Das Trope als Schema

Untersuchung der Erinnerungsleistung von Geschichten mit und ohne Trope-Struktur im Zusammenhang mit der Schema-Theorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
47 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Theoretischer Hintergrund
1.2. Hypothesen

2. Methode
2.1 Versuchsmaterialien
2.2 Versuchspersonen
2.3 Versuchsaufbau auf Versuchsablauf
2.4 experimentelle Variablen
2.5 Auswertung

3. Ergebnisse
3.1 Deskriptive Statistik
3.2 Induktive Statistik

4. Diskussion
4.1 Hypothesen
4.2 Kritik
4.3 Ausblick

– Literaturverzeichnis –

– Anhang –

Zusammenfassung

Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit das literarische Werkzeug Trope als Schema fungieren kann und untersucht dafür, ob Geschichten, die einer Trope-Struktur folgen, im Sinne der Schema-Theorie besser erinnert werden als Geschichten, die keiner Trope-Struktur folgen. Dazu wurden 12 kurze Geschichten mit jeweils zwei Enden entwickelt, wobei eines der Enden einer Trope-Struktur folgt und das andere nicht. Diese Geschichten wurden von 40 Versuchspersonen gelesen und sollten zwei Tage später in einem Rekognitionstest erinnert werden. Im Sinne der Schema-Theorie und dem SLIMM-Modell von Van Kesteren, Ruiter, Fernández und Henson (2012) wurde erwartet, dass die Trope-Enden der Geschichten besser erinnert werden als die Nicht-Trope-Enden. Außerdem wurde erwartet, dass die für den Trope relevante Inhalte nur bei Trope-Geschichten besser erinnert werden als die für den Trope irrelevante Inhalte, wobei diese Inhalte bei den Nicht-Trope-Geschichten gleichermaßen erinnert werden sollten. Zusätzlich wurde erwartet, dass Medienkonsum positiv mit dem Erinnern von Inhalten aus Trope-Geschichten, aber negativ mit Inhalten aus Nicht-Trope-Geschichten korreliert.

Die Ergebnisse zeigen, dass Inhalte von Trope-Geschichten besser erinnert werden als von Nicht-Trope-Geschichten. trope-relevante Inhalte wurden jedoch unabhängig von der Art der Geschichte besser erinnert als trope-irrelevante Inhalte und der angenommene Zusammenhang zwischen Medienkonsum und der Erinnerungsleistung erwies sich als nicht signifikant. Dass die zentrale Hypothese belegt wurde, weist darauf hin, dass Tropes in Form von Schemata im Gedächtnis abgespeichert werden, die bei der Darbietung von Tropes diese Schemata aktiviert werden und die Speicherung schema-kongruenter Inhalte begünstigen.

Schlüsselwörter: Gedächtnis, Schema, Geschichte, Trope, Rekognitionstest, Medienkonsum

1. Einleitung

1.1 Theoretischer Hintergrund

Schemata

Dass unsere Gedächtnisprozesse für neu gespeicherte Informationen durch bereits vorhandenes Wissen beeinflusst werden, wurde schon sehr früh in der psychologischen Forschung erforscht. So untersuchte Bartlett (1932) die Erinnerungen von britischen Probanden, die die indigen-amerikanische Legende „ The War of Ghosts “ gelesen hatten – eine Geschichte mit Namen, Konzepten und einer Struktur, die den Probanden fremd war. Als die Probanden aufgefordert wurden, die Geschichte wieder abzurufen, wurde sie soweit verändert, dass sie den Werten und Normen der eigenen Kultur mehr entsprach, wobei Strukturen verändert, alte Informationen weggelassen und neue Inhalte ergänzt wurden. Diesen Befund erklärte Bartlett mit der Schema-Theorie, wonach ein Schema als organisierte Masse eigener Reaktionen oder Erfahrung definiert ist. Die Erinnerung an vereinzelte Aspekte der Geschichte führt laut Bartlett dazu, dass die gesamte Erinnerung auf Basis dieser organisierten Masse relevanter Erfahrungen rekonstruiert wird.

