Abschaffung von Bargeld. Chancen und Risiken für die deutsche Gesellschaft


Bachelorarbeit, 2018
52 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Vorgehensweise

2. Grundlagen und Definition
2.1. Definition von Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel
2.2. Funktionen des Bargeldes
2.3. Unterschied zwischen Bargeld und Buchgeld

3. Zahlungsverhalten der Deutschen
3.1. Auswirkungen auf das Zahlverhalten der Deutschen
3.2. Bargeldlose Zahlungsverfahren im europäischen Raum

4. Perspektiven einer bargeldlosen Gesellschaft in Deutschland
4.1. Chancen
4.1.1. Reduzierung des Risikos eines Bankensturms
4.1.2. Kosten des Bargeldes
4.1.3. Bargeld und Kriminalität
4.1.4. Weitere Chancen

5. Risiken

6. Empirische Erhebung
6.1. Methodik
6.2. Durchführung
6.3. Auswertung
6.3.1. Standpunkt und allgemeine Einschätzung
6.3.2. Chancen und Risiken von Bargeldabschaffung in Deutschland
6.3.3. Gegenwärtige und zukünftige Relevanz

7. Schlussbetrachtung
7.1. Zusammenfassung
7.2. Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang IX

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Funktionen des Geldes (eigene Darstellung in Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2017a) Geld und Geldpolitik)

Abb. 2: Unterschied zwischen Bargeld und Buchgeld (Eigene Darstellung n Anlehnung an Deutsche Bank Research 2017)

Abb. 3: Gesamtaufwand der Deutschen Bundesbank im Jahr 2011 (eigene Darstellung in Anlehnung an Krüger/ Seitz 2014)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die wirtschaftliche Situation in Deutschland wird heute zunehmend durch den technologischen Wandel und die fortschreitende Digitalisierung bestimmt. In jedem Bereich finden rasante Entwicklungen von offline Herstellern und Dienstleistern zu online Anbietern statt. So kauften im Jahr 2016 schon knapp 70 Prozent der deutschen Bevölkerung online ein (IfD Allensbach auf Statista 2018a). Des Weiteren wurden im Jahr 2016 um die 62,8 Mio. Online Girokonten verzeichnet (Deutsche Bundesbank auf Statista 2018b) und im Jahr 2017 nutzten ca. die Hälfte der Deutschen Online Banking (Bitkom auf Statista 2018c). Diese wachsenden Zahlen deuten auf ein verändertes Zahlungsverhalten der deutschen Bevölkerung hin, welches sich immer stärker von Bargeld auf alternative online Zahlungsmöglichkeiten verlagert.

Vor allem Internetgiganten wie Amazon, Apple, Google oder PayPal bestimmen heute mit Hilfe technologischer Zahlungsinnovationen den Markt des elektronischen Zahlungsverkehrs. Demnach werden Möglichkeiten wie das Bezahlen per Smartphone geboten, die das Zahlen für Verbraucher schnell, unkompliziert und ohne viel Aufwand von Zeit oder Geld gestalten (Krieger 2015, S.359).

Aber nicht nur Unternehmen finden Gefallen an dem Gedanken, Kosten zu reduzieren und Umsätze weiter zu steigern. Ebenso erkennt der Staat den Nutzen der technologischen Entwicklungen darin, Prozesse zu vereinfachen und Kosten einzusparen. Hierbei kommt das Grundelement unserer Wirtschaft ins Spiel, die Währung in Form von Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel.

2016 verkündete die Europäische Zentralbank (EZB) die dauerhafte Einstellung der Produktion und Ausgabe von 500-Euro-Banknoten bis Ende 2018 (Europäische Zentralbank 2016). Spätestens jetzt ist die Diskussion um die Abschaffung von Bargeld auch in Deutschland angekommen.

