Untersuchung des niedrigen Zinsniveaus auf die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge in Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
35 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Private Altersvorsorge
2.1.1 Eingliederung in das Drei-Säulen-Modell
2.1.2 Formen der privaten Alterssicherung
2.1.3 Staatliche Förderung
2.2 Niedrigzins
2.2.4 Zinstheorie
2.2.5 Entwicklung der Niedrigzinsphase im Eurosystem

3 Untersuchung der Auswirkungen der niedrigen Zinsen auf die private Altersvorsorge
3.1 Allgemeine Folgen und Risiken für die Altersvorsorge.
3.2 Spar-, Sicht- und Termineinlagen
3.3 Lebensversicherungen
3.4 Aktien & Investmentfonds
3.5 Immobilien

4 Prognose

5 Zusammenfassung

III Literaturverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Berechnung des Nominalzinses einer festverzinslichen Kapitalanlage von 10.000 EUR über 40 Jahre

Abb. 2: Entwicklung des Leitzinses, der Inflationsrate, des Kapitalmarktzinses und der Rendite für 10-jährige Bundesanleihen

Abb. 3: Globale Entwicklung der Leitzinsen

Abb. 4: Entwicklung der Zinssätze für Spar- Sicht- und Termineinlagen

Abb. 5: Entwicklung der Garantizinsen, der laufenden Verzinsung und der Rendite von 10-jährigen deutschen Bundesanleihen seit 2000

Abb. 6: Entwicklung des DAX 30 Index seit 2000 17

Abb. 7: Beispielrechnung der Eigenkapitalrendite mit drei Szenarien

1 Einleitung

Seit der Rentenreform in 2001, welche die kontinuierliche Senkung des gesetzlichen Rentenniveaus und zeitgleich die staatliche Förderung von betrieblicher und privater Vorsorge einführt, gewinnt die private Altersvorsorge einen immer wichtigeren Stellen- wert im deutschen Alterssicherungssystem.1 Die private Vorsorge beruht auf dem Prinzip der freiwilligen Vermögensbildung2 durch Bank- und Versicherungsprodukte3, um die Versorgungslücke der gesetzlichen Versicherung durch privates Sparen auszugleichen bzw. zu schließen und somit Altersarmut zu vermeiden.

In Verbindung mit der globalen Niedrigzinsphase, die seit der Finanzkrise in 2008/2009 von den Zentralbanken umgesetzt wird4, werden Stimmen um die negativen Auswirkun- gen dieser Politik auf die private Altersvorsorge immer lauter. Die niedrigen Zinsen, die die Wirtschaft nach der Rezession wieder ankurbeln sollen, zielen auf eine Konsumstei- gerung ab indem das Sparen durch die niedrigen Renditen unattraktiv gemacht wird. Mag die Sparquote in Deutschland zwar relativ konstant geblieben sein5, so haben die niedrigen Zinsen einen umso größeren Einfluss auf die Verzinsung bzw. die Rentabilität des eingesetzten Kapitals und setzten gleichzeitig die Banken und Versicherungsunter- nehmen unter Druck.6 Unter Berücksichtigung der Inflation ist teils sogar mit einer nega- tiven Realverzinsung zu rechnen.

Vor diesem Hintergrund, stellt sich die Frage nach der Effizienz der privaten Vorsorge im Niedrigzinsumfeld. Durch Literaturrecherche und Gegenüberstellung diverser Mei- nungen soll diese Thematik genauer beleuchtet werden.

Das Ziel dieser Arbeit ist es die Auswirkungen des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes auf die diversen Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge genauer zu untersuchen und da- raus Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Vorsorge abzuleiten.

In den folgenden vier Kapiteln wird versucht die folgenden Leitfragen zu beantworten:

1. Welche Formen der privaten Altersvorsorge sind in Deutschland am meisten ver- breitet?
2. Wie beeinflusst der Niedrigzins die in Punkt 1 definierten Formen der privaten Altersvorsorge?
3. Durch welche Formen der privaten Altersvorsorge kann bei dem derzeitigen und zukünftigen Niedrigzinsumfeld eine erfolgreiche Vorsorge gewährleistet werden?