Der Effekt von Schemata auf die Erinnerungsleistung wurde in vielen Bereichen untersucht. Brewer & Treyens (1981) erforschten beispielsweise den Effekt von Schema-Erwartung für ein Büro auf die Erinnerungsleistung. Dabei wurden Objekte, die in das Büro-Schema passten (auch schema-kongruente Objekte), in Rekognitions- und Abruftests häufiger erinnert – selbst, wenn diese Objekte überhaupt nicht im Büro waren – als Objekte, die weniger gut ins Büro-Schema passten. Jedoch wurden auch saliente Objekte besser erinnert als weniger saliente Objekte. Ähnlich wie in Bartletts Studie wurde hier die Erinnerung an das Büro anscheinend so verändert, dass es mehr mit dem Büro-Schema kongruent war. Van Kesteren, Ruiter, Fernández und Henson (2012) schlagen das SLIMM (schema-linked interactions between medial prefrontal and medial temporal regions)-Modell vor, womit die schema-bezogenen Gedächtniseffekte neuronal erklärt werden sollen. Dabei führt eine Aktivität des medialen Präfrontalcortex (mPFC) bei einer Kongruenz (oder Resonanz) zwischen neuen Informationen und den bestehenden neocortikalen Netzwerken zu einer Verstärkung der Verbindungen zwischen den neuronalen Repräsentationen – somit potenziert der mPFC das necortikale Lernen bei schema-kongruenten Informationen. Dabei wird der mediale Temporallapen (MTL) von dem mPFC inhibiert. Falls die Information schema-inkongruent ist, wird der MTL nicht inhibiert und bindet die Informationen zu einer neuen Episode zusammen. Hier ist die Erinnerungsleistung wieder erhöht, womit das Modell den Novelty-Effekt (möglicherweise auch den Salienz-Effekt) von Informationen auf die Erinnerungsleistung erklären soll. Ist die Schema-Kongruenz jedoch nur schwach, wird der mPFC schwach aktiviert. Dieser inhibiert den MTL, und dadurch, dass beide Regionen nur schwach aktiv sind, wird die Information weder schematisch noch episodisch enkodiert und die Erinnerungsleistung ist folglich gering. Damit stellt das Modell die Vorhersage auf, dass die Erinnerungsleistung in Abhängigkeit von der Schema-Kongruenz einer U-Funktion folgt, wobei besonders schema-kongruente Inhalte schematisch und schema-inkongruente Inhalte episodisch enkodiert werden.

Tropes

Wie bei der Erläuterung von Bartletts Experiment impliziert wurde, hatte der Forscher bereits bemerkt, dass Geschichten gewissen Schemata folgen und eine Geschichte, die mit diesen Schemata inkongruent sind (z.B. War of Ghosts) schlechter bzw. verzerrt erinnert werden. Auf der anderen Seite würden Geschichten, die deutlich schema-kongruent sind, nach der Schema-Theorie auch besser erinnert werden. Ein Beispiel für ein solches Schema in der Literatur ist der Monomythos (oder die Heldenreise), welcher nach Campbell (1949) in The Hero with a Thousand Faces schon in antiken Werken wie Homers Odyssee verwendet worden war und welcher der folgenden Struktur folgt:

A hero ventures forth from the world of common day into a region of supernatural wonder: fabulous forces are there encountered and a decisive victory is won: the hero comes back from this mysterious adventure with the power to bestow boons on his fellow man (S. 24).