1.1. Zielsetzung

Dass Einzelpersonen, Unternehmen ebenso wie unser Bundesstaat an der Reduzierung von Kosten und der Maximierung der Gewinne interessiert sind, liegt in der Natur des Marktes und damit auf der Hand. Technologie und Digitalisierung ermöglichen mittlerweile Kauf- und Verkaufsaktionen, die sich ohne Bargeld problemlos durchführen lassen. Somit liegt der Gedanke, Bargeld eines Tages dauerhaft abzuschaffen nicht mehr weit von uns entfernt.

Dafür spricht auch, dass der Monatsbericht (April 2016) vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) eine gesetzliche Begrenzung von Bargeldzahlungen empfiehlt. Die Absicht dahinter ist vor allem, das Risiko von Geldwäsche zu minimieren. Kritiker sehen darin den Beginn der vollständigen Bargeldabschaffung im Euro- Währungsraum (Bundesministerium der Finanzen 2016, S.13).

Die innovativen Zahlungsdienstleister, Banken, Politiker und Ökonomen wie Peter Bofinger, Kenneth Rogoff oder Larry Summers wiederum blicken der Bargeldabschaffung eher positiv entgegen. Sie sehen hier, neben möglichen Kostensenkungen, noch weitere Vorteile wie bspw. eine Bekämpfung der Kriminalität und dem Drogenhandel (Krieger 2015, S.359).

Inwiefern eine Abschaffung von Bargeld sinnvoll für den deutschen Staat und die deutsche Gesellschaft ist, wird im Folgenden aus Sicht der Gesellschaft im Hinblick auf mögliche Chancen und Risiken analysiert und anhand eines Ausblickes dargestellt.

1.2. Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit ist in insgesamt 7 Kapitel unterteilt. In Kapitel 2 werden zunächst die wesentlichen Grundlagen von Bargeld genauer betrachtet. Hierbei wird das Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel (Kapitel 2.1) definiert. Außerdem wird auf die Funktion des Geldes (Kapitel 2.2) eingegangen und der Unterschied zwischen Bargeld und Buchgeld verdeutlicht. Dieser Teil der Arbeit dient in erster Linie dazu, eine terminologische Grundlage für die darauffolgenden Kapitel zu liefern.

Kapitel 3 beleuchtet das Zahlungsverhalten der deutschen Gesellschaft. Der Fokus liegt dabei auf den möglichen Auswirkungen auf das Zahlverhalten (Kapitel 3.1) und auf den bargeldlosen Zahlungsverfahren im europäischen Raum (Kapitel 3.2).

Das 4. Kapitel widmet sich den Perspektiven einer bargeldlosen Gesellschaft. Darauf aufbauend werden mögliche Chancen (Kapitel 4.1) einer Abschaffung von Bargeld betrachtet. Hierbei wird auf die Reduzierung des Bankensturms (Kapitel 4.1.1), die anfallenden Kosten des Bargeldes (Kapitel 4.1.2) und auf den Zusammenhang von Bargeld und Kriminalität (Kapitel 4.1.3) eingegangen. Des Weiteren werden weitere Chancen in Kapitel 4.1.4 dargestellt.

Die Risiken für eine deutsche Gesellschaft ohne Bargeld werden im 5. Kapitel betrachtet.

Das Kapitel 6 beinhaltet die qualitative Expertenbefragung als Grundlage der empirischen Erhebung. Dabei beschreibt Kapitel 6.1 die Methodik und Kapitel 6.2 die Durchführung. Die Auswertung der erhobenen Daten findet in Kapitel 6.3 statt. Dabei wird dieses Kapitel in die herausgearbeiteten Themenblöcke des Interviewleitfadens (Kapitel 6.3.1 und Kapitel 6.3.2) unterteilt.

In Kapitel 7 findet die Schlussfolgerung der Arbeit statt. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Kapitel 7.1 zusammengefasst. Der Beitrag, den diese Arbeit zur Frage nach dem Nutzen der Abschaffung von Bargeld leisten kann, wird in Kapitel 7.2 in Form eines Ausblicks dargelegt, wobei auf die zuvor recherchierten und analysierten Fakten zurückgegriffen wird.

