Einsprachige italienische Wörterbücher und ihre Markierungen


Seminararbeit, 2016
20 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einsprachige Gebrauchswörterbücher

3. Italienische einsprachige Wörterbücher
3.1. Das GRADIT – Grande dizionario italiano dell’uso
3.2. Lo Zingarelli
3.3. Il Devoto-Oli

4. Markierungen in einsprachigen italienischen Wörterbüchern
4.1. Markierungen und ihre Anwendungen
4.2. Markierungen im GRADIT
4.3. Markierungen im Zingarelli
4.4. Markierungen im Devoto-Oli
4.5. Wörterbuchartikel im Vergleich

5. Das Diasystem von Hausmann

6. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Wörterbücher

Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einsprachigen italienischen Gebrauchswörterbüchern und geht in der Folge genauer auf ihre Markierungen ein. Wörterbücher haben eine lange Tradition und sind insbesondere in Italien durch die Sprachenvielfalt von großer Bedeutung. Liegt der Beginn der zweisprachigen italienischen Lexikographie im 14. Jahrhundert, so finden sich die Anfänge der einsprachigen Lexikographie etwas später im 15. Jahrhundert, wobei Schweickhardt den Vocabulista von Luigi Pulci als erstes einsprachiges Werk nennt, geschrieben in den Jahren 1460 bis 1466 (2013, S 674). Nach der Einigung Italiens im Jahr 1861 fühlten sich viele Linguisten berufen, der italienischen Bevölkerung eine Hilfestellung beim Erlernen ihrer Dachsprache zu bieten. Diese Dachsprache, die das Toskanische als Basis hat, wurde auch vor Italiens Einigung für lange Zeit hauptsächlich von Literaten und als Schriftsprache angewandt. Auch nach der politischen Einigung der Apenninenhalbinsel blieben die Regionalsprachen und Dialekte weit verbreitet, und erst mit dem Einzug des Fernsehens etwa hundert Jahre später konnte ein größeres Bewusstsein für die italienische Standardsprache geschaffen werden. Aktuell gibt es im italophonen Sprachgebiet mehrere bedeutende einsprachige Wörterbücher, welche im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts zusammengestellt wurden. Drei ausgewählte Werke werden in dieser Arbeit genauer vorgestellt:

- Das GRADIT – Grande dizionario italiano dell’uso.
- Lo Zingarelli. Vocabolario della Lingua italiana.
- Il Devoto/Oli. Vocabolario della lingua italiana.

Der Vollständigkeit halber sollen jedoch weitere weit verbreitete einsprachige italienische Wörterbücher, die in dieser Seminararbeit keine Berücksichtigung finden, erwähnt werden:

- Il dizionario della lingua italiana von Tullio de Mauro.
- GARZANTI italiano,
herausgegeben von Giuseppe Patota.
- Il Sabatini Coletti. Dizionario della lingua italiana.
- Treccani.

Diese Arbeit wirft zunächst einen allgemeinen Blick auf einsprachige Wörterbücher und ihre Struktur, bevor die oben genannten drei Werke – GRADIT, Zingarelli und Devoto-Oli – einer genaueren Betrachtung hinsichtlich ihrer Hauptmerkmale unterworfen werden. In der Folge widmet sich ein Kapitel den Markierungen, wobei, nach einer Begriffserklärung, auf die Markierungen in den jeweiligen Wörterbüchern eingegangen wird. Anhand von Beispielen aus den drei ausgewählten Wörterbüchern werden diese Markierungen veranschaulicht. Danach werden die jeweiligen Markierungsschemata der ausgewählten Werke mittels weiterer Wörterbucheinträge auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht. Abschließend stellt die vorliegende Arbeit das Diasystem von Hausmann vor, welches eine Möglichkeit zur Gliederung von Markierungen darstellt.

2. Einsprachige Gebrauchswörterbücher

Das Erstellen von Wörterbüchern fällt in das Arbeitsfeld der Lexikographie. Bußmann beschreibt die Tätigkeit der Lexikographie als „Vorgang, Ergebnis und Methode der Anfertigung von Wörterbüchern“ (2002, 406). Einsprachige Wörterbücher sind Definitionswörterbücher, die alle Wörter decken, mit denen ein durchschnittlicher Benutzer in Kontakt kommen könnte (Schweickhard 2013, S 676). Della Valle sieht Gebrauchswörterbücher als allgemeine Wörterbücher, welche die gegenwärtige Sprache auf synchroner Ebene festhalten, aber auch die diachrone Ebene nicht vernachlässigen und sowohl regionale Varietäten als auch literarische Ausdrücke in Betracht ziehen (2005, 57).