In der Literatur wird eine derartige semantische Struktur als Tropus (engl. trope) bezeichnet, wobei der Begriff laut Merriam-Webster nicht nur auf ein sprachliches Mittel, sondern auch für häufig oder übermäßig verwendete Themen oder Klischés verwendet wird (trope. In Merriam-Webster’s online dictionary. Zugriff am 15.08.2016. Verfügbar unter http://www.merriam-webster.com/dictionary/trope). Um keine Verwirrungen zwischen diesen Definitionen zu erzeugen, wird in dieser Arbeit der Begriff Trope verwendet, um die zweite Defintion zu beschreiben. Bei Betrachtung dieser Definition fällt auf, dass sie eine Voraussetzung für die Entstehung von Schemata beschreibt: durch häufiges gemeinsames Auftreten entstehen die von Bartlett beschriebenen organisierten Massen eigener Erfahrungen. Wenn jede Konfrontation mit einem Trope in den Medien zu einer Reaktivierung der im Trope integrierten Merkmale führt, so würden sich auch die Verknüpfungen zwischen diesen Merkmalen verstärken – und damit das Schema selbst. Auf Basis dieser Beobachtung stellt die vorliegende Arbeit die Frage auf, inwieweit die sich Verwendung von Tropes in psychologischen Experimenten für die Aktivierung von Schemata eignet.

1.2. Hypothesen

Wie oben beschrieben sagt das SLIMM-Modell von Van Kesteren et al (2012) voraus, dass hoch schema-kongruente Informationen besser erinnert werden als gering schema-kongruente Informationen. In Bezug zu der eben erarbeiteten Beziehung zwischen Tropes und Schemata würde der Inhalt eines Mediums (beispielsweise einer Geschichte), welches trope-konguent ist (in dieser Studie auch Trope-Geschichte genannt), besser erinnert werden als der Inhalt einer Geschichte, die wenig trope-kongruent (in dieser Studie auch Nicht-Trope-Geschichte genannt) ist. Als trope-kongruent werden hier Inhalte bezeichnet, die im Einklang mit einer bestimmten Trope-Struktur stehen. Dies ist auch die zentrale Annahme dieser Studie. Im Beispiel des Monomythos wäre ein trope-kongruenter Inhalt das Treffen zwischen dem Protagonisten und einem alten Mentor. Ein trope-irrelevanter Inhalt wäre stattdessen (im Beispiel des Monomythos) das Treffen einer beliebigen, unwichtigen Person. Da das SLIMM-Modell auch eine Erhöhung der Geächtnisleistung bei deutlich schema-inkongruenten Informationen vorhersagt, sollte bei den trope-inkongruenten Inhalten darauf geachtet werden, dass diese keinen solchen Novelty-Effekt erzeugen, indem sie etwas völlig unerwartetes darstellen.

Eine weitere Vorhersage des SLIMM-Modells bezieht sich auf die Art der Informationen abhängig von der Schema-Aktivierung. Dabei sollen Informationen, die schema-relevant sind (beispielsweise eine Gummiente in einem Badezimmer) besser erinnert werden als Informationen, die schema-irrelevant sind (beispielsweise ein Telefon in einem Badezimmer). In einer Situation, die kein Schema aktiviert, würden sich jedoch keine Unterschiede zwischen der Erinnerung der Informationsart zeigen. Für diese Studie würde das bedeuten, dass trope-relevante Inhalte einer Trope-Geschichte (zum Beispiel das Treffen des Mentors in einer Monomythos-Geschichte) besser erinnert werden als trope-irrelevante Inhalte einer Trope-Geschichte (zum Beispiel die Farbe des Hemdes des Helden in einer Monomythos-Geschichte). Dagegen sollte sich die Erinnerungsleistung von trope-relevanten und trope-irrelevanten Inhalten nicht unterscheiden, wenn kein Trope-Schema aktiviert wird.

