Einleitung und Problemstellung
Target Costing umschreibt ein aus Japan stammendes Kostenmanagement-Konzept, das neben seiner herausragenden praktischen Bedeutung auch - vorwiegend basierend auf Veröffentlichungen japanischer Autoren - Eingang in die wissenschaftliche Diskussion in der jüngeren deutsprachigen Literatur gefunden hat.
Die Ausweitung und Internationalisierung von Märkten, der Abbau von Marktbarrieren und die zunehmende Sättigung auf den Märkten hatten während der unmittelbar zurückliegenden Jahrzehnte eine Verschärfung des internationalen Wettbewerbs zur Folge. Diese Situation führte zu der Erkenntnis, dass eine preisorientierte Kostenpolitik anstelle bislang vorherrschender kostenorientierte Preispolitik in den Vordergrund treten soll. Nicht die Kosten bestimmen den Preis, sondern der vom Markt gegebene Preis determiniert das hinnehmbare Kostenniveau.
Diese retrograde Kostenbetrachtung wird im Target Costing berücksichtigt und ist von der Grundidee her gesehen nicht neu, man denke nur an die verschiedenen Ausprägungen der Deckungsbeitragsrechnung oder an frühe Beispiele der Anwendung eines Zielkostenmanagements in deutschen Unternehmen, wie z.B. die erfolgreiche Realisierung des VW Käfer-Projektes zu einem Zielpreis von 990 Reichsmark in den 30er Jahren. Bei näherer Betrachtung werden aber deutliche Unterschiede zum durchgängigen und geschlossenen Target Costing-Prozess erkennbar, denn Target Costing ist kein Kostenrechnungssystem, es ist viel mehr ein Instrument des strategischen Kostenmanagements, das ein Unternehmen in die Lage versetzt, die von Markt geforderten Bedingungen möglichst frühzeitig zu erfüllen.
Die vorliegende Arbeit soll die Frage beantworten, wie Target Costing als strategisches Kostenmanagementsystem genutzt und dadurch auf die Veränderung der Märkte reagiert werden kann. Speziell soll dadurch veranschaulicht werden, welche Methoden es zur Festsetzung des Zielgewinnes und der Aufteilung bzw. Reduktion der Kosten in Frage kommen. Weiters soll verdeutlicht werden, dass die häufig anzutreffende Definition "retrograde Kalkulation" dieses in die Philosophie des Lean-Management eingebetteten Ansatzes einer weitaus komplexeren Charakterisierung als im herkömmlichen Rechnungswesen bedarf.
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Inhaltsverzeichnis
1. GRUNDLAGEN DES TARGET COSTING
1.1 URSPRUNG UND ENTWICKLUNG
1.2 GRUNDIDEE UND DEFINITION
1.3 MERKMALE DES TARGET COSTING
1.3.1 Markt- bzw. Kundenorientierung
1.3.2 Produktlebenszeit- und Vollkostensicht
1.3.3 Kosten- und Qualitätsmanagement der frühen Phasen
1.3.4 Gewinnsicherung
1.3.5 Kurze Feedbackzyklen und Feed-Forward-Steuerung
1.3.6 Dynamische Kostensicht
1.3.7 Motivationsfunktion und Verhaltenssteuerung
1.3.8 Integration von Kostenmanagementwerkzeugen
1.3.9 Innovationssteuerung durch interdisziplinär besetzte Teams
- Simultaneous Engineering
1.3.10 Zwischenfazit: Hauptzwecke des Target Costing
1.4 ANWENDUNGSBEREICHE UND EINSATZMÖGLICHKEITEN
1.4.1 Produktentwicklung
1.4.2 Planung des Produktionsprozesses
1.4.3 Kostensenkung bei existierenden Produkten
1.4.4 Effizienzsteigerung im indirekten Bereich
1.5 STRATEGISCHE AUSRICHTUNG
1.5.1 Bedeutung der Unternehmensstrategie für das Target Costing
1.5.2 Inkrementale Innovationsstrategie
2. DER TARGET COSTING PROZESS IM ÜBERBLICK
3. ZIELKOSTENFESTLEGUNG FÜR DAS GESAMTPRODUKT
3.1 METHODEN DER GESAMTPRODUKTBEZOGENEN ZIELKOSTENFINDUNG
3.1.1 Market into Company
3.1.2 Out of Company
3.1.3 Into and out of Company
3.1.4 Out of Competitor
3.1.5 Out of Standard Costs
3.2 AUSGANGSBASIS MARKT
3.2.1 Conjoint-Analyse zur Ermittlung der Produktmerkmalsanforderungen
3.2.2 Die "Hand-am-Markt-Forschung"
3.3 ZIELPREISFINDUNG
3.4 DER ZIELGEWINN UND SEINE FESTLEGUNG
3.5 BESTIMMUNG DER ZIELKOSTEN
3.6 UMFANG DER ZIELKOSTEN
4. ZIELKOSTENSPALTUNG:
4.1 VORGEHENSWEISE DER ZIELKOSTENSPALTUNG
4.2 ÜBERPRÜFUNG DER ERGEBNISSE DER ZIELKOSTENSPALTUNG
MIT ZIELKOSTENVERGLEICHSBASEN (BENCHMARKING)
5. FAZIT
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Target Costing als strategisches Kostenmanagementsystem, das Unternehmen dabei unterstützt, auf Marktveränderungen zu reagieren. Im Zentrum steht die Beantwortung der Frage, wie Zielgewinne festgesetzt und Kosten durch methodische Ansätze effektiv aufgeteilt bzw. reduziert werden können.
