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Der sowjetische Revolutionsfilm. Die Ideologie des Bolschewismus als formalistische Montagetheorie

Titel: Der sowjetische Revolutionsfilm. Die Ideologie des Bolschewismus als formalistische Montagetheorie

Hausarbeit , 2017 , 16 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Frithjof Stückemann (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der folgenden Arbeit möchte ich die grundlegenden Theorien der wichtigsten Vertreter des russischen Formalismus vorstellen und der Frage nachgehen, inwiefern die formalistischen Montagetheorien die Ideologie des Bolschewismus unterstützten.

Was bedeutet ein Schnitt im Film? Ein Augenblinzeln? Eine Zeitreise? Eine Raumkrümmung? Oder der Schlag zweier Feuersteine, aus dem ein neuer Funken entsteht? Die Theorien der russischen Formalisten, insbesondere in Bezug auf die Filmmontage, gelten als eine der ersten, aber auch als eine der einflussreichsten Filmtheorien weltweit.

In den hauptsächlich in den 20er Jahren verfassten Texten liegen die Quellen von Meisterwerken wie Dziga Vertovs "Der Mann mit der Filmkamera", Sergej Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" oder Vsevolod Pudovkins "Mutter". Die Vielzahl an Schriften sind zur ewigen Inspirationsquelle für spätere Filmemacher und zum Diskussionsthema unter Cineasten geworden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ENTSTEHUNG DES REVOLUTIONSFILMS

3. WAHRHEIT UND VISION

4. BEWEGUNG UND KOLLISION

5. ZUSCHAUER UND EMOTION

6. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des sowjetischen Formalismus und analysiert, inwiefern die entwickelten Montagetheorien dazu beitrugen, die Ideologie des Bolschewismus filmisch zu manifestieren und die Massen politisch zu beeinflussen.

  • Historische Genese des sowjetischen Revolutionsfilms
  • Die Rolle der Montage als ideologisches Werkzeug
  • Vergleich der Konzepte von Vertov, Eisenstein und Pudovkin
  • Psychologische Wirkung von Montagetechniken auf den Zuschauer
  • Analyse der Dialektik von Bewegung und Kollision im Film

Auszug aus dem Buch

4. BEWEGUNG UND KOLLISION

Jede Revolution lebt davon, dass eine kritische Masse der Bevölkerung vom Pathos einer Ideologie angesteckt wird, um sich in Bewegung zu setzen und die Politik zu verändern. Wie erläutert, erkannte Vertov die Bewegung auch als Essenz des Kinos. Damit war er unter den russischen Formalisten nicht alleine. Sergej Eisenstein entwickelte seine Theorien der Montage aus einer umfassenden Lehre der Biomechanik heraus (vgl. LENZ 2008: 28f.).

Daher ist es nicht verwunderlich, dass für Eisenstein der menschliche Körper bei der Komposition und der Montage im Mittelpunkt steht (vgl. LENZ 2008: 23). Um einen Inhalt überzeugend im Film darzulegen, ist es wichtig, „das Innere […] vollständig in äußerer Bewegung aus[zu]drücken“ (LENZ 2008: 31). Dadurch ergibt sich laut Eisenstein ein ewiger Konflikt zwischen dem Bewegungsimpuls und der Trägheit des Körpers (vgl. LENZ 2008: 32). Um die Trägheit zu überwinden, ist es wichtig, dass die Ausdrucksgesten aus einer Gesamtbewegung herrühren, da sonst das Ergebnis grimassenhaft wird (vgl. LENZ 2008: 30). Die Bewegung steht also nie alleine da, sondern ist in einem großen Ganzen zu verstehen, in dem Impulse und wechselseitige Bewegungen sich einander bedingen.

