In dieser Arbeit wird zu untersuchen sein, inwieweit sich die Gleichstellung der Geschlechter in der Periode um und während des Ersten Weltkrieges auf dem Gebiet des Deutschen Reiches verändert hat. Gleichzeitig wird geprüft, wie die bürgerliche
Frauenbewegung in Gestalt des Dachverbandes "Bund Deutscher Frauenvereine" die Emanzipationsdefizite wahrnahm und welche Lösungsstrategien der Dachverband entwickelte.
Ferner werden auch die Meinungen einiger Antifeministen, insbesondere des "Deutschen Bundes zur Bekämpfung der Frauenemanzipation", präsentiert. Die zeitliche Einordnung der Arbeit orientiert sich an der Existenz des BDF, welcher 1894 gegründet wurde, und im Mai 1933, kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, sich selbst auflöste.
Die Forschungsfrage dieser Abschlussarbeit lautet folglich: Inwieweit wandelte sich die geschlechtliche Gleichstellung in der Zeit um und während des Ersten Weltkrieges in Deutschland und von welcher Bedeutung war hierbei der Bund Deutscher Frauenvereine?
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ZEITRAUM 1894 – 1914: DAS DEUTSCHE KAISERREICH
2.1. GESCHLECHTERROLLEN IM DEUTSCHEN KAISERREICH
2.1.1. Definition – Geschlechterrollen
2.1.2. Die Rolle der deutschen Frau im 19. Jahrhundert
2.2. DIE BÜRGERLICHE FRAUENBEWEGUNG
2.2.1. Definition – Frauenbewegung
2.2.2. Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung
2.2.3. Die Entstehung der bürgerlichen Frauenbewegung
2.3. DER „BUND DEUTSCHER FRAUENVEREINE“
2.3.1. Gründung – Entfaltung – Aufbau
2.4. MAßNAHMEN DES BDF ZUR GESCHLECHTLICHEN GLEICHSTELLUNG
2.4.1. Die weibliche Rechtsstellung im Bürgerlichen Gesetzbuch
2.4.1.1. Entstehung des BGB – Die gesetzliche Stellung der Frau
2.4.1.2. Standpunkt und Handlungen des BDF
2.4.2. Politischer Gleichstellungsversuch
2.4.2.1. Das Reichsvereinsgesetz
2.4.2.2. Die Frauenstimmrechtsforderung
2.4.3. Bildung und Soziales
2.4.3.1. Die Neuordnung des Mädchenschulwesens und des Immatrikulationsrechts
2.4.3.2. § 218 RStGB – Der Abtreibungsparagraf
2.5. ANTIFEMINISMUS – „DER DEUTSCHE BUND ZUR BEKÄMPFUNG DER FRAUENEMANZIPATION“
2.5.1. Antifeminismus im 19. Jahrhundert
2.5.2. Der „Deutsche Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“
2.5.2.1. Entstehung
2.5.2.2. Mitglieder – Sozialprofil und geografische Herkunft
2.5.2.3. Programm
3. ZEITRAUM 1914 – 1918: DER ERSTE WELTKRIEG
3.1. ÜBERBLICK – DER ERSTE WELTKRIEG
3.2. KRIEGSAUSWIRKUNGEN AUF DIE DEUTSCHE ZIVILBEVÖLKERUNG
3.3. KAMPF DES BDF AN DER HEIMATFRONT
3.3.1. Kriegsüberzeugung und Opferbereitschaft des BDF
3.3.2. Engagement an der Heimatfront– „Der Nationale Frauendienst“
3.4. MAßNAHMEN DES BDF ZUR GESCHLECHTLICHEN GLEICHSTELLUNG
3.4.1. Politischer Gleichstellungsversuch – Das Frauenwahlrecht
3.4.2. Die staatliche Bevölkerungspolitik
3.4.3. Berufliche Gleichstellung – Die Frauenerwerbsarbeit
3.4.3.1. Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit vor dem Ersten Weltkrieg
3.4.3.2. Die Frauenerwerbsarbeit während des Ersten Weltkrieges
3.5. ANTIFEMINISMUS WÄHREND DES ERSTEN WELTKRIEGES
4. ZEITRAUM AB 1918: DIE WEIMARER REPUBLIK
4.1. BEGINN DER WEIMARER REPUBLIK
4.2. DER „BUND DEUTSCHER FRAUENVEREINE“ IN DER WEIMARER REPUBLIK
4.3. MAßNAHMEN DES BDF ZUR GESCHLECHTLICHEN GLEICHSTELLUNG
4.3.1. Politische Gleichstellung – Das Frauenwahlrecht
4.3.1.1. Die Einführung des Frauenwahlrechts
4.3.1.2. Der weibliche Gang zur Wahlurne und die Folgen für den BDF
4.3.2. Rechtlicher Gleichstellungsversuch – „Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“ (Art. 109/II WRV)
4.3.3. Soziale Verbesserungsversuche
4.3.3.1. § 218 StGB – Der Abtreibungsparagraf
4.3.3.2. Reformversuch des Familien- und Eherechts
4.3.4. Arbeitspolitische Herausforderungen
4.3.4.1. „Weibliche Demobilmachung“ – Der Schutz weiblicher Erwerbstätiger
4.3.4.2. Das „Beamtinnen-Zölibat“
4.3.4.3. Maßnahmen gegen die weibliche Arbeitslosigkeit
4.4. ANTIFEMINISMUS IN DER WEIMARER REPUBLIK
4.4.1. Der Deutsche Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation
4.4.2. Weitere antifeministische Entwicklungen
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der geschlechtlichen Gleichstellung im Deutschen Reich und der frühen Weimarer Republik. Dabei wird analysiert, inwieweit der "Bund Deutscher Frauenvereine" (BDF) Emanzipationsdefizite wahrnahm, welche Lösungsstrategien er entwickelte und wie antifeministische Strömungen, insbesondere der "Deutsche Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation", die Arbeit des BDF beeinflussten.
