Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem

Ein Vergleich zwischen den Jahren 1996 bis 2013


Hausarbeit, 2017
8 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das deutsche Gesundheitssystem und das Konzept des Vertrauens

3. Operationalisierung

4. Ergebnisse und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Deutschland ist ein konservativer Wohlfahrtsstaat, der auf dem Versicherungsmodell (Bismarck-Modell) basiert (Krusenbaum 2017: 7). Hierbei steht v.a. im Vordergrund die Versicherungsleistungen und der Solidaritätsgedanke, aber vor allem auch die Sicherheit in existentiellen Notsituationen (Wendt 2007: 1). Aufgrund einer unerwarteten Erkrankung oder Unfällen können Menschen auf Leistungen des Gesundheitssystems angewiesen sein, die jedoch ihre persönlichen finanziellen Möglichkeiten bei Weitem übersteigen würden. Deshalb ist das Vertrauen – nämlich, dass bei so einem Fall die für eine möglichst optimale Therapie erforderlichen Leistungen im Bedarfsfall zur Verfügung gestellt werden – in die deutschen Gesundheitssysteme von zentraler Bedeutung.

Das Thema, das Vertrauen sozialen Teilsystemen entgegengebracht wird, ist nach Grünberg (2014) interessant und aktuell: Simon (2010) definiert „Gesundheit“ folgendermaßen: die

„Gesundheit ist in der subjektiven und öffentlichen Wahrnehmung ein hohes, wenn nicht sogar das höchste menschliche Gut“ (Simon 2010: 9). Daher ist sie sowohl individuell, als auch gesellschaftlich besonders relevant (Grünberg 2014: 13), da sie für die individuelle Lebensqualität von herausragender Bedeutung ist und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht (vgl. Bleicher/Lampert 2003: 347). Darüber hinaus kann die Abnahme des Vertrauens in die Gesundheitsversorgung weitreichende Folgen haben: Versicherte schließen immer häufiger eine private Krankenversicherung ab, sodass die Ungleichheit zwischen Patienten mit und denen ohne eine private Krankenversicherung zunimmt, mehrere Ärzte werden von Patienten aufgesucht, um „sicher zu gehen“, dass die „richtige“ Therapie verordnet wird und/ oder politische Entscheidungsträger werden bei Wahlen durch die BürgerInnen „abgestraft“ (vgl. Wendt 2007: 1).

Die leitende Forschungsfrage für die vorliegende Hausarbeitet lautet: wie hat sich das Vertrauen der in Deutschland lebenden BürgerInnen gegenüber der Gesundheitssysteme im Laufe der Zeit verändert?

Unter Verwendung der Eurobarometer Datensätze 44.33, 57.2, wird untersucht, wie sich das Vertrauen in Gesundheitssysteme zwischen 1996 und 2017 in Deutschland verändert hat. Die Untersuchung wird von der Hypothese angeleitet, dass verschiedene institutionelle Arrangements die Wahrnehmung und Bewertung von Gesundheitssystemen durch die Bevölkerung in Deutschland unterschiedlich strukturieren.

Die vorliegende Arbeitet gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Teile und zwar zu Beginn einem theoretischen Teil, in der die Begriffe „Vertrauen“ und „Gesundheitssystem“ definiert und der aktuelle Forschungsstand skizziert wird. In dem zweiten Teil wird die Operationalisierung der Daten vorgestellt.

Der dritte und letzte Teil der Arbeit beinhaltet schließlich die Ergebnisse sowie eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

2. Das deutsche Gesundheitssystem und das Konzept des Vertrauens

Deutschland ist europaweit das einzige Land mit einem zweigliedrigen Krankenvollversicherungssystem (Krusenbaum 2017: 5): neben der gesetzlichen ist auch die private Versicherung möglich. Seit Anfang der 1990er Jahre werden Wohlfahrtsstaaten, v.a. Gesundheitssysteme, zunehmend mit Strukturreformen konfrontiert und somit einem fortlaufenden Wandel unterworfen, die teilweise dazu führen können, dass das Vertrauen in Gesundheitssysteme sinkt (Wendt 2007: 1). Das hängt nach Wendt zum einen mit den Fortschritten zusammen, die in der Medizien erzielt werden, zum anderen verbessern sich die Kenntnisse darüber, welche Organisationsverfahren, Finanzierungsstrukturen, Honorierungsmodelle und Formen der Leistungserbringung zu einer effizienteren Gesundheitsversorgung beitragen (Wendt 2009: 10). Diese Reformen erzeugen nach Wendt (2009) für die BürgerInnen Unsicherheiten, die zum sinkenden Vertrauen gegenüber der Gesundheitssysteme führen können. Doch erst einmal zur Begriffsdefinition des Gesundheitssystems: bei Gesundheitssystemen handelt es sich um Institutionen, denen nach Wendt (2009: 13) die Aufgabe zukommt, die Gesundheit der BürgerInnen zu fördern, krankheitsbedingtes Leiden zu verringern, Krankheiten zu heilen und einen frühzeitigen Tod zu verhindern. Die aufgezählten Leistungen von Gesundheitssystemen können dabei jederzeit für jedes Individuum von existenzieller Bedeutung sein (vgl. Parsons 1951; Field 1989; Gerhardt 1989, zit. in Wendt 2009: 14).