2 Theoretische Grundlagen

Dieses Kapitel beschreibt die wichtigsten Begrifflichkeiten dieser Arbeit, um eine Basis für die weitere Analyse, Prognose und Handlungsempfehlungen zu legen.

2.1 Private Altersvorsorge

In den folgenden Abschnitten wird die Bedeutung der privaten Altersvorsorge innerhalb des Drei-Säulen-Modells des deutschen Alterssicherungssystems erläutert, die Verbrei- tung der diversen Formen der privaten Vorsorge aufgezeigt und die Möglichkeit der staatlichen Förderung dieser Formen beschrieben.

2.1.1 Eingliederung in das Drei-Säulen-Modell

Altersvorsorge wird laut der Bundezentrale für politische Bildung als

„die finanzielle Absicherung für das Alter auf verschiedensten Wegen durch die gesetzliche Rentenversicherung (...), die betriebliche Altersvorsorge (...) oder die private Altersvorsorge (...)“7

definiert. Diese Definition impliziert bereits, dass es in Deutschland grundsätzlich drei verschiedene Formen der Altersvorsorge gibt: die gesetzliche Rentenversicherung, die betriebliche Altersvorsorge und die private Altersvorsorge. Diese drei Möglichkeiten for- men das bekannte Drei-Säulen-Modell der Alterssicherung in Deutschland.

Die gesetzliche Rentenversicherung stellt dabei die erste Säule der Altersvorsorge dar - sie ist eine Pflichtversicherung für alle Arbeitnehmer, die Rentenbeiträge im Umlagever- fahren einbezahlen bzw. beziehen.8 Die Deutsche Rentenversicherung definiert diese Säule als das Fundament der Altersvorsorge und als wichtigste Einnahmequelle der Deutschen im Alter.9 Die betriebliche und die private Altersvorsorge sind im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung zusätzliche, freiwillige Formen der Vorsorge, um die gesetzliche Rente zu ergänzen.10 Sie formen jeweils die zweite und dritte Säule der Altersvorsorge.11 Seit der Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus infolge der Ren- tenreform in 2001 sind die beiden zusätzlichen Säulen unverzichtbar, um die durch die Reform verursachte Versorgungslücke zu schließen.12 Mit der Reform von 2001 ging außerdem die Einführung der Riester-Förderung im Jahr 2002 einher, die gewissen Formen der betrieblichen und der privaten Vorsorge durch Steuervorteile und Zuschüsse staatlich fördert und sie dadurch zu einem festen Bestandteil der deutschen Alterssiche- rungspolitik macht.13

Die zweite Säule, die betriebliche Altersversorgung, umfasst Leistungen zur Altersvor- sorge wie z.B. Direktversicherungen oder Pensionsfonds, die Arbeitgeber mit ihren An- gestellten entweder durch freiwillige Zulagen oder, falls diese nicht angeboten werden, durch Entgeltumwandlung vereinbaren.14

Die dritte Säule der privaten Alterssicherung zielt darauf ab die Ansprüche aus der ge- setzlichen und betrieblichen Säule weiter zu ergänzen. Sie „beruht auf den Prinzipien der Freiwilligkeit und der Kapitalanlage (...).“15 Durch individuelles Sparen während der Erwerbstätigkeit wird Kapital gebildet, welches später im Alter, je nach Anlageart in un- terschiedlichen Formen, zusätzlich zur gesetzlichen und betrieblichen Rente zur Verfü- gung steht. In Veröffentlichungen der Deutschen Rentenversicherung 16 und des Bun- desministeriums für Arbeit und Soziales 17 wird primär die Riester-Rente als mögliche Form der privaten Vorsorge beschrieben, da dies die staatlich geförderte Variante dar- stellt. Im weitesten Sinne können jedoch alle Formen der Vermögensbildung, die zur Sicherung im Alter bzw. der Schließung der Versorgungslücke der gesetzlichen Rente dienen, als private Altersvorsorge angesehen werden. Auf die Details der einzelnen Vor- sorgeprodukte wird in Kapitel 2.1.2 und Kapitel 0 eingegangen.