- Historische Entwicklung der bürgerlichen Frauenbewegung von 1894 bis 1933.
- Die Rolle des BDF als Dachverband und dessen politische sowie soziale Maßnahmen.
- Einfluss von Rechtsprechung (z.B. BGB, Art. 109/II WRV) und gesellschaftlichen Rollenbildern.
- Kriegsauswirkungen (Erster Weltkrieg) auf die Frauenrolle und die Arbeit des BDF an der Heimatfront.
- Antifeministische Gegenbewegungen und deren ideologische Bekämpfungsstrategien.
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Definition – Geschlechterrollen
Im Allgemeinen stellen Rollen Richtlinien für das Verhalten in einer Gesellschaft dar. Alter und Geschlecht sind hierbei Rollenkategorien, bei denen in den meisten Gesellschaften identische Auffassungen bestehen. Der Begriff der Geschlechterrollen entstand in den 1930ern und war eine von Sozialwissenschaftlern entworfene Definition, um das männliche und weibliche Verhalten ganz allgemein erklären zu können. Unter Geschlechterrolle versteht man grundsätzlich ein Sammelsurium an Erwartungen, das auf dem biologischen Geschlecht beruht und Ausdruck in der Kultur findet. Traditionell wird dabei der Frau die Familienarbeitsrolle und den Männern die Erwerbsarbeitsrolle zugeschrieben. Diese Rollenaufteilung leitet sich aus den „typischen“ Stereotypen her, durch welche Frauen und Männer gerne charakterlich unterschieden werden. Feminine Stereotypen werden hierbei als eher kommunal (fürsorglich, warmherzig, liebevoll) beschrieben. Maskuline Eigenschaft werden dagegen als agentisch (durchsetzungsfähig, führungsstark, entscheidungsfreudig) dargestellt. Studien zeigen, dass diese Geschlechterstereotype sehr änderungsresistent sind, obwohl sich das Selbstbild von Frauen und Männern im Laufe des letzten Jahrhunderts stark angenähert hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Konzept der idealen deutschen Frau im Kaiserreich und die Anfänge der bürgerlichen Frauenbewegung als Gegenbewegung.
2. ZEITRAUM 1894 – 1914: DAS DEUTSCHE KAISERREICH: Analyse der gesellschaftlichen Geschlechterrollen und der Gründung des BDF sowie der rechtlichen Benachteiligung von Frauen im Bürgerlichen Gesetzbuch.
3. ZEITRAUM 1914 – 1918: DER ERSTE WELTKRIEG: Betrachtung der Auswirkungen des Krieges auf die Heimatfront, die Unterstützung durch den BDF im "Nationalen Frauendienst" und die politische Stagnation der Frauenbewegung.
4. ZEITRAUM AB 1918: DIE WEIMARER REPUBLIK: Untersuchung der neuen politischen Rahmenbedingungen, der Einführung des Frauenwahlrechts und der andauernden antifeministischen Tendenzen.
5. FAZIT: Resümee über den gesellschaftlichen Wandel der weiblichen Lebensverhältnisse von 1894 bis 1933 und die begrenzte Wirksamkeit emanzipatorischer Bestrebungen.
Schlüsselwörter
Frauenbewegung, Bund Deutscher Frauenvereine, BDF, Antifeminismus, Erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Frauenwahlrecht, Bürgerliches Gesetzbuch, BGB, Geschlechterrollen, Emanzipation, § 218, Frauenarbeit, soziale Reformen, Heimatfront.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit analysiert den Kampf für die geschlechtliche Gleichstellung in Deutschland im Zeitraum von 1894 bis 1933 mit besonderem Fokus auf die Rolle des Bundes Deutscher Frauenvereine.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Bereiche Politik, Recht, Arbeit sowie Bildung und Soziales im Kontext der bürgerlichen Frauenbewegung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie sich die Gleichstellung der Geschlechter in den drei Zeiträumen (Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Weimarer Republik) wandelte und welchen Einfluss der BDF darauf ausübte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Untersuchung, die auf der Analyse von Primärquellen (Periodika des BDF, Gesetze, Denkschriften) und einer fundierten Aufarbeitung bestehender Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil ist chronologisch in drei Phasen unterteilt, wobei in jeder Phase die politischen, rechtlichen und sozialen Maßnahmen des BDF sowie der Widerstand durch antifeministische Organisationen untersucht werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Frauenbewegung, Bund Deutscher Frauenvereine, Antifeminismus, Frauenwahlrecht und geschlechtliche Gleichstellung.
Wie positionierte sich der BDF während des Ersten Weltkrieges?
Der BDF ordnete emanzipatorische Forderungen dem nationalen Kriegsziel unter und organisierte sich maßgeblich im "Nationalen Frauendienst" zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen an der Heimatfront.
Wie reagierte der BDF auf das Frauenwahlrecht in der Weimarer Republik?
Nachdem das Frauenwahlrecht 1918 erreicht war, konzentrierte sich der BDF auf die Mobilisierung der Wählerinnen, wenngleich er innerorganisatorisch zunehmend einen Rechtsruck erlebte.
- Arbeit zitieren
- Georg Rosenkranz (Autor:in), 2019, Der bürgerlich-weibliche Kampf zur Geschlechtergleichstellung um den Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496819