Zum Schluss untersucht diese Studie die Vermutung, inwieweit Medienkonsum (und damit die Häufigkeit von Konfrontationen mit Tropes) mit dem in der zentralen Hypothese angenommenen Effekt zusammenhängt. Allgemein wird angenommen, dass durch häufigere Aktivierung eines Schemas die Verknüpfungen der Schema-Inhalte verstärkt wird, wodurch das Schema in Zukunft einfacher aktiviert werden kann. Bezogen auf die Fragestellung dieser Studie würde dies bedeuten, dass Medienkonsum positiv mit der Erinnerungsleistung von Inhalten von Trope-Geschichten zusammenhängt. Da die Schema-Aktivierung durch Tropes bei Inhalten von Nicht-Trope-Geschichten möglicherweise interferieren kann, wird zusätzlich untersucht, ob Medienkonsum negativ mit der Erinnerungsleistung von Inhalten aus Nicht-Trope-Geschichten zusammenhängt.

Die Hypothesen dieser Studie lauten also wie folgt:

(1) Zentrale Hypothese: Inhalte aus Trope-Geschichten werden besser erinnert als Inhalte aus Nicht-Trope-Geschichten.
(2) Hypothese 2: trope-relevante Inhalte aus Trope-Geschichten werden besser erinnert als trope-irrelevante Inhalte aus Trope-Geschichten, während sich die Erinnerungsleistung von trope-relevanten und trope-irrelevanten Inhalten aus Nicht-Trope-Geschichten nicht unterscheidet.
(3) Hypothese 3: a) Medienkonsum korreliert positiv mit der Erinnerungsleistung von Inhalten aus Trope-Geschichten, b) Medienkonsum korreliert negativ mit der Eirnnerungsleistung von Nicht-Trope-Geschichten.

2. Methode

2.1 Versuchsmaterialien

Da Tropes in einem Medium auftreten müssen, bietet sich das Medium einer kurzen Geschichte ähnlich wie in der Studie von Bartlett an. Da dies jedoch diese hier vorliegende Studie erste Studie dieser Art ist, gibt es kein geeignetes Stimulusmaterial für das Testen der Hypothesen. Aus diesem Grund hat sich die Praktikantengrupe entschlossen, das Stimulusmaterial selbstständig zu generieren. Für die Studie wurden 21 Geschichten entwickelt, wovon die 12 am besten bewertetsten Geschichten nach einem internen Rating in der Studie verwendet wurden. Die durchschnittliche Anzahl der Wörter der 12 verwendeten Geschichten beträgt 130, mit 98 Wörtern in der kürzesten und 160 Wörtern in der längsten Geschichte. Jede Geschichte besteht aus einem Hauptteil und aus einem von zwei möglichen Enden, entweder einem trope-kongruenten (Trope-Geschichte) und einem trope-inkongruenten (Nicht-Trope-Geschichte) Ende, welche jeweils eine Länge von zwei bis drei Sätzen aufweisen. Die Geschichten orientieren sich an unterschiedliche Tropes, die der Iternetseite TvTropes (www.tvtropes.org) entnommen sind, wobei der Trope nur im trope-kongruentem Ende realisiert wird. Im trope-inkongruenten Ende sollte die Verwendung von Tropes gänzlich vermieden werden. Beide Enden sollten zudem inhaltlich mit dem Hauptteil vereinbar sein und sich in ihrer Spannung nicht bedeutsam voneinander unterscheiden, sodass lediglich die Trope-Realisierung der einzige Unterschied zwischen den Enden sein sollte. Die 12 Geschichten befinden sich im Anhang