Die private Vorsorge hat seit den Rentenreformen in den Jahren 2001 und 2005 wesent- lich an Bedeutung im deutschen Rentensystem gewonnen. Entwicklungen wie das kon- tinuierlich sinkende Sicherungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung18, und die schrittweise Einführung der nachgelagerten Rentenbesteuerung seit 200519 verdeutli- chen dies umso mehr. Eine Umfrage des Verbands der privaten Bausparkassen zeigt auf, dass die private Altersvorsorge das beliebteste Sparziel in 2017 war - rund 52 % der Deutschen sparen, um für das Alter vorzusorgen.20

2.1.2 Formen der privaten Alterssicherung

Das Ziel einer erfolgreichen, privaten Altersversorgung beruht auf dem Prinzip der Ver- mögensbildung durch die kontinuierliche Wertsteigerung des angelegten Kapitals an- hand von Zinseszinseffekten oder Kurssteigerungen, welche in der Rente entweder als Zinserträge oder durch (schrittweise) Auflösung des Kapitals ausbezahlt werden.21 Da- bei haben vor allem der Anlagezins, die Inflationsrate und die Laufzeit einen Einfluss auf die tatsächliche Wertsteigerung des Vermögens.22 Abb. 1: verdeutlicht, die Signifikanz einer langen Laufzeit und jener des Anlagezinses. Die Beispielrechnung zeigt, dass die

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Berechnung des Nominalzinses einer festverzinslichen Kapitalanlage von 10.000 EUR über 40 Jahre

(Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung)

festverzinsliche Anlage von 10.000 EUR über einen Zeitraum von 40 Jahren bei einem niedrigen Anlagezins von 1 % zu einer deutlich geringeren Rendite (+4.889 EUR) führt als bei einer Verzinsung von 2 % oder 4 %. Bei diesen beiden Szenarien hat sich das Kapital verdoppelt- bzw. beinahe verfünffacht. Nichtsdestotrotz konnte das Kapital dank der langen Laufzeit auch bei 1 % Anlage nominal beinahe um 50 % gesteigert werden. Diese Entwicklung ist hauptsächlich an das exponentielle Wachstum des Zinseszins Ef- fekts geknüpft, welcher vor allem bei langen Anlagezeiträumen im Endstadium zu einem sehr schnellen Wachstum führt (siehe Zeitpunkt 30 Jahre in Abb. 1).

Da für die private Alterssicherung jede Form der Kapitalanlage verwendet werden kann, gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Vorsorgeprodukten, die über Banken, Versiche- rungen oder ggf. Finanzdienstleister erworben werden.23 Klassische Vorsorgeprodukte sind Kapitallebens- und private Rentenversicherungen, kurz- und langfristige Geldeinlagen, Aktien bzw. Investmentfonds als auch jegliches Sachvermögen wie zum Beispiel Immobilien. In 2017 liegen knapp drei Viertel des Deutschen Geldvermögens der privaten Haushalte in Ansprüchen gegenüber Versicherungen und Pensionseinrich- tungen (37 %) und in Spar-, Sicht- und Termineinlagen (36 %). Dies verdeutlicht die zentrale Rolle der Banken und Versicherungsunternehmen in der privaten Altersvor- sorge. Nur 21 % des Geldvermögens ist in Wertpapieren wie Aktien und Investment- fonds angelegt. Auch Immobilien sind eine beliebte Form der Geldanlage, sei es als Ei- genwohnheim oder zur Erwirtschaftung von Mieteinnahmen – 72 % des Kreditvolumens zum Ende des Jahres 2017 bilden Wohnungsbaukredite.24

2.1.3 Staatliche Förderung

Im Zuge der Rentenreform im Jahr 2001 wurde die Riester-Rente bzw. die Riester-För- derung eingeführt, um die durch die Reform entstandenen Versorgungslücke zu schlie- ßen.25 Dabei handelt es sich um die Möglichkeit der staatlichen Förderung gewisser An- lagenformen der privaten Vorsorge für alle rentenversicherungspflichtigen Erwerbstäti- gen.26 Durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zertifizierte Produkte ermöglichen dem Sparer zusätzlich zu der erwirtschafteten Rendite eine Steu- ererleichterung und/oder staatliche Zulagen.27 Zu den geförderten Anlageformen zählen laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales private Rentenversicherungen, Bank- und Fondssparpläne als auch Bausparpläne.28