Daraus folgt, dass innere Absichten sich nicht einfach formen, sondern sich aus den Abhängigkeiten der Trägheitsverhältnisse ergeben, die biomechanisch bedingt sind. Für die Montage bedeutet dies, dass die zeitliche Anordnung von Einstellungen nicht willkürlich ist, sondern dem Rhythmus der Körperorganik folgt. Die Zeit wird von der Montage also nicht mehr metrisch-rhythmisch organisiert, sondern nach dem Bewegungsfluss und hat damit keine Dauer mehr (vgl. LENZ 2008: 32-35). Ein besonderes Augenmerk legt Eisenstein in der Praxis auf den Schwebezustand, den sogenannten „raccourci“, bei dem die Bremsenergie aus der vorherigen Bewegung entnommen wird und sich dann sprungartig in eine neue Bewegung entlädt (vgl. LENZ 2008: 33).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der russischen Formalisten und Fragestellung zur Unterstützung der bolschewistischen Ideologie durch Montagetheorien.

2. ENTSTEHUNG DES REVOLUTIONSFILMS: Darstellung der staatlichen Verstaatlichung der Filmindustrie nach der Revolution und des Potenzials des Films als Propagandainstrument.

3. WAHRHEIT UND VISION: Analyse der Abgrenzung des Formalismus zum Expressionismus und der Entwicklung filmtheoretischer Grundlagen durch Filmemacher wie Vertov.

4. BEWEGUNG UND KOLLISION: Untersuchung von Eisensteins Montagetheorien, insbesondere der dialektischen Montage und der Bedeutung biomechanischer Prozesse im Film.

5. ZUSCHAUER UND EMOTION: Erörterung der psychologischen Wirkung von Filmen auf das Publikum und der Einsatz technischer Mittel zur emotionalen Mobilisierung der Massen.

6. FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Rolle der Montagetheorien bei der Konstruktion filmischer Wahrheit und ideologischer Beeinflussung.

Schlüsselwörter

Sowjetischer Revolutionsfilm, Montage, Formalismus, Ideologie, Bolschewismus, Sergej Eisenstein, Dziga Vertov, Vsevolod Pudovkin, Filmtheorie, Attraktionsmontage, Dialektik, Propagandafilm, Biomechanik, Zeitdehnung, Kinoglaz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der formalistischen Montagetheorien im frühen sowjetischen Revolutionsfilm und untersucht deren Beitrag zur ideologischen Festigung des Bolschewismus.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Entwicklung des sowjetischen Kinos, die theoretischen Ansätze der wichtigsten Regisseure wie Eisenstein und Vertov sowie die methodische Manipulation des Zuschauers durch Schnitttechniken.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu ergründen, inwiefern die formalistische Montagetheorie nicht nur als künstlerisches Mittel diente, sondern aktiv zur Unterstützung der bolschewistischen Ideologie eingesetzt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche Analyse, die Fachliteratur sowie Primärtexte der Regisseure auswertet und diese auf konkrete Filmbeispiele anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Revolutionsfilms, die theoretischen Konzepte von "Wahrheit", "Bewegung" und "Kollision" sowie die psychologischen Auswirkungen auf das Publikum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Montagetheorie, dialektischer Film, sowjetischer Formalismus, Ideologie, Propagandamaschine und filmische Wahrheitskonstruktion charakterisieren.

Was versteht man unter dem "Kulešov-Effekt"?

Dies ist ein Experiment der Kulešov-Werkstatt, bei dem die Montage derselben Einstellung eines Schauspielers mit unterschiedlichen Objekten beim Zuschauer verschiedene Emotionen auslöst.

Wie unterscheidet sich Eisensteins Montage von der Griffiths?

Während Griffith die Parallelmontage zur unterhaltsamen Beschleunigung einsetzte, nutzte Eisenstein sie zur dialektischen Konfrontation und zum Aufzeigen von Spannungsfeldern.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der sowjetische Revolutionsfilm. Die Ideologie des Bolschewismus als formalistische Montagetheorie
Hochschule
Design Akademie Berlin
Note
1,3
Autor
Frithjof Stückemann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V496749
ISBN (eBook)
9783346006899
ISBN (Buch)
9783346006905
Sprache
Deutsch
Schlagworte
film revolution russland sowjetunion 1918 dziga vertov eisenstein pudovkin udssr bolschewismus kuleshov montage schnitt filmgeschichte filmtheorie filmwissenschaften politik osten
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Frithjof Stückemann (Autor:in), 2017, Der sowjetische Revolutionsfilm. Die Ideologie des Bolschewismus als formalistische Montagetheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496749
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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