In der vorliegenden Arbeit soll die Dichtkunst Paul Flemings unter dem Gesichtspunkt des Petrarkismus genauer untersucht werden und sich dabei mit den damit zusammenhängenden Schwierigkeiten auseinandersetzen. Die Fragestellung, ob Fleming sich bei seiner Liebeslyrik an Petrarcas Dichtkunst selbst oder ausschließlich an dessen europäischen Nachahmern der späteren Jahrhunderte orientierte, soll hierbei anhand von wissenschaftlichen Belegen bearbeitet werden.
Die Arbeit gliedert sich folgendermaßen: Um Flemings lyrisches Arbeiten geschichtlich und literarisch einordnen zu können, wird vorab sein poetisches Dasein gerafft dargestellt. Darauf folgt eine knappe Einführung in die Thematik des Petrarkismus und damit ein Überblick über das italienische Vorbild Francesco Petrarca. Nachdem in einem weiteren Kapitel die Verbreitung des Petrarkismus in Deutschland skizziert wird, soll im darauffolgenden Punkt auf den Petrarkismus bei Paul Fleming eingegangen werden, wobei bereits das Konfliktpotential aufgegriffen wird, welches damit aufkommt. Hierbei stützt die Arbeit sich hauptsächlich auf die petrarkistische Untersuchung von Flemings Lyrik, welche von Hans Pyritz angefertigt wurde. Um ein konkretes Beispiel anführen zu können, wird daraufhin eines der Liebesgedichte Flemings hinsichtlich der petrarkistischen Motivik und Problematik analysiert. In einem letzten Punkt wird die Fragestellung nochmals aufgegriffen und versucht, diese mithilfe der erarbeiteten Aspekte zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Paul Fleming (*1609 - †1640)
3. Francesco Petrarca und die Entstehung des Petrarkismus
3.1. Verbreitung in Deutschland
3.2. Paul Flemings Petrarkismus
3.2.1. Antipetrarkismus
4. Analyse petrarkistischer Motivik im Gedicht An Kordolien
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lyrik von Paul Fleming unter dem Aspekt des Petrarkismus, um zu klären, inwiefern Fleming direkt von Francesco Petrarca beeinflusst wurde oder ob er sich primär an zeitgenössischen europäischen Nachahmern orientierte.
- Biografische und literarische Einordnung von Paul Fleming
- Entstehung des Petrarkismus und seine Verbreitung im deutschen Barock
- Analyse der petrarkistischen Motivik und des Antipetrarkismus
- Interpretation des Sonetts "An Kordolien" hinsichtlich petrarkistischer Elemente
Auszug aus dem Buch
Analyse petrarkistischer Motivik im Gedicht An Kordolien
Um die bereits angeführten Aspekte nochmals aufzeigen zu können, folgt nun die Betrachtung des Flemingschen Sonetts IV 53 An Kordolien, welches im Hinblick auf den petrarkistischen Gehalt in Form und Motivik analysiert und interpretiert wird.
In diesem Liebesgedicht spricht das lyrische Ich seine Geliebte Kordolie an und beschreibt seine Gefühle, welche aufgrund seiner Liebe zu ihr durch Leid und Angst geprägt sind. Formal weist das Gedicht die typische Sonettform mit 14 Zeilen, aufgeteilt in zwei Quartette und zwei Terzette, auf. Wie im vorherigen Kapitel bereits erwähnt, wurde diese Gedichtform von Petrarca bis in die Epoche des Barocks verwendet, da die beschriebene Thematik durch die Form des Sonetts ihre gewollte Struktur erlangen konnte. Als Reimschema liegt hier der umarmende Reim vor. In den Quartetten reimen sich also jeweils der erste und der letzte Vers sowie die zweiten und dritten Verse, während sich in den Terzetten die ersten Verse der zwei Strophen und schließlich die zweiten und dritten Verse reimen. Fleming orientiert sich beim Reimschema wohl nicht an Petrarca, wie Pyritz in seiner Untersuchung aufgreift.