- Methoden der Zielkostenfindung bei neuen Produkten
- Strategische Ausrichtung und Innovationsmanagement
- Verfahren der Zielkostenspaltung (Komponenten- und Funktionsbereichsmethode)
- Rolle des Target Costing-Teams und interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Integration von Marktinformationen (z.B. Conjoint-Analyse) in die Kostenplanung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Market into Company
Diese Art der Zielkostenfestlegung, die in Japan unter der Bezeichnung "Genka Kikaku" bekannt ist, wird von vielen Autoren als die Reinform des Target Costing bezeichnet, weil sie sich unmittelbar am Markt orientiert. Hier steht die ausschließliche Orientierung an Kundenwünschen und an vom Markt erlaubten Kosten im Vordergrund, während technologische Überlegenheit zuerst nur sekundär eine Rolle spielt. Daraus lässt sich ableiten, dass der Einsatz dieses Zielkostenfindungskonzeptes insbesondere für Unternehmen anbietet, die in einem stark wettbewerbsintensiven Markt agieren und nur geringen Einfluss auf eine Funktions- und Qualitätsdifferenzierung (und damit letztlich auf den Preis) ausüben können. Die grundsätzliche Vorgehensweise dieses Ansatzes wurde bereits in Kapitel 2 der vorliegenden Arbeit aufgezeigt.
Eine bedeutende Rolle beim Market into Company spielt der Führungsstil. Damit die Mitarbeiter die ständig neuen Anforderungen des Marktes akzeptieren, sollte die Führung nach den Prinzipien "Management by Delegation" (MbD) und "Management by Objectives" (MbO) realisiert werden. MbD strebt kleine Unternehmenseinheiten mit geringer Komplexität sowie die Übertragung von Maßnahmen zur Transformation der Marktanforderungen auf die Mitarbeiter "vor Ort" an. MbO sieht grundsätzlich die Vereinbarung der Ziele zwischen Management und Mitarbeitern vor. Dieser Führungsstil erfährt beim Target Costing allerdings eine Modifikation, da die grundlegende Kosten- und Leistungsziele beim Market into Company ausschließlich vom Markt festgelegt werden. Dies hat den Vorteil, dass die Ziele jedem Mitarbeiter rational begründet erscheinen und nicht mehr mühsam ausgehandelt werden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. GRUNDLAGEN DES TARGET COSTING: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Target Costing, definiert dessen Kernmerkmale wie Marktorientierung und Produktlebenszyklussicht und beschreibt die Bedeutung interdisziplinärer Teams.
2. DER TARGET COSTING PROZESS IM ÜBERBLICK: Hier wird der generelle Ablauf von der Zielpreisplanung über die Ableitung der erlaubten Kosten bis hin zum Soll-Ist-Abgleich der Kostenstrukturen skizziert.
3. ZIELKOSTENFESTLEGUNG FÜR DAS GESAMTPRODUKT: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene Methoden zur Ermittlung der Zielkosten, wobei der "Market into Company"-Ansatz als Reinform hervorgehoben und durch Marktanalysetechniken wie die Conjoint-Analyse ergänzt wird.
4. ZIELKOSTENSPALTUNG:: Dieser Abschnitt beschreibt die methodische Zerlegung der Gesamtzielkosten auf Produktebene in funktions- oder komponentenbezogene Kostenvorgaben, um operative Steuerung zu ermöglichen.
5. FAZIT: Das Fazit fasst die Bedeutung des Target Costing als Instrument zur Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit zusammen und betont die Notwendigkeit einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur.
Schlüsselwörter
Target Costing, Zielkostenmanagement, Marktorientierung, Kostenplanung, Produktentwicklung, Conjoint-Analyse, Simultaneous Engineering, Zielkostenspaltung, Wettbewerbsfähigkeit, Prozesskostenrechnung, Innovationsstrategie, Produktlebenszyklus, Zielpreis, Kostenreduktion, Unternehmensstrategie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem aus Japan stammenden Konzept des Target Costing und dessen Bedeutung als strategisches Instrument zur marktorientierten Kostensteuerung in Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen des Target Costing, Methoden der Zielkostenfindung, die strategische Ausrichtung sowie die praktische Implementierung durch Zielkostenspaltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, wie Target Costing genutzt werden kann, um auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren, insbesondere durch Methoden der Zielgewinnfestsetzung und Kostenreduktion.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die auf den Beiträgen führender japanischer und deutschsprachiger Autoren basiert und diese in einem theoretischen Rahmen zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil detailliert den Target Costing-Prozess, die verschiedenen Ansätze zur Zielkostenfindung (z.B. "Market into Company") sowie die Methoden der Zielkostenspaltung mittels Funktions- oder Komponentenanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Target Costing, Marktorientierung, Zielkostenspaltung, Wettbewerbsfähigkeit und Strategische Kostenplanung.
Warum spielt die Conjoint-Analyse eine so wichtige Rolle im Target Costing?
Sie dient dazu, komplexe Kundenpräferenzen und Nutzenbeiträge einzelner Produktmerkmale objektiv zu messen, was die Grundlage für eine marktgerechte Zielkostenfestlegung bildet.
Wie unterscheidet sich die Zielkostenspaltung mittels Komponentenmethode von der Funktionsbereichsmethode?
Während die Komponentenmethode Zielkosten direkt auf Bauteile verteilt, ordnet die Funktionsbereichsmethode Kosten zuerst den vom Kunden geschätzten Produktfunktionen zu, was besonders bei innovativen Neuentwicklungen sinnvoll ist.
- Quote paper
- Romana Preindl (Author), 2002, Target Costing - Behandlung der Zielkostenfestlegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4964