2. Grundlagen und Definition

Der begriffliche Ursprung von Geld stammt aus dem lateinischen Wort „ pecus “ was übersetzt „Vieh“ heißt. Daraus abgeleitet entstand das Wort „ pecunia “, welches mit dem Begriff „Geld“ gleichzusetzen ist. Das Warengeld oder auch Naturalgeld genannt, ist eine einfache Form des Geldes. Salzbarren, Felle, Federn oder Vieh sind bspw. Naturalgeld. Bronze, Silber und Gold haben im Laufe der Zeit die Funktion des Zahlungsmittels übernommen. Die Vorteile dieser Edelmetalle sind Haltbarkeit, die Knappheit sowie die leichte Teilbarkeit. Außerdem ist die Verwendung von Warengeld auf keinen Kulturkreis, Zeitpunkt oder Zeitspanne beschränkt.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit kann diesen Prozess illustrieren: Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg setzte man Zigaretten als Zahlungsmittel ein, da die Reichsmark ihren Wert verloren hatte. Die Verwendung der Zigaretten als Zahlungsmittel endete mit der Einführung der Deutschen Mark im Jahr 1948 (Deutsche Bundesbank 2017a, S. 12ff.).

Durch die Entstehung der Münze, welche ein genormtes und vereinheitlichtes Stück Gold oder Silber mit versehener Prägung ist, konnte Geld viel einfacher in Umlauf gebracht werden. In China wurde vor über tausend Jahren das älteste Papiergeld von Staatsbehörden ausgegeben. Diese erhielten nur durch den kaiserlichen Erlass seine Kaufkraft. In Europa konnten sich Staatspapiere zu der damaligen Zeit, aufgrund des fehlenden Warenwertes, nicht durchsetzen. Von privaten Banken ausgegebene Banknoten breiteten sich erst seit dem 17. Jahrhundert in Europa aus. Die „Stockholms Banco“ gilt als erste Notenbank Europas (Deutsche Bundesbank 2017a, S.12ff.).

Bis in das 20. Jahrhundert waren Währungen zum Teil durch Gold gedeckt. Heute sind die meisten Währungen sogenannte Fiat-Währungen, sie besitzen keine Edelmetalldeckung (Zottmann 1969, S.16f.).

2.1. Definition von Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel

„Als gesetzliches Zahlungsmittel bezeichnet man das Zahlungsmittel, das niemand zur Erfüllung einer Geldforderung ablehnen kann, ohne rechtliche Nachteile zu erleiden. Im Euroraum ist Euro-Bargeld das gesetzliche Zahlungsmittel; nur die Zentralbanken des Eurosystems dürfen es in Umlauf bringen. In Deutschland sind auf Euro lautende Banknoten das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Euro-Münzen sind beschränkte gesetzliche Zahlungsmittel, da niemand verpflichtet ist, mehr als 50 Münzen oder Münzen im Wert von über 200 Euro anzunehmen. Das Gleiche gilt auch für Euro-Gedenkmünzen (2 Euro mit besonderem Rückseiten-Motiv): Sie sind im gesamten Euro-Währungsgebiet gesetzliches Zahlungsmittel. Euro-Sammlermünzen hingegen sind nur im jeweiligen Ausgabeland gültig. Eine Euro-Sammlermünze erkennt man daran, dass ihr Nennwert nicht dem einer regulären Umlaufmünze entspricht (z.B. 1 / 4 Euro oder 5 Euro)“ (Deutsche Bundesbank 2017b).

Neben dem EU Vertrag erfolgt in Deutschland die Absicherung der Euro-Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel durch das Bundesbankgesetz. Gemäß § 14 Bundesbankengesetz hat die Deutsche Bundesbank „[…] unbeschadet des Artikels 128 Absatz 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union das ausschließliche Recht, Banknoten im Geltungsbereich dieses Gesetzes auszugeben“ (Gesetz über die deutsche Bundesbank § 14 (1) Bundesbankgesetz).