Weiterhin wurden für jede Geschichte vier Fragen entwickelt, die mit dem Inhalt der jeweiligen Geschichte beantwortbar sind. Die ersten beiden Fragen beziehen sich auf den Hauptteil der Geschichte, die letzten zwei auf die Enden. Diese Fragen sind jedoch abhängig vom Ende unterschiedlich zu beantworten. Die Hälfte der Fragen, die zentralen Fragen, beziehen sich auf trope-relevante Inhalte der Geschichte, also Inhalte, die für die Realisierung des Tropes von Bedeutung sind. Die andere Hälfte der Fragen, die peripheren Fragen, auf trope-irrelevante Aspekte eingehen. Diese Aspekte sollten für die Realisierung des Tropes keine Rolle spielen. Da angenommen wurde, dass periphere Aspekte generell eher Details abfragen und daher schlechter erinnert werden als zentrale Aspekte, wurden für jede zentrale Frage vier Antwortalternativen, für jede periphere Frage – im Sinne einer Richtig-Falsch-Bewertung einer Aussage – zwei Antwortalternativen zur Verfügung gestellt. Bei beiden Fragetypen ist immer nur eine Antwortalternative richtig. Dadurch, dass sich die zentralen und peripheren Fragen nicht zwischen den Trope- und Nicht-Trope-Geschichten unterscheiden (stattdessen aber die richtige Antwort unter den gleichen Alternativen), konnte auch die Schwierigkeit zwischen den beiden Geschichtentypen kontrolliert werden. Die Verwendung von selbst generiertem Stimulusmaterial geht mit bestimmten Mängel einher, darunter in erster Linie die nicht empirisch geprüfte und nachgewiesene Güte der Stimuli. Darauf wird im Kritik -Abschnitt des Diskussionsteils ausführlich eingegangen.

2.2 Versuchspersonen

Die Versuchspersonen wurden von den Mitgliedern der Praktikumsgruppe persönlich rekrutiert und bis zum 17.6.2016 getestet. In Tabelle 1 sind die demographischen Daten der Versuchspersonen zusammengefasst. Von 41 teilgenommenen Versuchspersonen werden die Daten von 40 Versuchspersonen ausgewertet, da bei einer Person die Daten des Gedächtnistets fehlten. Von den 40 Teilnehmern sind 30 weiblich und 10 männlich. Das durschchnittliche Alter der Personen beträgt 21,75 mit einer Standardabweichung von 1,79. Zusätzlich wurde das durchschnittliche Konsumverhalten in Stunden pro Woche innerhalb des letzten Jahres erhoben. Alle Versuchspersonen sind muttersprachlich Deutsch.

Tabelle 1: Demographische Daten der Stichprobe. Eingeteilt in weibliche, männliche und alle Probanden:. Anzahl der Probanden, durchschnittliches Alter der Probanden, Anzahl der Probanden mit Abitur, Fachabitur oder Bachelor als höchter Bildungsabschluss, und durchschnittlicher Konsum von Stunden pro Woche innerhalb des letzten Jahres von Serien, Filmen, Bücher, Comics sowie durchschnittliche Gesammtsumme des Konsums.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Versuchsaufbau auf Versuchsablauf

Der Versuch gliedert sich in zwei Teile ein: Dem Lesen der Geschichten und dem Beantworten der Fragen.