Seit 2018 belaufen sich die staatlichen Zulagen jährlich auf 175 EUR, wenn mindestens 4 % des Vorjahreseinkommens in Riester-geförderte Produkte angelegt werden – ande- renfalls werden die Beiträge anteilmäßig gekürzt solange eine Mindesteinlage von

60 EUR erfolgt.29 Zusätzlich können pro Jahr bis zu 2.100 EUR im Zuge der Einkom- menssteuererklärung als Altersvorsorgeaufwendungen abgesetzt werden.30 Die Erspar- nisse aus Riester-Verträgen unterliegen erst in der Auszahlungsphase einer nachgela- gerten Besteuerung31, welche in der Regel geringer ausfällt als der Steuersatz während der Erwerbstätigkeit.

Kritiker weisen darauf hin, dass die Riester-Rente nicht wie von der Regierung erhofft vollständig zur Schließung der Versorgungslücke beitragen kann.32 In den ersten Jahren nach der Einführung der Riester-Förderung ist die Anzahl der abgeschlossenen Riester Verträge stark gewachsen.33 Seit 2013 stagniert das Wachstum jedoch bei ca. 16,6 Mio. abgeschlossenen Verträgen34 wovon bereits in 2016 mehr als drei Mio. dieser Verträge ruhend gestellt wurden.35 Durch die leichte Erhöhung der staatlichen Zulage seit Anfang 2018 erhofft die Regierung künftig eine größere Annahme der Förderung.36

2.2 Niedrigzins

In diesem Kapitel wird auf die grundlegende Theorie zum Zins und die darauf aufbau- ende, globale und insbesondere europäische Niedrigzinspolitik der Zentralbanken ein- gegangen.

2.2.4 Zinstheorie

Wenn in der Wirtschaft vom Zins gesprochen wird gibt es eine Vielzahl von verschiede- nen Zinssätzen, welche sich hauptsächlich in der Fristigkeit, dem Risiko und der steuer- lichen Behandlung unterscheiden.37 In einem volkswirtschaftlichem Kontext von Angebot und der Nachfrage von Krediten wird der Zinssatz als „(...) die Kosten der Kreditauf- nahme und den Ertrag der Kreditvergabe an Finanzmärkten“38 beschrieben. Aus der Sicht des privaten Haushaltes als „Nutzenmaximierer“, kann der Zins auch als „(...) Be- lohnung für den Konsumverzicht (…)“39 angesehen werden - anstelle einer sofortigen Konsumausgabe wird das Ersparte verzinslich angelegt und ermöglicht somit einen grö- ßeren Konsum in der Zukunft.40

In Zusammenhang mit der In- bzw. Deflation ist es fundamental zwischen dem Nominal- und dem Realzinssatz zu unterschieden.41 Der Nominalzinssatz stellt den vom Kredit- nehmer zu zahlende Zinssatz wie er im Vertrag angeführt wird dar, ohne die Berücksich- tigung der Inflation und ggf. Gebühren.42 Der Realzins hingegen ist der inflationsberei- nigte Nominalzins, d.h. der Nominalzins abzüglich der aktuellen Inflationsrate.43 Vor die- sem Hintergrund ist im speziellen der Realzins von größter Bedeutung für Sparer, um die reale Rendite der Sparanlage zu errechnen.

In der Theorie reguliert der Zinssatz das Kreditangebot und die -nachfrage, indem er sich solange anpasst, bis Investition (Kreditvergabe) und Sparen (Kreditangebot) gleichwertig sind.44 Demnach, wird der Zins bei zu niedrigem Zinsniveau aufgrund der hohen Konkurrenz nach Krediten wieder steigen - die Nachfrage nach Krediten um eine Investition zu tätigen ist größer als das Angebot.45 Bei zu hohen Zinsniveau sinkt das Interesse zu investieren wegen der zu hohen Investitionskosten und es wird stattdessen gespart was wiederum zum Sinken des Zinssatzes führt – es gibt ein höheres Angebot an Kreditvergabe als Nachfrage.46

