Die Zugehörigkeiten zu einem bestimmten kulturellen Kreis können nicht vorgegeben werden. Es gab und gibt Menschen, die einerseits eine bestimmte Herkunftsidentität besitzen, sich aber andererseits ebenfalls einer zweiten Gemeinschaft angehörig fühlen. Einer Person kann es also möglich sein, in die Kultur eines fremden Landes hinein zu wachsen, ohne die eigene Herkunft verleugnen zu müssen.
Heute auftretende Problematiken begründen sich jedoch größtenteils auf dem Vergangenen. So war Europa bereits mehrfach von Migrationswellen betroffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ausländische Arbeitskräfte angeworben, um im Niedriglohnsektor zu arbeiten. Diese Personen waren oftmals gering qualifiziert. Dadurch wurde ein bildungsspezifischer Aufstieg verhindert. Betroffene lebten in Elendsquartieren, welche sich in, von der einheimischen Bevölkerung abgelehnten, Stadtvierteln befanden. Durch diese Art der Abgrenzung wurden Migranten als Problemgruppe betrachtet.
Ergeben sich Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Migrantengeneration? Ist eine Problematik bezüglich der kulturellen Integration in deutschen weiterführenden Schulen zu erkennen? Wie wird Migration gesetzlich verankert und was für verfassungsrechtliche Grundlagen existieren?
Zu nennen sind hier sowohl der Bildungsföderalismus und die damit verbundenen verschiedenen mehrgliedrigen Schulsysteme als auch die Chancenungleichheit, welche sich durch das Schulsystem auch auf die Ausbildungschancen überträgt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die soziale Herkunft, die dazu beiträgt, dass sich die Chancenungleichheit erhöht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichte der Migration in Deutschland
2.1 Vom Gastarbeiter- zum Einwanderungsland
2.2 Anwerbestopp und zweite Migrationswelle
3 Gesetzliche Grundlage der Migration der Bundesrepublik Deutschland
4 Neo-Institutionalismus
4.1 Definition Neo-Institutionalismus
4.2 Definition Isomorphie
4.3 Definition Entkopplung
4.4 Neo-Institutionalismus im Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland
5 Integration in weiterführenden Schulen
5.1 Definition Integration, Assimilation, Segregagtion
5.2 Definition Inklusion
5.3 Definition Hybride Identität
5.4 Definition Desintegration
5.5 Definition der ersten und zweiten Migrantengeneration
6 Schulischer Vergleich
6.1 Bezugnahme der ersten Migrantengeneration auf den Kontext Schule
6.2 Schulische Unterschiede am Beispiel der Türkei
6.3 Bezugnahme der zweiten Migrantengeneration auf den Kontext Schule
6.4 Schulische Unterschiede am Beispiel der Türkei und Ex-Jugoslawien
6.5 Isomorphie und Entkopplung innerhalb der zweiten Migrantengeneration
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen der kulturellen Integration von Migranten der ersten und zweiten Generation in das deutsche Schulsystem unter Berücksichtigung soziologischer Theorien. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie strukturelle Hürden und Identitätskonflikte eine erfolgreiche Integration verhindern und ob Konzepte wie Isomorphie oder Entkopplung dabei Anwendung finden.
- Migrationsgeschichte und gesetzliche Rahmenbedingungen in Deutschland
- Anwendung des soziologischen Neo-Institutionalismus auf das Schulwesen
- Analyse von Integrations-, Assimilations- und Segregationsprozessen
- Vergleichende Betrachtung der schulischen Bildungserfolge nach Herkunft (Türkei/Ex-Jugoslawien)
- Identitätsfindung und Desintegrationserfahrungen der zweiten Generation
Auszug aus dem Buch
4.3 Definition Entkopplung
Gegenteilig zu einer Isomorphie ist die Entkopplung zu sehen. Eine Entkopplung beschreibt die Trennung von Strukturen und Aktivitäten innerhalb einer Organisation. Es handelt sich also um einen Mechanismus, welcher von Organisationen verwendet wird um unterschiedlich einwirkenden Einflüssen gerecht zu werden. (vgl. Hellmann u. Senge 2006, S.102f.). laut einer Entkopplung lässt sich demnach eine Veränderung in der Formal- und Aktivitätsstruktur beobachten. Nach der Einschätzung von Meyer und Rowan findet „eine Entkopplung von der nach außen hin sichtbaren Formalstruktur… und der inneren Aktivitätsstruktur… statt“ (Meyer u. Rowan 1977, S.356f.). Dabei wird auf der Ebene der äußerlich wahrnehmbaren Formalstruktur eine Veränderungsbereitschaft gezeigt, welche jedoch auf der Ebene der Aktivitätsstruktur keinerlei Anwendung findet. Die Institutionen zeigen also nach außen hin ein Bild von Anpassungsbereitschaft. Dieses Bild wird jedoch nur nach außen hin gewahrt. Eine Wahrung der Formalstruktur ist wichtig, damit die Organisationen keinen Imageschaden nehmen. Jedoch wird innerhalb der betroffenen Institution keinerlei Veränderung vorgenommen. Das nach außen hin gestellte Bild der Veränderung wird nicht umgesetzt und somit findet dort auch keine Anpassung statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der kulturellen Zugehörigkeit und die historische Problematik der Migrationspolitik in Deutschland ein, welche die Ausgangsbasis für die Untersuchung der schulischen Integration bildet.