Jede Versuchsperson erhielt zu Beginn des Versuchs eine Instruktion sowie einen Fragebogen. Der Fragebogen fragte die in Tabelle 1 dargestellten Daten ab. Eine Kopie befindet sich im Anhang. Für die Erhebung des Medienkonsums wurde gefragt, wie viel des jeweiligen Mediums die Probanden in Stunden pro Woche innerhalb des letzten Jahres konsumiert haben. Die Frage wurde so gestellt, dass sie sich auf ein gesamtes Jahr bezog, um die Auswirkungen kurzzeitiger Verringerungen des Durchschnittkonsums (welcher zum Beispiel aufgrund einer zu schreibenden Bachelorarbeit oder anderer studentischer Arbeiten entstehen könnte) zu reduzieren. Stattdessen sollte ein längerfristiger durchschnittlicher Medienkonsum erfasst werden. Daraufhin erhielt die Person alle einzeln ausgedruckten 12 Geschichten in randomisierter Reihenfolge, wobei jeweils sechs Geschichten – ebenfalls randomisiert – mit dem trope-kongruenten und sechs mit dem trope-inkongruenten Ende endeten. Jede Person erhielt sowohl Trope- wie auch Nicht-Trope-Geschichten zu lesen, um den Einfluss individueller Personenunterschiede auf die Erinnerungsleistung von Trope- und Nicht-Trope-Geschichten auszuschließen. Die Versuchsperson hatte für das Lesen jeder Geschichte jeweils 90 Sekunden Zeit, was mit einer Stoppuhr gemessen wurde. War diese Zeit verstrichen, wurde die Versuchsperson aufgefordert, umzublättern und mit dem Lesen der nächsten Geschichte fortzufahren. Dieser gesamte Ablauf dauerte in der Regel nicht länger als 20 Minuten. Nachdem die Versuchsperson alle Geschichten gelesen hatte, wurde sie darauf hingewiesen, dass in 45-51 Stunden, also in zwei Tagen, der zweite Teil des Versuchs bevorstehe. Für die Dauer bis zum Erinnerungstest wurden zwei Tage festgelegt und nicht kürzer, um die Erinnerungsfähigkeit des Langzeitgedächtnisses zu untersuchen. Außerdem wurde für die Dauer kein längerer Zeitraum gewählt, da vermutet wurde, dass die Erinnerungsleistung ansonsten zu schlecht ausfallen würde. Zudem wollte man sichergehen, dass alle Probanden auch die Testung durchführten, was wahrscheinlicher ist, je kürzer der Zeitraum zwischen den beiden Phasen ist.

Für das Beantworten der Fragen erhielten die Versuchspersonen eine Adresse zu einer Internetseite, auf welcher sie ihren Versuchspersonen-Code eingeben sollten. Daraufhin sollten die Personen 48 Fragen mit vier Fragen pro Geschichte beantworten. Die Fragen setzten sich folgendermaßen zusammen:

1. Eine zentrale Frage, die sich auf den Hauptteil bezieht
2. Eine periphere Frage, die sich auf den Hauptteil bezieht
3. Eine zentrale Frage, die sich auf das Ende bezieht
4. Eine periphere Frage, die sich auf das Ende bezieht

Wie oben erwähnt wählten die Versuchspersonen bei zentralen Fragen eine von vier Antwortalternativen aus und bei den peripheren Fragen entschieden die Versuchspersonen, ob eine Aussage wahr oder falsch war. Da die Versuchspersonen aus den vorgegeben Antwortalternativen auswählen sollten, handelt es sich bei diesem Erinnerungstest um einen Rekognitionstest. Außerdem mussten alle Probanden angeben, wie sicher sie sich bei ihren Antworten fühlten (Incertainty/Unsicherheit). Die Testung fand nicht im Labor statt. Dadurch waren die Personen erlaubt, die Testung durchzuführen, wo sie wollten, statt erneut das Labor aufzusuchen. Damit wurden jedoch störende Umweltvariablen nicht kontrolliert, die sich auf die Erinnerungsleistungen auswirken könnten.

2.4 experimentelle Variablen

Die abhängige Variable war die Gedächtnisleistung im anschließenden Test. Die unabhängige Variable des Versuchs waren die Trope-Kongruenz der Enden der Geschichten (trope-kongruent vs trope-inkongruent) beziehungsweise der Geschichten-Typ (Trope-Geschichte vs Nicht-Trope-Geschichte. Hierbei sind die Versuchspersonen jedoch nicht in eine Experimentalgruppe und eine Kontrollgruppe eingeteilt worden, sondern erhielten jeweils sechs Geschichten mit der ersten Bedingung (trope-kongruentes Ende) und sechs Geschichten mit der zweiten Bedingung (trope-inkongruentes Ende) in randomisierter Reihenfolge. Für die zweite Hypothesen wurden zusätzlich die Unterschiede hinslichtlich der peripheren und zentralen Fragen untersucht. Somit ergeben sich vier Gruppen: trope-zentral, trope-peripher, nontrope-zentral und nontrope-peripher.