2.2. Funktionen des Bargeldes

Bargeld besitzt drei wesentliche Funktionen, diese benötigen jeweils bestimmte Eigenschaften, um ihre Funktion zu erfüllen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Funktionen des Geldes (eigene Darstellung in Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2017a) Geld und Geldpolitik)

Die vorhergehende Abbildung unterteilt die Funktionen des Geldes in Zahlungsmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel.

Bargeld nimmt zum einen eine Tausch- und Zahlungsmittelfunktion ein. Es dient also als Tauschmittel, welches einen effizienten, indirekten Tausch von Waren und Dienstleistungen erlaubt. Daraus resultieren verhältnismäßig geringe Informations- und Transaktionskosten. Zusätzlich wird Bargeld auch zur Kreditwährung und Schuldentilgung verwendet. Hierbei handelt es sich um eine Finanztransaktion und keinen Austausch von Gütern. Gerade durch seine Tauschfunktion kann Geld als Zahlungsmittel genutzt werden. Damit dies gelingt muss die jeweilige Form des Geldes allgemein akzeptiert werden (Vollmer 2005, S.6).

Durch die Einführung von Geld entsteht die Möglichkeit Waren, Dienstleistungen und Vermögenswerte vergleichbar zu machen und diese in einer allgemeinen Bezugsgröße auszudrücken. Daher nimmt Geld eine Rechenmittelfunktion, bzw. die Funktion eines Wertmaßstabs ein. Zusätzlich ist es nicht mehr notwendig die Austauschrelation aller Güter untereinander festzulegen. Bei 100 Gütern, welche untereinander getauscht werden können, werden nur 100 Preise betrachtet und keine 4.950 Austauschrelationen. Voraussetzung hierfür ist, dass Geld ausreichend teilbar ist.

Des Weiteren besitzt Geld die Eigenschaft, haltbar und wertbeständig zu sein. Daraus resultiert eine Wertaufbewahrungsfunktion. Dies bedeutet Geldausgabe und Gelderwerb können zeitlich auseinanderfallen. Es ist möglich Kaufkraft der Gegenwart in die Zukunft zu transformieren, also zu sparen. Zusätzlich erlaubt es, Kaufkraft der Zukunft in die Gegenwart zu übertragen, also Kreditfinanzierung (Deutsche Bundesbank 2017a, S.11).

2.3. Unterschied zwischen Bargeld und Buchgeld

Bargeld ist durch Banknoten (Geldscheine) und Münzen (Hartgeld) im Umlauf. Zur Ausgabe der Banknoten sind im Euroraum die EZB und die nationalen Zentralbanken berechtigt. Über Geschäftsbanken bringt ausschließlich die Deutsche Bundesbank die Banknoten in Deutschland in Umlauf. Zur Herstellung der Euro-Münzen sind die Regierungen der Euroländer zuständig.

In Deutschland ist das BMF für die Produktion verantwortlich, wohingegen die Bundesbank diese später in Umlauf bringt.

Die Bundesbank kauft der Regierung die Münzen für den jeweiligen Nennwert ab. Daraus ergeben sich marginale Gewinne für die Regierung, da die Herstellkosten unter dem Nennwert liegen. Um Münzen anzukaufen, benötigt es einer Genehmigung durch den EZB- Rat. Dies ist notwendig, um eine indirekte Staatsfinanzierung auszuschließen. Banknoten gelten als einzig unbeschränktes Zahlungsmittel, das heißt jeder Gläubiger kann einer Geldforderung vom Schuldner unbegrenzt Banknoten geben, um die Forderung zu erfüllen. Bei Münzen sieht dies anders aus. Hier ist der Gläubiger nicht verpflichtet mehr als 50 Münzen pro Bezahlung zu akzeptieren (Deutsche Bundesbank 2017b, S.22f.).

Zusätzlich weisen Münzen einen materiellen Wert auf, welcher aber unter dem Nennwert liegt. Banknoten fungieren als reine Geldzeichen, die einen Zahlungsanspruch gegenüber der Zentralbank aufweisen (Göbel 2005, S.64).