Einsprachige Gebrauchswörterbücher haben eine Makro- und eine Mikrostruktur. Die Makrostruktur stellt die allgemeine systematische Ordnung dar, über welche die beinhaltete Information zugänglich ist. Die in dieser Arbeit vorgestellten Werke haben jeweils eine alphabetische Ordnung. Unter Mikrostruktur versteht man jenen Teil, der die Informationen zum jeweiligen Lemma enthält: der Wörterbuchartikel. Es ist nicht unbedingt die Anzahl der Lemmata eines Werkes, die ein gutes Wörterbuch ausmacht, sondern die Angaben zum Stichwort im Wörterbucheintrag.

Della Valle zählt hier folgende Elemente auf, die in der Mikrostruktur einbezogen werden können (2005, 82):

- das Stichwort
- die phonetische Transkription
- die Silbentrennung
- Angaben zur Aussprache
- Angaben zu graphischen Varianten/Schreibweisen
- morphologische Angaben (Deklinationen von Nomen und Adjektiven, Konjugationen von Verben, Angaben bezüglich Pluralbildung etc.)
- Angabe der grammatikalischen Kategorie
- Angabe des Genus
- Etymologie (und Datierung)
- Angabe zum Gebrauch
- Definition
- Phraseologie und Beispiele zum Gebrauch
- Synonyme und Antonyme

Schöntag betont in diesem Zusammenhang, dass bei der Mikrostruktur selektiert werden muss, „denn nicht jede überhaupt existierende Information über ein Lemma kann in einem Wörterbuchartikel untergebracht werden“, und er weist auf die Auswahl gemäß diverser Daten hin, z. B. nach orthographischen, phonetischen, grammatischen, stilistischen oder etymologischen Daten (2009, 17).

3. Italienische einsprachige Wörterbücher

Im Folgenden werden drei ausgewählte einsprachige italienische Wörterbücher vorgestellt: Das GRADIT, Lo Zingarelli und Il Devoto-Oli. Das umfassendste Werk mit mehreren Bänden ist das Grande dizionario dell’uso, abgekürzt GRADIT, die Wörterbücher Lo Zingarelli und Il Devoto-Oli sind jeweils einbändige Werke. Die Ausführungen zum Zingarelli beziehen sich auf die neueste Online-Ausgabe 20171, jene zum Devoto/Oli auf die Printversion 2008.

3.1. Das GRADIT – Grande dizionario italiano dell’uso

Als “madre di tutti i dizionari” bezeichnet Marazzini (2009, S 409) das Grande dizionario italiano dell’uso, abgekürzt auch als GRADIT bekannt. Herausgeber dieses umfangreichen Werkes ist Tullio de Mauro, Jahrgang 1932 und renommierter italienischer Linguist, der unter anderem auch für das einbändige Wörterbuch Il dizionario della lingua italiana verantwortlich ist. Erstmals veröffentlicht wurde das GRADIT vom Turiner Verlag UTET im Jahr 1999 in sechs Bänden. Zwei weitere Bände folgten in den Jahren 2003 und 2007. In nunmehr acht Bänden finden sich 270.000 Lemmata auf 7.500 Seiten. 11.000 Fremdwörter, die Eingang in die italienische Sprache gefunden haben, wurden ebenfalls in dieses umfangreiche Werk aufgenommen.

Die Lemmata des GRADIT stammen aus allen Bereichen der italienischen Sprache: Bildungs- und Umgangssprache, Literatur- und Wissenschaftssprache, Standard- und Regionalsprache. Die Basis für die Stichwörter im GRADIT bilden all jene Vokabel, die in einer Reihe von lexikographischen Werken bis 1989 bereits enthalten sind. Diese sind unter anderem das Grande dizionario della lingua italiana von Salvatore Battaglia, das Vocabolario della lingua italiana von Nicola Zingarelli, das Nuovo vocabolario illustrato della lingua italiana von Giacomo Devoto und Gian Carlo Oli und das Vocabolario della Lingua Italiana-Volit von Aldo Duro (De Mauro 2005, S 42f). Der enthaltene Wortschatz ist eine synchrone Bestandsaufnahme der gelesenen und geschriebenen sowie der gesprochenen und gehörten Sprache im italophonen Sprachraum des 20. Jahrhunderts. Autor Tullio de Mauro schreibt im Vorwort seines GRADIT den ausgewählten Wortschatz betreffend:

Il Grande Dizionario Italiano dell’uso si propone di rappresentare il lessico della lingua italiana in uso nel Novecento tra gli italofoni, cioè tra quanti e quante hanno impiegato e impiegano l’italiano leggendo e scrivendo, parlando e ascoltando. Ciò non significa, come è ovvio, che daremo solo delle parole nate nel Novecento. Il convergere dei parlanti e degli scriventi verso il repertorio di parole e di regole di una medesima lingua crea una comunità che si distende non soltanto nello spazio, ma nel tempo. […] abbiamo considerato ‘italiane’ tutte le parole attestate dal 1200 in avanti in testi complessivamente italiani a condizione che abbiano avuto nel Novecento una sopravvivenza nell’uso […] . (Introduzione al GRADIT, p. XI, vol. I).

De Mauro betont hier, dass nicht nur Wörter, die im 20. Jahrhundert geboren wurden im GRADIT Berücksichtigung finden, sondern all jene, die ab dem Jahr 1200 belegt werden können und bis ins 20. Jahrhundert „überlebt“ haben. Somit wird im GRADIT auch die diachrone Ebene nicht vernachlässigt. Alle darin enthaltenen Stichwörter sind mit einer etymologischen Erklärung versehen und das Datum ihrer ersten Erwähnung ist ebenso angegeben.

3.2. Lo Zingarelli

Lo Zingarelli ist das im 20. und im beginnenden 21 Jahrhundert am weitesten verbreitete einsprachige Wörterbuch der italienischen Sprache. Autor dieses Werkes ist der Philologe und Lexikograf Nicola Zingarelli (1860 – 1935). Die erste Ausgabe erschien im Jahr 1922 als Sammelband im Verlag Bietti und Reggiani, jedoch wurden schon ab 1917 einzelne gebundene Schriften des Werkes vom gleichen Verlag publiziert (Marazzini 2009, S 410). Bis zu seinem Tod im Jahr 1935 editierte und korrigierte Zingarelli weitere drei Ausgaben seines Wörterbuches selbst. Noch vor seinem Tod übergab Zingarelli selbst sein Werk an den Verlag Zanichelli in Bologna. Bei der Übergabe der Eigentumsrechte zeigte er, wie sehr er um die weitere Pflege seines Werkes bemüht war: „ Cari signori, voi avete acquistata [sic!] una bella campagna, e avete fatto bene; ma non dimenticate che le campagne fruttano soltanto se sono bene coltivate“ (zitiert nach Marazzini 2009, S 410). Nun wird Lo Zingarelli jährlich aktualisiert. Die aktuelle, bereits erhältliche Ausgabe 2017 enthält 145.000 Stichwörter mit 380.000 Bedeutungsangaben. Das Wörterbuch enthält einen breit gefächerten Wortschatz aus der Literatur – auch der archaischen –, Alltagssprache, Fachsprache sowie Neologismen, die über Medien wie Presse, Radio oder Fernsehen Verbreitung gefunden haben (Michel 2011, S 204). Auch die etymologischen Bedeutungen und Datierungen der Stichwörter sind im Zingarelli enthalten. Zusätzlich finden sich in der neuesten Ausgabe 115 Autorendefinitionen, das sind individuelle Erläuterungen von diversen Autoren zusätzlich zu den Begriffserklärungen (Lo Zingarelli 2017, http://www.zanichelli.it/ricerca/prodotti/lo-zingarelli-zingarelli).

Abrufbar sind im Zingarelli auch alle Lemmata des ersten historischen Wörterbuchs der italienischen Sprache von Tommaseo/Bellini, dem Dizionario della Lingua Italiana sowie alle Einträge der hauseigenen Enzyklopädie Enciclopedia Zanichelli und jene der ersten Ausgabe des Vocabolario degli Accademici della Crusca aus dem Jahr 1612.