2 Geschichte der Migration in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Migrationswellen nach 1945 und beleuchtet die Gastarbeiterpolitik sowie den Anwerbestopp von 1973.
3 Gesetzliche Grundlage der Migration der Bundesrepublik Deutschland: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für Einreise und Aufenthalt von Migranten, einschließlich der Regelungen für Aufenthaltstitel und Niederlassungserlaubnis, dargelegt.
4 Neo-Institutionalismus: Das Kapitel führt in die Theorie des Neo-Institutionalismus ein, definiert die Konzepte Isomorphie und Entkopplung und überträgt diese auf die Strukturen des deutschen Schulwesens.
5 Integration in weiterführenden Schulen: Hier werden grundlegende Begriffe wie Integration, Assimilation, Segregation und Inklusion definiert und die spezifischen Herausforderungen für die erste und zweite Migrantengeneration in deutschen Schulen erörtert.
6 Schulischer Vergleich: In diesem Kapitel werden die Bildungserfolge der ersten und zweiten Generation im Kontext Schule verglichen, wobei insbesondere die Herkunftsländer Türkei und Ex-Jugoslawien gegenübergestellt werden.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass trotz einer Verbesserung der Bildungschancen für die zweite Generation die Probleme einer strukturellen Entkopplung und der hybriden Identitätsentwicklung fortbestehen.
Schlüsselwörter
Migration, Gastarbeiter, Neo-Institutionalismus, Isomorphie, Entkopplung, Integration, Assimilation, Segregation, Inklusion, Hybride Identität, Desintegration, Migrantengeneration, Bildungssystem, Chancengleichheit, Schulerfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen und Probleme bei der kulturellen und schulischen Integration von Migranten der ersten und zweiten Generation in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Migrationsgeschichte, die rechtlichen Grundlagen, soziologische Organisationstheorien sowie eine detaillierte Analyse der schulischen Bildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit das deutsche Schulsystem Integrationsbemühungen durch strukturelle Faktoren erschwert und ob Phänomene wie Entkopplung oder Isomorphie dabei eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Konzepte sowie einer Auswertung empirischer Daten und Statistiken zur Bildungssituation von Migranten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Neo-Institutionalismus), definitorische Klärungen der Integrationsbegriffe sowie einen detaillierten Vergleich der Schulerfolge und Integrationsbedingungen von türkisch- und ex-jugoslawischstämmigen Jugendlichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Migration, Neo-Institutionalismus, Integration, Bildungschancen, Hybride Identität und Desintegration.
Wie beeinflusst das Konzept der „hybriden Identität“ die Desintegration?
Das Konzept beschreibt den Zwiespalt von Jugendlichen, die sich zwischen zwei kulturellen Räumen bewegen, was zu Identitätskonflikten führen kann, wenn die Mehrheitsgesellschaft die hybride Identität nicht anerkennt.
Welche Rolle spielt der Föderalismus für die schulische Integration?
Der Föderalismus führt zu einem komplexen Schulsystem, in dem Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern aufgeteilt sind, was die bundesweite Umsetzung einheitlicher Integrations- und Sprachförderprogramme erschwert.
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- Anonym (Author), 2018, Migrationsunterschiede. Eine Untersuchung des deutschen Schulsystems hinsichtlich eines Vergleiches der ersten und zweiten Migrantengeneration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496210