Buchgeld bzw. Giralgeld sind Sichteinlagen, welche auf Giro- und Kontokorrentkonten für Zahlungszwecke vorhanden sind. Zusätzlich zählen Spar- und Termineinlagen von Nichtbanken ebenso als Giralgeld.

Giralgeld hingegen ist im Vergleich zum Bargeld kein gesetzliches Zahlungsmittel. Durch eine Einzahlung von Bargeld auf ein Konto wird das Bargeld zum Buchgeld. Wird Geld von einem Konto abgehoben wird aus dem Buchgeld wiederrum Bargeld.

„Ende Mai 2017 war das Gesamtvolumen der Sichteinlagen im Euroraum mit 6.384 Milliarden Euro fast sechsmal so groß wie der Bargeldumlauf mit 1.092 Milliarden Euro“ (Deutsche Bundesbank 2017a, S.10f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Unterschied zwischen Bargeld und Buchgeld (Eigene Darstellung n Anlehnung an Deutsche Bank Research 2017)

Bei dem obigen Schaubild werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Bargeld und Buchgeld deutlich. So ist die Geldpolitik durch das Bargeld eingeschränkt wohingegen es beim Buchgeld keine Einschränkungen gibt.

In der zweiten Spalte wird aufgezeigt, dass ein Bankensturm beim Bargeld sowie beim Buchgeld möglich ist. Beim Bargeld ist dies durch Barabhebungen möglich, beim Buchgeld kann es aufgrund von Überweisungen dazu kommen. Die individuellen Spareinlagen bieten beim Bargeld Schutz vor der Illiquidität einzelner Institutionen oder dem Finanzsystem. Zusätzlich bietet Bargeld Schutz vor negativen Zinssätzen. Allerdings ist Bargeld im Falle einer Inflation nicht geschützt. Buchgeld bietet nur Schutz vor Illiquidität, wenn gewisse Schutzmechanismen existieren. Allerdings bietet Buchgeld keinen Schutz vor negativem Zinssatz und ebenso wie Bargeld ist es auch nicht vor Inflation geschützt. Krimineller Missbrauch ist bei Bargeld einfacher als beim Buchgeld. Demgegenüber ist die Transaktionssicherheit bei beiden sehr hoch. Betrachtet man das Thema Datenschutz ist Bargeld sicherer als Buchgeld. Vor allem ist die Sicherheit bei Buchgeld abhängig von der Einhaltung der Datenschutzgesetze.

3. Zahlungsverhalten der Deutschen

Seit 2008 führt das Marktforschungsinstitut MARPLAN in einem Abstand von drei Jahren eine Studie über das Zahlungsverhalten der Deutschen für die Deutsche Bundesbank durch. In der Studie wird die Einstellung der Deutschen zu verschiedenen Zahlungsinstrumenten untersucht, bzw. welche Zahlungsinstrumente sie schlussendlich zum Bezahlen verwenden. Ziel ist es, die unterschiedlichen Anforderungen der Kunden an das Bezahlen herauszufiltern. In dieser Studie wurden rund 2000 Teilnehmer ab einem Alter von 18 Jahren in Deutschland in privaten Haushalten zu ihrem Zahlungsverhalten befragt (Deutsche Bundesbank Eurosystem 2017).

Betrachtet man die methodische Herangehensweise, besteht die Studie aus zwei Teilen. Aus einem computergestützten Interview und einem persönlichen Tagebuch, welches nach dem Telefoninterview sieben Tage lang von den Probanden zu pflegen war. 48 Prozent der getätigten Umsätze wurden bar gezahlt. Mobile und kontaktlose Bezahlverfahren erhalten von Jahr zu Jahr mehr Bekanntheit und weisen hohen Zuwachs auf.

