleiben nun in der inhärenten Logik der Monarchia und konstruieren folgenden Syllogismus:

Prämisse 1 (Obersatz)

Gerechtigkeit → Frieden20

[Gerechtigkeit bewirkt Frieden]

Prämisse 2 (Untersatz)

Friede → Vernunft/Intellekt21

[Friede bewirkt Vernunft/Intellekt]

Schlussfolgerung (Konklusion)

Gerechtigkeit → Vernunft/Intellekt

[Gerechtigkeit bewirkt Vernunft/Intellekt]

Auch hier ist die Richtigkeit der Schlussfolgerung abhängig von der Belastbarkeit der Prämissen. Der Obersatz wird als plausibel vorausgesetzt. Hilfreich für dessen Verständnis ist aber Mon. I, xvi, 1 und 2. Mit Friede im politischen Sinn ist demnach der Friede im augusteischen Sinn gemeint, wie oben bereits erwähnt.22

Den Beweis des Untersatzes liefert uns Mon. I, iv, 2, worin Dante den Prozess der Ausbildung von Vernunft und Intellekt beschreibt:

„Und weil es […] beim einzelnen Menschen geschieht, daß er sitzend und ruhend an Klugheit und Weisheit selber vollkommen wird, ist klar, daß die menschliche Gattung in Ruhe oder stille des Friedens das ihr eigentümliche Werk, […] mit größter Freiheit und Leichtigkeit vollziehen kann.“23

Zusätzlich gibt er weitere Autoritätsargumente aus der Heiligen Schrift an, die den Untersatz belegen sollen.24

Es kann also argumentiert werden, dass zwischen Gerechtigkeit und allgemeinem Menschheitsziel ein direkter Zusammenhang besteht, obwohl dieser in Mon. I, xi nicht explizit erwähnt wird.

[...]


1 Alighieri, Dante: Mon. I, i, 1

2 Vgl. Alighieri, Dante: Mon. I, i, 2 und 3

3 Vgl. ebd. I, ii, 3

4 Vgl. Lüddecke, Dirk: Das politische Denken Dantes, S.15

5 Vgl. ebd. S.54 iVm Mon. I, xii, 8 und I, xiii, 2

6 Vgl. Alighieri, Dante: Mon. I, v, 3

7 Alighieri, Dante: Mon. I, xi, 1

8 ebd. I, xi, 2

9 Alighieri, Dante: Mon. I, xi, 2

10 Vgl. Alighieri, Dante: Mon. I, xi, 1

11 Alighieri, Dante: Mon. I, xi, 1

12 ebd.

13 Alighieri, Dante: Mon. I, xi, 1

14 Vgl. Stadler, Hubert: Um die Möglichkeit wissenschaftlicher Politik (Diss.), S.68, Nr.1

15 Vgl. Alighieri, Dante: Mon. I, xvi, 1 iVm. I, xvi, 2

16 Vgl. Grasmück, Ernst Ludwig: Dante Alighieri: De monarchia, S.72

17 Vgl. Alighieri, Dante: Mon. I, iii, 6 iVm. Lüddecke, Dirk: Das politische Denken Dantes, S.50

18 Alighieri, Dante: Mon. I, xi, 14

19 Vgl. Alighieri, Dante: Mon. I, iii, 6

20 Vgl. Alighieri, Dante: Mon. I, xi, 14

21 Vgl. ebd. I, iv, 2

22 Vgl. Grasmück, Ernst Ludwig, Dante Alighieri: De monarchia, S.72

23 Alighieri, Dante: Mon.I, iv, 2

24 Vgl. Alighieri, Dante: Mon. I, iv, 3 iVm. I, iv, 4

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Gerechtigkeit in Dantes "Monarchia". Darstellung und kritische Analyse
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,00
Autor
Jahr
2016
Seiten
25
Katalognummer
V496184
ISBN (eBook)
9783668992665
ISBN (Buch)
9783668992672
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dante, Dante Alighieri, Monarchia, Ruedi Imbach, Analyse, Kritik, Gerechtigkeit, Argument, Monarch, Vernunft, Friede, Logik, Syllogismus, tre corone, Florenz, Renaissance, römisch, Gott, gerecht, gerechte Ordnung, Vergil, I, XI, XII, Monarchie, zeitliche Monarchie, römisches Volk, Fischl, Bastian
Arbeit zitieren
Bastian Fischl (Autor), 2016, Die Gerechtigkeit in Dantes "Monarchia". Darstellung und kritische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496184

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