2.5 Auswertung

Die Daten aller Personen mit einem Abstand vom Median, der mindestens das Dreifache des Interquartilsabstandes entspricht, werden als extreme Werte eingestuft und aus der Wertung genommen. Vor der Untersuchung der Hypothesen wird zunächst die Itemschwierigkeit der Geschichten (die durchschnittliche Beantwortung der Fragen bezüglich der Geschichten) untersucht, um auch hier mögliche Ausreißer oder extreme Werte zu erkennen und letztere auzuschließen. Außerdem wird explorativ die Unsicherheit der Probanden untersucht. Zur Analyse der Unterschiede zwischen den Gedächtnisleistungen zwischen den Geschichtentypen wird ein t-Test verwendet. Weiterhin wurde der Shapiro-Wilk-Test für das Testen auf Normalverteilung für Stichprobengrößen von <50 für die Daten der Gedächtnisleistung auf alle vier Gruppen angewendet. Der Test weist bei den Gruppen Trope-zentral (p=0.009), Trope-peripher (p=0.002) und Nontrope-zentral (p=0.003) signifikante Ergebnisse auf. Nur bei der Gruppe Nontrope-peripher (p=1.4) ist das Ergebnis nicht signifikant. Demnach erfüllt nur die Gruppe Nontrope-peripher die Normalverteilungsannahme. Betrachtet man sich die Verteilung aller Antworten, sieht man jedoch, dass die Verteilung linksschief ist. Laut Bortz (2005, S. 287): „Abweichungen von der Normalität sind zu vernachlässigen, wenn die Populationsverteilungen schief sind." Dies ist in dieser Stichprobe der Fall. Nach dieser Aussage kann trotz der verletzten Normalverteilungsannahme eine ANOVA durchgeführt werden. Zum Schluss sollen für die Prüfung der dritten Hypothese Korrelationen zwischen dem Medienkonsum und a) der generellen Erinnerungsleistung, b) der Erinnerungsleistung bei Trope-Geschichten und c) die Erinnerungsleistung bei Nicht-Trope-Geschichten berechnet und auf Signifikanz getestet werden.

3. Ergebnisse

3.1 Deskriptive Statistik

Der Median der Gesamtstichprobe beträgt 0,78 und der Interquartilsabstand 0,104. Der Minimalwert 0.58 ist der einzige Ausreißer und es sind keine extremen Werte vorhanden. Darum wurden keine Daten der 40 Versuchspersonen aus der Auswertung genommen. Die Analyse der Mittelwerte der Erinnerungsleistung generell ergab einen Gesamtmittelwert von M=0,77 (SD=0,07). Der höchste Wert beträgt 0,88 und der niedrigste Wert 0,58. Bezogen auf Inhalte der Trope-kongruenten und Trope-inkongruenten Geschichten zeigte sich, dass im Mittel Probanden die Inhalte trope-kongruenter Geschichten (M=0,81, SD=0,10) besser erinnern konnten als Inhalte trope-inkongruenter Geschichten (M=0,74, SD=010). Betrachtet man als zusätzliche Variable den Fragetyp (Zentral vs Peripher), ergeben sich vier Gruppen mit den folgenden Bedingungen: trope-kongruent und zentral (M=0,81, SD=0,11), trope-kongruent und peripher (M=0,79, SD=0,11), trope-inkongruent und zentral (M=0,77, SD=0,10) und Trope-inkongruent und peripher (M=0,71, SD=0,13). Die Daten sind nochmal in Tabelle 2 dargestellt.