2.2.5 Entwicklung der Niedrigzinsphase im Eurosystem

Das Zinsniveau im Euroraum wird maßgeblich von der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt. Das übergeordnete Ziel der EZB ist die Gewährleistung der Geld- und Preis- stabilität im Euroraum durch die aktive Steuerung des Geldes.47 Preisstabilität ist laut der EZB gegeben, wenn der Anstieg der Inflation von Verbrauchsgütern im Vergleich zum Vorjahr von nahe 2 % erreicht wird.48 Als geldpolitische Mittel zur Regulierung dient einerseits der Zins (Preis/Kosten des Geldes) als auch die Liquidität (Geldmenge).49

Die EZB lenkt das allgemeine Zinsniveau des Nichtbankensektors, darunter private Haushalten, Unternehmen und staatliche Institutionen indirekt durch Leitzinsen, die sie den Geschäftsbanken zur Refinanzierung beim Ausleihen (Spitzenrefinanzierungsfazili- tät) bzw. Anlegen (Einlagefazilität) von Geld verrechnet.50 Es gibt unterschiedliche Leit- zinse im Eurosystem - der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungszins, der in der Regel auch als „der“ Leitzins bekannt ist.51 Die Geschäftsbanken geben diesen vorge- gebenen Leitzins der EZB über Kredite und Einlagen wiederum an den Bankkunden weiter. Im Einklang mit der Zinstheorie in Kapitel 2.2.4, will die EZB durch eine Senkung der Leitzinsen den Konsum der Haushalte und die Investitionen der Unternehmen durch günstige Kredite anregen52 und somit generell die Konjunktur ankurbeln.

Seit der Finanzkrise im Jahr 2007/8 und der Eurokrise in 2010/11 wird von der EZB u.a. eine offensive Niedrigzinspolitik umgesetzt, um der Krise entgegenzuwirken. Die Strate- gie der Niedrigzinsen wird im Zuge der Vollzuteilungspolitik verfolgt, wonach sich Ban- ken zu einem festgelegten Refinanzierungssatz bei ausreichend Sicherheiten jeden ge- wünschten Betrag ohne Begrenzung ausleihen können.53 Der Leitzins befindet sich seit 2007 in einem kontinuierlichen Abwärtstrend (siehe Abb. 2). Befand sich dieser zur Mitte des Jahres 2008 noch bei rund 4 % wurde er innerhalb eines halben Jahres auf 2 % zum Anfang von 2009 halbiert und bis Ende 2009 um einen weiteren Prozentpunkt verringert. Das Rekordtief des Leitzinses von 0 % wurde im Jahr 2016 erreicht und verharrt seitdem

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Entwicklung des Leitzinses, der Inflationsrate, des Kapitalmarktzinses und der Rendite für 10-jährige Bundesanleihen

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an boerse.de [2018], o.S.; Deutsche Bundesbank [2018c], o. S.; Eurostat [2018], o. S.; Österreichische Nationalbank [2018], o. S.)

auf dem Niveau. Die nominalen Kapitalmarktzinsen und die Rendite für 10-jährige deut- sche Staatsanleihen haben sich folglich ähnlich mitentwickelt, was bei zwischenzeitlich steigender Inflationsrate zu sehr niedrigen bis zeitweise sogar negativen Realzinsen auf dem Einlagen- und Kreditmarkt führt. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um ein Phänomen auf dem deutschen Geldmarkt, sondern vielmehr um eine globale Geldpolitik, wenn man die Entwicklung der Leitzinsen anderer Zentralbanken betrachtet (siehe Abb. 3). Sowohl in Japan, den USA und Großbritannien betreiben die Zentralbanken seit Jah- ren 2008/9 eine lockere Geldpolitik mit sinkenden Leitzinsen, um der globalen Rezession entgegenzuwirken. Während die USA seit Ende 2016 einen sanften Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik mit leicht steigenden Leitzinsen vollziehen, befindet sich der Euroraum weiterhin in einer anhaltenden Niedrigzinsphase.