Der folgende Abschnitt zeigt auf, wie der Begriff „Vertrauen“ von den sozialwissenschaftlichen Disziplinen aufgefasst wird. Dazu wird die wissenschaftliche Extension des Begriffs erläutert. Besondere Berücksichtigung finden hierbei die Ansätze aus der … Nach Grünberg (2014) sind die Ansätze und Theorien nicht einer Disziplin zuzuordnen, da gerade bei Ansätzen der Soziologie und Politikwissenschaft vielfache Überschneidungen zu finden sind (ebd. S.45). Doch nahezu alle WissenschaftlerInnen sind sich einig: Vertrauen spielt für jedes Individuum eine Rolle in unterschiedlicher Qualität und Intensität (Grünberg 2014: 46). Jeder Mensch besitzt ein gewisses Grund- oder Basisvertrauen, ohne das die Bewältigung alltäglicher Situationen nicht möglich wäre (Preisendörfer 1995: 269, zit. in Grünberg 2014: 46). Auch in politischen wie auch in wissenschaftlichen Debatten bzw. Diskursen gilt Vertrauen als grundlegende Bindekraft zwischen Menschen (vgl. Kleiner 2014).

Dieses Grund- oder Basisvertrauen ermöglicht den Menschen den Notwendigen „Vertrauensvorschuss“ (ebd.), der für das gesellschaftliche Zusammenleben erforderlich ist.

Im Allgemeinen wird dem Vertrauen - sowohl im alltäglichen Leben, als auch in der Wissenschaft - eine sehr hohe Bedeutung zugeschrieben (vgl. Grünberg 2014 & Kleiner 2014). Nach Niklas Luhmann, ein deutscher Soziologe und Gesellschaftstheoretiker, ist das Vertrauen ein „elementarer Tatbestand des sozialen Lebens“ (Luhmann 2000, zit. in Kleiner 2014: 25). Dabei beschränkt sich das Vertrauen nach Grünberg nicht nur auf das direkte Lebensumfeld wie Freunde und Familie, sondern bezieht sich auf alle Lebensverhältnisse. Auch Wendt (2009) vertritt die Meinung, dass das Gesundheitssystem eine Funktion als Absicherung gegen gesundheitliche Beeinträchtigungen und ihrer Folgen nicht nur für einzelne Lebensabschnitte, sondern für alle Lebensphasen von Bedeutung sind. Die Reihe von Reformen, die in den letzten Jahren im Gesundheitssystem Deutschlands stattgefunden haben, stellen nach Wendt (2009) eine Änderung der gewohnten Ordnung dar und belasten dadurch das Vertrauen in Insitutionen.

Insbesondere dadurch, dass der hohe Finanzierungsbedarf steigende Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und damit verbundenen einen Ansiteg der Lohnnebenkosten zur Folge hatte “, so Wendt, wurde die Funktionsfähigkeit wohlfahrtsstaatlicher Institutionen kritisch hinterfragt.

3. Operationalisierung

Im Folgenden wird die Operationalisierung zur Analyse von Vertrauen in Institutionen (nach Wendt) vorgestellt. Unter Verwendung der Eurobarometer Datensätze 44.33, 57.2, 72.2 und

80.2 wird untersucht, wie sich das Vertrauen in Gesundheitssysteme zwischen 1996 und 2017 in Deutschland verändert hat. Der Eurobarometer –Survey ist eine repräsentative Bevölkerungsumfrage. Für die folgende Befragung wird der gleiche Fragebogen verwendet, der nach professionellen Standards vom Englischen in die jeweilige Landessprache übersetzt wird. Der Vorteil der Eurobarometer Daten liegt darin, dass für mehrere Zeitpunkte Ergebnisse vorliegen. Diese ermöglicht einen Vergleich der Umfragen innerhalb der 17 Jahren. Die Daten für den Eurobarometer Datensatz 44.3 wurden zwischen Februar und April 1996 erhoben, die Daten für den Eurobarometer-Datensatz 57.2 zwischen April und Juli 2002, die Daten für den Eurobarometer-Datensatz 72.2 zwischen September und Oktober 2009 und schließlich die Daten für den Eurobarometer-Datensatz 80.2 wurden zwischen November-Dezember 2013.

Die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem wird über die Frage erhoben:

„Sind Sie insgesamt gesehen mit der Art und Weise, wie die Gesundheitsversorgung in ‚Ihrem Land’ funktioniert, sehr zufrieden, ziemlich zufrieden, weder zufrieden noch unzufrieden,

nicht sehr zufrieden, oder überhaupt nicht zufrieden?“ (EB 44.3/Q.123) bzw.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem
Untertitel
Ein Vergleich zwischen den Jahren 1996 bis 2013
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,3
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V496712
ISBN (eBook)
9783346013286
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vertrauen, gesundheitssystem
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496712

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