Tabelle 2: Mittelwerte und Standardabweichungen der beantworteten Fragen, eingeteilt in Mittelwerte/ Standardabweichungen abhängig von Geschichtentyp (trope-kongruentes vs trope-inkongruentes Ende) und Fragentyp (periphere vs zentrale Fragen) (jeweils links), Mittelwerte/Standardabweichungen abhängig von Geschichtentyp (jeweils mittig) und Mittelwert/Standardabweichung aller Fragen (jeweils rechts) (N=40).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Itemschwierigkeit

Eine Analyse der Itemschwierigkeit ergab, dass die trope-inkongruente Version der Geschichte Sandkastenfreunde mit dem niedrigsten Wert (M=0.45) am schlechtesten und die trope-kongruente Version der Geschichte Der Kampf um die Prinzessin mit dem höchsten Wert (M=0.97) am besten erinnert wurde. Mit einem Median von 0.84 und einem Interquartilsabstand von 0.27 befinden sich keine Ausreißer unter den Geschichten.

3.2 Induktive Statistik

Incertainty

Eine Analyse der von den Veruschspersonen angegebenen Unsicherheit (Incertainty) mit der Korrektheit der Antworten ergab einen schwachen, aber signifikanten Pearson-Korrelationskoeffizienten von r = 0.15 (p = .000*). Die Versuchspersonen fühlten sich demnach sicherer bei den Antworten auf Fragen, die sie auch richtig beantwortet hatten. Weiterhin wurde untersucht, ob die angegebene Unsicherheit der Probanden sich zwischen den Geschichtentypen unterscheidet. Das Ergebnis war nicht signifikant (T(39 )= 1.0787, p = 0.2873). Demnach gab es keine Unterschiede zwischen trope-kongruenten und trope-inkongruenten Geschichten in Bezug auf die gefühlte Sicherheit der Versuchspersonen.

t-Test und ANOVA

Bei der Anwendung des t-Tests findet sich ein signifikanter Unterschied zwischen der Erinnerungsleistung bei trope-kongruenter im Vergleich zu trope-inkongruenten Geschichten (T(39) = 3.3632, p = 0.001738). Die Versuchspersonen zeigten demnach bessere Erinnerungsleistung bei trope-kongruenten als bei trope-inkongruenten Geschichten.

Die ANOVA wurde durchgeführt, um die Interaktion von Trope-Kongruenz und Fragetyp zu untersuchen. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 zusammengefasst.

Tabelle 3: Ergebnisse der ANOVA für die Effekte von Geschichtentyp (trope-kongruentes vs trope-inkongruentes Ende) und Fragentyp (periphere vs zentrale Fragen) mit F-Werten, Freiheitsgraden und Signifikanzwerten (N=40).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sowohl der Geschichtentyp (F(1,39) = 11.8933, p = .001**) wie auch der Fragentyp (F(1,39) = 11.3109, p = .002**) weisen einen signifikanten Effekt auf die Erinnerungsleistung auf, wobei Inhalte aus trope-kongruenten Geschichten besser erinnert werden als aus trope-inkongruenten Geschichten und zentrale Fragen besser beantwortet werden als periphere Fragen. Die Interaktion zwischen Geschichtentyp und Fragentyp erwies sich jeoch als nicht signifikant (F(1,39) = .4887, p = 0.489).

Einfluss des Medienkonsums

Für die Analyse des Einflusses des Medienkonsums auf die Erinnerungsleistung trope-kongruenter sowie trope-inkongruenter Geschichten wurde die Summe des wöchentlichen Konsums von Filmen, Serien, Büchern und Comics mit der Erinnerungsleistung korreliert. Die einzelnen Korrelationen sind in der folgenden Tabelle 4 dargestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Das Trope als Schema
Untertitel
Untersuchung der Erinnerungsleistung von Geschichten mit und ohne Trope-Struktur im Zusammenhang mit der Schema-Theorie
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Projektseminar Neuropsychologie
Note
1.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
47
Katalognummer
V496483
ISBN (eBook)
9783346010216
ISBN (Buch)
9783346010223
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gedächtnis, Schema, Geschichte, Trope, Rekognitionstest, Medienkonsum
Arbeit zitieren
Jakob Schwartz (Autor), 2016, Das Trope als Schema, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496483

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