3.3. Il Devoto-Oli

Il Devoto-Oli ist ein weiteres angesehenes Werk der gegenwärtigen italienischen Lexikografie, welches auch nach dem Tod seiner Autoren weite Verbreitung findet (Marazzini 2009, S 412). Erarbeitet wurde das Wörterbuch von den Linguisten Giacomo Devoto (1897 – 1974) und Gian Carlo Oli (1934 – 1996), und es erschien erstmals im Jahr 1971. Diese erste Ausgabe wurde in den Sechziger Jahren vorbereitet, eine Zeit in der man in Italien noch sehr an die jeweiligen Regionalsprachen und Dialekte gebunden war. Die Autoren wollten mit ihrem Wörterbuch der italienischen Bevölkerung beim Erlernen der Standardsprache eine Hilfestellung bieten. Dies betonen die nunmehrigen Herausgeber des Devoto-Oli im Vorwort des Werkes. Seit dem Jahr 2000 wird das Wörterbuch von den Sprachhistorikern Luca Serianni und Maurizio Trifone editiert, und es erscheint im Verlag Le Monnier, Mailand.

Wie schon die beiden zuvor beschriebenen Wörterbücher enthält auch Il Devoto-Oli einen Wortschatz aus allen Bereichen der italienischen Sprachen. Zusätzlich sind Wörter des -- von den Herausgebern als solcher betrachteter -- Basiswortschatzes im Wörterbuch in Farbe gehalten. Hierbei handelt es sich um 10.000 Stichwörter, die orange gedruckt sind. Ebenso wird die diachrone Komponente berücksichtigt indem Angaben zur Etymologie gemacht werden, und ebenso gibt es Datumsangaben des erstmaligen Gebrauchs. Was die Angabe zur Aussprache betrifft, so gibt es nur bei Fremdwörtern zwei phonologische Transkriptionen, nämlich jeweils mit italienischer Aussprache als auch mit Originalaussprache der Gebersprache. Alle anderen Stichwörter kommen ohne diese phonologische Angabe aus. Il Devoto-Oli beinhaltet einen Wortschatz von 150.000 Lemmata und 600 Neologismen sowie 20.000 Redewendungen in einem Band. Besonderes Augenmerk wird den Präpositionen gegeben (Devoto-Oli 2008, prefazione).

4. Markierungen in einsprachigen italienischen Wörterbüchern

Zusätzliche Informationen, die über phonologische, phonetische, morphologische, syntaktische oder semantische Informationen in der Mikrostruktur hinausgehen, sind Markierungen. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit diesen Markierungen und zeigt wie diese Anwendung finden. Danach werden die jeweiligen Markierungen in den vorgestellten Wörterbüchern einer Betrachtung unterzogen.

4.1. Markierungen und ihre Anwendungen

Markierungen in Wörterbüchern werden meist als Abkürzungen realisiert. Die Abkürzungen werden Marker genannt, wobei die Terminologie im Deutschen allerdings nicht einheitlich ist. Man spricht auch von Markierungsprädikaten oder Markierungsetiketten. (Hausmann 1989, S 649). In dieser Arbeit wird die Bezeichnung “Marker” verwendet. Marker als zusätzliche Information zum betreffenden Lemma sind Teil des Markierungsschemas eines Wörterbuches, und sie werden in den jeweiligen Einleitungen und Anweisungen (z.B. in Form des Abkürzungsverzeichnisses) erklärt.

Wann wird nun ein sprachliches Phänomen markiert? Schöntag macht klar, dass sich die Bestandteile der Sprache grob in folgende Bereiche einteilen lässt: In jene der Normalität und in jene, die von der Normalität abweichen (2009, 21). Dementsprechend wird ein Stichwort dann markiert, wenn es von der Normalität abweicht, das heißt bei unmittelbarer Auffälligkeit. Unauffällige Wortschatzeinheiten werden als der Normalität entsprechend empfunden und bleiben unmarkiert.

[...]


1 Die Basis für die vorliegende Arbeit ist die Probeversion des Zingarelli 2017, welche eine Woche kostenfrei benutzt werden kann.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Einsprachige italienische Wörterbücher und ihre Markierungen
Hochschule
Universität Salzburg  (Romanistik)
Veranstaltung
Sprachwissenschaft (Italienisch)
Note
2
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V496679
ISBN (eBook)
9783346007544
ISBN (Buch)
9783346007551
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einsprachigen italienischen Gebrauchswörterbüchern und geht in der Folge genauer auf ihre Markierungen ein. Wörterbücher haben eine lange Tradition und sind insbesondere in Italien durch die Sprachenvielfalt von großer Bedeutung
Schlagworte
Italienisch, Sprachwissenschaft, Wörterbuch, Wörterbücher, Markierungen, Linguistik, Italienische Linguistik
Arbeit zitieren
Elisabeth Lyons (Autor), 2016, Einsprachige italienische Wörterbücher und ihre Markierungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496679

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