Die Ursachen der anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB sind Thema diverser wirt- schaftlicher als auch politischer Diskussionen. Die EZB beschreibt den Rückgang des Leitzinses als natürliche Entwicklung infolge des generell sinkenden Wirtschaftswachs- tumstrends, des demographischen Wandels54 und des Sparüberhangs insbesondere mit dem überdurchschnittlichen Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands.55 Ökonomen hingegen kritisieren bereits seit einigen Jahren explizit das Handeln bzw. die lockere Geldpolitik der Zentralbanken als auch die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen der andauernden Niedrigzinspolitik.56 Das Bundesministerium der Finanzen kommt nach dem Vergleich dieser kontrovers diskutierten Ursachen zu dem Schluss, dass dem Niedrigzinsniveau keine eindeutige und universalgültige Erklärung zugrunde liegt.57

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Globale Entwicklung der Leitzinsen

(Quelle: Bankenverband [2018], o. S.)

[...]


1 Vgl. Bäcker/Kistler [2016b], o. S.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. Bäcker [2016], o. S.

4 Vgl. Bankenverband [2018], o. S.

5 Vgl. Bundesministerium der Finanzen [2017], S. 21.

6 Vgl. Demary/Matthes [2014], S. 9.

7 Bundeszentrale für politische Bildung [o. J.], o. S.

8 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales [2018b], S. 8.

9 Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund [2018], S. 5 ff.

10 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales [2018b], S. 9.

11 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales [2018b], S. 9ebd.

12 Vgl. Bäcker/Kistler [2016a], o. S.

13 Vgl. Bäcker/Kistler [2016a], o. S.

14 Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund [2018], S. 30.

15 Bäcker/Kistler [2016b], o. S.

16 Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund [2018], S. 20 ff.

17 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales [2018b], S. 25 ff.

18 Vgl. Bundesministeriums für Arbeit und Soziales [o. J.], o. S.

19 Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund [2018], S. 12 f.

20 Vgl. Verband der privaten Bausparkassen e.V. [2017], S. 1 f.

21 Vgl. Bäcker/Kistler [2016b], o. S.

22 Vgl. Backofen [2005], S. 31 f.

23 Vgl. Bäcker [2016], o. S.

24 Vgl. Deutsche Bundesbank [2018b], S. 109.

25 Vgl. Backofen [2005], S. 12.

26 Vgl. ebd.

27 Vgl. Backofen [2005], S 102 f.

28 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales [2018b], S. 35 ff.

29 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales [2018b], S. 27.

30 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales [2018b], S. 30.

31 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales [2018b], S. 31.

32 Vgl. Backofen [2005], S. 24.

33 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales [2018a], o. S.

34 Vgl. ebd.

35 Vgl. Wenig [2017], o. S.

36 Vgl. ebd.

37 Vgl. Mankiw [2017], S. 76.

38 Mankiw [2017], S. 81.

39 Cezanne [2005], S. 106.

40 Vgl. Cezanne [2005], S. 106.

41 Vgl. Mankiw [2017], S. 77.

42 Vgl. ebd.

43 Vgl. Mankiw [2017], S. 77.

44 Vgl. Mankiw [2017], S. 83.

45 Vgl. ebd.

46 Vgl. ebd.

47 Vgl. Wildmann [2015], S. 149.

48 Vgl. Wildmann [2015], S. 139.

49 Vgl. ebd.

50 Vgl. Wildmann [2015], S. 144 ff.

51 Vgl.Wildmann [2015], S. 158.

52 Vgl. Wildmann [2015], S. 147.

53 Vgl. Deutsche Bundesbank [o. J.], o. S.

54 Vgl. Mersch [2016], o. S.

55 Vgl. Plickert [2016], o. S.

56 Vgl. Landmann [2014], S. 611 f.

57 Vgl. Bundesministerium der Finanzen [2017], S. 17.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Untersuchung des niedrigen Zinsniveaus auf die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge in Deutschland
Hochschule
Hochschule Fresenius München
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V496744
ISBN (eBook)
9783668992924
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Niedrigzins, Niedrigzinsphase, Altersvorsorge deutschland
Arbeit zitieren
Patrizia Schmidt (Autor), 2018, Untersuchung des niedrigen Zinsniveaus auf die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496744

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