Betrachtet man Flemings Werk auf sprachlicher und inhaltlicher Ebene, so lässt sich eine Vielfalt an rhetorischen Mitteln herausgreifen, durch die die Gefühle des lyrischen Ichs zum Ausdruck kommen. In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich seine psychische Verfassung, welche von Leid, Schmerz und „Herzensangst“ (V. 2) geplagt ist. Von Anfang an wird dem Leser bewusst, dass seine Geliebte Kordolie an diesem Seelenleid Schuld trägt, da diese mithilfe einer Apostrophe direkt angesprochen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Flemingschen Lyrik ein und stellt die Forschungsfrage nach der direkten oder vermittelten Rezeption Petrarcas.
2. Paul Fleming (*1609 - †1640): Dieses Kapitel gibt einen biografischen Abriss und beleuchtet Flemings literarische Prägung durch den Humanismus und Martin Opitz.
3. Francesco Petrarca und die Entstehung des Petrarkismus: Hier werden die Ursprünge der petrarkistischen Strömung, ihre Elemente und die humanistische Weltsicht des italienischen Dichters dargelegt.
3.1. Verbreitung in Deutschland: Dieses Kapitel skizziert die Rezeption petrarkistischer Formen und Motive in der deutschen Barocklyrik, insbesondere durch Vermittler wie Opitz.
3.2. Paul Flemings Petrarkismus: Dieser Abschnitt untersucht das spezifische Verhältnis Flemings zur petrarkistischen Tradition und die wissenschaftliche Debatte um seine Abhängigkeit von Vorbildern.
3.2.1. Antipetrarkismus: Hier wird Flemings Abkehr von klassischen Motiven hin zu satirischen Formen und der Umkehrung des petrarkistischen Stils beschrieben.
4. Analyse petrarkistischer Motivik im Gedicht An Kordolien: Anhand einer detaillierten Interpretation des Sonetts wird das Zusammenspiel von rhetorischen Mitteln, Motivik und dem Seelenleid des lyrischen Ichs aufgezeigt.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Flemings Lyrik trotz eigener Akzente stark in der petrarkistischen Tradition verwurzelt bleibt.
Schlüsselwörter
Paul Fleming, Petrarkismus, Francesco Petrarca, Barocklyrik, Martin Opitz, Sonett, Liebeslyrik, Antipetrarkismus, Motivik, An Kordolien, Humanismus, Literaturgeschichte, Seelenleid, Rhetorik, Hans Pyritz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Liebeslyrik von Paul Fleming als Nachahmung des italienischen Dichters Francesco Petrarca betrachtet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung des Petrarkismus, die Rolle von Paul Fleming im Barock und die stilistische Analyse seiner Liebesgedichte.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob Fleming sich bei seiner Liebeslyrik direkt an Petrarca oder primär an dessen europäischen Nachfolgern wie Martin Opitz orientierte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den historischen Kontext als auch die formale und inhaltliche Untersuchung eines repräsentativen Gedichts umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Verbreitung des Petrarkismus in Deutschland, der speziellen Ausprägung bei Fleming und einer detaillierten Interpretation des Gedichts "An Kordolien".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Petrarkismus, Paul Fleming, Barock, Sonett, Liebeslyrik und Motivik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der Antipetrarkismus vom klassischen Petrarkismus?
Der Antipetrarkismus kehrt petrarkistische Motive in eine parodistische oder satirische Form um, indem er beispielsweise Naturmetaphern durch profane Schönheitsaccessoires ersetzt.
Welche Rolle spielt das Gedicht "An Kordolien" für die Argumentation?
Es dient als konkretes Beispiel, um das Spannungsfeld zwischen traditionellen petrarkistischen Elementen wie dem "süßen Haß" und Flemings eigener Loslösung vom klassischen Seelenheil aufzuzeigen.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2019, Der Petrarkismus in der Dichtkunst Paul Flemings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496861