Im Jahr 2017 ist der Anteil vom Umsatz erstmalig auf über ein Prozent gestiegen. Um diesen Anteil zu steigern muss es aber laut dem Bericht eine konsequente Ausgabe kontaktloser Girocards durch die Kreditinstitute geben und gleichzeitig muss sich die Akzeptanz im Handel steigern. „Per Smartphone sowie mit Kunden- und Prepaid-Karten wird bisher kaum bezahlt. Erstmalig wurden Besitz und Nutzung von Mensa- bzw. Stadionkarten sowie die Bekanntheit von Apps, um Geld an Freunde und Bekannte zu senden, separat erfasst.“ (Deutsche Bundesbank Eurosystem 2017, S.9). 5 Prozent aller Befragten verwenden mittlerweile diese Apps. Die Bezahlverfahren über das Internet haben sich durch den Onlinehandel etabliert. 44 Prozent der Teilnehmer verwenden Internetbezahlverfahren, jedoch geschieht dies laut der Studie nur aufgrund fehlender, kostenloser Alternativen.

Des Weiteren fand die Studie heraus, dass 13 Prozent der Nutzer der Internetbezahlverfahren diese auch gerne im Laden oder im Restaurant einsetzen würden. Die große Mehrheit (88 Prozent) möchte jedoch auch in Zukunft weiterhin mit Bargeld zahlen und lehnt eine Bargeldabschaffung bzw. eine Bargeldeinschränkung ab.

Alles in allem zeigen die vier Studien eine hohe Zufriedenheit mit klassischen Bezahlverfahren auf. Dennoch gibt es eine langsame, aber stetige Entwicklung im Bezahlverhalten. Die Wachstumsraten seien bei modernen Zahlungsmitteln wie kontaktlosen Kartenzahlungen, Internet- und mobilen Bezahlverfahren hoch. Dies merke man vor allem bei den jüngeren Probanden, sie suchen nach geeigneten Alternativen zum klassischen Zahlungsverkehr. 24 Prozent der 18- bis 24- Jährigen möchten mit dem Mobiltelefon unkompliziert Geld an Freunde und Bekannte senden (Deutsche Bundesbank Eurosystem 2017, S.9).

Anhand der Studie sind die Anteile von Zahlungsinstrumenten in unterschiedlichen Betragsbereichen für die Jahre 2008, 2011, 2014 und 2017 ersichtlich. Gemäß dem Zahlungstagebuch werden die Angaben in Prozent der Transaktionszahl dargestellt. Deutlich wird der Anteil der verwendeten Zahlungsinstrumente im jeweiligen Betrachtungszeitraum gemessen an der Transaktionszahl.

Für Zahlungen bis 50 Euro ist Bargeld das meistgenutzte Zahlungsmittel in Deutschland. Ein Grund dafür, dass für Beträge bis unter 5 Euro unbare Zahlungsmittel nicht verwendet werden, könnte sein, dass in diesen Geschäften der Einsatz von unbaren Zahlungsmöglichkeiten nicht gegeben ist. Zwischen 50 und 100 Euro- Beträgen lässt sich von 2008 über 2011 über 2014 bis hin zu 2017 ein Rückgang von Barzahlungen erkennen (Deutsche Bundesbank Eurosystem 2017).

Bis zu einem Betrag von 500 Euro ist ersichtlich, dass die Giro Card bei den unbaren Zahlungsmitteln dominiert. Sie wird bereits ab einem Transaktionswert von 50 Euro häufiger verwendet als Barzahlungen. Dahingegen werden Kreditkarten erst ab einem Umfang von 50 Euro eingesetzt und Internetbezahlverfahren für noch höhere Beträge, wobei die Transaktionszahl mit der Zeit steigend verläuft.

Im Gegensatz zu dominierenden Zahlungsmitteln für „Kleinstbeträge“ gibt es bei Beträgen über 500 Euro kein dominierendes Zahlungsinstrument. Mittels Überweisungen werden in diesem Spektrum die meisten Transaktionen vollzogen, wobei Bargeld sowie Giro- und Kreditkarten und Internetbezahlverfahren auch eingesetzt bzw. genutzt werden. Der Euro-Banknotenumlauf ist ein möglicher Indikator für die volkswirtschaftliche Bedeutung des Euro-Bargeldes als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel. Zu einem Stichtag gibt er den Wert von Banknoten an, welche vom Eurosystem emittiert wurden. Aus der kumulierten, wertmäßigen Differenz der von der Notenbank ausgegebenen und der bei ihr eingezahlten Banknoten ergibt sich der Banknotenumlauf. Aktuell können 19 nationale Zentralbanken im Eurosystem Euro-Banknoten in den Wirtschaftskreislauf bringen. Umgekehrt sind sie dazu befugt, diese auch wieder aus dem Verkehr ziehen (Deutsche Bundesbank Eurosystem 2017).

3.1. Auswirkungen auf das Zahlverhalten der Deutschen

Die Verfügbarkeit alternativer Zahlungsformen, alternativer Währungen wie Bitcoins, Präferenzen der Händler oder Finanzinstitute, Interventionen seitens der Regierungen, sozioökonomische Entwicklungen und Einstellungen der Öffentlichkeit zu Bargeld stellen Aspekte und Faktoren dar, die das Verhalten der Bevölkerung und die Entwicklung des Bargeldbedarfs in der Zukunft beeinflussen (Noack/ Philipper 2016, S.10).

3.2. Bargeldlose Zahlungsverfahren im europäischen Raum

Die Möglichkeiten hinsichtlich bargeldloser Zahlungsverfahren im europäischen Raum und damit auch in Deutschland, sind heutzutage vielfältig aufgestellt. Hierbei kommen die allgemein bekannte Kartenzahlung und Online Bezahlung ins Spiel.

So bieten unsere bargeldlosen Bezahlungsmethoden zum einen die klassische Überweisung, bei welcher die Bank, beauftragt vom Kontoinhaber, einen bestimmten Geldbetrag von dem Kunden-Konto auf das Konto des Empfängers zu übertragen hat. Des Weiteren gibt es den Dauerauftrag. Hierbei kann der Kontoinhaber regelmäßig einen wiederkehrenden Betrag auf das Konto des jeweiligen Empfängers überweisen. Ein weiteres Verfahren ist in der Lastschrift wiederzufinden. Hierbei erlaubt der Kontoinhaber dem Empfänger einen bestimmten Betrag vom Konto des Zahlenden abzubuchen. Dies kann nur durch ein Lastschriftmandat, also eine rechtliche Legitimation geschehen (Deutsche Bundesbank 2017a, S.63ff.).

Beim Bezahlen an der Kasse eines Geschäfts benutzt ein Großteil der Bevölkerung die Bank- bzw. Debit Karte. Hierbei nutzt der Händler die Karte, um die nötigen Daten zum Einzug des verlangten Geldbetrags vom Konto des Kunden zu erhalten. Dies geschieht über ein elektronisches Kassenterminal. Außerdem haben Bank- bzw. Debit Karten die Funktion, dass Geld von einem Geldautomaten abgehoben werden kann. Die Legitimation geschieht in diesem Fall durch die Eingabe der individuellen PIN.

Eine weitere Möglichkeit, Geldbeträge zu bezahlen, findet sich in der Kreditkarte wieder. Diese ist von der Bank- bzw. Debit Karte in einigen Punkten zu unterscheiden. So wird bei der Kreditkarte das Konto des Inhabers größtenteils nicht sofort, sondern zu einem späteren Zeitpunkt belastet. Dies ist möglich, da das dazugehörige Kreditkarteninstitut seinem Kunden meist einen zinslosen Kredit für einen bestimmten Zeitraum gewährt. Dabei erheben einige Kreditkartengesellschaften jedoch Gebühren für die Nutzung von Kreditkarten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Abschaffung von Bargeld. Chancen und Risiken für die deutsche Gesellschaft
Hochschule
Cologne Business School Köln
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
52
Katalognummer
V496231
ISBN (eBook)
9783346008329
ISBN (Buch)
9783346008336
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bargeld, Krypto, Deutschland, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Abschaffung von Bargeld. Chancen und Risiken für die deutsche Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496231

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